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Drei Jahre WEC vs. UFC

Wie haben sich die Jungs aus dem blauen Käfig geschlagen?

von Martin Thauer & Florian Sädler 30.08.2013

Als José Aldo im November 2010, kurz vor UFC 123, mit Anzug und Krawatte das Octagon betrat, um dort als ehemaliger WEC-Champion seinen neuen UFC-Gürtel überreicht zu bekommen, ging ein verwundertes Raunen durch die MMA-Gemeinde. Wer waren all diese 1,70 Meter großen Männer, die jetzt plötzlich zur UFC gehören sollten? Warum bekam dieser Typ einfach so einen UFC-Titel, ohne jemals dafür gekämpft zu haben?

Obwohl zu diesem Zeitpunkt schon längst die schwereren Gewichtsklassen von WEC in die UFC übergegangen waren und Kämpfer wie Johny Hendricks, Mark Munoz oder Carlos Condit angesehene Top-Leute mitgebracht hatten, wurde den Bantam-, Feder- und Leichtgewichten aus der Tochterorganisation der UFC viel Skepsis gegenübergebracht. Keine Schlagkraft und daher viele Kämpfe über die volle Distanz wurde prophezeit, einige Fans waren gar der Meinung, sie könnten es in einem Kampf mit den „Zwergen“ aufnehmen.

Keine drei Jahre später sieht die Welt ganz anders aus: Aldo führt mittlerweile erfolgreich Pay-per-View-Veranstaltungen an und steht an der Spitze einer der am dichtesten besetzen Gewichtsklassen der UFC. Gleich der erste Kampf zwischen zwei Ex-WEC-Kämpfern endete in einem der härtesten Knock-outs der UFC-Geschichte, als Pablo Garza im Dezember 2010 Fredson Paixao per eingesprungenem Kniestoß minutenlang ins Land der Träume schickte.

In den offiziellen UFC-Rankings nehmen ehemalige WEC-Kämpfer die Hälfte der Plätze in der Gewichtsklassen übergreifenden Pound-for-Pound-Rangliste ein. Und an diesem Wochenende wird sich bei UFC 164 die alte Garde von WEC im Hauptkampf einer großen, im Bezahlfernsehen gezeigten UFC-Veranstaltung gegenüberstehen: Ben Hendersons Rückkampf gegen Anthony Pettis ist einer der sehnlichst erwarteten Kämpfe der letzten Monate – die gleiche Ansetzung führte bereits WEC 53 im Dezember 2010 an, die letzte WEC-Veranstaltung vor der Übernahme.

Historisches Titelduell zwischen Henderson und Pettis

Mit UFC 164 schließt sich also am 31. August gewissermaßen ein Kreis, denn seit dem ersten Kampf der beiden haben sich die leichteren Gewichtsklassen durch viele spannende und oft spektakulär beendete Kämpfe bei vielen der zunächst skeptischen Fans ihren verdienten Respekt erarbeitet. Das geschah im Laufe der Zeit nicht nur durch einzelne Highlights, sondern durch konstant gute Leistungen. Der in dieser Form eigentlich nur in Filmen zu sehende Showtime-Kick, der Pettis Ende 2010 in der fünften Runde des Kampfes gegen Henderson womöglich den knappen Vorsprung auf den Punktrichterzetteln und damit den WEC-Gürtel gesichert hat, scheint erst durch Pettis und Hendersons Erfolg in der UFC so richtig geschätzt zu werden – so etwas gegen einen Weltklasse-Gegner zu zeigen, beweist große Klasse und die Tatsache, dass die WEC-Jungs spektakuläre Action-Feuerwerke auf hohem Niveau abbrennen können.

