Thai/Kickboxen

Spong siegt in New York

Glory 9

Das Glory-Debüt im altehrwürdigen Hammerstein Ballroom von New York war ein voller Erfolg. Auch wenn, und das ist gerade das bittere an diesem Event, genau das Finale im Halbschwergewichtsturnier einen faden Beigeschmack erhielt.

Glory Halbschwergewichtsturnier
Bevor das eigentliche Turnier mit seinen Viertelfinalkämpfen an der Reihe war, gab es zunächst zwei Reservekämpfe. Randy Blake (USA) konnte sich einen einstimmigen, als auch verdienten Punktsieg, gegen Koichi Wanatabe (JPN) sichern. Auch einige Unterbrechungen wegen der blutenden Nase konnten den US-Amerikaner nicht daran hindern, den Ring als Sieger zu verlassen. Im zweiten Reservekampf ging es wesentlich kurzweiliger zur Sache. Der dreifache IFMA-Chamion Artem Vakhitov (RUS) benötigte nur knapp zwei Minuten, um Luis Tavares (BRA) mit einem sauberen Körpertreffer zu Boden zu schicken.

Den Auftakt im Turnier machte Danyo "Dibuba" Ilunga (D) im Duell gegen Mourad Bouzidi (TUN). Beide Kämpfer legten von Beginn an stark los, wobei Bouzidi immer wieder versuchte, seine gefährliche Linke ins Ziel zu bringen. Doch Ilunga stand stabil und hatte nicht nur mit seinem Uppercut eine gute Waffe parat. Der Schützling von Asmir Burgic und Remy Bonjasky hielt das Tempo kontinuierlich hoch und kaufte mit seinem variablem Kampfstil Bouzidi den Schneid ab. Je länger der Kampf dauerte, desto mehr konnte Ilunga sich einen Vorsprung aufbauen. In Runde drei war klar, nur ein K.o. würde Bouzidi helfen. Doch dazu kam es nicht. Ilunga heimste einen einstimmigen und verdienten Punktsieg ein und qualifizierte sich als erster Kämpfer für das Halbfinale.

Dafür ließen es Dustin Jacoby (USA) und Brian Collette (USA) im zweiten Viertelfinale wesentlich ruhiger angehen. Zunächst beschnupperten sich beide Kämpfer und versuchten, die Schwachstellen beim Gegenüber auszumachen. Ein Szenario, welches sich auch in Runde zwei nicht wesentlich ändern sollte. Beide konnten hier nur mit einzelnen Aktionen punkten. Lediglich in Runde drei war es eine klare Sache für Jacoby, der seinen Landsmann mit zahlreichen Treffern dominierte. Die Punktrichter waren sich da allerdings nicht so einig, sprachen aber mit 2-1 Stimmen den Sieg an Dustin Jacoby.

Dafür ging es im dritten Viertelfinale zwischen Filip Verlinden (BEL) und Steve McKinnon (AUS) wieder wesentlich intensiver zur Sache. Beide Kämpfer machten klar, dass sie unbedingt ins Halbfinale gelangen wollten. Mit Kicks und Boxkombinationen versuchten sie ihre Punkten zu sammeln und machten es für die Punktrichter alles andere als einfach, hier eine Wertung abzugeben. Dazu kam es schließlich doch, nach den drei Runden. Während je einer der Punktrichter McKinnon bzw. Verlinden vorne hatte, entschied sich der dritte Punktrichter mit einer Wertung von 30-27 für Verlinden. Ein Urteil, mit dem das Publikum nicht  wirklich einverstanden war.

Was für ein irres, wenn auch kurzes Viertelfinale zwischen Tyrone Spong (SUR) und Michael Duut (NED). Nach acht Sekunden erwischte Duut Spong mit einem Hammer und sorgte für einen Schockmoment. Der "King of the Ring" rappelte sich sofort wieder auf, wurde nicht angezählt, nur um wenige Sekunden später mit einer brachialen Rechten Duut zu Boden zu schicken. Zwar erhob sich der Holländer während des Anzählens wieder, sackte aber sofort wieder zusammen und musste ausgezählt werden.

