Thai/Kickboxen

"Miteinander statt gegeneinander"

Davut Sidal - ISKA Präsident Deutschland (Foto: Tobias Gerold/groundandpound.de)

Verbände im Thai- und Kickboxen gibt es in Deutschland bekannterweise einige. Nach der WKU/WKA, dem MTBD, der WKN, IKBO haben wir nun auch mit ISKA-Präsident Davut Sidal aus Augsburg gesprochen. Dort spricht der 43-Jährige über die Ausrichtung der ISKA und die Entwicklung im Kampfsport in Deutschland.

Groundandpound.de: Davut, zu Beginn des Interviews, stell dich unseren Lesern mal bitte vor und erzähle uns, welche Position du bei der ISKA hast und was deine genauen Aufgaben sind?
Davut Sidal: Hallo Tobias. Also ich bin 43 Jahre alt und hatte eigentlich mit Karate angefangen. Ich betreibe nun seit 36 Jahren Kampfsport und wollte eigentlich nie etwas anderes machen. Leider musste ich wegen eines komplizierten Kieferbruchs früher mit dem Kämpfen aufhören. Mich kannten meine Fans als "The Cat", weil ich einen ganz eigenen Kampfstil hatte. Nicht klassisch sondern mit mehr Entertainment. Das habe ich dann leider auch mit meiner Gesundheit bezahlen müssen. Ich sah auch das meine Schüler immer besser und erfolgreicher wurden. Besim Kabashi, Picasso, Turgay Dogan oder Abubaker Kabunga sind alles Jungs, die von mir sind. Was meine Position bei der ISKA betrifft, nun ich bin in einigen Verbänden wie der WAKO oder WKA gewesen. Die ISKA war dann aber der einzige Verband, der mich in seinen Bann gezogen hat. Die ISKA ist in vielen exotischen Ländern vertreten und natürlich auch in Europa sehr stark. Die Präsidenten sind wirklich sehr freundliche Personen und keine arroganten Typen. Seit etwa einem Jahr bin ich nun der ISKA-Präsident von Deutschland und Generalsekretär (Vize-Präsident) der ISKA-Europa.

Am 23. November fand die IDM der ISKA in Zusammenarbeit mit der WKA in Leinfelden statt. Wie fällt dein Fazit dieser Veranstaltung aus?
Grandios. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass es das teuerste und beste Amateur-Turnier seit Jahren war. Viele brauchen dazu mehrere Tage, um so eine Veranstaltung zu bewältigen. Wir haben es an einem Tag geschafft. Natürlich ging es auch teilweise sehr lange, aber wir hatten eine enge Dichte und ein sehr hohes Niveau.
Das Team der ISKA Germany (Foto: Davut Sidal)

Wenn du selbstkritisch bist, was lief gut und woran muss noch gearbeitet werden?
Tobias, wer mich kennt der weiß, dass ich Kritik brauche. Nur muss sie gerechtfertigt und am rechten Platz angebracht sein. Es kann doch nicht sein, dass genau die Leute, die noch nie eine Kampfrichterausbildung gemacht haben, sich über manche Urteile ärgern oder verbal auslassen. Einfaches Beispiel: Im Leichtkontakt bringt ein Kämpfer mehrere harte Schläge. Das wird nicht als Punkt gewertet!! Wundern sich aber, wenn ihr Kämpfer genau aus diesem Grund verliert. Deshalb hat unser Kampfrichterobmann sehr schnell reagiert und die genaue Definition von Leichtkontakt in das Regelwerk aufgenommen. Noch mal, ich brauche Kritik um meine Arbeit besser machen zu können. Auch wenn es darum geht, Personen für Aufgaben auszuwählen. Die Profi-Schiene läuft sehr gut, da habe ich auch keine Bedenken. Im Amateurbereich gibt es noch ein paar Kleinigkeiten, die zu ändern sind. Aber wie gesagt, es sind Kleinigkeiten.

