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Meryem Uslu: „Für uns kam der Abbruch zu früh.“

Meryem Uslu (Foto: Glory Sports International)

Die Hamburgerin Meryem Uslu hatte bei Glory 44 in Chicago ihr Debüt für den Branchenprimus gegeben und mit nicht einmal einer Woche den Titelkampf gegen Tiffany van Soest bestritten. Wie Uslu das Abenteuer Glory selbst erlebt hat und wie es für sie weitergehen wird, das hat Sie uns im Interview verraten.

GNP1: Meryem – du hast dein Glory-Debüt gegen eine starke Tiffany van Soest gegeben. Auch wenn es nicht wie nach Plan verlaufen ist, wie fällt dein Fazit aus?
Meryem Uslu: Mein Fazit: der Kampf lief besser als erwartet, ich konnte viele Dinge, die wir kurz vorher mit meinem Trainer besprochen hatten, umsetzen. Bis vor dem Abbruch hatte ich einen Riesen-Spaß am Kampf.

In den beiden ersten Runden hatte man von außerhalb das Gefühl, dass du noch nicht den richtigen Zugriff gefunden hattest. Woran lag es?
Zunächst muss ich sagen, dass Tiffany über eine sehr gute Beinarbeit verfügt und wir bei einem 5-Runden-Kampf die Sache langsam angehen wollten.

In Runde drei lief es weitaus besser für dich und du konntest ein paar gute Aktionen zeigen. Dachtest du zu dem Zeitpunkt, dass es der Punkt war um das Blatt zu wenden?
Unser Plan war, jede Runde das Tempo zu erhöhen. In der dritten Runde merkte ich das Tiffany's Beine langsam müde wurden, was Tiffany mir auch hinterher bestätige und mein Trainer sagte mir, ich soll weiterhin Druck ausüben, so ging unsere Strategie voll auf.

Tiffany van Soest, Meryem Uslu & Lutz Burmester. (Foto: Lutz Burmester)

Der Abbruch kam dann in Runde vier als der Ringrichter dich zuerst angezählt und dann aus dem Kampf genommen hat. Bist du mit der Entscheidung des Offiziellen einverstanden?
Für uns kam der Abbruch zu früh, weil ich noch Stand mitgearbeitet hatte, aber die Entscheidung anzufechten, wäre absurd gewesen. Es hätte nichts am Ergebnis geändert. Natürlich hätte ich gerne weiter gemacht, denke die Enttäuschung konnte man mir ansehen.

Wie fällt dein generelles Fazit zu deinem spontanen Trip nach Chicago aus?
Mein Team und ich sind ja nun auf allen großen Plattformen dieser Erde gestartet und ich durfte ja nun alles was Rang und Namen hat in meinem Gewicht kämpfen und ich muss sagen, Glory war eine der schönsten Erfahrungen, die ich mitgemacht habe. Schließlich hat bei Glory die Crème de la Crème bereits gekämpft.

Jetzt könnte man sagen, ok vielleicht war es doch nicht so gut gerade diesen Kampf so kurzfristig anzunehmen. Oder würdest du noch einmal so handeln?
Ja absolut, ich würde wieder so handeln. Ich bin jeden Tag im Training, auch wenn keine Kämpfe bevorstehen, arbeite ich jeden Tag an mir weiter. Fit bin ich immer. Als das Angebot gegen Tiffany kam, war ich gerade in Vorbereitung für einen anderen Kampf, der am 9. September in St. Raphael stattfinden soll.

Wie war das eigentlich? Wann hattest du von Glory den Anruf bekommen und wie hat sich dann alles weitere gestaltet?
Wir wurden am Montagmorgen in der Kampfwoche angerufen, man erklärte uns kurz, dass die eigentliche Gegnerin von Tiffany aus privaten Gründen nicht antreten könne und ob wir Interesse hätten zu kämpfen. Mein Trainer führte dann die Verhandlungen durch und wir sagten mittags zu. Dann ging alles relativ schnell. Wir unterschrieben die Verträge und flogen Dienstag früh nach Chicago.

Meryem Uslu und Tiffany van Soest bei der Waage. (Foto: James Law / Glory Sports International)

Es ist ja nicht das erste Mal gewesen, dass Glory bei dir angeklopft hat. Habt ihr in Chicago vielleicht schon Gespräche über einen möglichen nächsten Kampf führen können oder ist es noch zu früh um etwas Genaues zu sagen?
Seitdem Glory die Super-Bantamgewicht-Gewichtsklasse eingeführt hat, besteht Interesse. Zwei Mal mussten wir ablehnen, da ich anderweitig vertraglich gebunden war. Beim dritten Anlauf nun hat es funktioniert. Wie es weiter geht, wird sich zeigen, ja Gespräche sind schon gelaufen, wenn es terminlich passt und ich nicht für einen anderen Kampf am selben Tag gebucht bin, wird es eine Wiederholung geben.

Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt dir ja nicht, denn im September gibt es den Kampf gegen Amel Dehby. Wie nutzt du die Zeit, um dich zu regenerieren und am besten vorzubereiten?
Ja richtig. Am 9. September kämpfe ich gegen die Französin Amel Dehby, worauf ich mich sehr freue,  die Vorbereitungen gehen wie gewohnt weiter. Da ich das ganze Jahr über gut gebucht bin, gibt es keine große Regenerationsphase für mich. Denn auch nach diesem Kampf steige ich am 4. November bei "Get in the Ring" vor heimischen Publikum in den Ring. Was für mich persönlich eins meiner Highlights zum Abschluss des Jahres ist.

Bezieht man nun den Kampf gegen Amel mit ein, dann bist du gegen die Besten der Besten im Ring gestanden. Wer war deine härteste Gegnerin und wen würdest du gerne noch einmal vor der Nase haben?
Ich habe über 80 Kämpfe und stand gegen die Top 20 dieser Welt im Ring, natürlich war jeder Kampf auf seiner Art eine Herausforderung. Die mit wohl Abstand härteste Gegnerin war Anissa Meksen. Ich habe mich nach dem Kampf gefühlt, als hätte mich ein Auto überrollt (lacht). Bin immer offen für Rückkämpfe und habe da niemand speziell im Kopf.

Meryem Uslu & Trainer Lutz Burmester sind seit Jahren ein Dream-Team. (Foto: Lutz Burmester)

Was ist deine Motivation? Was treibt dich nach all den Erfolgen noch immer an?
Meine Motivation ist die Liebe zum Sport. Ich liebe es mich zu quälen und an meine Grenzen zu gehen. Ich habe das große Glück, einen Trainer wie Lutz Burmester zu haben, der immer für einen da ist, der nie aufhört an uns zu arbeiten und immer das Beste aus uns rausholt. Mein Team ist großartig wir sind vier A-Klasse und fünf B-Klasse Kämpfer, wir unterstützen uns gegenseitig wenn Kämpfe anstehen, tauschen unsere Erfahrungen aus und motivieren uns. Für mich habe ich alles erreicht was ich mir vorgenommen hatte, bis auf eine Sache - 100 Kämpfe würde ich gerne noch zusammenbekommen (lacht).