K-1 World MAX Finale: Warum hat Buakaw den Ring verlassen?
Am Samstag sicherte sich Enriko „The Hurricane“ Kehl als erster Deutscher den Sieg des K-1 World MAX Grand Prix‘. Sein Gegner, die Muay-Thai-Legende Buakaw Banchamek, trat nach drei Runden nicht zur Extra-Runde an, woraufhin Kehl zum Sieger erklärt wurde. Doch was genau war passiert?
Enriko Kehl und Buakaw Banchamek schenkten sich am Samstag im thailändischen Pattaya nichts. Kehl setzte auf saubere Schlagkombinationen und Knie, während Buakaw mit harten Einzelaktionen arbeitete. Buakaw fiel zudem durch seine zahlreichen Würfe auf, wurde für diese im K-1 verbotenen Aktionen aber nie ermahnt.
Nach drei ausgeglichenen Runden hoben beide Kämpfer die Arme und umarmten sich. Buakaw ging schließlich zu Kehls Ecke und klatschte mit den Teamkameraden seines Gegners ab, so wie es sich für einen fairen Sportsmann gehört. Dann stieg Buakaw aus dem Ring und verschwand.
Während der Ringrichter die Punktzettel zusammenzählte, verließ Buakaw laut offiziellem Statement von K-1 mit seinem Team die Arena, stieg in ein Auto und fuhr ohne jemandem ein Wort zu sagen fort. In der Arena verkündete der Ringsprecher gerade, dass aufgrund eines Unentschiedens eine Zusatzrunde von Nöten sein würde. Buakaw war jedoch längst verschwunden, weshalb er schlussendlich disqualifiziert und Enriko Kehl zum K-1 World MAX Champion erklärt wurde. Selbst bei einem möglichen Punktsieg hätte Buakaw den Gürtel also nicht entgegennehmen können.
Buakaw äußerte sich kurz danach auf seine Facebook-Seite: „Entschuldigung für die Verwirrung. Ihr werdet mich bald verstehen.“
K-1 in Wettskandal verwickelt?
Einen Tag später wurde auf der Facebook-Seite von Buakaws Banchamek Gym ein kurzes Statement zum Vorfall veröffentlicht, in dem unter anderem von einem möglichen Wettskandal gesprochen wird.
„Buakaw hat sich geweigert in den K-1-Ring zurückzukehren, weil die Regeln nur wenige Stunden vor dem Kampf geändert wurden“, heißt es in der Mitteilung. „Man wollte den Kampf ausgeglichener machen, weil die Wetteinsätze sehr hoch waren.“
Angeblich soll K-1 kurz vor dem Kampf verboten haben, das Bein seines Gegners zu fangen und diesen dann zu Boden zu werfen. Ausgerechnet diese Aktionen hat Buakaw im Kampf gegen Kehl mehrfach gezeigt, ohne einmal dafür vom Ringrichter ermahnt zu werden.
Am Montag hielt K-1 eine Pressekonferenz ab. Ned Kurac, der Leiter der Rechtsabteilung von K-1, beteuerte dabei, dass die Regeln von 2004 auch heute noch gelten würden. Buakaw konnte demnach 2004 und 2008 unter den gleichen Regeln wie am Samstag den K-1 World MAX Titel gewinnen. Kurac wies zudem die Vorwürfe eines Wettskandals ab.
„Wir wollen von Buakaw den wahren Grund für sein Verschwinden hören und dem Fall voll und ganz nachgehen“, so Ned Kurac. „Wir haben keine rechtlichen Schritte eingeleitet. Wir warten darauf, dass Buakaw uns kontaktiert. Andernfalls werden wir versuchen, mit Buakaws Manager Kontakt aufzunehmen.“
Am heutigen Dienstag veranstaltete Buakaw in seinem Gym eine Pressekonferenz. Dabei erklärte er den Pressevertretern, er habe den Kampf klar gewonnen und als das Unentschieden verkündet wurde, habe er den Kampf wegen Ungerechtigkeit nicht fortsetzen wollen.
„Ich trainiere und liebe Muay Thai seit ich sieben Jahre alt bin“, sagte Buakaw. „Ich habe niemals einen Kampf abgelehnt. Ich habe mein Bestes gegeben. Aber diesmal habe ich gemerkt, dass der Ruf meines Handwerks kurz davor war, befleckt zu werden. Die einen verstehen es vielleicht, die anderen nicht. Ob es ein Sieg war oder nicht lag in der Hand der Punktrichter. Ich will, dass die Zuschauer für sich selbst entscheiden.“
Auf die Vorwürfe eines Wettskandals ging Buakaw auf der Pressekonferenz nicht weiter ein. Er habe diesbezüglich bereits am 7. Oktober – vier Tage vor dem Kampf gegen Enriko Kehl – bei der Polizei Strafanzeige gestellt.
Abschließend sagte Buakaw, dass er seinen Vertrag mit K-1 respektieren würde. Er sei bereit, bis zum Vertragsende im Dezember 2015 weitere Kämpfe anzunehmen und auch einen Rückkampf gegen Enriko Kehl zu bestreiten.
