Thai/Kickboxen

Rainer Gottwald über „eine unvergessliche Veranstaltung“

Jürgen Lutz und Rainer Gottwald, die Battle-Macher. (Foto: Rainer Gottwald)

Am 10. Mai geht die Battle-of-the-Gladiator-Eventreihe der Karlsruher Urgesteine Rainer Gottwald und Jürgen Lutz in die vierte Runde. In der Europahalle stehen gleich drei WM-Titelkämpfe auf dem Programm. Darüber hinaus wird Senkrechtstarter Vincent Feigenbutz seinen ersten Titelkampf im Profi-Boxen bestreiten. Groundandpound.de hatte die Möglichkeit, sich mit Rainer Gottwald zum Interview zu treffen.

Rainer, am 10. Mai steht in Karlsruhe die vierte Ausgabe der „Battle of the Gladiators“ bevor. Wie laufen die Vorbereitungen so kurz vor dem Event?
Hallo zunächst einmal. Wie es ein jeder Promoter kennt, geht es bei unserer Veranstaltungsfirma Fächer Sport Management natürlich drunter und drüber. Eine Veranstaltung dieser Klasse bedarf natürlich bester Vorbereitung und wir werden keine Kosten scheuen, um hier in Karlsruhe und für Karlsruhe eine Veranstaltung zu promoten, welche unvergesslich sein wird.

Mit der Schwergewichts-WM von Alexander Petkovic, dem Abschied von Markus Fuckner und der WM mit Maria Lindberg stehen ja bereits drei Knaller fest. Welche interessanten Kämpfe wird es zudem geben?
Nun, der Hauptkampf mit Alexander Petkovic gegen Goles wird schon sehr brisant. Der Abschied von Markus „Spartakus“ Fuckner ist natürlich alleine schon wegen seiner Bekanntheit in und um Karlsruhe ein Kracher und noch irgendwie sehr traurig dazu. Mit Maria Lindberg ist es uns gelungen, eine weltbekannte Top-Kämpferin zurück nach Karlsruhe zu holen, um hier endlich einmal wieder seit Regina Halmich um einen WM-Gürtel der WIBF zu kämpfen. Zudem haben wir noch drei weitere Titelkämpfe, mit zwei Lokalmatadoren wie Vincent „Iron Junior“ Feigenbutz und Caroline „Lady Caro“ Schroeder.

Gerade Vincent Feigenbutz ist ja ein hochgehandeltes Talent. Mit dem Interconti-Titelkampf hat er seine erste große Bewährungsprobe. Wie siehst du seine Chancen?
Vincent kann im Supermittelgewicht jeden schlagen, dies hat er bereits bewiesen, indem er die polnischen und ungeschlagenen Nr. 1 Boxer Mizkin und Soldra in Polen K.o. geschlagen hat.
Kai Ebel & Rainer Gottwald - man kennt sich. (Foto: Rainer Gottwald)

Was dürfen wir in der Zukunft von ihm erwarten? Wird seine Reise im Supermittelgewicht weitergehen, oder verfolgt ihr ganz andere Pläne mit ihm?
Vincent wird Karriere machen. Er wird „DER“ Supermittelgewichtler Deutschlands und der jüngste Deutsche Weltmeister und einer der ganz Großen im Boxen werden. Eine weitere Überraschung kommt gleich im Anschluss an diesen Fight.

Neben Feigenbutz wird auch wieder Box-Lady Caroline Schröder in den Ring steigen. Wie gut hat sie ihre erste Niederlage aus dem vergangenen November verdaut?
Ihre Niederlage war eigentlich keine Niederlage. Nachdem sich einmal der Weltverband WIBF diesen Kampf angeschaut hatte und intern bewertet wurde, dass dort dieses Urteil nicht so ganz dem entsprach, was die Fachleute gesehen hatten, beschloss man, „Lady Caro“ die Chance auf den Conti-Titel in Karlsruhe zu gewähren. Des Weiteren kämpft sie im Vorfeld noch einmal, und zwar am 26. April in der Karlsruher Rheinstrandhalle.

