Thai/Kickboxen

"Man geht im Training bis an seine Grenzen"

Vladimir Ivcenkov von den Gladiators aus Köln. (Foto: Vlad Suslov)

Er gehört zu der Sorte von aufstrebenden Kämpfern, die sich in den vergangenen Monaten ihren Weg nach oben gebahnt haben. Der Kölner Vladimir Ivcenkov hat sich still und heimlich zu einem großen Talent gemausert, von dem man in Zukunft sicherlich noch einiges erwarten darf. Kurz vor dem Gladiators World Cup in Marbella bat GnP den Senkrechtstarter zum Gespräch und fühlte ihm auf den Zahn.

GroundandPound: Vladimir, am 6. Juli steigst du im Rahmen des Gladiators World Cup in Marbella in den Ring. Wie laufen deine Vorbereitungen?
Vladimir Ivcenkov: Ich trainiere sechs Mal in der Woche. Mein Training ist mit verschiedensten Kraft-, Technik- und Ausdauerübungen ziemlich ausgewogen, wobei ein größerer Wert auf die Ausdauer gelegt wird: intensives Pratzentraining, Ausdauerläufe und Sprints. Die Gasmaske, mit der ich trainiere, verleiht mir dabei einen „Konditionsbonus“.  Gutes Sparring ist natürlich nicht zu vergessen. Einige meiner Sparringspartner sind hochklassige Kämpfer, von denen ich noch viel lernen kann.

Es wird dein erster Einsatz im Ausland sein und dann auch gleich in einer so imposanten Location wie der Stierkampf-Arena von Marbella. Bist du schon aufgeregt oder lässt dich das völlig kalt?
Das stimmt nicht ganz. Ich habe bereits in Frankreich und in den Niederlanden im Ring auftreten dürfen. Meinen Gegnern, der Location und dem ganzen drum und dran schenke ich wenig Aufmerksamkeit und konzentriere mich stattdessen auf meine Sache. In dieser Hinsicht würde ich mich schon als professionell einschätzen.
Vladimir Ivcenkov bei einem seiner Kämpfe (Foto: Vlad Suslov)
Kennst du deinen Gegner überhaupt, und wenn ja, wie schätzt du ihn ein?
Mein Gegner ist der spanische amtierende Europameister David de Dios. Bekannt ist er mir nicht. Ich erwarte jedoch einen starken Gegner und freue mich auf den Fight.

Nun ist es ja so, dass Insider dich kennen, die breite Masse aber weniger. Stell dich unseren Lesern doch bitte vor und erzähle, wie du zum Kampfsport gekommen bist.
Ich bin 19 Jahre alt und komme aus Rösrath, einem Vorort von Köln. Hier besuche ich die 12. Klasse des Gymnasiums. Zum Kampfsport hat mich mein Onkel gebracht. Eines Tages nahm er mich zum Probetraining in den Fightclub Gladiator und schon war ich dabei.

Hat dir der Kampfsport sofort zugesagt, oder hast du dich auch für andere Sportarten interessiert?
Ich habe bereits zahlreiche Sportarten ausprobiert, doch mit keiner konnte ich mich richtig identifizieren. Erst der Kampfsport zeigte mir, wo ich hingehöre.

Wann hast du gemerkt, dass du nur noch Thai- und Kickboxen trainieren möchtest und was waren die Gründe dafür?
Schwer zu sagen. Auf einmal steckte ich tief drin und habe gemerkt, dass ich die neu entstandene Mentalität und die gesammelte Erfahrung nicht einfach so hinter mir lassen könnte. Ein wichtiger Grund war sicherlich auch mein Trainer Vlad Suslov, zu dem ich eine gute Verbindung habe. Er ist witzig und verständnisvoll. Bei ihm macht das Training Spaß.
Vlad Suslov, Peter Aerts & Vladimir Ivcenkov (Foto: Vlad Suslov)
2011 war ja ein sehr erfolgreiches Jahr für dich. Keine Niederlage, und auch 2012 hält diese Serie bisher an. Was macht diesen Erfolg von dir aus?
Ich bin sehr fleißig beim Training und werde von Vlad optimal vorbereitet. Er kennt mich inzwischen gut und weiß, wie er mich auf verschiedenste Gegner einstellen soll und an was es mir für den nächsten Kampf mangelt.

