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StartseiteUFCInterviewsPetrajtis: Wir haben unseren Beitrag zur Entwicklung des deutschen MMA-Sports geleistet!

Petrajtis: Wir haben unseren Beitrag zur Entwicklung des deutschen MMA-Sports geleistet!

Veranstalter und ehemaliger Kämpfer im Interview vor Age of Cage-Jubiläumsshow.

von Elias Stefanescu & Fabian Habel 04.02.2017

Weniger als drei Jahre benötigte die Stuttgarter MMA-Veranstaltungsreihe „Age of Cage“, um sich im Baden-Württembergischen Raum zu etablieren. Am 5. Februar steht in der LKA-Longhorn-Halle nun das erste runde Jubiläum in Form des zehnten Events an (GNP1.de berichtete). Im Vorfeld sprachen wir mit dem Mann, der für „Age of Cage“ verantwortlich ist: Alexander Petrajtis. Er äußerte sich im Gespräch über die Entwicklung von AOC, weitere Ziele, seine eigenen Erfahrungen als Kämpfer und vielem mehr.

GNP1.de: Die bereits 10. Ausgabe von „Age of Cage“ steht vor der Tür. Wie hat sich der MMA-Sport in Stuttgart seit dem AOC-Debüt entwickelt und welchen Einfluss hatte die Eventreihe deiner Meinung nach?
Alexander Petrajtis: Nun, unser Wirken in der Stuttgarter-MMA-Szene reicht noch weiter in die Vergangenheit zurück. Vor Age of Cage haben wir die „Defenders“-Events veranstaltet. Wenn ich an meine aktive Zeit zurückdenke, fällt mir auf, dass es im Raum Stuttgart immer mehr Kampfsportschulen gibt, die MMA-Kurse anbieten. Gleichzeitig sind die etablierten Gyms viel professioneller geworden. Kong‘s Gym, Stallion Cage, Seiwasser, Impacto, No Limit Fight Club und die Kampfsportschulen Allerborn haben mittlerweile optimale Trainingsmöglichkeiten und bilden gute Kampfsportler aus.

Unsere Aufgabe als Veranstalter ist es, dem Nachwuchs eine solide Plattform zu bieten, wo er sein Können präsentieren kann. Es ist natürlich für jeden angenehm vor heimischer Kulisse zu kämpfen, statt wie früher, hunderte von Kilometern zu MMA-Events zu fahren. Allgemein merke ich, dass die Stuttgarter auf das Thema MMA sensibilisiert worden sind. Ich bin der Meinung, dass wir den Kampfsport in Stuttgart positiv dahingehend beeinflussen, dass die breite Masse mehr Interesse für die Sportart entwickelt hat.

Wie habt ihr euch selbst in dieser Zeit weiterentwickelt? Auf welche Schritte bist du besonders stolz?
Auf die Tatsache, dass wir uns trotz sehr vieler anfänglichen Schwierigkeiten und keinem Fremdkapital auf dem Markt halten und etablieren konnten, bin ich persönlich sehr stolz. Es war natürlich sehr viel Arbeit erforderlich, aber mittlerweile hat sich Age of Cage zu einer echten schwäbischen Marke entwickelt. Mein Team hat ein besonderes Lob verdient. Es ist unglaublich was die Jungs leisten und wie sie mich unterstützen. Ohne sie wäre das gar nicht möglich.   

Gibt es in Stuttgart Konkurrenz für euch und wo steht ihr deiner Meinung nach im bundesweiten Vergleich?
Anfangs gab es neben uns kleinere Veranstaltungen. Hauptsächlich Hausgalas. Jetzt ist nur noch „We Love MMA“ einmal im Jahr da. Vom Konkurrenzdenken bin ich aber schon lange abgekommen. Für uns ist die Anwesenheit der Mitbewerber auf dem Markt ein zusätzlicher Ansporn, um bessere Events zu veranstalten. Die Tatsache, dass wir mehrere Jahre hintereinander zur Wahl des besten Veranstalters aufgestellt wurden, lässt drauf schließen, dass wir bundesweit gar nicht so schlecht dastehen. Ich schätze, dass wir regional an der Spitze und in Deutschland unter den Top 10 sind.

Wie sehen eure mittel- und langfristigen Ziele aus?
Mittelfristig wollen wir unsere momentane Auslastung erhalten und qualitativ zulegen. Wir werden demnächst eine größere Location suchen müssen. Langfristig möchte ich eine professionelle Eventagentur aufbauen, entsprechende Arbeitsplätze schaffen und irgendwann Hallen mit mehreren Tausend Zuschauern füllen. 

De La Roca und Petrajtis bei den DGL-Einzelmeisterschaften. (Foto: Valentino Kerkhof)

Alexander, du warst früher selbst Kämpfer. Wo liegt der Unterschied zwischen den Erwartungen des Veranstalters und denen der Kämpfer?
Tatsächlich kenne ich beide Seiten und kann mich gut in die Position der Kämpfer hineinversetzen. Die Ansprüche der Sportler sind in der Tat recht hoch. Sie wollen neutrale, faire Schiedsrichtergerichte, mediale Aufmerksamkeit, passendes Matchmaking usw. Die Veranstalter sind mit weitaus weniger zufrieden zu stellen. Es reicht schon, wenn man am Veranstaltungstag da ist. Natürlich ist das Geld ein Thema.

