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StartseiteMMAAllgemeinUFC 177: Der Event, der nie hat sein sollen

UFC 177: Der Event, der nie hat sein sollen

Unser Vorbericht zum Hauptprogramm der Veranstaltung aus Sacramento.

von Florian Sädler 30.08.2014

Von Anfang an galt UFC 177 als Durchhänger im restlichen Jahresplan der UFC: zunächst eingerahmt von José Aldos Rückkampf gegen Chad Mendes und Jon Jones’ Titelverteidigung gegen Alexander Gustafsson, ging die Veranstaltung schon zu diesem Zeitpunkt trotz zweier geplanter Titelkämpfe unter.

Zwar haben die Aldo- und Jones-Kämpfe nicht stattgefunden bzw. müssen später nachgeholt werden, aber einige fast schon bizarr unglückliche Ereignisse haben dem Programm von UFC 177 seitdem eine Reihe vernichtender Schläge verpasst: zuletzt fiel neben einem Kampf zwischen Scott Jorgensen und Henry Cejudo zu allem übel mit Renan Barao ein Teil der Hauptattraktion aus, und das am Tag des Wiegens.

Mit nur acht Kämpfen auf dem Programm dürfte UFC 177: Dillashaw vs. Soto unbestritten als schwächster Pay-per-View-Event aller Zeiten in die Geschichte der Organisation eingehen. Wie sagt Dana White immer so schön? Beurteilt einen Kampf nicht, bevor er stattgefunden hat. In diesem Fall wird ihn aber vermutlich leider kaum jemand sehen, der danach darüber urteilen könnte.

UFC 177 kann in Deutschland über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der ab monatlich 5,99 Euro im Abo auf ufc.tv erhältlich ist. Das Hauptprogramm kostet darüber hinaus weitere 17,99 Euro (HD) bzw. 15,99 (SD).

T.J. Dillashaw vs. Joe Soto
Die im MMA gebräuchlichen 4-Unzen-Handschuhe sorgen bekanntlich dafür, dass man eigentlich überhaupt keinen Kampf mit Sicherheit vorhersagen kann, und trotzdem glaubte Ende Mai dieses Jahres kaum jemand so wirklich daran, dass T.J. Dillashaw (10-2) in einem kurzfristig angesetzten Kampf gegen den bis dahin so dominanten Renan Barao bestehen können würde. Zwar hatte der Kalifornier fünf seiner letzten sechs Kämpfe gewonnen, u.a. gegen Vaughan Lee, Hugo Viana und Mike Easton, und besaß unbestreitbar eine Menge Potential, für einen Titelkampf sei es aber dem allgemeinen Konsens nach noch etwas früh.

Dillashaw legte jedoch die laut UFC-Kommentator Joe Rogan „beste Leistung“, die er „je gesehen habe“ hin, schlug den Champion bereits in der ersten Runde mit einer krachenden Rechten nieder und dominierte den sichtlich angeschlagenen Barao über den Großteil der folgenden vier Runden. Als zweieinhalb Minuten vor Schluss eigentlich schon klar war, dass Dillashaw eine überdeutliche Punktentscheidung gewinnen würde, witterte dieser nach einem Treffer die Chance auf einen Knockout und zwang Ringrichter Herb Dean tatsächlich kurze Zeit später, den Kampf abzuwinken – das Team Alpha Male um Urijah Faber und Joseph Benavidez hatte endlich seinen ersten UFC-Champion.

Eigentlich hätte Dillashaw seinen Gürtel am Samstag gegen Renan Barao verteidigen sollen, womit er sich als Alpha-Tier im Bantamgewicht hätte etablieren können. Barao erkrankte jedoch während der Gewichtsabnahme für die offizielle Waage und fiel aus – nun steht Dillashaw mit Joe „One Bad Mofo“ Soto (15-2) ein weiterer Champion gegenüber, den allerdings bisher so gut wie niemand kennt. Der kalifornische Ringerexperte gewann 2009 zunächst das Federgewichtsturnier der ersten Staffel von Bellator und damit deren Gürtel, bevor er Anfang dieses Jahres den Bantamgewichtstitel der Tachi Palace Fighting Championships zu seiner Sammlung hinzufügte. Mit einem Gürtel und fünf vorzeitigen Siegen in Folge hat sich der 27-Jährige eine gute Basis für sein UFC-Debüt aufgebaut, in dem er eigentlich im zweiten Kampf des Abends auf Anthony Birchak hätte treffen sollen.

