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StartseiteMMAUFC NewsVon der Matte in den Käfig: Olympioniken im MMA-Sport

Von der Matte in den Käfig: Olympioniken im MMA-Sport

Cejudo, Rousey, Romero, McMann uvm. haben erfolgreich gewechselt.

von Jan Großöhmigen 27.07.2014

Eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen ist das ultimative Ziel eines jeden Sportlers. Der Gewinn einer Weltmeisterschaft bringt Ruhm, aber der Gewinn bei Olympia garantiert Unsterblichkeit.

Der MMA-Sport ist nicht olympisch und wird es vermutlich auch nie sein. Aber auf der Suche nach neuen Herausforderungen und vielleicht auch dem einen oder anderen Dollar wandten sich in den letzten zwei Jahrzehnten viele erfolgreiche Olympioniken den gemischten Kampfkünsten zu.

Die einen knöpften an ihre Erfolge in ihrer Paradedisziplin an, die anderen blieben dem olympischen Geiste treu: Dabei sein ist alles – auch wenn im MMA-Sport das „dabei sein" sehr schmerzhaft werden kann. Dies erfuhren insbesondere diejenigen, die sich zutrauten, auch ohne MMA-spezifisches Training anzutreten.

Wir stellen euch die Olympioniken vor, die sich bislang von der Matte in den Käfig (oder Ring) gewagt haben.

Ringen

Goldmedaillengewinner

Henry Cejudo
Jahr: 2008
Platzierung: Gold
Land: USA
MMA-Bilanz: 8-0

Henry Cejudo wurde bei den Olympischen Spielen 2008 mit 21 Jahren der jüngste amerikanische Goldmedaillengewinner im Ringen. Als er die Qualifikation für 2012 verpasste, entschloss sich der Hobbyboxer, zum MMA-Sport zu wechseln. Von seinen ersten sechs Profikämpfen gewann Cejudo vier in der ersten Runde durch Ground and Pound. 2014 wechselte er in die UFC, wo er bislang zwei Kämpfe nach Punkten gewann.

Karam Gaber
Jahr: 2004, 2012
Platzierung: Gold, Silber
Land: Ägypten
MMA-Bilanz: 0-1

Karam Gaber gewann 2004 Gold und 2012 Silber im griechisch-römischen Stil. Seine ringerischen Fähigkeiten konnte er allerdings nicht im Ring anwenden, denn der japanische Eisenschädel Kazuyuki Fujita schlug ihn 2004 bei seinem einzigen MMA-Kampf in 67 Sekunden K.o.

István Majoros
Jahr: 2000, 2004
Platzierung: 18, Gold
Land: Ungarn
MMA-Bilanz: 0-1

Die japanische Organisation K-1 verpflichtete István Majoros als Aufbaugegner für ihren Star Norifumi „Kid" Yamamoto. Wie zu erwarten, war in der ersten Runde bereits Schluss für Majoros, welcher diesen Kampf ohne jegliches MMA-Training annahm und wahrscheinlich nur für den Zahltag erschienen ist.

Rulon Gardner
Jahr: 2000, 2004
Platzierung: Gold, Bronze
Land: USA
MMA-Bilanz: 1-0

Rulon Gardner gilt als einer der besten griechisch-römisch Ringer aller Zeiten. Er besiegte unter anderem den legendären Alexander Karelin. Im Dezember 2004 erkämpfte er sich in Japan bei PRIDE einen einstimmigen Punktsieg über den Judo-Goldmedaillengewinner von 1992, Hidehiko Yoshida. Gardner besaß das Potential für eine erfolgreiche MMA-Karriere, war aber kein großer Fan davon, ins Gesicht geschlagen zu werden.

Kevin Jackson
Jahr: 1992
Platzierung: Gold
Land: USA
MMA-Bilanz: 4-2

Kevin Jackson errang neben der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen noch zwei Goldmedaillen bei den Weltmeisterschaften. Damit ist er – zumindest auf dem Papier – der erfolgreichste Ringer, der je in den Käfig gestiegen ist. Im Juli 1997 gewann er das Mittelgewichtsturnier bei UFC 14. Ein halbes Jahr später unterlag er dem damals unbesiegten Champion Frank Shamrock in 16 Sekunden in einem Titelkampf. Nach zwei weiteren Kämpfen beendete Jackson seine Karriere. Seitdem trainiert er junge Ringer, zuletzt als Cheftrainer der Iowa State University, welche einige der besten Ringer Nordamerikas hervorgebracht hat.