Siehst du sie trotz ihrer jungen Karriere schon auf den Spuren von Regina Halmich wandeln oder ist das noch viel zu früh, um eine solche Aussage zu treffen?
Das ist definitiv zu früh. Mit ihrem Trainingsfleiß und ihren Leistungen im Sparring, in welchem sie deutlich besser und stärker als die Sparringspartnerin Melanie Zwecker ist, denken wir, dass es eventuell doch noch Ende nächstes Jahr, wenn noch vier bis sechs Kämpfe gewonnen werden können, inklusive dem Continental-Titelkampf der WIBF am 10. Mai, um eine WIBF-WM gehen, könnte. Ich persönlich und auch Jürgen Lutz sowie ihr Trainer Ruven Zubarov trauen ihr dies durchaus zu.

Caro arbeitet im normalen Leben als Polizistin. Braucht man eine solchen Aufhänger, um gerade eine Frau auch bei den Sponsoren besser vermarkten zu können?
Um ehrlich zu sein, hat uns diese Tatsache nicht einen Sponsor mehr gebracht. Wir sind froh, wenn Caro neben ihrer tollen Arbeit, die sie zweifellos bei der Deutschen Bundespolizei leistet, welche Caro auch immens bei ihrer Sportkarriere unterstützt, auch eine tolle Karriere als Boxerin hinlegt. Verdient hat sie sich das allemal.

Die „Battle of the Gladiators“ ist eine Veranstaltung, welche auch unter Aufsicht der World Gladiators League (WGL) laufen wird. Für alle, die damit nichts anfangen können, was genau verbirgt sich hinter der WGL und wie seid ihr auf die Idee gekommen bzw. was waren die ausschlaggebenden Gründe dafür?
Das ist eine lange Geschichte. Zum einen unterstützen wir natürlich das MMA. MMA ist im Moment die am meisten frequentierte Kampfsport Disziplin der Jugend und die Welle schwappt eindeutig über den Teich. Auf der anderen Seite ist Deutschland und die renommierte deutsche Medienwelt, sagen wir mal, noch nicht bereit, das volle MMA-Programm zu unterstützen und ohne Fernsehen und mehr medialer Unterstützung kann sich ja keine Sportart durchsetzen. Dann kommen ja auch immer mehr Fehlurteile vor, was den Zuschauer verärgert und den Athleten schadet.

Des Weiteren fällt uns auch immer mehr auf, wenn man es gerade nicht im TV sieht, dass die Bodenarbeit, also das Grappling usw., so schön es auch ist, leider vom Zuschauer, der weiter weg sitzt als Reihe drei, nicht richtig wahrgenommen werden kann, wenn grade keine Großleinwand zugeschaltet ist. Dann fehlt aus unserer Sicht noch der „Aha“-Show-Effekt. Denn mit Show geht alles los und mit Show geht auch alles zu Ende. Ob im Fußball, Handball, the SHOW must go on. Nun und unter Berücksichtigung der oben beschrieben Punkte haben wir nichts anderes als eine etwas veränderte Form des Mixed Martial Arts, MMA, entwickelt, die WGL bzw. die World Gladiators League. Let's say, so wie früher das Kickboxen ohne Lowkicks. (lacht)
Jürgen Lutz & Rainer Gottwald - auf vielen Events zu Hause. (Foto: Rainer Gottwald)

Die WGL ist ein reiner Sanctioning Body, d.h. wer auch immer aus welcher Sportart kommt, er kann nach den Regeln der WGL, wenn er entsprechend Erfolge auch in anderen Kampfsportdisziplinen vorweisen kann, um einen Titel der WGL boxen, so wie bei den Boxverbänden z.B. Jeder Promoter kann, wenn er Interesse hat und nach den Standards und Statuten der WGL einen Titelkampf veranstalten möchte, dies natürlich in Absprache mit der WGL auch tun. Nun zu den Regeln, die findet man unter www.world-gladiators-league.com.

Im Großen und Ganzen bringen wir hier dem noch unbedarften Kampfsportfan das MMA etwas näher und hoffen, dass MMA sich in der Zukunft in Deutschland auch durchsetzt. Die WGL und die Gladiatoren ist halt eine spezielle Kampfsportdisziplin und viele bekannte Kampfsportler haben hier auch schon Titelkämpfe gemacht. Was auch ein MUSS ist, dass jeder Kämpfer einen Kampfnamen aus der römisch griechischen Zeit haben muss für diesen Kampf, also Spartakus, Brutus, Nero usw. 