Stattdessen steht Soto nun im Hauptkampf einer UFC Pay-per-View-Veranstaltung und bekommt mit 24 Stunden „Vorbereitung“ einen Titelkampf in seinem UFC-Debüt. Jetzt muss er beweisen, dass er tatsächlich „One Bad Mofo“ ist, und wer weiß – vielleicht gibt es am Sonntagmorgen schon wieder einen neuen Bantamgewichtschampion, dem diesen Titel am Tag zuvor niemand zugetraut hätte…

Tony Ferguson vs. Danny Castillo
Zwischen Tony “El Cucuy” Ferguson (15-3) und Danny “Last Call” Castillo (17-6) könnte es im Leichtgewicht interessant werden. Zwar wäre dieses Duell im Normalfall maximal als Co-Hauptkampf einer kleineren Fight Night durchgegangen, durch die Verletzung Jon Jones’ und den darauffolgenden Abzug des Fliegengewichtstitelkampfes zwischen Demetrious Johnson und Chris Cariaso von diesem Event haben die beiden Leichtgewichte aber nun profitiert. Am Samstag könnten sie sich mit einem Sieg den größten Aufmerksamkeitsschub ihrer Karriere sichern – sofern ihr Mangel an Star-Power die Verkaufszahlen nicht allzu sehr in den Keller zieht.

Verdient hätten die beiden etwas mehr Anerkennung für ihre kämpferischen Leistungen jedenfalls. Ferguson gewann 2011 zunächst die 13. „The Ultimate Fighter“-Staffel (TUF) mit einem Knockout gegen Ramsey Nijem, bevor er auch Aaron Riley und Yves Edwards besiegte. Eine Punktniederlage gegen Michael Johnson und eine in diesem Kampf erlittene Verletzung ließen den Stern des TUF-Siegers anschließend jedoch wieder sinken, da er knapp eineinhalb Jahre nicht in den Käfig steigen konnte. Als er im vergangenen Oktober bei UFC 166 schließlich doch noch ein Comeback gab, nahm seine Karriere dank einem Aufgabe-Sieg in Runde eins gegen Mike Rio wieder Fahrt auf, bevor er sich mit einem Erstrunden-K.o. gegen Katsunori Kikuno im Mai weiter ins Gespräch brachte.

Castillo dagegen machte sich zunächst in der WEC einen Namen, wo er u.a. Ricardo Lamas und Dustin Poirier schlagen konnte, bevor er mit einem Sieg gegen Joe Stevenson in der UFC debütierte. Zehn Mal hat der Ringer-Experte seitdem im Octagon gestanden und lediglich drei Mal verloren – zunächst eine haarscharfe Punktentscheidung gegen Edson Barboza, als die UFC im vergangenen Dezember zum letzten Mal in Sacramento zu Gast war. Nun wird „Last Call“ nach Siegen gegen Anthony Njokuani, Paul Sass, Tim Means, Charlie Brenneman u.a. versuchen, sich im bisher wohl größten Kampf seiner Karriere weiter auf der Erfolgsspur zu halten und die prestigeträchtige Position voll auszunutzen, die er als Co-Hauptkämpfer bekommen hat.

Bethe Correia vs. Shayna Baszler
Im einzigen Frauenkampf des Abends werden im Bantamgewicht Bethe “Pitbull” Correia (8-0) und Shayne “The Queen of Spades” Baszler (15-8) aufeinandertreffen. Correia gab ihr UFC-Debüt im vergangenen Dezember, als sie Julie Kedzie nach Punkten bezwingen und sie damit in den Ruhestand schicken konnte. Nachdem sie in diesem Kampf bereits die Wettquoten geschlagen hatte, gelang ihr dieses Kunststück auch in ihrem nächsten Duell gegen Jessamyn Duke. Mit diesem Punktsieg legte sich die Brasilianerin allerdings mit Ronda Rousey und ihren „four horsewomen“ an, einem aus Rousey, Duke, Marina Shafir und Shayna Baszler bestehenden Quartett.

Nun wird sie mit Baszler auf das nächste Mitglied der „vier Pferdefrauen“ treffen, die es vor einigen Jahren schaffte, zusammen mit einigen anderen MMA-Befürwortern den Sport im US-Bundesstaat South Dakota zu legalisieren und einen Kritiker vom Sport zu überzeugen, der MMA zuvor noch mit Kinderpornos verglichen hatte. Mit der Erfahrung aus Kämpfen gegen Sarah Kaufman, Alexis Davis, Sara McMann und Cristiane „Cyborg“ Justino ging die sehr erfahrene Baszler außerdem als eine der Favoritinnen in die 18. TUF-Staffel, wo sie jedoch nach einem Sieg in der Eröffnungsrunde an der späteren Siegerin Julianna Pena scheiterte. Seitdem war sie nicht mehr aktiv zu sehen und muss sich daher nun mit einem möglichst beeindruckenden Sieg wieder ins Gespräch bringen.