Im ersten Halbfinale kam es zum Duell zwischen Danyo Ilunga (D) und Dustin Jacoby (USA), was sich von der Papierform her nach einer klaren Angelegenheit anhörte. Jacoby versuchte zunächst mit seinem Jab Ilunga zu beeindrucken. Der Waldbröler fand zwar nicht gleich die richtige Distanz, wirkte aber physisch sehr stark und ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. Ab Runde zwei drehte Ilunga auf und hatte vor allem bei den Lowkicks ein ausgezeichnetes Timing. Gerade in Runde drei merkte Jacoby das auch spürbar. Der Amerikaner zeigte zwar ein großes Kämpferherz, musste aber erkennen, dass es gegen Ilunga an diesem Abend nicht reichen sollte. Das Fazit: Ein einstimmiger Punktsieg für Ilunga, der nur noch ein Sieg vom größten Erfolg seiner Karriere entfernt war.

Gesucht wurde zwischen Filip Verlinden (BEL) und Tyrone Spong (SUR) der Final-Gegner von Danyo Ilunga. Würde es Spong ähnlich spektakulär und kurz wie bereits im Viertelfinale machen? Der Holländer schnitt seinem Gegner immer wieder geschickt die Wege ab und setzte mit seinem variablen Kampfstil die klaren Akzente. Verlinden war in Runde eins mehr darauf bedacht, mit seiner Doppeldeckung der gefährlichen Rechten von Spong aus dem Weg zu gehen, versäumte es dabei aber auch Treffer zu setzen. Ein Schauspiel, was sich auch in Runde zwei wiederholen sollte, nur mit dem Unterschied, dass Verlinden etwas aktiver wurde. Mit einer vermutlich beruhigenden Führung ging es für Spong in die letzte Runde. Dort ging der "King of the Ring" kein unnötiges Risiko mehr ein, auch wenn Verlinden alles versuchte. Der einstimmige Punktsieg für Spong war somit in trockenen Tüchern.

Da war es also. Das Finale zwischen Danyo Ilunga (D) und Tyrone Spong (NED), was von Experten im Vorfeld auch so erwartet wurde und von dem man auch ausgehen durfte. Doch viel zu schreiben gibt es darüber leider nicht. Eher muss hier mehr diskutiert werden, warum letztendlich gerade in diesem Kampf so entschieden wurde. Spong erwischte Ilunga kurz nach Beginn mit einer Rechten. Zwar wackelte Ilunga danach auch, warum der Ringrichter den Kampf aber gleich abbrechen musste, anstatt Ilunga zuerst einmal anzuzählen, so wie man es eigentlich macht, das bleibt wohl dessen eigenes Geheimnis. So siegte Spong zwar in einem der stärksten Tournaments im Halbschwergewicht der letzten Jahre, ein fader Beigeschmack bleibt trotz allem übrig.

Glory-Superfights
Anderson "Braddock" Sliva (BRA) traf nach seinem K-1-Gastspiel auf Daniel Sam (GBR). Zwar konnte der Brite zu Beginn noch mithalten, musste aber mit zunehmender Kampfdauer erkennen, dass es gegen Silva ganz schwer werden würde. Der Brasilianer war an diesem Abend eine ganze Nummer zu groß für Sam und siegte nach drei starken Runden durch einstimmigen Punktentscheid.

Der Italo-Kanadier Joseph Valtellini und Francois Ambang aus Kamerun wollten beide den Sieg und entsprechend motiviert gingen sie auch zu Werke. Allerdings zeigten die Treffer von Valtelini ab Runde zwei eine wesentlich größere Wirkung und es war erstaunlich, was Ambang alles wegstecken konnte. In Runde drei war dessen Wille dann doch gebrochen, und nach mehreren Lowkicks musste Ambang zunächst an- und dann auch ausgezählt werden.

