Thai/Kickboxen

„Wir haben unser Ziel erreicht“

Sergej Braun, neuer WKU-Weltmeister. (Foto: Anna Schindel)

Er ist jung, frisch und unverbraucht. Sergej Braun aus Fulda mauserte sich in den vergangenen Monaten vom Geheimfavoriten zu einem sehr ernstzunehmenden Kämpfer. Überlegene Siege gegen dreifachen Weltmeister Daniel Dörrer und zuletzt gegen Kickbox-Veteran Lorand Sachs bescheinigen Braun eine exzellente Form. In unserem Interview sprechen wir mit ihm über seinen WKU WM-Sieg, mögliche Rückkämpfe und welche Ziele sich Sergej Braun für die Zukunft gesteckt hat.

Groundandpound.de: Sergej, herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des WKU-WM Titels. Hast du jetzt, mit ein paar Wochen Abstand realisiert, was du da geleistet hast?
Sergej Braun: Ich danke dir. Ja, ich freue mich riesig, dass ich den Kampf gewonnen habe und somit auch den WM-Titel nach Fulda holen konnte. Ich habe mich mit meinem Team gut auf den Kampf vorbereitet, was ich im Kampf auch beweisen konnte. Wir haben unser Ziel erreicht.

Erzähl uns und den Lesern doch einmal, wie du den Kampf erlebst hast.
Ich war sehr froh über die Chance, um den WM-Titel in Frankfurt kämpfen zu können. Vor und während des Kampfes habe ich mich sicher und sehr gut gefühlt. Obwohl Lorand Sachs ein erfahrener und gefährlicher Kämpfer ist, habe ich überhaupt keine Unsicherheit gehabt. Ich habe den Kampf so geführt, wie es im Voraus geplant wurde und auf den Zeitpunkt gewartet, bis der Gegner seine Schwächen deutlich zeigt.
Sergej Braun (Mitte) & Team (Foto: Anna Schindel)
Es hatte den Anschein, als wäre es kein wirkliches Problem für dich gewesen, dass du dich mit Lorand Sachs so kurzfristig auf einen anderen Gegner einstellen musstest. Hast du es auch tatsächlich so empfunden?
Durch meine Erfahrungen von Turnieren im Kyokushin Karate, bei denen immer im K.o.-System und mit mehreren unterschiedlichen und oft völlig unbekannten Gegner an einem Tag gekämpft wird, war die Umstellung auf den Gegner kein großes Problem. Es gibt grundsätzlich keine Kämpfe, die einfach sind. Alle Gegner sind gefährlich und man muss versuchen, zu jedem schnell eine Taktik zu finden, um den Kampf letztendlich zu eigenen Gunsten zu entscheiden. Lorand Sachs war aufgrund seiner Erfahrung für mich schon ein Prüfstein und ich bin froh, dass ich diesen Kampf vorzeitig beenden konnte.

Der gedrehte Back-Kick zum Kopf – eine zu dem Zeitpunkt bewusste Aktion, weil die Lücke da war?
Lorand hat einfach für einen Augenblick die Konzentration verloren. Ich habe das instinktiv ausgenutzt.

Geplant war eigentlich ein Rückkampf gegen Denis Liebau, der krankheitsbedingt den Kampf absagen musste. Ist dieser Kampf nach dem spektakulären Sieg von dir noch ein Thema für dich?
In dem Kampf ging es für mich um den WM-Gürtel und nicht wirklich um den Rückkampf. Ich mache mir keine Gedanken über diesen Kampf. Auf Rücksprache mit meinem Team wurde gemeinsam eine andere Zielsetzung beschlossen.
Sergej Braun`s Herkunft - Karate. (Foto: Anna Schindel)
Jetzt hast du den WM-Titel der WKU. Logische Konsequenz wäre jetzt ein Rückkampf gegen Daniel Dörrer, in welchemes um dessen Titel geht. Oder siehst du das anders?
Meinem Management und mir liegt keinerlei Angebot bezüglich eines WM-Kampfes sprich einer Herausforderung gegen Daniel Dörrer vor. Obwohl uns bekannt ist, dass eine Titelverteidigung von Daniel Dörer in Dezember ansteht.

