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Vorschau auf UFC 101: "Declaration"

Leichtgewichtstitelkampf zwischen BJ Penn und Kenny Florian, Anderson Silva fordert Forrest Griffin im Halbschwergewicht, "TUF 7"-Gewinner Sadollah kehrt zurück.

von 07.08.2009

Am morgigen Samstag, dem 8. August, findet mit UFC 101: „Declaration“ die erste Veranstaltung der UFC in Pennsylvania statt. Im für historische Boxkämpfe bekannten Philadelphia kommt es zu zwei packenden Duellen, die die anderen neun Ansetzungen bei weitem in den Schatten stellen: BJ Penn vs. Kenny Florian und Anderson Silva vs. Forrest Griffin.

Nach dem verlorenen Superfight gegen den Weltergewichtschampion Georges St. Pierre kehrt der Leichtgewichtschampion BJ Penn (13-5-1 MMA, 9-4-1 UFC) in seine angestammte Gewichtsklasse zurück, um seinen Titel gegen den Herausforderer Kenny Florian (11-3 MMA, 9-2 UFC) zu verteidigen. Selbst die eingefleischtesten Fans von Penn müssen zugeben, dass der 30-jährige Hawaiianer von GSP im Januar regelrecht auseinander genommen wurde. Nach dieser für ihn sehr enttäuschenden Niederlage kann am Samstag davon ausgegangen werden, dass ein motivierter Penn im Octagon steht, der die Erinnerung an diesen Misserfolg mit einem eindrucksvollen Sieg vergessen machen will.

Seit seiner Rückkehr in die UFC vor zwei Jahren hat Penn das Leichtgewicht dominiert. Jens Pulver und Joe Stevenson brachte er jeweils in der zweiten Runde mit dem Rear Naked Choke zur Aufgabe, den ehemaligen Champion Sean Sherk besiegt er nach der dritten Runde durch TKO. Aber auch Florian war nicht untätig: Der 33-jährige reist mit sechs Siegen in Folge nach Philadelphia. Florian ist einer der Kämpfer, die sich in den letzten paar Jahren am meisten verbessert haben. Seit der Niederlage im „TUF 1“-Finale gegen Diego Sanchez gewann Florian neun von zehn Kämpfen, acht davon vorzeitig. Einzig Sean Sherk musste er sich im Oktober 2006 in einem Kampf um den damals vakanten Leichtgewichtstitel nach fünf Runden geschlagen geben.

Der „TUF 1“-Finalist wandelte sich unter der Führung von Mark DellaGrotte (Sityodtong Boston) vom eindimensionalen BJJ-Schwarzgurt zu einem vielseitigen MMA-Kämpfer mit einer hervorragenden Kondition. Auf dem Boden ist er gleichermaßen mit Ground & Pound und Aufgabegriffen gefährlich, im Stand arbeitet er viel mit Kicks. Auch wenn sich Florian im Ringen erheblich verbessert hat, darf jedoch angezweifelt werden, dass er Penn zu Boden bringen wird. Aufgrund seiner unglaublichen Balance und Gelenkigkeit gehört Penns Verteidigung gegen Takedowns zur Besten im gesamten MMA-Sport.

Während Florian das Muay Thai bevorzugt, ist Penn ein großer Verfechter des Boxens. Sein blitzschneller Jab könnte für Florian zum Problem werden, der voraussichtlich versuchen wird, angesichts seiner besseren Kondition einen Punktsieg einzufahren, indem er einen ermüdeten Penn in den Runden drei bis fünf im Stand auspunktet. Ein vorzeitiger Sieg von Florian ist nur schwer vorstellbar – einerseits hat er noch niemanden ausgeknockt, andererseits wurde Penn noch von niemandem ausgeknockt. Auch Florians rasiermesserscharfe Ellenbogen könnten sich gegen Penn, der abgesehen vom GSP-Kampf ziemlich immun gegen Cuts ist, als unnütz erweisen.

So sehr sich Florian in den letzten Jahren verbessert hat – Penn wird an ihm ein Exempel statuieren wollen, dass er trotz der Niederlage gegen einen der weltbesten Kämpfer in GSP immer noch eine Macht im Leichtgewicht ist.

