Thai/Kickboxen

Lutz Burmester: Wir haben einige gute Kämpfer in Deutschland

Hinter vielen sportlichen Erfolgen, steckt oft ein kompetenter Trainer. K-1-Fans werden die Namen Dima Weimer, Meryem Uslu und Kevin Burmester von etlichen Plakaten rund um den Globus kennen. Doch wer steckt hinter diesem Erfolg der Sportler? GNP1.de hat den Trainer vom Xite Gym besucht.

GNP1.de: Lutz, zunächst einmal vielen Dank für deine Zeit. Erzähl unseen Lesern erst einmal etwas von dir, es ist ja unser erstes gemeinsames Interview.
Lutz Burmester: Ich bin gefühlt seit einer Ewigkeit schon dabei. Mit 11 Jahren kam ich zum TSV Glinde zum Boxen, später wechselte ich zur SV Polizei Hamburg, wo ich bis zu meinem 19. Lebensjahr aktiv geboxt habe. Dort habe ich viel Erfahrung und schöne Erinnerungen mitgenommen. Vom Boxen bin ich direkt zum Kickboxen gewechselt, bis zu meinem 32. Lebensjahr war ich als Kämpfer dort aktiv. Nach meiner aktiven Zeit wusste ich, dass ich als Trainer dem Sport treu bleiben möchte und mein Wissen und meine Erfahrung weitergeben wollte.

Du verzeichnest mit deinen Sportlern großartige Erfolge, neben deutschen und europäischen Titeln auch mehrere Weltmeistertitel. Das verdient großen Respekt!
Ich bin Trainer aus Leidenschaft, ich lebe und liebe das was ich tue. Meine Person stelle ich nie in den Vordergrund, hinter mir steht ein großes Team, das mir den Rücken stärkt. Dabei möchte ich besonders meinen langjährigen Freund Klaus Hagemann und meinen Geschäftspartner Thomas Türk erwähnen, alleine kann man wenig bewegen. Ich nehme jeden einzelnen Kämpfer als Herausforderung an, mit viel Geduld und Ausdauer versuche ich, das Bestmögliche aus ihnen herauszuholen. Ich bin sehr zielorientiert, auch als Trainer möchte man die Früchte seiner Arbeit ernten, daher bin ich jederzeit für meine Schüler da. 24 Stunden, egal welche Uhrzeit – das Wort „Feierabend“ kenne ich nicht. 
Weimer, Uslu, Lutz & Kevin Burmester. (Foto: Lutz Burmester)

Neben Sportlern wie Weimer und Uslu trainierst du deinen Sohn Kevin, der selbst mehrfacher Deutscher Meister, Europa und Weltmeister ist. Man könnte denken, das liegt in den Genen.
Inwiefern ist das Training mit dem eigenen Sohn etwas Besonderes?
Es ist tatsächlich etwas Besonderes. Nun trainiere ich Kevin seit 10 Jahren, und ich muss zugeben: Ich bin immer noch super emotional wenn er im Ring steht. Kevin war als kleiner Junge schon sehr diszipliniert und ehrgeizig, selbst beim "Mensch ärgere dich nicht" konnte er nicht verlieren. Ich kann mich an die eine oder andere Niederlage erinnern, wo er manchmal erst nach drei Tagen wieder mit mir gesprochen hat. Schon als kleiner Junge nahm er das Kickboxtraining sehr ernst und setzte alles was man ihm sagte und zeigte schnell um. Als Vater bin ich sehr stolz, es macht mir Freude, dass mein Sohn dieselbe Leidenschaft mit mir teilt. Der Sport hat uns mittlerweile noch mehr zusammengeschweißt, es ist doch sehr schön, den ganzen Tag mit seinem Sohn zu verbringen.

Bei solch einer langen Trainerlaufzeit, vielen Veranstaltungen im Ausland und Erfolgen, welches Erlebnis hat dich dabei am meisten bewegt?
Ich habe etliche schöne und emotionale Erinnerung, wir waren ja nun so gut wie überall auf der Welt. Der WM-Sieg von Kevin in Portugal, wo er durch K.o. einen starken Portugiesen besiegte, oder seine Schlacht in St.Tropez, wo er das erste Mal einen starken Thailänder vor den Fäusten hatte. Meryems WM-Siege in Australien und in Kanada sowie Dimas WM-Kampf in Frankreich gegen den Savate-Champion Amri Madani, oder sein Sieg in Dubai. Natürlich vergesse ich auch nie die zahlreichen Ringschlachten von Martin Jahn, seinen Kampf gegen Filip Verlinden in Los Angeles oder seinen Kampf gegen Brice Guidon in Frankreich werd ich immer in meiner Erinnerung behalten. Ein Kampf hat mich jedoch besonders bewegt: Es war der Kampf zwischen Jerome LeBanner und Oliver van Damme vor 10 Jahren in Genf. Auf der Veranstaltung durfte ich mein Idol Marvin Hagler persönlich kennenlernen.