Kenny Monday
Jahr: 1988, 1992, 1996
Platzierung: Gold, Silber, 6
Land: USA
MMA-Bilanz: 1-0

Er hat es ausprobiert und entschieden, dass es nichts für ihn ist. Der Freistilringer Kenny Monday besiegte den Jiu-Jitsu-Spezialisten John Lewis im März 1997 durch technischen Knock-out. Es sollte sein einziger Auftritt im MMA-Sport bleiben, denn begeistert war er vom „echten" Kämpfen nicht.

Mark Schultz
Jahr: 1984
Platzierung: Gold
Land: USA
MMA-Bilanz: 1-0

Mark Schultz ersetzte im Mai 1996 kurzfristig den verletzten Dave Beneteau bei UFC 9. Nach zwölf Minuten Kampfzeit besiegte er den Kanadier Gary Goodridge durch technischen Knock-out.

Silbermedaillengewinner

Sara McMann
Jahr: 2004
Platzierung: Silber
Land: USA
MMA-Bilanz: 8-2

Sara McMann ist die erste Amerikanerin, die bei den Olympischen Spielen eine Silbermedaille im Freistilringen gewonnen hat. Der Gewinn der Grappling-Weltmeisterschaften 2009 zeigt, dass sie ihre Gegnerinnen nicht nur auf die Matte werfen, sondern sie auch zur Aufgabe zwingen kann. Am 27. April 2013 besiegte sie die Deutsche Sheila Gaff bei ihrem UFC-Debüt durch technischen Knock-out in Runde eins. Am 22. Februar 2014 kämpfte sie gegen Ronda Rousey um den Bantamgewichtstitel, unterlag ihr jedoch in 66 Sekunden.

Stephen Abas
Jahr: 2004
Platzierung: Silber
Land: USA
MMA-Bilanz: 3-0

Matt Lindland
Jahr: 2000
Platzierung: Silber
Land: USA
MMA-Bilanz: 22-9

Matt Lindland kämpfte bereits 1997 aktiv MMA, also drei Jahre vor dem Gewinn der Silbermedaille im griechisch-römischen Stil. Der Mitbegründer des berühmten Team Quests trainierte den MMA-Sport Seite an Seite mit anderen erstklassigen Ringern wie Randy Couture und Dan Henderson. In der UFC erkämpfte er sich einen Mittelgewichtstitelkampf, den er jedoch verlor.

Katusuhiko Nagata
Jahr: 2000
Platzierung: Silber
Land: Japan
MMA-Bilanz: 6-7-2

Yoel Romero Palacio
Jahr: 2000
Platzierung: Silber
Land: Kuba
MMA-Bilanz: 9-1

Yoel Romero Palacio lebte viele Jahre in Nürnberg und rang dort in der Bundesliga mit. Seine ersten vier Profikämpfe bestritt der kubanische Freistilringer in Süddeutschland und Polen. Palacio ist mit fünf WM-Medaillen einer der erfolgreichen Ringer, die je im MMA-Sport gekämpft haben. Vor drei Jahren zog er nach Florida, um seinen Traum vom MMA-Profi zu verwirklichen – mit Erfolg: Am 23. April 2013 debütierte Palacio in der UFC. Sein eingesprungener Kniestoß sicherte ihm die Auszeichnung für den „Knock-out des Abends". Anschließend gewann er vier weitere Kämpfe im Octagon.

Alexei Medwedew
Jahr: 1996, 2000
Platzierung: Silber, 6
Land: Weißrussland
MMA-Bilanz: 0-0-1

Dennis Hall
Jahr: 1992, 1996, 2004
Platzierung: 8, Silber, 14
Land: USA
MMA-Bilanz: 0-1

Townsend Saunders
Jahr: 1992, 1996
Platzierung: 7, Silber
Land: USA
MMA-Bilanz: 0-2

Matt Ghaffari
Jahr: 1992, 1996
Platzierung: 16, Silber
Land: USA
MMA-Bilanz: 0-1

Bronzemedaillengewinner

Randi Miller
Jahr: 2008
Platzierung: Bronze
Land: USA
MMA-Bilanz: 1-0

Eldar Kurtanidze
Jahr: 1996, 2000
Platzierung: Bronze, Bronze
Land: Georgien
MMA-Bilanz: 0-1

Teilnehmer

Ben Askren
Jahr: 2008
Platzierung: 7
Land: USA
MMA-Bilanz: 14-0

Der unbesiegte Ben Askren ist der unangefochtene König der Weltergewichtsklasse von Bellator MMA gewesen. 2010 gewann er ein 8-Mann-Turnier und dann den Titelgürtel der zweitgrößten amerikanischen MMA-Organisation. Noch niemandem ist es gelungen, Askrens Taktik – Takedowns und Bodenkontrolle – zu neutralisieren. Sehr zum Leidwesen der Fans, versteht sich. Askren findet die Kritik an seinem „langweiligen" und „konservativen" Kampfstil belustigend und provoziert gerne mit Aussagen über sein Auftreten im Käfig.