Der Mittelgewichtschampion Anderson Silva (24-4 MMA, 9-0 UFC) hat in den letzten drei Jahren praktisch seine gesamte Gewichtsklasse leer geräumt. Die Herausforderer kamen und gingen und Silva ließ ihnen allen nicht den Hauch einer Chance. Da ihm allmählich die Gegner ausgehen, wird sich der Brasilianer wieder im Halbschwergewicht versuchen, bis die UFC einen neuen Herausforderer auf seinen Mittelgewichtstitel gefunden hat.

Auf der Suche nach einem Gegner, der Silva fordern kann und nicht wie seine letzten Gegner, Patrick Côté und Thales Leites, versucht, den Kampf zu meiden, wurde die UFC mit Forrest Griffin (16-5 MMA, 7-3 UFC) fündig. Der ehemalige Halbschwergewichtschampion und Gewinner der allerersten Staffel von „The Ultimate Fighter“ ist dafür bekannt, vor keiner noch so großen Herausforderung zurückzuschrecken. Entgegen aller Erwartungen wurde Griffin mit den früheren PRIDE-Stars Mauricio „Shogun“ Rua und Quinton „Rampage“ Jackson fertig – warum solle er dann nicht auch Silva überraschend besiegen können? Meint zumindest Griffin.

Silva ist aktuell einer der besten Kämpfer und einer der besten Striker der Welt. Sein Muay Thai ist so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, besonders hervorgehoben durch Zielgenauigkeit, leichtfüßige Beinarbeit und exzellente Technik. Der 34-jährige attackiert seine Gegner wahlweise aus der Distanz mit blitzschnellen, vielseitigen Schlagkombinationen und harten Kicks oder aus der Nähe mit seiner gefürchtetsten Waffe, dem Thai Clinch. Silvas Kniestöße und Ellenbogenschläge haben anderen Kämpfern schon etliche Besuche beim Schönheitschirurgen eingebrockt. Im Stand hat in der UFC bislang jeder Gegner von ihm eine Tracht Prügel eingesteckt.

Es wird interessant zu sehen sein, wie Silva mit der Kraft und Masse von Griffin, der ein riesiges Halbschwergewicht ist, zurechtkommen wird. Griffins Zeiten als wilder Brawler sind vorbei. Heutzutage kämpft er taktisch klug aus der Distanz und zerlegt seine Gegner mit Lowkicks und Tritten zum Körper, die er mit Schlagkombinationen vorbereitet oder abschließt. Einen Striking-Wettbewerb wird Griffin gegen Silva vermutlich dennoch nicht gewinnen. Vielmehr sollte er sein Heil auf der Matte suchen, wo Silva weitaus weniger bedrohlich ist. Silva ist zwar ein Schwarzgurt im Brazilian Jiu-Jitsu und hat dank seiner langen, dünnen Beine eine gefährliche Guard, aber Griffin könnte ihn auf dem Boden aufgrund seiner physischen Attribute durchaus eine Weile aus der Oberlage kontrollieren und mit Schlägen bearbeiten.

Ein Punktsieg von Griffin wäre durchaus vorstellbar. Doch wenn Silva seine Ankündigung wahr machen kann, seine Kritiker Lügen zu strafen, steht dem Publikumsliebling mit dem riesigen Kämpferherz eine schmerzhafte Nacht bevor.

Beim Finale von „The Ultimate Fighter 7“ bestritt Amir Sadollah (1-0 MMA, 1-0 UFC) seinen ersten und bislang einzigen Profikampf. Er zwang CB Dollaway in der ersten Runde mit einem Armhebel zur Aufgabe, um „TUF 7“ zu gewinnen. Seitdem war es still um den ewigen Underdog, der einen Schwarzen Gürtel im Sambo hält. Erst war er verletzt, dann krank und dann wieder verletzt. Bei UFC 101 soll Sadollah nun seinen ersten „richtigen“ Kampf in der UFC bestreiten, er wechselt hierfür vom Mittelgewicht ins Weltergewicht.