Auch wenn es die meisten Vorschauvideos für UFC 164 nicht zeigen, war dieser Kick nicht das Ende des Kampfes. Henderson kam wieder auf die Beine und konnte den Kampf zu Ende bestreiten. Was diesen Kick aber noch beeindruckender macht, als er ohnehin schon war, ist die Tatsache, dass Pettis sich in der letzten Runde eines bis dahin ausgeglichenen Titelkampfes getraut hat, den Zaun als Trampolin zu benutzen und einen Headkick anzusetzen. Von mangelndem Selbstvertrauen kann man bei Pettis also nicht sprechen. Gleiches trifft vor UFC 164 aber auch auf Henderson zu, der nach seinem Titelverlust keinen Kampf mehr verloren hat.

In der UFC weist Henderson zudem eine bessere Bilanz auf, als der Mann, der ihm den WEC-Titel abgenommen hat: Henderson hat sieben Kämpfe im Octagon bestritten und jedes Mal hat er den Käfig als Sieger verlassen. Pettis musste sich dagegen in seinem ersten Kampf in der UFC Clay Guida nach Punkten geschlagen geben; danach gelangen ihm jedoch drei Siege in Folge, wodurch er sich nun den Titelkampf verdient hat, der ihm bereits nach seinem WEC-Titelgewinn bei WEC 53 versprochen wurde.

Auch wenn der Weg für Pettis zu einem Titelkampf in der UFC etwas steiniger war, als ursprünglich gedacht – wofür er sich bei Gray Maynard und Frankie Edgar bedanken kann –, so hat dieser Kampf für WEC im Nachhinein auch etwas Positives. Schließlich beweist ein Titelkampf in der UFC zwischen zwei Kämpfern, die bereits bei WEC gegeneinander um den Titel gekämpft haben, drei Jahre nach der Eingliederung der Organisation in die UFC, dass sich bei WEC nicht nur minderwertige Kämpfer befunden haben.

Wäre Pettis direkt nach seinem Titelgewinn gegen den amtierenden UFC-Champion angetreten und hätte womöglich sogar verloren, hätten sich alle Kritiker bestätigt gefühlt, so aber haben Henderson und Pettis bewiesen, wie gut die Jungs in der „zweiten Liga“ tatsächlich sind.

WEC-Veteranen im Titelgeschehen

Tatsächlich können die WEC-Kämpfer in Titelkämpfen gegen UFC-Leute zurzeit eine Bilanz von 3-0 vorweisen. Anhand dieses Fakts könnte man davon ausgehen, dass die WEC-Spitze den Top-Leuten der UFC nicht nur das Wasser reichen kann, sondern sogar überlegen sei –doch das stimmt so allerdings auch wieder nicht. Wären einige wenige Dinge anders abgelaufen, hätte es genauso gut andersherum kommen können. Angenommen, Frankie Edgar hätte sich im August 2012 beispielsweise gegen Ben Henderson in deren zweitem Kampf seinen Titel zurückgeholt – ein großer Teil der MMA-Gemeinde hatte den Kampf zu seinen Gunsten gewertet – und TJ Grant hätte sich nicht vor einigen Wochen im Training verletzt: Diese beiden könnten sich am Samstag gegenüberstehen. Dieser Kampf ist natürlich rein hypothetisch, aber es gibt neben den beiden noch zig andere Top-Kämpfer in der Gewichtsklasse, die nie bei WEC waren. Das alles zeigt lediglich, dass die Qualität der WEC-Kämpfer nie geringer war als die der seit Jahren bekannten UFC-Veteranen.

Alles in allem haben sich die WEC-Kämpfer so geschlagen, wie diejenigen, die direkt aus der regionalen Szene in die UFC kamen oder seit Jahren im Octagon antreten: Es gab gemischte Ergebnisse. Die einen hatten durchschlagenden Erfolg, während andere nicht überzeugen konnten und nach wenigen Kämpfen entlassen wurden. Auffällig ist allerdings ein Phänomen, das man seit Anfang dieses Jahres auch bei vielen von Strikeforce übernommenen Kämpfern beobachten konnte: Die „Neuen“ scheinen riesigen Ehrgeiz zu haben, es in der UFC zu etwas zu bringen, der ihnen einen extra Schub Motivation und Willenskraft gibt.