Daniel Cormier
Jahr: 2004, 2008
Platzierung: 4, X
Land: USA
MMA-Bilanz: 15-1

Der ungeschlagene Daniel Cormier entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem der zehn besten Schwergewichtskämpfer der Welt. 2012 gewann er mit Siegen über die Veteranen Jeff Monson, Antonio Silva und Josh Barnett den Grand Prix von Strikeforce. Am 20. April 2013 besiegte er bei seinem UFC-Debüt den zweifachen UFC-Champion Frank Mir. Cormier hat sowohl im Schwergewicht als auch im Halbschwergewicht das Potential, den UFC-Titel zu gewinnen. Die erste Chance dazu hatte er am 27. September bei UFC 178, doch er unterlag Jon Jones im Kampf um die Krone im Halbschwergewicht.

Kazuyuki Miyata
Jahr: 2000
Platzierung: 13
Land: Japan
MMA-Bilanz: 14-9

Dolgorsürengiin Sumiyaabazar
Jahr: 1996, 2000
Platzierung: 10, 13
Land: Mongolei
MMA-Bilanz: 1-2

Dan Henderson
Jahr: 1992, 1996
Platzierung: 10, 12
Land: USA
MMA-Bilanz: 30-13

Dan Henderson ist eine der legendärsten Kämpfer im MMA-Sport. Bei PRIDE in Japan gewann er den Titel in zwei unterschiedlichen Gewichtsklassen. Zuvor war er in Turnieren bei RINGS und in der UFC erfolgreich. Im Juli 2011 machte er einen Abstecher ins Schwergewicht und schlug dort Fedor Emelianenko K.o., einen der besten MMA-Kämpfer aller Zeiten. Trotz seiner mittlerweile 44 Jahre kämpft Henderson derzeit noch in der UFC.

Mark Coleman
Jahr: 1992
Platzierung: 7
Land: USA
MMA-Bilanz: 16-10

Mark Coleman ist einer der Pioniere des MMA-Sports. 1996 gewann er die Turniere bei UFC 10 und UFC 11. Im Februar 1997 wurde er erster Schwergewichtschampion in der Geschichte der UFC. 1999 wechselte er nach Japan zu PRIDE, wo er ein Jahr später den Grand Prix in der offenen Gewichtsklasse gewann. Coleman gilt als der Urvater des „Ground and Pounds", einer Offensivtechnik am Boden, die es nur im MMA-Sport gibt. Auch wenn andere Kämpfer vor ihm bereits auf die Idee gekommen waren, ihre Gegner zu Boden zu bringen und aus der Oberlage mit Faustschlägen und Ellenbogenstößen zu zerschmettern – Coleman hat diesen Kampfstil berühmt gemacht und baute seine gesamte Karriere auf dieser Strategie auf.

Yoshiaki Yatsu
Jahr: 1976
Platzierung: 10
Land: Japan
MMA-Bilanz: 0-2

Judo

Goldmedaillengewinner

Satoshi Ishii
Jahr: 2008
Platzierung: Gold
Land: Japan
MMA-Bilanz: 12-4-1

Satoshi Ishii sollte die angeschlagene japanische MMA-Szene wiederbeleben, doch der Junge Wilde verärgerte seine Landsleute, als er noch vor seinem MMA-Debüt in UFC-Klamotten für sich warb. Seinen ersten Profikampf verlor er gegen Hidehiko Yoshida, der bei Olympia 1992 ebenfalls Gold im Judo gewonnen hatte. Nach einer K.o.-Niederlage gegen Fedor Emelianenko nahm die japanische Profi-Wrestling-Legende Antonio Inoki das Sorgenkind unter seine Fittiche. Anschließend lief es für Ishii: Sieben Siege in Folge feierte er unter dem Banner von Inokis IGF-Promotion. Doch zuletzt unterlag er Mirko Cro COp zweimal hintereinander.

Makoto Takimoto
Jahr: 2000
Platzierung: Gold
Land: Japan
MMA-Bilanz: 6-5

Makoto Takimoto kämpfte zwischen 2004 und 2009 elf Mal in seiner Heimat für PRIDE und Sengoku. Sein größter Erfolg war in dieser Zeit ein Sieg über den ehemaligen UFC-Champion Murilo Bustamante.