Wie hoch schätzt du die Chance ein, dass man dir die Möglichkeit geben wird, noch einmal gegen Dörrer antreten zu können?
Laut Stekos-Kampfvertrag sollte es eigentlich einen Rückkampf geben. Aber wie gesagt, uns liegt kein Angebot vor, weil ich denke, sie keine Aussichten auf einen Revanche-Sieg haben.

Gibt es einen ganz anderen Kämpfer, gegen den du in naher Zukunft in den Ring steigen möchtest?
Momentan habe ich keine bestimmten Namen im Kopf, aber ich würde mich freuen, wieder in den Ring zu steigen, um gegen starke Gegner zu kämpfen.

Jetzt wo du den WM-Titel der WKU und ein paar namhafte Leute geschlagen hast, wissen die Leute ganz bestimmt, wer Sergej Braun ist. Steigt damit auch deine eigene Erwartungshaltung und die deiner Fans, wenn du wieder in den Ring steigen wirst?
Ich habe eigentlich keine Erwartungen von meinen Kämpfen, sondern nur ein Ziel: zu gewinnen. Egal, wie stark der Gegner ist, mein Ziel bleibt unverändert. Die Menschen, die mich unterstützen und an mich glauben, denke ich, möchten auch weiterhin auf unserem gemeinsamen Sieger-Kurs bleiben. Sie freuen sich auf jeden meiner Auftritte und natürlich hoffen sie auf den Sieg.
Im Ring ist Schluss mit lustig für Sergej Braun (Foto: Anna Schindel)
Was glaubst du, wie du mit dem höheren Druck umgehen wirst?
Ich versuche, bei allen Situationen und Herausforderungen meine Ruhe zu bewahren. Und wenn es doch schwer werden sollte, unterstützt mich meine Familie, mein Team und Menschen, die mich lieben und mir den Rücken stärken.

Wenn wir nun einen Blick in die berühmte Kristallkugel werfen, welche Ziele verfolgst du mittel- bzw. langfristig?
Ich versuche, alle auf mich zukommenden Herausforderungen zu bewältigen und gehe meinen Weg. Was mich in der Zukunft erwartet, das werden wir noch sehen.

Das Jahr 2013 befindet sich auf der Zielgeraden. Welche Kämpfe stehen für dich in diesem Jahr noch an?
Ja, das stimmt! Am Ende jedes Jahres ist bei mir immer viel los. Es stehen noch ein paar Kämpfe in diesem Jahr an, wie z.B. der Kyokushin Kan Karate World Cup nach Shinken-Shobu-Regeln, die Ende Oktober in Russland sein werden. Auch im November nehme ich an der Kyokushin Karate Meisterschaft in Russland teil. Im kommenden Jahr steht für mich schon ein Termin fest. Am 15. März 2014 kämpfe ich gegen den Weltmeister des WFMC, Ibo Topyürek, in Flörsheim.

Sergej, ich möchte dir 5 Stichpunkte nennen und bitte dich mir spontan und mit einem Wort zu sagen, was dir dazu einfällt:
- Fans: Unterstützung
- Kampfname: keinen
- Alfred Hinterberger: Manager
- Vorbilder: Andy Hug
- Sergej Braun: zielstrebig
Auch Jumbo Schreiner gratulierte Sergej Braun (Foto: Anna Schindel)
Gibt es von dir noch etwas, wo wir sagen würden: „Mensch, das hätten wir nicht von dir gedacht?“
Ich singe gerne unter der Dusche, wenn mich niemand hört. (lacht)

Zum Abschluss hast du jetzt noch die Möglichkeit, ein paar Worte an die Leser und deine Fans zu richten.
Ich will einfach allen danken, die mich unterstützen und die Interesse an mir und dem Sport zeigen.

Sergej, ich danke dir für das Interview und wünsche dir viel Erfolg für die anstehenden Kämpfe.
Vielen Dank.