Thai/Kickboxen

Wolfgang Gier: „Wir machen Kampfsport von der härtesten Sorte“

Wolfgang Gier

Am kommenden Samstag steigt in der Wandsbeker Sporthalle von Hamburg die mittlerweile 26. Ausgabe der Kickmas-Veranstaltung. Vater dieser Serie ist der Hamburger Wolfgang Gier, den man auch als einer der Väter des Muay Thai in Deutschland bezeichnet und der eigentlich jedem Kampfsport-Fan ein Begriff sein sollte. Kurz vor seiner Veranstaltung hatte GNP1.de die Möglichkeit, sich mit Gier über die Veranstaltung, die Szene in Hamburg und über seine Zukunft zu unterhalten.

GNP1.de: Wolfgang, am 2. Dezember geht die Kickmas Fight Night in die nächste Runde. Wie laufen die Vorbereitungen?
Wolfgang Gier: Die Vorbereitungen sind im vollen Gange. Wie haben diesmal auch verstärkt Werbung gemacht in den Medien. Unser Team wurde erweitert mit guten Leuten.

Titelkämpfe, ein Comeback – es wird eine Menge geboten. Auf welchen Kampf freust du dich am meisten?
Einmal das  Comeback von Dima Weimer. Er gehört eben zu Kickboxen. Seine Kämpfe sind da einfach interessanter. Ansonsten freue ich mich auf jeden Kampf, da ich die Kämpfe so zusammen stelle, wie ich sie selber gerne sehen möchte.

Dima Weimer hat sich vom Boxen wieder losgesagt und kehrt zum Kickboxen zurück. Ein Schritt, den du begrüßt?
Wie schon gesagt, Dima gehört zum Kickboxen. Das ist sein Ding. Die Kämpfe sind spannend und man weiß nicht wer gewinnt.

Till Görres hatte in unserem Interview gesagt, dass er kein Fan von Sporthallen-Atmosphäre ist und lieber innovativer Locations bevorzugt. Wie sieht es bei dir aus? Wo würdest du denn gerne mal veranstalten wenn du könntest?
Die Alsterdorfer Halle habe ich schon gehabt. Fehlt also nur noch die Barclaycard Arena. Sport, vor allen Dingen unser Sport, gehört in solche Hallen. Wir machen Kampfsport von der härtesten Sorte und das gehört in eine Sporthalle. Wer schon einmal im Lumpini Stadion war, weiß was ich meine. Die Atmosphäre ist eine andere.

In 2017 gab es so viele Übertragungen via Live-Stream wie noch nie. Denn gibt es Veranstalter, die befürchten, dass ihnen durch die Übertragung im Internet die Zuschauer in der Halle fehlen würden. Wie stehst du zu diesem Thema?
Ja, ist ein Für und Wider. In der eigenen Stadt würde ich bei einer Liveübertragung trotzdem hin gehen. In einer Stadt, die weiter weg ist, schaue ich mir das lieber im Internet an. Aber es kommt immer auf die Kämpfe an.

Ein Thema, was in Hamburg nicht neu ist und es eigentlich traurig ist, aber immer wieder aufkommt: Es können hier nur wenige miteinander. Warum?
Wir haben uns mehr als einmal zusammengesetzt, um eine gute Zusammenarbeit zu leisten.  Aber viele denken eben nur an sich und glauben, dass sie das Thaiboxen erfunden haben. Hamburg hat viele gute Gyms und könnte viel mehr leisten. Wir hatten schon mal kurzfristig eine Rangliste für die Hamburger Kämpfer auf den Hausgalas gehabt, wo am Ende des Jahres, die Ranglisten-Ersten um den Hamburger Titel kämpfen sollten. Zuerst fanden es alle gut, aber richtig dafür was machen wollte keiner. Man hat keine Ergebnisse bekommen und so weiter. Einfach schade. So arbeiten wir nur noch mit den Gyms zusammen, mit denen es Spaß macht und auf die man sich verlassen kann.

Warum ist die Situation in Hamburg, sagen wir mal „kompliziert“ und was könnte man in deinen Augen dagegen tun?
Wenn man die alten Serien aus dem TV kennt, weiß man, dass es in Hamburg wie bei Dallas läuft. Intrigen wohin das Auge schaut. Ich will auch nicht mit Leuten zusammenarbeiten, die einfach falsch sind.

Für wie realistisch hältst du es, dass man in der Zukunft eine Veranstaltung in Hamburg auf die Beine stellen kann, rein mit Kämpfern und Kämpferinnen aus der eigenen Stadt?
Wir haben auf unseren Hausgalas bis zu 14 Hamburger Gyms. Bei großen Veranstaltungen haben wir immer die meisten Kämpfe mit Hamburger Kämpfer besetzt. Es geht ja auch nicht anders.

Früher hast du Weltstars wie Ramon Dekkers & Co. nach Hamburg geholt. Warum ist dies in der heutigen Zeit nicht mehr so ohne weiteres möglich?
Ganz einfach. Die Top-Kämpfer kosten zu viel Geld. Das kannst du heute nur bezahlen, wenn du das Fernsehen dabei hast. Ich habe in den 90ern schon für Ramon 15.000,- DM, für Gilbert Ballentine 13.000,- DM bezahlt. Meine Galas haben bis zu 120.000,- DM gekostet. Dafür bekommst du heute nicht viele Kämpfer.

Was hat sich denn im Vergleich zu vor 20 Jahren bis heute positiv wie auch negativ im Sport verändert?
Die Vielzahl der Veranstaltungen ist enorm gewachsen. Das Level der Kämpfer ist bedeutend besser geworden. Das Negative an der Sache ist, wir haben nicht mehr die Stars wie früher. Man fährt nicht mehr überall hin, um die guten Kämpfer zu sehen. Denn die wirklich guten sind selten geworden. Es liegt auch daran, dass die deutschen Kämpfer, die ein paar Kämpfe gewonnen haben, der Meinung sind, sie müssen schnell in die A-Klasse wechseln. Die deutschen Kämpfer werden in Holland nicht einmal im Internet gegoogelt.

In diesem Jahr hast du den Bund der Ehe geschlossen. Manchmal ist es auch gleichbedeutend damit, dass man sich Stück für Stück in das Privatleben zurückziehen möchte. Wie sieht es bei dir aus?
Mein Privatleben ist immer die Kampfkunst gewesen. Ich lebe sie. Meine Frau kommt aus der Muay Thai Szene. In meinem Alter muss man etwas kürzer treten. Der Verschleiß bleibt nicht aus.

Zum Abschluß noch der Blick in die Kristallkugel. Wo sieht sich Wolfgang Gier in fünf bzw. 15 Jahren?
Wenn ich dann noch lebe, werde ich in Thailand mit meiner Familie auf ein erfülltes und glückliches Leben zurückblicken und mich freuen, wenn mich Schüler aus Deutschland besuchen und ich weiß, dass sie mich nicht vergessen haben.