Ramsey Nijem vs. Carlos Diego Ferreira
Im Leichtgewicht werden in Form von Ramsey “Stripper” Nijem (9-4) und Carlos Diego Ferreira (10-0) zwei Kämpfer aufeinandertreffen, die auf Erstrundensiege in ihrem jeweils letzten Kampf aufbauen wollen. Nijem tauchte während der 13. TUF-Staffel zum ersten Mal in der UFC auf, wo er es bis ins Finale schaffte, dort jedoch von Underdog Tony Ferguson ausgeknockt wurde. Danach brachte er seine UFC-Karriere mit Siegen gegen Danny Downes, C.J. Keith und Joe Proctor auf Spur, bevor er nacheinander von Myles Jury ausgeknockt und von James Vick zur Aufgabe gezwungen wurde. Seine Karriere im Octagon rettete der „Stripper“ schließlich in diesem Jahr mit zwei überzeugenden Siegen in Folge gegen Justin Edwards und Beneil Dariush.

Am Samstag wird er auf den Brasilianer Carlos Diego Ferreira treffen, der erst im Juni sein UFC-Debüt gegeben hat. Der BJJ-Schwarzgurt dritten Grades brauchte gegen Colton Smith lediglich 38 Sekunden, um den TUF-Sieger per Rear Naked Choke zur Aufgabe zu zwingen.
Zuvor hatte sich der 29-Jährige neun Siege in diversen regionalen Organisationen gesichert, davon allein fünf durch Aufgabe. Unter anderem wurde er im vergangenen Jahr zum Leichtgewichtschampion von Legacy FC – nun will der Bodenkampfexperte sich auch in der UFC das Gold sichern.

Yancy Medeiros vs. Damon Jackson
Im Leichtgewicht will Yancy „Frisson“ Medeiros (9-2-0(1)) nach eineinhalb Jahren in der Organisation endlich seinen ersten Sieg in der UFC einfahren. Pech und eigene Schuld haben in diesem Zeitraum den langersehnten Triumph verhindert – nachdem eine Daumenverletzung sein UFC-Debüt gegen Rustam Khabilov vorzeitig beendete, knockte Medeiros im vergangenen November den Veteranen Yves Edwards aus, bevor ihm dieser Sieg wegen Marihuana-Konsums wieder aberkannt wurde. Ein Jahr nach seinem Debüt nahm Medeiros kurzfristig einen Kampf gegen den Top Ten-Kämpfer Jim Miller an und wurde vom BJJ-Experten prompt in Runde eins Schlafen geschickt.

Nun soll UFC-Neuling Damon „The Leech“ Jackson (9-0) zum ersten Sieg in Medeiros’ Octagon-Bilanz werden. Der Legacy FC-Champion hat jedoch höhere Ansprüche als das und will seinem Aufgabe-Sieg gegen Leonard Garcia, mit dem er sich erst im Juli dieses Jahres den Titelgürtel sicherte, ein erfolgreiches UFC-Debüt folgen lassen. Bisher hat es niemand mit Jackson über die Runden geschafft – sieben Aufgabe-Siege und zwei technische Knockouts hat der Texaner seit seinem Profi-Debüt im September 2012 angesammelt. Nun soll auf dem Hauptprogramm einer UFC Pay-per-View-Veranstaltung der nächste Erfolg für den zweifachen Bellator-Veteranen her.


Anbei das gesamte Programm:

UFC 177: Dillashaw vs. Soto
Samstag, 30. August 2014
Sleep Train Arena in Sacramento, Kalifornien, USA

Bantamgewichtstitelkampf (ufc.tv)
T.J. Dillashaw (c) vs. Joe Soto

Hauptprogramm (ufc.tv)
Tony Ferguson vs. Danny Castillo
Bethe Correia vs. Shayna Baszler
Ramsey Nijem vs. Carlos Diego Ferreira
Yancy Medeiros vs. Damon Jackson

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Lorenz Larkin vs. Derek Brunson
Ruan Potts vs. Anthony Hamilton
Chris Wade vs. Cain Carrizosa

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