Ist dies jetzt eine einmalige Sache mit der, ich nenne sie jetzt mal „alten“ WKA gewesen, oder wird es in Zukunft noch weitere Projekte geben?
Ich bin der neue Präsident der WKA in Deutschland. Ich werde selbstverständlich beide Verbände gleich behandeln, sowie auf Meisterschaften beider Verbände auch Teilnehmer/Teams mitnehmen. Auch im Profi-Bereich werden Veranstaltungen organisiert werden.
Davut Sidal ist viel unterwegs (Foto: Davut Sidal)

Geht es hierbei nur um nationale Veranstaltungen, oder wird es auch internationale Kooperationen geben?
Die gibt es bereits. Auf der Veranstaltung von Felix Sturm vom Dezember 2012 habe ich ISKA-Präsident Cory Schäfer und den WKA-Präsidenten zusammengebracht und beide haben sich im ersten Meeting sehr gut miteinander verstanden. Die WKA war zudem mit fast 60 Sportlern auf den US-Open der ISKA. Dagegen war auch ein Team der USA auf der Weltmeisterschaft der WKA. Es wird zeit, dass die Traditionsverbände wie WAKO, WKA und ISKA enger zusammenkommen.

Wie ist es eigentlich überhaupt zu der Zusammenarbeit mit der WKA gekommen?
Nicht wir, sondern die WKA wollten mit uns zusammenarbeiten. (lacht)

Dass es die WKA nicht mehr in der Form von früher gibt und viele ehemalige Mitglieder nun bei der WKU sind, ist ja bekannt. Für wie stark hältst du die WKA derzeit?
Derzeit arbeitet ein Kompetenzteam daran, in welcher Form die entsprechenden Positionen vergeben werden. Es sind ja nicht alle Mitglieder zu anderen Verbänden gegangen. Einige Hardliner sind geblieben und die sind mir auch wichtig.
Mit dem National-Team bei der WM (Foto: Davut Sidal)

Jetzt mal Butter bei die Fische, wie man so schön sagt. Welches sind deiner Meinung nach die derzeit fünf wichtigsten Verbände weltweit?
Fünf? Nein, für mich sind es vier. ISKA, WKA, WAKO und WMC, was das Muay Thai betrifft.

Soviel TV- und Internetpräsenz wie in den vergangenen Monaten hat der Kampfsport schon lange nicht mehr gehabt. Befindet man sich im Allgemeinen nun auf dem richtigen Weg?
Ich gebe dir mal ein Beispiel. In der Türkei fing Tarik Solak, der ISKA-Promoter aus Australien an, große Events auf die Beine zu stellen. Ihn wollte am Anfang keiner in der Türkei. Als aber bedingt durch seine Events die Sportschulen in der Türkei aus allen Nähten platzen, liebten sie ihn. Ich kenne viele, die wegen Dr. Christine Theiss meckern. Allerdings sollten sie wissen, das Dr. Theiss die beste Werbung für das Kickboxen im Fernsehen war. Alle Sportschulen, egal ob ISKA, WAKO, WKU oder wer auch immer, haben davon profitiert. Miteinander und nicht gegeneinander, dann funktioniert es.

Das alte Thema, nur mit deiner Ansicht. Über 20 Verbände gibt es in Deutschland. Warum ist es deiner Meinung nach so schwierig eine Art „Dachverband“ zu gründen um alles etwas transparenter und für den normalen Zuschauer damit auch verständlicher zu machen?
Also ich kenne alleine schon 50 Verbände. Irgendwie sind alle gegen alle. Ich würde auch lieber nur eine Deutsche Meisterschaft haben. Die WAKO lässt nicht mit sich reden. Mit WKU-Präsident Klaus Nonnemacher habe ich alte Freundschaften, er sieht es positiv. Nur wenn man Verband sagt, dann muss man auch eine Struktur haben. Ich besitze zum Beispiel seit sechs Jahren den 5. DAN. Einigen Sportler, denen ich den 1. DAN verliehen habe, haben mittlerweile den 6. DAN. Das ist teilweise schon etwas krank.