Des Weiteren gibt es bei der Siegerehrung wie im alten Rom eben einen Lorbeerkranz für den Sieger und auch Daumen hoch vom Kampfrichter für den Sieger und auch Daumen runter für den Verlierer. Dem Zuschauer, haben wir festgestellt, gefällt das ganz gut und wir haben alle Spaß daran. Durch diese Tatsachen haben wir es eben auch geschafft, Sponsoren für diese Kampfsportart zu gewinnen und wir hatten sogar schon LIVE-TV als erster deutscher Veranstalter.

Nun, selbst große deutsche Boxpromoter haben jetzt Interesse bekundet, zusammen mit einem größeren Sender das Thema in ihr Programm aufzunehmen und wir sind ständig auf der Suche nach guten MMA-Kämpfern, die auch einmal WGL versuchen wollen. Hier danke ich natürlich im speziellen Jürgen Lutz, meinem väterlichen Freund seit 33 Jahren, der nicht nur das Frauenboxen und Regina Halmich herausgebracht hat, nein, auch die WGL, in welcher er der Präsident ist.

Mit eurer vierten Veranstaltung wechselt ihr von der Ufgauhalle in Rheinstetten in die Europahalle nach Karlsruhe. Ist der Zuspruch durch Zuschauer und Sponsoren so groß oder warum habt ihr euch für den Umzug entschlossen?
Back to the roots. Wir sind jetzt endlich in der Lage, wieder einmal die zehnfach teuere Europahalle als Veranstaltungsort einer Battle zu präsentieren. Jürgen Lutz und ich hatten ja bereits in den frühen Neunzigern, damals unter Royal Promotion, in der Europahalle veranstaltet und damals immer mit ausverkaufter Hütte. Damals waren die Böhsen Onkelz zu Gast. Auf der Fight Card standen Regina Halmich, „Butcher“ Mathias Waitz, Markus „The Dragon“ Fuckner, Klaus Nonnemacher, Frank Scheuermann, Zijo Poljo, Hansi Brenner usw. Die damalige Creme de la creme des Kick- und Thaiboxens. Das war eine goldene Zeit, und als ich damals Ende 1993 auswanderte, war die Zeit eben vorbei. Jetzt, nachdem ich wieder in Deutschland zurück bin, wollen wir eben wieder an alte Zeiten anknüpfen.

Thema Europahalle Karlsruhe – kommt bei dir da auch etwas Wehmut hoch, wenn man zurückdenkt an die Zeit, als die Europahalle noch zu den Hochburgen in Sachen Kickboxen zählte?
Unvergessliche Momente, Erfolge und übrigens bin ich selbst 1986 in der Europahalle deutscher Meister geworden. Das ist jetzt 28 Jahre her. Damals schon kamen die besten Kämpfer Deutschlands zum großen Teil aus dem Bulldog Gym Karlsruhe, alles, was Rang und Namen hatte. Auch wenn heute viele vergessen haben wollen, wodurch und durch wen sie zum Kampfsport kamen und wie viel man es eben diesem Jürgen Lutz zu verdanken hat. Heute haben dies viele Menschen vergessen, die jetzt mit dem, was sie beim Jürgen gelernt haben, ihr Geld verdienen, aber leider nicht einmal Danke gesagt haben. Man darf niemals vergessen, wo man herkommt.
Rainer Gottwald findet klare Worte. (Foto: Rainer Gottwald)

Gerade haben erst vor wenigen Wochen die Böhsen Onkelz ihr Comeback angekündigt. Wäre es denkbar, dass sie vielleicht der Veranstaltung beiwohnen werden? Immerhin gibt es ja auch eine Verbindung zwischen ihnen und Markus Fuckner.
Wir sind hier am Verhandeln. Die Jungs sind auch sehr beschäftigt, denn man ist ja wieder eins und sie haben ein Wahnsinnskonzert in Hockenheim. Aber sie sind Markus Fuckner sehr verbunden, das stimmt. Seit 25 Jahren ist er noch niemals ohne Musik der Böhsen Onkelz zum Ring gelaufen und immer hat ihn die raue Stimme Kevins bei seinen Kämpfen begleitet. Als damals nirgendwo Onkelz-Musik laufen durfte, bei Markus seinen Kämpfen, egal ob auf Eurosport oder einem anderen Sportkanal, da lief sie. Lassen wir uns überraschen. Ich weiß, dass sich Stefan allen Ernstes überlegt, zu kommen, zusammen mit Manager Thomas Hess, und wenn die anderen Zeit haben, werden sie wohl auch kommen, aber mit Sicherheit ehren die Onkelz seinen letzten Gang in den Ring.

