Thai/Kickboxen

Lisa Schewe: „Es wird ein sehr harter Kampf“

Lisa Schewe trifft in Mülheim auf Ania Fucz. (Foto: Lisa Schewe)

Der Frauenkampf zwischen Lisa Schewe und Ania Fucz, bei dem der WM-Titel der IKBO auf dem Spiel stehen wird, ist eines der Highlights bei der Night for Masters am 27. September in Mülheim. Schewe spricht in unserem exklusiven Interview über ihre Chance, wie sie den Kampf sieht und welche Pläne sie für die Zukunft verfolgt.

Groundandpound.de: Lisa, am 27. September kämpfst du um die WM der IKBO gegen Ania Fucz. Wie laufen die Vorbereitungen?
Lisa Schewe: Meine Vorbereitungen laufen super! Da ich im Juli mein Studium abgeschlossen habe und erst im November ins Berufsleben starte, kann ich mich voll auf das Training konzentrieren. Ich trainiere sehr hart, unter der Woche zweimal am Tag. Damit werde ich dann für den Kampf top vorbereitet sein.

Wo siehst du ihre Stärken und wo ihre Schwächen? Oder ist das eine Frage, die man dir im Vorfeld auf einen Kampf nicht stellen darf?
Anias große Stärke ist – wie bei mir auch – dass sie bei einem solchen Kampf wirklich fünf Runden lang Vollgas geben kann und wird. Es wird also wie ich vermute ein sehr spannendes und hart umkämpftes Duell, bei dem auch in der fünften Runde noch alles gegeben wird. Auf ihre Schwächen versuche ich mich besonders zu konzentrieren. Ich werde Ania zusammen mit meinem Trainer studieren, um ihre Schwächen dann im Kampf ausnutzen zu können. Die genaue Taktik werde ich natürlich nicht verraten! (lacht)
Lisa Schewe in Action. (Foto: Energy Gym Leverkusen)
Was glaubst du, auf welchen Kampf du dich in Mülheim wirst einstellen müssen?
Auf jeden Fall wird es ein sehr harter Kampf werden. Wir haben beide schon viel Erfahrung im Ring und werden konditionell perfekt vorbereitet sein. Wahrscheinlich wird es über die Runden gehen und dann entscheidet die bessere Tagesverfassung und Taktik.

Betreibst du vor dem Kampf ein Videostudium deiner Gegnerin, oder verlässt du dich ganz darauf was dir dein Coach Roman Logisch mit auf den Weg gibt?
Natürlich werden Roman und ich uns ein paar Videos anschauen, aber übertreiben muss man dies auch nicht. Kämpfer entwickeln sich mit der Zeit und Erfahrung. Natürlich kann man per Videostudie einiges über den Kampfstil der Gegnerin erfahren, aber auch diesen kann sie ändern. Wir werden uns ein wenig auf Ania einstellen, aber vorwiegend an meinen Stärken und Schwächen arbeiten.

Der Kampf findet ja quasi vor deiner Haustür statt. Spürt man da mehr Druck, weil viele Fans kommen werden, oder ist es gerade die Motivation, weil viele Fans da sein werden?
Ich finde es immer schön, wenn meine Leute in der Halle hinter mir stehen. Das gibt einem Kämpfer Motivation und auch Kraft im Ring. Bei mir steigt zwar auch der Druck, wenn ich weiß, dass meine Familie und alle meine Freunde in der Halle sind, aber in gewisser Weise befähigt mich dieser Druck erst dazu, im Ring 1000% zu geben.
Die Oberhausenerin sollte man nicht unterschätzen. (Foto: Energy Gym Leverkusen)
Machen wir es kurz, Lisa Schewe wird neue IKBO-Weltmeisterin weil…. ?
… ich sehr hart dafür gearbeitet habe und auch bis zum Kampf noch sehr hart an mir arbeiten werde. Ich habe in letzter Zeit einige Niederschläge wegstecken müssen, doch dadurch bin ich nur noch stärker geworden. Ich werde mir jetzt den Titel holen, den ich verdiene.

Ganz egal wie der Kampf am 27. September ausgehen wird, wie sieht dein weiterer Fahrplan für das Jahr 2014 aus?
Je nachdem, wie verletzungsfrei ich aus dem Kampf gehe, habe ich noch ein Kampfangebot für Oktober. Ab November fange ich mit meinem Referendariat an. Fest geplant ist dann noch nichts, ich werde erst einmal alles auf mich zukommen lassen und schauen, wie sich Job und Training miteinander vereinen lassen. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich wie auch in der Vergangenheit alles unter einen Hut bringen kann.