Als Gegner steht ihm der ungeschlagene Johny Hendricks (5-0 MMA, 0-0 UFC) gegenüber, welcher im Zuge der Gewichtsklassenzusammenlegung mit World Extreme Cagefighting (WEC) seinen Weg in die UFC fand. Auf dem Papier ist Hendricks, der dem Team Takedown um seinen UFC-Kollegen Jake Rosholt angehört, einer der besten Ringer im Weltergewicht. Während seiner Zeit auf dem College wurde er zweifacher Champion in der Division I – einen höheren Erfolg kann man als Ringer auf dem College nicht erreichen.

Allerdings teilt Hendricks liebend gerne Schläge aus und nutzt seine großartigen ringerischen Fähigkeiten meist nur dann, wenn er im Stand unterlegen ist. Gegen Sadollah könnte es wieder dazu kommen, denn der „TUF 7“-Sieger ist ein sehr versierter Thaiboxer, der Hendricks mit seinen Kicks und Kniestößen gut zusetzen könnte. Auf dem Boden ist Sadollah sehr widerstandsfähig – er kann einiges einstecken und wartet geduldig, bis seine Gegner einen Fehler machen, den er zu einem Aufgabegriff ausnutzen kann. Man darf gespannt sein, in welcher Form er sich nach dieser langen Pause befindet.

Für den „TUF 3“-Sieger Kendall Grove (10-5 MMA, 5-2 UFC) sah es im vergangenen Jahr nach zwei schwachen Erstrundenniederlagen gegen Patrick Côté und Jorge Rivera fast so aus, als müsse er sich nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Doch bei seinen nachfolgenden Siegen gegen Evan Tanner und Jason Day zeigte sich der baumlange Hawaiianer wieder fokussiert und machte deutlich, dass es noch zu früh ist, um ihn gänzlich abzuschreiben.

Gegen den Bodenkampfspezialisten Ricardo Almeida (10-3 MMA, 3-3 UFC) wird sich zeigen, ob der „neue und verbesserte“ Grove dazu fähig ist, in den oberen Rängen im Mittelgewicht mitzumischen. Almeida kehrte im letzten Jahr nach vier Jahren Pause ins aktive MMA-Geschehen zurück und litt anfangs noch etwas unter Ringrost. Doch bei seinem Sieg über Matt Horwich im April dieses Jahres präsentierte er sich wieder in solider Form.

Auffällig war, dass sich der BJJ-Schwarzgurt, der unter Renzo Gracie trainiert, erheblich im Boxen verbessert hat. Gegen den fast zwei Meter großen Grove wäre es jedoch nicht gerade ratsam, lange im Stand zu bleiben, obwohl dessen Defensive in dieser Distanz mangelhaft ist. Groves unheimlich große Reichweite ist nur sehr schwer zu umgehen und seine Kniestöße sind nicht zu verachten. Vielmehr dürfte sich Almeida auf seine Wurzeln zurückbesinnen und den Kampf auf die Matte verlagern. Dort eignen sich die langen Gliedmaßen von Grove wunderbar für diverse Hebeltechniken.

Eine Auseinandersetzung, die bislang nur wenig Beachtung fand, aber durchaus Potential zum „Besten Kampf des Abends“ hat, ist das Aufeinandertreffen der dynamischen Leichtgewichte Josh Neer (25-7-1 MMA, 4-4 UFC) und Kurt Pellegrino (13-4 MMA, 5-3 UFC). Neer hat seit seiner Rückkehr in die UFC im letzten Jahr durchweg gute Leistungen gezeigt – Siege über Mac Danzig und Din Thomas stehen einer äußerst knappen Niederlage zu Händen von Nate Diaz gegenüber. Pellegrino, ein ehemaliger Ringer mit einem Schwarzen Gürtel im Brazilian Jiu-Jitsu, besiegte zuletzt Rob Emerson und Thiago Tavares. Vermutlich wird er seine ringerischen Fähigkeiten einsetzen, um Neers Power und dessen Vorteile im Striking zu neutralisieren. Die Zuschauer erwartet also wieder einmal das klassische „Striker vs. Grappler“-Duell.

