Zeuge gegen De Carolis endet mit einem umstrittenen Unentschieden
Am Samstagabend sollte in der Berliner Max-Schmeling-Halle Geschichte geschrieben werden. Tyron Zeuge bekam die Chance der jüngste Weltmeister einer der vier großen Verbände in Deutschland zu werden. Dafür hätte er den Italiener Giovanni de Carolis bezwingen müssen. Nach zwölf Runden sah vieles danach aus, als habe der Berliner den Kampf verloren, doch die Punktrichter werteten das Duell mehrheitlich Unentschieden, sodass De Carolis seinen WBA-Gürtel wieder mit in die Heimat nimmt. Auch Arthur Abraham sicherte sich einen Gürtel, den WBO International Titel im Supermittelgewicht und will in Zukunft wieder um die Weltmeisterschaft boxen. Seinem Gegner Tim-Robin Lihaug entledigte sich selbsternannte „König“ in der achten Runde.
Tyron Zeuge hatte sich viel vorgenommen. Vor heimischer Kulisse wollte er sich zum WBA-Weltmeister krönen und damit Geschichte schreiben. Doch das Gefecht entwickelte sich anders als geplant. Giovanni de Carolis gelang es immer wieder Nadelstiche zu setzen und Punkte auf den Punktrichterzetteln zu sammeln. In vielen knappen Runden war es der gebürtige Römer, der mehr tat um den Kampf zu gewinnen. Der 24-jährige Zeuge ließ seine boxerische Klasse und seine technischen Fähigkeiten immer wieder aufblitzen, doch konnte nie das Kommando im Gefecht übernehmen. Als dann auch noch die linke Schulter des jungen Herausforderers schmerzte, wurde er zum Teil seiner Variabilität beraubt. Nach zwölf Runden mussten die Punktrichter entscheiden und viele Experten gingen davon aus, dass es ein einstimmiger Sieg für den Titelverteidiger sein würde. Das Ergebnis war jedoch ein anderes. Zwei werteten das Duell Unentschieden, einer hatte den deutschen Herausforderer sogar vorne. Ein Rückkampf ist nach diesem Ergebnis wahrscheinlich.
Umstritten endete der Kampf zwischen Arthur Abraham und Tim-Robin Lihaug nicht, doch Fragezeichen bleiben nach der Leistung des Ex-Weltmeisters vorhanden. Nach einer guten ersten Runde ließ es Abraham langsam angehen und verlor die nächsten Durchgänge an seinen jungen Kontrahenten. Dieser nutze in diesem Kampfabschnitt seine Reichweite und traf so sein Idol mit seinen langen Händen. Ab der fünften Runde drehte der mehrfache Champion aber auf und setzte den Norweger unter Druck, der immer mehr in die Defensive gehen musste und sichtlich Probleme mit der Härte der Schläge bekam. In der achten Runde musste er deswegen auf den Boden und durfte danach nochmal ins Geschehen eingreifen, nur um weitere Schläge des Berliners auf sich einprasseln zu lassen. Irgendwann hatte die Ecke des 23-Jährigen Norwegers ein Einsehen und warfen das Handtuch.
Aufgeben musste auch Ikram Kerwat. Die noch unerfahrene Boxerin wollte Ramona Kühne vor große Probleme stellen. Daraus wurde nichts. Kerwat konnte ihre große Stärke, die Schlagkraft, nicht einsetzen, weil es der 36-jährigen Kühne gelang, die Kontrolle über den Kampf zu übernehmen. Die SES-Frontfrau zeigte, dass sie technisch versierter war und cleverer im Ring agierte. In der vierten Runde gelang der mehrfachen Weltmeisterin ein linker Kopfhaken, der zum ersten Niederschlag führte. Zur Rundenpause wollte Kerwat, die Probleme mit ihrem Ellbogen hatte, aufgeben, wurde aber überredet weiterzumachen. Eine Runde später war dann Schluss. Kerwat hatte genug und Kühne schnappte sich den WBA-International Gürtel im Leichtgewicht.
Die Ergebnisse im Überblick:
Zeuge vs. De Carolis
16.Juli 2016
Max Schmelling Halle, Berlin
Kampf um die WBA-Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht
Tyron Zeuge vs. Giovanni de Carolis endete Unentschieden (Mehrheitsentscheid)
Kampf um den vakanten WBO International Gürtel im Supermittelgewicht
Arthur Abraham bes. Tim-Robin Lihaug via T.K.o. in Rd. 8
Burak Sahin bes. Jakov Gospic einstimmig nach Punkten
Kampf um den vakanten WBA International Gürtel im Leichtgewicht
Ramona Kühne bes. Ikram Kerwat via T.K.o. in Rd. 6
Stefan Härtel bes. Mateo Damian Veron einstimmig nach Punkten
Sebastian Formella bes. Nico Salzmann einstimmig nach Punkten
Anthony Ogogo bes. Bronislav Kubin via T.K.o. in Rd. 2
Charlie Edwards bes. Jose Aguilar einstimmig nach Punkten
Alexander Peil bes. Igor Pylypenko via K.o. in Rd. 4
Freddy Kiwitt bes. Igor Faniyan via K.o. in Rd. 2