Lass uns mal einen Blick in die Zukunft, sprich in die Kristallkugel werfen. Welche Ziele verfolgst du mittel- bzw. langfristig?
Das weiß nur der liebe Gott. Ich hatte mir im Leben schon so viele Ziele gesetzt und diese wurden durch Ehescheidungen, falsche Freunde, Tsunami, Militärputsch oder auch eine libysche Revolution vernichtet. Somit einfach die Jugendlichen, die eben nicht Fußball oder Tennis spielen, wollen in die nächste Kampfsportschule zu gehen und dort durch einen gesunden Körper einen gesunden Geist zu entwickeln und weiter motivieren. Unsere Talente fördern, versuchen große TV-Sender zu motivieren, weiter Kampfsport zu unterstützen und in Karlsruhe und für Karlsruhe wieder ein paar geile Events zu machen.

Zum Abschluss hast du jetzt noch die Möglichkeit, ein paar Worte an die Leser zu richten.
Aus gegebenem Anlass möchten wir diese Kampfsportveranstaltung unter das Motto "STARK OHNE GEWALT" stellen und ihnen ein wenig näher bringen, was der Kampfsport, und damit WIR, für die Gesellschaft und vor allen Dingen für die Jugend in unserer Region tun, denn wir dürfen auf keinen Fall die Augen schließen. Wo liegt das Problem der Gesellschaft heutzutage? Man hört immer wieder von schrecklichen Gewalttaten und aggressiven Übergriffen, in die häufig Jugendliche involviert sind. In S-Bahnhöfen werden alte Menschen angegriffen und krankenhausreif geschlagen. Auch in vielen Familien kommt es häufig zu Gewalttätigkeiten. Die Entwicklung eines Menschen wird immer auch von einer Spur Aggression mitbestimmt. Er will sich im Wettkampf mit anderen beweisen und deshalb müssen wir Jugendlichen die Alternativen zur Gewalt zeigen, und das tun wir beim KCK. Wir zeigen nicht-akzeptierten Jugendlichen, wie sie mit ihrem Frust umgehen, ihn in eine Kunst umwandeln und damit sportliche Erfolge erzielen können. Unsere Sportler bewegen sich immer im Team und – egal welches Alter oder welche Hautfarbe sie besitzen – jeder wird integriert und erfährt Zuneigung. Wir bieten ihnen einen Ausgleich und verschaffen ihnen das Gefühl, gebraucht zu werden, unser Sport formt sie zu einem selbstbewussten und tugendhaften Menschen.
Jürgen Lutz & Rainer Gottwald haben noch einiges vor. (Foto: Rainer Gottwald)

Der Kampfsport bringt also eine Menge guter Dinge für das Leben eines jungen Menschen mit: Disziplin, Sorgfalt, sie lernen das Zuhören und Hartnäckigkeit zum Erreichen ihrer Ziele, dazu Solidarität mit ihren Trainingspartnern. Wir fördern die Integration, indem Kinder jeder Herkunft und jeder Religion bei uns trainieren, niemand wird ausgeschlossen, jeder ist ein Teil unserer KCK-Familie. Respekt ist eines der wichtigsten Worte bei uns im Verein: Unsere Mitglieder verspüren Respekt für den Trainingspartner, den Trainer, den Gegner und für jeden anderen, denn dann, so erfahren es unsere Jugendlichen, werden auch sie respektiert. Natürlich werden sie auch selbstbewusster, fangen an, an sich zu glauben und wissen, was sie leisten können. Wir als Trainer und Betreuer bauen sie auf und zeigen ihnen, dass sie stolz auf sich sein können. Der Sport wirkt zudem gewaltpräventiv, Boxer bündeln ihre Energien und lernen, sie in etwas Besseres zu verwandeln. Sie lernen vor allem, mit ihren Aggressionen umzugehen. Auch die Kritikfähigkeit wird geschult, sie lernen Kritik anzunehmen. Ehrlichkeit und Verlässlichkeit sind weitere wichtige Tugenden, Höflichkeit und Freundlichkeit beginnt schon bei der Begrüßung und setzt sich im Alltag fort.

Wir arbeiten und trainieren nach dem Motto: Ein gesunder Geist lebt in einem gesunden Körper. Ein großer Dank geht an die Sponsoren und Groundandpound für die große Hilfe.