Wie groß siehst du die Gefahr, dass man bei den ganze Erfolgen auch etwas abheben kann und das Training schleifen lässt?
Natürlich ist es cool, auf einmal Geld mit den Kämpfen zu verdienen und dafür in andere Länder zu verreisen. Bis zum Abheben kann es aber noch eine Weile dauern. Ein Sparring mit Enriko Kehl holt einen schnell wieder auf den Boden (grinst).

Was macht für dich die Faszination Kampfsport eigentlich aus?
Der Mensch ist generell daran fasziniert, sich in allen möglichen Dingen zu messen, und wo kann man es besser tun als beim Kampfsport? Man geht beim Training teilweise bis an seine Grenzen, um für den einen Tag bereit zu sein. Es stählt Charakter und Körper wie kein anderer Sport.  

Du investierst ja eine Menge Zeit in das Training. Bleibt da noch Platz für Freizeit, und wenn ja, wie verbringst du sie am liebsten?
Es ist schwer, alles unter einen Hut zu bekommen, aber ich finde, ich kriege das ganz gut hin. Meine Freizeit versuche ich abwechslungsreich zu gestalten und bin am liebsten mit meinen Freunden zusammen. Zum Beispiel gehen wir pokern, ins Kino, in die Sauna, feiern oder hängen einfach nur vor der Playstaion.
Einen Moment, den Ivcenkov gut kennt. (Foto: Vlad Suslov)
Der MMA-Sport befindet sich ja immer mehr im Aufwärtstrend und mit Fedor Emelianenko ist ja ein Landsmann von dir ein sehr populärer Vertreter dieser Sportart. Wäre das auch etwas für dich?
Oh ja! An MMA bin ich ebenfalls interessiert und habe einige Grundkenntnisse darin. Falls nach meinem Abitur ein Auslandsjahr nach Amerika folgen sollte, werde ich es dort trainieren.

Wenn wir mal einen Blick in die Kristallkugel werfen, welche Ziele verfolgst du mittel- bzw. langfristig?
Langfristig setze ich mir keine großen Ziele. Wer weiß, was das Leben mit uns allen vorhat. Im Auge habe ich nur meine nächsten Fights und wie ich mich am besten dafür vorbereite. Die Planungen überlasse ich meinem Trainer.

Vladimir, ich möchte dir fünf Stichpunkte nennen und bitte dich, uns spontan und mit einem Wort zu sagen, was dir dazu einfällt:
1. FC Köln: traurig
UFC: die Zukunft
Vorbild: Arthur Kyshenko
Kampfname: muss man sich verdienen
Vladimir Ivcenkov: siegeshungrig

Der Kampf in Marbella ist nun dein nächster. Wie aber wird dein weiterer Fahrplan für das Jahr 2012 aussehen?
Danach lege ich eine kleine Pause ein, da ich zuletzt auf kurzem Zeitraum viele Kämpfe zu bestreiten hatte und mein Körper eine Auszeit verdient hat. Danach kann es mit neuer Frische und mit Vollgas weitergehen!

Gibt es von dir vielleicht noch etwas, von dem wir sagen würden: „Mensch, das hätten wir nicht von dir gedacht?“.
Mein Trainer hat mich anfangs fast aus dem Club rausgeworfen, weil ich so frech war und das Training immer gestört habe (grinst).
Gladiators World Cup in Marbella am kommenden Freitag.
Zum Abschluss hast du jetzt noch die Möglichkeit, ein paar Worte an die Leser und deine Fans zu richten.
Ein großer Dank an alle, die mich unterstützen und bei meinen Kämpfen mitfiebern. In Zukunft werde ich versuchen, mich noch mehr zu steigern und die Menschen mit meinen Kämpfen zu begeistern.

Vladimir, ich danke dir für das Interview und wünsche dir viel Erfolg für deinen Kampf beim Gladiators World Cup in Marbella.
Dankeschön. Bis demnächst.