Pawel Nastula
Jahr: 1992, 1996, 2000
Platzierung: 5, Gold, 26
Land: Polen
MMA-Bilanz: 5-6

PRIDE machte dem Polen Pawel Nastula den Einstieg in den MMA-Sport nicht leicht. In seinen ersten vier Kämpfen stand er dreien der besten Schwergewichte der Welt gegenüber: Antonio Rodrigo Nogueira, Aleksander Emelianenko und Josh Barnett. Nach einer zweijährigen Auszeit gab er 2010 sein Comeback und kämpfte in seiner Heimat gegen handverlesene Gegner. Nach einer knapp einjährigen Pause wurde er von Polens Premiumorganisation KSW verpflichtet.

Hidehiko Yoshida
Jahr: 1992, 1996, 2000
Platzierung: Gold, 5, 9
Land: Japan
MMA-Bilanz: 9-8-1

Hidehiko Yoshida ist eine der größten Kampfsportlegenden Japans. Der Judoka ging keinem noch so gefährlichen Gegner aus dem Weg. Der UFC-Pionier Royce Gracie, der K-1 World Grand Prix Champion Mark Hunt oder der damals Furcht erregendste Kämpfer der Welt, Wanderlei Silva, finden sich in seiner Kampfbilanz. Seine Kämpfe gegen die Olympioniken Rulon Gardner und Naoya Ogawa sahen in Japan über zehn Millionen Zuschauer.

Silbermedaillengewinner

Hiroshi Izumi
Jahr: 2004, 2008
Platzierung: Silber, 15
Land: Japan
MMA-Bilanz: 4-2

Bu Kyung Jung
Jahr: 2000
Platzierung: Silber
Land: Südkorea
MMA-Bilanz: 0-4

Min Soo Kim
Jahr: 1996
Platzierung: Silber
Land: Südkorea
MMA-Bilanz: 3-7

Naoya Ogawa
Jahr: 1992, 1996
Platzierung: Silber, 5
Land: Japan
MMA-Bilanz: 7-2

Bronzemedaillengewinner

Ronda Rousey
Jahr: 2004, 2008
Platzierung: 18, Bronze
Land: USA
MMA-Bilanz: 11-0

Ronda Rousey ist ein Phänomen. Die Kalifornierin ist seit drei Jahren das Gesicht des Frauen-MMA. Ihrem Erfolg ist es zu verdanken, dass die UFC eine Frauenklasse erschaffen hat. Es gibt kaum ein Magazin, das sie noch nicht auf dem Cover hatte, kaum eine TV-Show, in der sie noch nicht zu Gast war. Rousey begeistert die Kampfsportfans aber nicht nur wegen ihres guten Aussehens und ihrer frechen Persönlichkeit – im Käfig ist sie unbarmherziger als so mancher Mann. Elf Profikämpfe, zehn Siege in der ersten Runde, neun mit ihrer Spezialität, dem Armhebel: So lautet ihre makellose Bilanz.

Ben Spijkers
Jahr: 1988, 1992
Platzierung: Bronze, 9
Land: Niederlande
MMA-Bilanz: 0-2

Teilnehmer

Rick Hawn
Jahr: 2004
Platzierung: 23
Land: USA
MMA-Bilanz: 18-3

Rhadi Ferguson
Jahr: 2004
Platzierung: 14
Land: USA
MMA-Bilanz: 3-0

Ferrid Kheder
Jahr: 2000
Platzierung: 7
Land: Tunesien
MMA-Bilanz: 22-11

Hector Lombard
Jahr: 2000
Platzierung: 27
Land: Kuba
MMA-Bilanz: 34-4-1

Hector Lombard war zwischen 2006 und 2012 in 25 Kämpfen ungeschlagen. Der Kubaner sammelte mehrere Titel ein, darunter den Mittelgewichtstitel von Bellator MMA. Seit Juli 2012 kämpft er mit zunächst mäßigem Erfolg in der UFC. 2013 wechselte er ins Weltergewicht und ist seitdem in zwei Kämpfen ungeschlagen.

Boxen

Goldmedaillengewinner

Ray Mercer
Jahr: 1998
Platzierung: Gold
Land: USA
MMA-Bilanz: 1-0

Ray Mercer ist eine Sache für sich. Im Profiboxen wurde er Schwergewichtsweltmeister und boxte gegen einige der besten Faustkämpfer seiner Zeit. Ein Jahr nach seinem Rücktritt trat er, völlig außer Form, in einem MMA-Kampf gegen den zweifachen UFC-Schwergewichtschampion Tim Sylvia an. Mercer schlug ihn in neun Sekunden K.o. Die MMA-Fans wussten anschließend nicht, ob sie über die peinliche Niederlage des unbeliebten Sylvia lachen oder ob sie traurig sein sollten, weil ein Boxer ohne jegliches MMA-Training einen ehemaligen UFC-Champion innerhalb weniger Sekunden besiegte.

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