Thai/Kickboxen

„Wir müssen den Sport noch öffentlichkeitswirksamer machen“

Mit Adriane "Dr. Kick" Schneider vom Boxgymnasium gibt es in Deutschland eine weitere Profi-Weltmeisterin die sich ihren Weg nach ganz oben bahnen will. Dabei macht die sympathische Heidelbergerin auch nicht vor großen Namen wie Dr. Christine Theiss halt. Allerdings stellt die WKF-Weltmeisterin auch klar woran es liegt, das noch nicht soviele Frauen gibt die im Thai- und Kickboxen aktiv wird. Bevor es am 11. Februar auf der Biest Fight Night VI wieder ernst wird, traf sich GnP zu einem Interview mit Adriane Schneider.

Hallo Adriane. Zunächst mal ein frohes neues Jahr noch. Wie geht’s es dir und wie hast du den Jahreswechsel verbracht?
Hallo Tobi. Das wünsche ich Dir auch. Mir geht es sehr gut, ich komme gerade von einem entspannenden Kurzurlaub mit meinem Mann im Schnee.

Am 11. Februar steht auf der Biest Fight Night VI der Intercontinental Titelkampf nach WAKO-Pro Version an. Wie laufen die Vorbereitungen?
Ich bin sehr zufrieden und alles läuft bisher nach Plan.

Deine Gegnerin, Sarah Debajeb aus den Niederlanden, ist für dich keine Unbekannte. Was hälst du von ihr als Gegnerin?
Sarah ist eine tolle Sportlerin, und ich freue mich sehr auf den Kampf.
Sarah Debaijb vs Adriane Schneider (Foto: Marco Baumann/Boxgymnasium.de)
Auf der Mix Fight Gala X in Darmstadt hast du eine doch umstrittene Punktniederlage gegen sie einstecken müssen. Bist du daher jetzt noch motivierter weil es nicht nur darum geht deinen Titel zu verteidigen, sondern weil du auch noch eine Rechnung mit ihr offen hast?
Meine Motivation ist für jeden Kampf groß. Aber dieses Mal natürlich ist sie noch ein bisschen größer, weil das Urteil ganz eindeutig sein soll.

Welche Taktik hast du dir mit deinem Trainer überlegt, damit der Titel in Heidelberg bleiben wird? Oder ist das eine der Fragen, die man als Journalist im Vorfeld eines Kampfes nicht stellen darf?
Nein, warum? Eine wichtige Frage, die einfach zu beantworten ist. Gut vorbereitet sein, Druck machen, ihr meinen Kampfstil aufzwingen, dominiert, klar gewinnen. 

Die Quote der Frauen die in Deutschland im Thai- und Kickboxen aktiv sind, ist doch recht überschaubar. Was glaubst du, woran liegt es?
Viele Frauen schreckt das Ausmaß des Körperkontakts beim Kampfsport ab. Der steht beim Training aber völlig im Hintergrund. Kampfsport ist ein optimales Ganzkörpertraining, mit dem sich jeder fit machen und halten kann; der sportliche Aspekt steht absolut im Vordergrund und das Verletzungsrisiko ist beim Kampfsport prinzipiell sehr gering, viel geringer als in anderen Breitensportarten.
Adriane Schneider auf der Sportlerehrung (Foto: Marco Baumann/Boxgymnasium.de)
Was müsste man tun, damit noch mehr Frauen den Weg zum Kampfsport finden?
Wir müssen den Sport noch öffentlichkeitswirksamer, Informationen leichter verfügbar machen, den Zugang so leicht wie möglich gestalten. Die Fortschritte sind schon groß, aber nach oben ist noch sehr viel Luft. Grundsätzlich sind viele Frauen in vermeintlichen Männersportarten erfolgreich (Fußball, Rugby) und werden in den Medien gefeiert. Kampfsport ist im Verhältnis dazu noch ein kleines Licht, das gilt es zu ändern.

In den Medien hält Dr. Christine Theiss die Fahne hoch. Was hälst du von ihr?
Frau Theiss ist, was Öffentlichkeitswirksamkeit betrifft, eine Wegbereiterin in unserem Sport und dafür zumindest muss man ihr dankbar sein.

Gehen wir mal davon aus das du den Intercontinental Titel gewinnen wirst. Wäre Dr. Christine Theiss eine Gegnerin die du auf deiner Liste hast und gegen die du gerne kämpfen würdest?
Keine Frage, natürlich würde ich sehr gerne gegen sie kämpfen.

Du bist wie Theiss amtierende Weltmeisterin und ebenso Doktorin. Tatsachen die man für einen evtl. Kampf gut promoten könnte oder?
Ja, wobei das glaube ich, auch jenseits von Doktorin vs. Doktorin ein wirklich interessanter Kampf werden würde.

Jetzt gibt es natürlich auch die Kritiker, die mit Frauen im Ring nicht wirklich etwas anfangen können. Ist das in der heutigen Zeit nicht ein klischeehaftes Denken?
Wie schon gesagt denke ich, dass Sport nichts mit Geschlechtern zu tun hat.

Trotzdem auch an dich als Frau die Frage nach dem warum ? Warum hast du dich für Kampfsport und nicht für eine andere Sportart entschieden?
Weiß Du, ich habe schon mit 13 Jahren mit Kampfsport, in meinem Fall damals mit Karate angefangen. Mich faszinierte mich schon immer die Komplexität, das Reaktionsvermögen, die maximale Körperbeherrschung, die bei allen Arten dieses Sports gefordert ist.

Was macht für dich die Faszination Thai- und Kickboxen aus?
Die Kontaktstärke. Das intensiviert die eben genannten Aspekte. Es ist extremer, im guten Sinn.
Sabine Kern vs Adriane Schneider (Foto: Marco Baumann/Boxgymnasium.de)
Adriane, ich möchte dir 5 Stichpunkte nennen und bitte dich uns ganz spontan und mit einem Wort zu sagen, was dir dazu einfällt:
Boxgymnasium Heidelberg: Stolz
Dr. Christine Theiss: WM-Titelkampf ?
Biest Fight Night: Spektakel
Sarah Debaib: nächste Gegnerin
Adriane Schneider: Weltmeisterin

Wenn wir einen Blick in die berühmte Kristallkugel werfen, wo siehst du dich in 5- und 10 Jahren?
In einem Ring, mit Spaß dabei Und weiter aktiv in der Nachwuchsarbeit.

Gibt es vielleicht noch etwas von dir, von dem wir sagen würden „Mensch, das hätten wir nicht von dir gedacht?“.
Sicher sogar…! *lacht*
Den Blick nach vorne gerichtet und den nächste Titel im Visier (Foto: Marco Baumann/Boxgymnasium.de)
Zum Abschluß hast du jetzt noch die Möglichkeit ein paar Worte an die Leser und deine Fans zu richten.
Dann möchte ich Danke sagen an all die Fans und Leser, die mich unterstützen und bei jedem einzelnen Kampf begleiten. Einen spannenden Kampf zu bieten, bei dem sie begeistert zuschauen können, ihre Unterstützung zu rechtfertigen – das ist mir sehr wichtig. Und ich würde mich freuen, wenn sich noch mehr Frauen dafür begeistern könnten, aktiv Kampfsport auszuüben, ob als Breiten-, Wettkampf oder Leistungssport.

Adriane, ich danke dir für das Interview und wünsche dir viel Erfolg für deine WM-Titelverteidigung am 11. Februar in Heidelberg.
Danke dir, gerne wieder.