Man sagt ja immer, dass viele Köche den Brei verderben. Sportler sagen auch schon mal, dass es zu viele Häuptlinge gibt. Ist es einzig und alleine diese Aussage, weshalb es so schwierig ist, diesen von vielen gewünschten „Dachverband“ zu gründen?
Nein. Es tut mir leid es sagen zu müssen, auch wenn es sich hart anhört, aber die Sportler sind in erster Linie daran schuld. Auf der IDM waren in einigen Gewichtsklassen zwischen 55-70 Sportler am Start. Hier als Sieger hervorzugehen ist schon hart. Anderes Beispiel, einige Titeljäger gehen auf eine DM, wo sie wissen, das man schon mit einem verlorenen Kampf sich Deutscher Meister nennen kann oder sogar ohne Kampf gleich Deutscher Meister wird. Bei uns wollten bereits um 13 Uhr einige Sportler nach Hause gehen und ihre Startgelder zurück haben. Der Grund? "Ich fühle mich nicht gut", oder ähnliches bekam ich zu hören. Klar fühlt er sich nicht gut, denn wäre er im Ring gewesen, da würde er wohl schon vorher auf den Brettern liegen. Dann sollen doch die Trainer und Kämpfer bitte damit aufhören, und nicht mehr bei Alphabet-Salat-Verbänden kämpfen.
Beim ersten WM-Kampf von Keta vs. Arns (Foto: Davut Sidal)

Was müsste deiner Meinung nach getan werden, um zu noch mehr Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu gelangen?
Wir haben auch hier einige Projekte gestartet. Wir geben z.B. auch Seminare, wie man richtig Werbung macht. Für mich als Verbandsführung sowie Unternehmer ist das natürlich sehr wichtig. Nur mit öffentlicher Akzeptanz und Jugendarbeit kommen die Mitglieder.

Was würdest du dir persönlich für bzw. von der Kampfsportszene in Deutschland wünschen?
Ganz ehrlich? Früher waren mir als Trainer Kämpfe, Siege und Titel wichtig. Als Bundestrainer die Siege der Teams und die Medaillen. Doch jetzt? Dass sich keiner im Combatsport verletzt, um unsere Sportler gesund und glücklich nach Hause zu schicken.

Das Jahr 2013 neigt sich so langsam aber sicher dem Ende zu. Lass uns mal einen Blick auf 2014 werfen. Welche Ziele und Projekte verfolgt die ISKA?
Schau dir unsere Termin-Liste für das Jahr 2014 - sie ist voll mit Turnieren und Galas. Wir haben einige Projekte, was z.B. die Jugendarbeit angeht am Start. Dazu kommen Patenschaften mit Sportlern, Sponsoring und, und, und. Darauf lege ich gerade sehr viel Wert.
Davut Sidal & Marc Schmid (Foto: Tobias Gerold/groundandpound.de)

Die letzten Worte im Interview, sie sollen natürlich dir gehören.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei meinem Kompetenz-Team Tom Schneider, Jürgen Leidel, Jürgen Schneider, Sascha de Vries, Salvadore Granieri, Murat Sandikci, Uwe Göbkes, Mesut Celik, Dirk Schäfer und vor allem Marc Schmid bedanken. Diese Jungs sind für mich vieles, ohne diese Jungs bin ich nichts.

Davut, ich danke dir für das Interview und wünsche dir und der ISKA viel Erfolg für die anstehenden Aufgaben.
Ich danke dir. Ihr macht super Arbeit bei GroundandPound und ich weis es sehr zu schätzen, was ihr tut und welche Zeit ihr investiert. Ich wünsche der GnP-Familie alles Gute im neuen Jahr.