Irmen, Kocak, Uslu und jetzt Fucz. Gegen nahezu alle weiblichen Top-Kämpferinnen in Deutschland bist du bereits in den Ring gestiegen. Gibt es trotzdem eine Wunschgegnerin?
Zunächst einmal muss man sagen, dass ich gegen Julia Irmen Vollkontakt gekämpft habe, was für mich nicht ganz einfach war. In dem Sinne ist es einfach eine andere Kampfsportart, bei der ich meine Waffen nicht einsetzen durfte. Gegen Meryem Uslu bin ich drei Tage vorher eingesprungen, weil ihre ursprüngliche Gegnerin ausgefallen ist. Mit ein wenig mehr Vorbereitung hätte der Kampf mit Sicherheit anders ausgesehen. Hier würde ich mich über einen Rückkampf freuen.
Zum Kampf gegen Dilara Kocak will ich gar nicht viel sagen. Hierzu kann sich jeder selbst sein Urteil bilden. Ich habe diesen Kampf nicht verloren! Ein Rückkampf würde mich schon reizen, allerdings nur auf neutralem Boden! Ob das möglich ist, ist aber fraglich. Des Weiteren möchte ich aber auch noch ein bisschen herumkommen und im Ausland kämpfen. Asien, Australien oder Amerika, das wäre klasse. Egal wer da kommt, ich freue mich auf jeden Kampf.
Lisa Schewe vs. Joanna Jedrzejczk. (Foto: Energy Gym Leverkusen)
Wäre ein neuer Kampf gegen Dilara Kocak denkbar? Immerhin konntest du dich mit der 1-2 Punktniederlage bei FairFC I nicht abfinden?
Von meiner Seite aus kann ich mir einen Rückkampf vorstellen, doch ich bin mir nicht sicher, ob das Team um Dilara einem Kampf auf neutralem Boden zustimmen würde. Wir werden sehen, was geschieht.

Deine Zelte hast du mittlerweile in der Rhein-Ruhr Kampfsportakademie aufgeschlagen. Waren es neue Trainingsreize, die zu der Veränderung geführt haben?
Einige Unstimmigkeiten und andere Probleme haben dazu geführt, dass ich zusammen mit meinem Trainer Roman Logisch das Lager gewechselt habe. Für mich stand fest, dass ich unbedingt weiterhin mit ihm zusammenarbeiten wollte. Die Rhein-Ruhr Kampfsportakademie hat uns mit offenen Armen aufgenommen und bietet uns dort die perfekte Vorbereitung.

Deine Gegnerin Ania Fucz hat es in der Vergangenheit auch mit MMA versucht. Wäre das ein Thema für dich?
Für mich käme das nicht in Frage. Ich bin froh, dass ich in meiner bisherigen Karriere noch keine bleibenden Blessuren im Gesicht davongetragen habe. Das möchte ich nicht aufs Spiel setzen. MMA ist doch noch ein Stück weit brutaler als K1 oder Thaiboxen. Ich bleibe lieber bei meinem Stil und sage, nein danke.

Wenn wir einen Blick in die Kristallkugel werfen, welche Ziele verfolgst du mittel- bzw. langfristig?
Zunächst will ich mir natürlich im Kampf gegen Ania den Titel holen. Dann wünsche ich mir, um weitere Titel in anderen Verbänden kämpfen zu dürfen. Besonders Kämpfe im Ausland reizen mich sehr. Ich möchte reisen und in meiner Gewichtsklasse gegen die stärksten Frauen der Welt kämpfen.
Der WM-Titel ist das Ziel. (Foto: Lisa Schewe)
Vor zwei Jahren hatte Promoter Isa Topal mit „Amazon of K-1“ zum ersten Mal zwei stark besetzte Frauen-Tournaments auf die Beine gestellt, was leider keine Nachahmer gefunden hat. Warum glaubst du, scheuen sich die Veranstalter davor, ein solches Projekt aufzugreifen?
Das verstehe ich leider auch nicht. Für mich sind solche Turniere immer sehr reizvoll. Ich würde mir wünschen, dass es in Zukunft mehr Gelegenheiten gibt, an solchen Tournaments teilzunehmen. An einem Mangel an Kämpferinnen liegt es nicht, also was spricht dagegen?

Zum Abschluss hast du jetzt noch die Möglichkeit ein paar Worte an die Leser und deine Fans zu richten?
Ich denke, dass ich in Mülheim mit viel Unterstützung rechnen kann. Ich hoffe auf eine ausverkaufte Halle und eine Bomben-Stimmung. Der Kampf gegen Ania wird ein Highlight des Abends und garantiert eine tolle Werbung für den Frauenboxsport. Wir sind zwei Mädels, die sich nichts schenken und dem Publikum eine klasse Show liefern werden. Wer sich noch keine Karte gesichert hat, sollte es jetzt tun. Ich bedanke mich jetzt schon einmal bei meinem Trainerteam und meiner Familie für die tolle Unterstützung und hoffe, dass ich uns den Titel am 27.09. holen kann.