Jungspund trifft auf Veteranen, Teil zwei: Nachdem die erste Auseinandersetzung zwischen BJ Penns Trainingspartner Shane Nelson (11-3 MMA, 1-0 UFC) und Aaron Riley (27-11-1 MMA, 1-3 UFC) kontrovers endete, wurde für den morgigen Samstag ein Rückkampf angesetzt. Bei UFC 96 im März ging der Ringrichter bereits nach 44 Sekunden dazwischen – viel zu früh, meinten die meisten Beobachter. Nelson und Riley sind Lilagurte im Brazilian Jiu-Jitsu, aber sie bevorzugen das Ultimate Kickboxing im Stand. Riley, ein ehemaliger Golden Gloves Champion im Boxen, hat in diesem Bereich die leichten Vorteile.

Im Kampf der körperlichen Gegensätze stehen sich Tamdan McCrory (10-2 MMA, 3-2 UFC) und John Howard (11-4 MMA, 1-0 UFC) gegenüber. McCrory ist groß und schlank, während Howard klein und stämmig ist. Ganze 23 Zentimeter liegen zwischen den Beiden. Howard, der in seinem UFC-Debüt überraschend Chris Wilson besiegte, ist nicht nur ein solider Bodenkämpfer, sondern auch ein schlagkräftiger Boxer. Aber es ist wohl davon auszugehen, dass er den Kampf auf der Matte suchen wird, um dem gewaltigen Größen- und Reichweitenvorteil von McCrory zu entgehen.

Nach seiner ungenügenden Leistung im Mittelgewichtstitelkampf gegen Anderson Silva hat Thales Leites (14-2 MMA, 5-2 UFC) in den Augen der UFC und vieler Fans wieder einiges gut zu machen. Da kommt ihm Alessio Sakara (13-7 MMA, 4-4 UFC) als Gegner gerade recht. Der Italiener ist Leites wie auf den Leib geschneidert – so hat der BJJ-Schwarzgurt bei seinem letzten Sieg mit Drew McFedries ebenfalls einen schlagkräftigen Boxer in kürzester Zeit zur Aufgabe gezwungen.

Auf gerade einmal drei Profikämpfe, die sie allesamt in der UFC bestritten haben, kommen die „TUF 7“-Teilnehmer Matt Riddle (2-0 MMA, 2-0 UFC) und Dan Cramer (1-0 MMA, 1-0 UFC). Das sind nicht ihre einzigen Gemeinsamkeiten. Die beiden 23-jährigen kamen über das Brazilian Jiu-Jitsu zum MMA-Sport und konzentrierten sich anschließend verstärkt auf ihre Fähigkeiten im Boxen. Die Fans dürften sich wahrscheinlich auf einen drei Runden langen Schlagabtausch freuen – es sei denn, Riddle erinnert sich daran, dass er auf dem College auch ein sehr starker Ringer war.

Über ein Jahr nach seinem letzten Kampf kann der von Verletzungen geplagte George Sotiropoulos (9-2 MMA, 2-0 UFC) endlich offiziell seinen Wechsel ins Leichtgewicht feiern. Als Gegner steht der „TUF 8“-Teilnehmer George Roop (9-4 MMA, 1-1 UFC) bereit. Sotiropoulos schaffte es bei „The Ultimate Fighter 6“ bis ins Halbfinale. Anschließend trainierte der BJJ-Schwarzgurt bei seinem „TUF“-Coach Matt Serra, mittlerweile bereitet er sich aber bei Xtreme Couture auf seine Kämpfe vor. Roop nahm den Kampf mit nur zwei Wochen Vorbereitungszeit an, da Rob Emerson verletzungsbedingt absagen musste.

Neben Johny Hendricks debütieren bei UFC 101 zwei weitere Weltergewichte, die von World Extreme Cagefighting übernommen wurden: Jesse Lennox (10-1 MMA, 0-0 UFC) und Danillo Villefort (9-2 MMA, 0-0 UFC). Zwischen ihnen kommt es zu einem interessanten Styleclash. Lennox, der bei MFS unter dem Veteranen Pat Miletich trainiert, ist ein Ringer, Villefort besitzt Schwarze Gürtel im Judo und Brazilian Jiu-Jitsu. Dem Brasilianer wurde der Kampfsport in die Wiege gelegt: Sein Vater ist ein bekannter Vale Tudo-Kämpfer und Antonio Rodrigo Nogueira ist sein Paten.

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