Thai/Kickboxen

Markus Fuckner: „Ich fühle mich wie 23“

Markus "Spartakus" Fuckner ist bereit. (Foto: Gregor Walczok/Gregs-Photography)

In Karlsruhe ist er bekannt wie ein bunter Hund. In der Zeit, als die badische Metropole zu den Hochburgen in Sachen Kickboxen gehörte, zählte Markus „The Dragon“ Fuckner neben so illustren Kämpfern wie Hansi Brenner, Frank Scheuermann, „Butcher“ Waitz oder Klaus Nonnemacher zu den Aushängeschildern. Am 10. Mai wird der mittlerweile 43-Jährige seinen 100. und letzten Kampf bestreiten. Dabei geht es zurück an einen Ort, bei dem Erinnerungen wach werden.

Markus, am 10. Mai wirst du bei der Battle  oft he Gladiators IV deinen Abschiedskampf bestreiten. Wie laufen die Vorbereitungen?
Hallo erstmal. Also ich bin topfit und fühle mich wie 23 und nicht wie 43.

Dein Gegner wird der Kroate Cirkovic sein. Was weißt du über ihn?
Ich weiß, dass er alle Videos von seinen Kämpfen aus Youtube rausgenommen hat. Er ist 211cm groß und 130kg schwer. Laut der Aussage von seinem Manager, Mirko Skoko, soll er ein guter Amateurboxer sowie K-1 Kämpfer sein und dort schon einige Titel gewonnen haben. Zudem soll er sechs MMA-Kämpfe auf dem Buckel haben, die er auch gewonnen hat.

Was glaubst du, auf welchen Kampf wirst du dich einstellen müssen?
Na er ist 130kg schwer und zehn Jahre jünger. Dazu kommt, dass er einen ganzen Kopf größer ist als ich. Keine Frage, das wird ein harter Kampf werden. Aber ich habe in meiner Karriere gegen die ganz Großen gekämpft: Peter Aerts in Amsterdam, Maurice Smith in Tokyo – ich werde bereit sein.
Fuckner kann auf eine bewegte Karriere zurückblicken. (Foto: Gregor Walczok/Gregs-Photography)

Studierst du als „alter Hase“ deinen Gegner im Vorfeld per Video oder verlässt du dich ganz auf das, was dir dein Trainer mit auf den Weg gibt?
Wie bereits gesagt, wir konnten uns nur kurz zwei Videos noch anschauen, bevor diese dann wie auch der Rest bei Youtube verschwanden. Mein Gegner will halt nicht, dass ich weiß, was er kann. Aber mein Trainer macht mich eisern und besessen. Wie zu den guten alten Zeiten im Lion Gym. Da kann eigentlich nichts schief gehen. Mein Trainer Frank Becker stellt mich im Bulldog Gym auf alles ein.

Machen wir es kurz. „Spartakus“ Fuckner verlässt am 10. Mai den Ring als Sieger, weil…
Weil ich erfahrener und bissiger bin und mein Karlsruher Publikum einfach obergeil ist.

Bei deinem Kampf am 10. Mai soll es sich ja um deinen letzten handeln. Was waren bzw. sind die ausschlaggebenden Gründe dafür?
Schau, ich bin 43 Jahre alt und Bob Sapp kneift momentan. Sollte er es sich anders überlegen und doch kommen, dann werde ich es mir eventuell auch noch einmal überlegen.
Der 100. Kampf soll der letzte sein. (Foto: Gregor Walczok/Gregs-Photography)

Letzter Kampf und Lokalmatador – mehr Druck oder Motivation für dich?
Beides. Ich liebe meine Fans und werde für sie kämpfen.

Der Kampf wird ja in der Europahalle von Karlsruhe stattfinden. Kommen auch Erinnerungen in einem hoch, als Karlsruhe neben Düsseldorf und Berlin zu den Hochburgen zählte?
Natürlich. In der Europahalle wurde ich schon vor 20 Jahren Europameister der WKA. Damals waren die Böhsen Onkelz unsere Ehrengäste. Die kamen speziell für den damaligen WKA-Europameister „Butcher“ Waitz und mich – es war der Hammer.

Wenn du an die gute alte Zeit in eben jener Europahalle zurückdenkst, welcher Moment ist dir dabei am meisten im Gedächtnis geblieben?
Als ich mit Stephan Weidner (Mitglied der Böhsen Onkelz) und meinem damaligen Trainer Rainer Gottwald meinen Gürtel im Ring gehalten habe – das waren Emotionen pur. Einfach der Hammer.
Fuckner holte Titel um Titel. (Foto: Gregor Walczok/Gregs-Photography)

Vergleicht man die Zeit von damals mit der von heute, was hat sich in deinen Augen in Sachen Kampfsport positiv wie auch negativ verändert?
Damals waren die Zeiten einfach obergeil. Das Training im Allgemeinen härter, keine Weicheier eben. Heute ist das etwas anders. Wenn wir heute mit Gruppen das Training von damals machen würden, würden von 60 Leuten gerade mal noch zwei bleiben. Aber Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Als Kampfname wurde dir „Spartakus“ verpasst. Was steckt dahinter?
Ich bin eigentlich schon seit 25 Jahren „The Dragon“. Den Namen hat mir damals Rainer Gottwald verpasst wegen meines Tattoos auf der Brust in Form eines Drachens. Spartakus – das ist nun mal so in der WGL (World Gladiators League). Da muss man einen aus der römischen Zeit stammenden Namen mitbringen. Da Spartakus der größte Gladiator war, bin ich eben Spartakus – der deutsche Spartakus zumindest.

Wenn wir einen Blick in die Kristallkugel werfen, welche Ziele verfolgst du trotz deines Abschieds in der Zukunft?
Ich möchte mich um herrenlose Hunde kümmern. Dazu unterstützen wir den Verein „Reich mir die Pfote e.V.“. Des Weiteren möchte ich mich um Jugendliche kümmern, die in sozialen Brennpunkten stehen. Ich will sie motivieren, im und durch den Kampfsport Erfolge zu haben. Das ist allemal besser, anstatt Handys und Uhren zu klauen.


Die abschließenden Worte im Interview, sie sollen natürlich dir gehören.
Mein Dank geht an Rainer Gottwald, meinen Entdecker und Mentor, welcher dann leider 20 Jahre im Ausland war und natürlich Jürgen Lutz und dem Bulldog Gym in Karlsruhe. Den Böhsen Onkelz, die Band, welche meine Erfolge immer begleitet haben – zumindest musikalisch. Ganz besonders möchte ich mich bei meiner Frau und meinen Kindern für die Unterstützung und das Verständnis bedanken. Ein weiteres Dankeschön geht an meinen Trainer Frank Becker und das Fächer Sport Management.

Markus, ich danke dir für das Gespräch und wünsche dir viel Erfolg für diesen einen letzten Kampf am 10. Mai in Karlsruhe.
Danke dir vielmals. Auch an euch von Groundandpound.de vielen Dank für eure mediale Begleitung und Unterstützung, auch bei der WGL, die mit Sicherheit eine geile Variante der MMA-Disziplinen ist.

Karten zur Battle of the Gladiators IV Veranstaltung am 10. Mai in der Karlsruher Europahalle gibt es unter www.reservix.de.