Klar verteilt waren die Rollen im Kampf von Daniel Ghita (ROM) und Brice Guidon (FRA). Ghita gab auch gleich die Marschroute vor und drängte Guidon in die Defensive. Es sollte nicht lange dauern und Ghita stellte seinen Gegner in den Seilen und deckte diesen mit harten Schlägen ein. So schickte er Guidon nach 50 Sekunden in Runde eins mit einer Linken auf die Bretter. Ein Niederschlag, von dem sich Guidon nicht mehr erholen konnte.

US-Road to Glory-Sieger Mike Lemaire (USA) traf auf seinen Landsmann Wayne Barrett (USA). Motiviert durch seinen Turnier-Triumph wollte Lemaire auch an diese Leistung wieder anknüpfen. Dabei hatte er die Rechnung ohne Barrett gemacht, der Lemaire in Runde zwei mit einem sauberen Knie zum Kopf zum ersten Mal zu Boden schickte. Zwar erholte sich Lemaire von diesem Niederschlag wieder, kassierte aber wenig später die Linke von Barrett - die auch gleichzeitig das Aus für ihn bedeutete.

Eine gehörige Prise K.o.-Power lag im Kampf zwischen Errol Zimmerman (SUR) und Rico Verhoeven (NED) in der Luft. Zimmerman hatte das letzte Aufeinandertreffen der beiden vor gut 15 Monaten mit einem K.o.-Sieg in Runde eins beendet. Das wollte Verhoeven natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Mit einem Sieg würden ihm einige Türen offen stehen. Keine Frage, technisch gesehen war Verhoeven der bessere Mann, doch ist es vielen bekannt, dass Zimmerman mit einem einzigen Schlag einen Kampf entscheiden kann. Doch diese Lücke bot sich beim Holländer nicht, denn dieser wirkte gegen Ende des Kampfes auch etwas frischer als der "Bonecrusher". Die Punktrichter hatten das letzte Wort und die gaben den Sieg in einem engen Kampf an Rico Verhoeven.

Anbei alle Ergebnisse in der Übersicht:

Glory 9
22. Juni 2013
Hammerstein Ballroom, New York (USA)

Glory-Halbschwergewichtsturnier / Finale
Tyrone Spong (NED) bes. Danyo Ilunga (D) durch TKO in Runde 1

Glory-Superfights
Wayne Barrett (USA) bes. Mike Lemaire (USA) durch KO in Runde 2
Rico Verhoeven (NED) bes. Errol Zimmerman (SUR) durch Punkte (29-27, 29-27, 28-28)

Glory-Halbschwergewichtsturnier / Halbfinale
Danyo Ilunga (D) bes. Dustin Jacoby (USA) durch Punkte (29-28, 29-28, 29-28)
Tyrone Spong (SUR) bes. Filip Verlinden (BEL) durch Punkte (30-27, 30-27, 29-28)

Glory-Superfight
Joseph Valtellini (CAN) bes. Francois Ambang (KAM) durch TKO in Runde 3

Glory-Halbschwergewichtsturnier / Viertelfinale
Danyo Ilunga (D) bes. Mourad Bouzidi (TUN) durch Punkte (29-28, 29-28, 30-27)
Dustin Jacoby (USA) bes. Brian Collette (USA) durch Punkte (30-27, 28-29, 29-28)
Filip Verlinden (BEL) bes. Steve McKinnon (AUS) durch Punkte (29-28, 28-29, 30-27)
Tyrone Spong (SUR) bes. Michael Duut (NED) durch KO in Runde 1

Glory-Superfight
Anderson "Braddock" Silva (BRA) bes. Daniel Sam (GBR) durch Punkte (30-27, 30-27, 30-27)

Glory-Halbschwergewichtsturnier / Reservekampf
Randy Blake (USA) bes. Koichi Wanatabe (JPN) durch Punkte (29-28, 29-27, 30-27)
Artem Vakhitov (RUS) bes. Luis Tavares (CAP) durch KO in Runde 1