Ich bin für faire Bezahlung, aber es gibt immer Spezialisten, die den eigenen Wert maßlos überschätzen. Zu meiner Zeit bin ich für 100 Euro nach Rammstein und Dortmund gefahren. Ich war glücklich überhaupt kämpfen zu dürfen. Letzten Endes ist das Thema Geld eine Verhandlungssache. Keiner zwingt dich den Kampf unter bestimmten Konditionen anzunehmen. Aber wenn man einwilligt, sollte man die Vereinbarung einhalten.

Können diese Ansprüche  zum Problem werden?
Wenn man undiplomatisch handelt und bei erster Gelegenheit alle Brücken verbrennt, kann das durchaus zu einem Problem werden. Denn die Veranstalter brauchen Kämpfer und Kämpfer die Veranstalter.

Warum hast du als aktiver Kämpfer aufgehört?
Der Grund war mein Beruf und die Tätigkeit als Veranstalter. Ich hatte einfach keine Zeit mehr für das Training und eine richtige Vorbereitung.

Juckt es dir manchmal in den Fingern? Willst du selbst wieder aktiv werden?Es ist eine sehr verführerische Vorstellung, wieder im Käfig zu stehen, aber ich bleibe realistisch. Wenn man sein Leben nicht komplett nach dem Sport ausrichtet, wie es beispielsweise Andreas Kraniotakes zu seiner Zeit gemacht hat, wird man niemals über das Mittelmaß hinaus kommen. Wenn ich noch mal kämpfen sollte, dann mache ich es aus Spaß und nicht um irgendwelche Ranglistenplätze zu belegen.

Was hältst du von den deutschen Schwergewichtlern? Was hättest du deiner Meinung nach erreichen können? Du warst erfolgreich bei den deutschen Meisterschaften im Combat Sambo, BJJ und auch im Finale der deutschen Grappling Einzelmeisterschaft auf der FIBO gegen Christian De La Roca.
Ich finde wir haben eine Handvoll guter Schwergewichte in Deutschland. Andreas, Jarjis, Bjorn, Valdrin, Ruben, Thorsten und Janosch gehören sicherlich dazu. Einige von ihnen kämpfen auf sehr namhaften Veranstaltungen, ja sogar in der UFC. Man muss aber auch sagen, dass die Konkurrenz nicht besonders hoch ist. Mit zwei-drei Siegen ist man in der Top 10. Gar kein Vergleich zu den anderen Gewichtsklassen.

Ich selbst war ein sehr einseitiger Kämpfer. Entweder habe ich den Gegner zu Boden gebracht und mit einer Submission beendet oder es gelang mir nicht, und ich wurde böse im Stand verprügelt. Wenn ich mein Training nicht intensiviert und an den Defiziten nicht gearbeitet hätte, würde ich mich vielleicht noch ein Jahr in der Top 10 halten können. Mehr nicht.

Age of Cage 10 steht kurz bevor. Wie liefen bisher die Vorbereitungen für dieses Jubiläum?
Die Vorbereitungen laufen sehr gut. Bis jetzt sind wir von Ausfällen verschont geblieben. Das ist für jeden Veranstalter ein leidiges Thema. Wir haben dieses Mal viele Standkämpfe im Programm. Die Mischung aus MMA und K-1 scheint dem Publikum besonders zu gefallen.

Was erwartest du dir von der anstehenden Veranstaltung?
Allem Anschein nach werden wir volles Haus haben. Ich bin sehr zuversichtlich. Es wird wieder mal eine tolle Veranstaltung.

Es standen bereits Namen wie z.B. Nick Hein oder Alan Omer bei euch im Käfig. Wie stolz macht es dich als Veranstalter, solche Athleten an Bord gehabt zu haben?
Ja genau, der Nick hat 2013 bei „Defenders“ bei uns gekämpft. Jetzt ist er in der UFC. Es ist einfach ein gutes Gefühl, zu wissen einen kleinen Beitrag zur Entwicklung des deutschen MMA-Sports geleistet zu haben. Nick ist aber nicht der Einzige. Ich bin mir sicher dass der Anatolij Baal demnächst den Sprung zu einer großen Organisation schaffen wird und Alan ist auch bald wieder bei der UFC. Stuttgart hat, was die Talente anbetrifft, sehr viel zu bieten.

Könnt ihr euch vorstellen, in Zukunft auch außerhalb von Stuttgart zu veranstalten?
Gegenwärtig ist in Deutschland ein Trend zu beobachten, dass die Veranstalter anfangen außerhalb ihrer Heimatstadt zu veranstalten. Man spricht von Expansion. Was für ein schreckliches Wort (lacht). Für uns ist das gerade kein Thema. Wir sind ganz gut in Stuttgart unterwegs, haben unsere Fans und sind zufrieden damit.

Danke für das Interview und viel Erfolg mit der Jubiläumsshow.
Ich danke euch!

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