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"Ich kämpfe gegen jeden, jederzeit!"

Hat der Spruch im modernen MMA ausgedient?

von Martin Thauer 31.08.2012

Nachdem sich der Staub nach der Absage von UFC 151 etwas gelegt hat und die Gemüter sich ein wenig beruhigt haben, ergibt sich auf den zweiten Blick neben der Frage nach der Schuld noch eine weitere Frage: Haben Kämpfer mit der Einstellung „ich kämpfe gegen jeden, jederzeit,“ ausgedient?

Das ganze Chaos um UFC 151 ging mit der verletzungsbedingten Absage von Dan Henderson los. Chael Sonnen wollte einspringen, diesen Kampf lehnte Jon Jones jedoch ab. Dann sollte Jones bei UFC 152 gegen Lyoto Machida kämpfen, dieser sagte den Kampf aber genauso ab, wie Mauricio „Shogun“ Rua, womit es am 22. September nun zum Duell zwischen Halbschwergewichtschampion Jon Jones und Eigentlichmittelgewicht Vitor Belfort kommt.

Viele Fans zollen Belfort Respekt dafür, dass er den Kampf angenommen hat, obwohl er nur einen knappen Monat Zeit hat, um sich auf den Kampf gegen „den besten Kämpfer aller Zeiten“, wie Belfort Jones nennt, vorzubereiten. Für Machida und „Shogun“ war diese Vorbereitungszeit zu wenig, dabei kämpfen sie bereits in der gleichen Gewichtsklasse wie Jones und standen ihm bereits im Käfig gegenüber.

Machida bzw. sein Manager Ed Soares erklärten, dass der Brasilianer bei UFC 153 gegen Jones gekämpft hätte, sie eine Vorbereitungszeit von ein paar Wochen aber für zu kurz hielten, um ein zweites Mal gegen Jones zu kämpfen. Schließlich könnten Frankie Edgar, Rich Franklin und Chael Sonnen ein Lied davon singen, was es in der UFC bedeutet, wenn man zweimal gegen den Champion verliert. Deswegen wollte Machida entsprechend vorbereitet sein.

Eine Einstellung, der Jones‘ Trainer Greg Jackson in einem Interview zustimmte. Er würde es Kämpfern, die an der Spitze einer Gewichtsklasse stehen, nicht empfehlen, einen Kampf so kurzfristig anzunehmen. Jackson ist natürlich für seine ausgeklügelten Kampfstrategien bekannt, weswegen es nicht verwunderlich ist, dass er diese Einstellung vertritt. Die Absagen von Machida und „Shogun“ zeigen aber auch, dass das Camp von Jones hier nicht alleine steht.

Dagegen stehen dann wiederum Kämpfer wie Vitor Belfort und Chael Sonnen, die kein Problem damit haben, kurzfristig und ohne zu zögern gegen jeden ins Octagon zu steigen. Auch wenn dies den Kampfgeist zeigt, den viele Fans von Kämpfern erwarten, muss man sich inzwischen fragen, ob diese Einstellung noch zeitgemäß ist.

Sicherlich kann man bei beiden Kämpfern verstehen, warum sie den Kampf angenommen haben. Für Sonnen wird es wohl die einzige Gelegenheit gewesen sein, noch mal um einen Titel in der UFC und die damit verbundenen Einnahmen zu kämpfen, aber selbst Freund und Teamkollege Dan Henderson musste in einem Interview zugeben, dass er die Entscheidung von Sonnen für nicht sonderlich klug hielt. Seiner Meinung nach hätte Sonnen nach der ersten Runde keine Luft mehr gehabt, womit er ein leichtes Opfer für Jones gewesen wäre.

Auch in Belforts Fall sieht es nicht viel anders aus. Im Mittelgewicht scheint er im Moment ein wenig hinter Michael Bisping und Chris Weidman zu stehen, wenn es um den nächsten Titelkampf geht. Zudem spricht Mittelgewichtschampion Anderson Silva zurzeit ganz offen darüber, dass er eigentlich nur gegen Georges St. Pierre kämpfen will, wodurch sich auch für Belfort die Frage gestellt hätte, wann er noch mal einen Titelkampf bekommt – wenn überhaupt.

Deswegen war es sicherlich eine einfache Entscheidung, den Kampf anzunehmen, weil er im Prinzip nichts verlieren kann – und wenn man die Buchmacher fragt, dann kann er nur verlieren. Kurz nachdem der Kampf bekannt gegeben wurde, wurde Jones als 13:1 Favorit gehandelt. Auf so eine Quote kam nicht mal Matt Serra bei seinem ersten Duell gegen GSP.

Sicherlich hat Belfort die berühmte „Punchers-Chance“, aber wenn man den Kampf realistisch betrachtet, sollte Jones als Sieger hervorgehen, und sollte Belfort es nicht über die Runden schaffen, wird er sich nach dem Kampf wahrscheinlich doch die Frage stellen, ob es das wert war. Schließlich hat es einen Grund, warum Kämpfer wie Jon Jones oder Georges St. Pierre ihre Gegner genau studieren und sich eine peinlich genaue Kampfstrategie zurecht legen.

Es ist schwierig, MMA mit anderen Sportarten zu vergleichen, aber im Fußball gehört das intensive Studieren der gegnerischen Mannschaft und die entsprechende taktische Ausrichtung des eigenen Teams zur professionellen Vorbereitung dazu. Das trifft natürlich auch auf andere Sportarten wie Basketball, Handball, etc. zu, und da MMA in Amerika inzwischen auch zu den bekannteren Sportarten gehört, und die Kämpfer in der UFC Profis sind, ist es doch nur folgerichtig, dass sie auch eine professionelle Vorbereitung auf den Kampf machen.

Als Vitor Belfort 1997 bei UFC 12 in der UFC auftauchte, gewann er seine Kämpfe durch seine schnellen Hände, seine KO-Power und auch durch sein gutes BJJ. Inzwischen reicht das aber nicht mehr. Die Fähigkeiten der Kämpfer nähern sich immer mehr an und es kommt immer häufiger vor, dass Kleinigkeiten den Ausgang eines Kampfes entscheiden. Dementsprechend wird die Vorbereitung auf einen Kampf immer wichtiger und nur, wer dies auch versteht, kann heute auf Dauer im MMA erfolgreich sein.

Machida, „Shogun“ und Jones haben das verstanden. Sind sie deswegen keine „richtigen“ Kämpfer? Wohl kaum. Sie gehören nur zu der nächsten Generation von Kämpfern, die genügend Geld verdienen, um nicht jeden Kampf annehmen zu müssen, und die auch ihre sportliche Situation richtig einschätzen können und wissen, was auf dem Spiel steht, wenn sie in den Käfig steigen. Denn, ob wir es wollen oder nicht, auch im MMA ist es inzwischen so, dass ein Sieg wichtiger ist, als ein unterhaltsamer Kampf.

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