Kein Wunder, schließlich haben sie jahrelang genauso hart gearbeitet wie ihre Kollegen in der UFC, allerdings mit großen Abstrichen in puncto Bezahlung und Anerkennung. Die Bonuszahlungen in den letzten Jahren von WEC lagen beispielsweise bei 10.000 Dollar, während in der UFC bis zu 70.000 Dollar für den Kampf, den Aufgabegriff oder den Knockout des Abends verteilt wurden; den zehn- bis zwanzigtausend Live-Zuschauern bei der UFC standen meist nur ein- bis viertausend bei der WEC gegenüber. Der Wechsel auf die ganz große Bühne war für viele Kämpfer daher die Chance auf den endgültigen Durchbruch. Diese Extra-Motivation dürfte zum Erfolg der von einigen als B-Kämpfer angesehenen Athleten ebenfalls seinen Teil beigetragen haben.

WEC-Leichtgewichte in der UFC erfolgreich

Natürlich kann man den Wert von WEC nicht alleine am Erfolg von Henderson und Pettis festmachen. Blickt man auf die anderen Kämpfer, die bei den letzten beiden WEC-Veranstaltungen angetreten sind und anschließend von der UFC übernommen wurden, dann fallen einem zunächst Donald Cerrone und Dustin Poirier auf. Auch wenn Cerrone (7-3 in der UFC) seinen letzten Kampf gegen Rafael dos Anjos nach Punkten verloren hat, hat er dennoch in seinen Kämpfen davor bewiesen, dass er auf der großen Bühne mithalten kann und im oberen Drittel im Leichtgewicht angesiedelt werden muss.

Poirier hat mit seinem Wechsel in die UFC auch die Gewichtsklasse gewechselt und tritt seitdem im Federgewicht an. Hier konnte er fünf seiner sieben Kämpfe gewinnen, dazu hat er am Samstag bei UFC 164 die Gelegenheit, mit einem Sieg über Erik Koch einen weiteren Schritt nach vorne in der Top 10 der Gewichtsklasse zu machen.

Ähnlich erfolgreich war Danny Castillo, der seit seiner Übernahme von der UFC sechs seiner acht Kämpfe gewonnen hat und im Leichtgewicht langsam nach oben klettert. Für Anthony Njokuani war seine bisherige UFC-Karriere nicht ganz so erfolgreich, mit einer Bilanz von 4-3 weist aber auch er noch eine positive Kampfbilanz in der UFC auf; dazu hat er sich durch seinen attraktiven Kampfstil bei den Fans sehr beliebt gemacht.

Diesen Erfolgsgeschichten stehen aber auch einige negative Beispiele gegenüber. Neben den bereits genannten Kämpfern wurden zudem noch Zhang Tiequan, Kamal Shalorus, Bart Palaszewski, Edward Faaloloto und Shane Roller direkt aus der WEC in die UFC übernommen. Diese fünf Kämpfer kommen zusammen auf eine Kampfbilanz von 4-14 in der UFC. Abgesehen von Roller, der nach seiner letzten Niederlage im Oktober letzten Jahres seine Karriere beendete, wurden mittlerweile alle anderen Kämpfer aus der UFC entlassen.

Im Allgemeinen lässt sich aber sagen, dass die Kämpfer von WEC die Erwartungen, die man in sie gesteckt hatte – vor allem im Vergleich zu vielen ihrer Kollegen aus PRIDE und Strikeforce – noch übertroffen haben. Während Kämpfer wie Mirko „Cro Cop“ Filipovic, Wanderlei Silva und Alistair Overeem als Superstars in die UFC kamen und schnell in der Belanglosigkeit ihrer Gewichtsklasse verschwunden sind, haben sich Henderson und Pettis ihren Platz im Hauptkampf bei UFC 164 verdient und bewiesen, dass sie sich auch über einen längeren Zeitraum an der Spitze der Gewichtsklasse etablieren können – nicht schlecht für „Kämpfer zweiter Klasse“.

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