Welche sportlichen Ziele hast du weiterhin? Gibt es in der Talentschmiede Xite neue heranwachsende Talente auf die das Publikum gespannt sein kann?
Sportlich geht es natürlich weiter, wie ich schon erwähnt habe mit Kevin, Meryem, Martin und Dima wurden viele Erfolge gefeiert, mit denen werde ich auch die nächsten Jahre weiter zusammenarbeiten. Nun trainiere ich seit einigen Jahren David Wachs, der dreimal die Wochen von Rostock nach Hamburg zum trainieren kommt. Gemeinsam mit seinem Vater, der David in Rostock trainiert, haben wir schon einige Erfolge verzeichnen können. Nun kommt er so langsam in die A-Klasse, auf die Aufgabe freue ich mich sehr. Neu in unserem Team ist Florian Kröger, der technisch sehr ausgereift ist und über viel Kampferfahrung verfügt. Auf die Arbeit freue ich mich besonders, da es eine große Herausforderung für mich ist, einem fertigen Kämpfer meinen Stempel aufzudrücken.
Weiterhin haben wir noch den 15-jährigen Jendrik Böhnke, der jetzt seine ersten Kämpfe gewinnen konnte. Wenn der Junge am Ball bleibt, bin ich mir sicher, dass er in Deutschland kein Unbekannter bleibt. Zwei meiner Nachwuchskämpfer Marlon Bluhm und Kerim Hüdür holten sich vor kurzem die ProAm Deutsche Meisterschaft der WKN, auch von den beiden, bin ich mir sicher, werden wir noch viel hören. Wir haben im Xite gute Nachwuchskämpfer, wer mich kennt, weiß, das ich kein Freund davon bin, Kämpfer zu früh in den Ring zu schicken, also warten wir es ab.
Lutz Burmester & David Wachs. (Foto: Lutz Burmester)

Wer dich einmal kennenlernt, merkt sofort, du lebst und liebst diesen Sport, und dass schon über eine so lange Zeit. Was begeistert und motiviert dich so sehr in deinem Trainerdasein?
Weil es ein toller Job ist! Weil man es mit Herz und Leidenschaft macht, aus Liebe zum Sport. Mal im Ernst: Würde ich heute im Lotto gewinnen und morgen nicht mehr arbeiten gehen müssen, dann würde ich das Gleiche machen was ich jetzt tue. Wie viele Menschen könne das von sich behaupten? Ich arbeite sehr gerne mit Menschen, gerade mit Kämpfern, wo die Charaktere sehr verschieden sind. Ich begleite einige meiner Kämpfer nun seit fast über 10 Jahren, je länger ich mit denen arbeite, je erfolgreicher die werden, desto schwieriger werden sie auch und desto mehr Feingefühl muss ich entwickeln, um das Bestmögliche aus ihnen herauszuholen. Was ich damit sagen möchte ist: Erfolg entsteht im Kopf, und die Kunst ist, einen Kämpfer sowohl körperlich aber auch geistig zu stärken. Genau diese Herausforderung macht mein Job spannend und motiviert mich.

Du warst schon in den 90'ern aktiv im Sport, wie siehst du die Entwicklung im K-1 und wo, denkst du, geht es für diesen Sport noch hin?
So wie ich das sehe, sind wir auf einen guten Weg, denn wir haben einige Kämpfer in Deutschland, die auch international mithalten können, z.B. Danyo Ilunga und Max Baumert, die schon die Chance hatten, sich bei Glory zu präsentieren und mittlerweile fester Bestandteil der Serie sind. Auch der Gewinn von Enriko Kehl bei K-1 Max hat dem Kampfsport in Deutschland sehr gut getan und gezeigt, dass auch hier gut gearbeitet wird. Auch die Veranstaltungen in Deutschland haben an Qualität gewonnen. Allein in Hamburg haben wir bereits mehrere große Veranstaltungen, allen voran Promoter Ralf Stege mit seiner Veranstaltungsserie Day of Destruction, aber auch Get in the Ring, mit Promoter Till Görres oder Humans Fight Night, das waren Top-Events auf hohem Niveau.
Aber auch Promoter wie Sefer Göktepe und Ingo Baberski, dessen Veranstaltungen im Fernsehen gezeigt wurden, gehören zu den Top-Adressen in Deutschland. Natürlich gibt es noch andere Veranstalter in Deutschland, die unseren Sport vorantreiben und gute Arbeit leisten.
Lutz Burmester, Meryem Uslu & Martin Jahn. (Foto: Lutz Burmester)