Thai/Kickboxen

Junge Wilde und alte Hasen

Poppendieck und Otto siegen, Stumbries verliert - die Ergebnisse aus Schönebeck. Foto: Richard Zechendorf (r.) vs. Maik Stumbries (Fotos by Mark Bergmann).

Zur ersten La Onda-Veranstaltung des Jahres 2011 machte Veranstalter Sascha Poppendieck Halt vor den Toren Magdeburgs, im beschaulichen Schönebeck. Im Fokus der Show standen Nachwuchstalente aus K-1, MMA und Boxen. Dementsprechend lautete der Titel der Show auch: „Die jungen Wilden“. Abgerundet wurde das Programm durch Fights mit bekannten Gesichtern, wie MMA-Veteran Maik Stumbries, „Bomber“ Jerry Otto und La Onda-Mastermind Sascha Poppendieck selbst.

Die Vorkämpfe
Im Opener des Abends konnte sich Joanna Neumann in einem K-1-Duell nach Punkten gegen Sophi Marlen durchsetzen. Beide Damen schenkten sich nichts und gingen ein mörderisches Tempo. Die etwas größere Neumann war die meiste Zeit über jedoch die Aggressorin und konnte die klareren Treffer setzen. Ebenfalls im K-1 standen sich die Newcomer Robin Trabert und Tino Klemmer gegenüber. Trabert bestimmte die erste Runde mit technisch sauberen Aktionen, verwandelte den Kampf im zweiten Durchgang aber unverständlicherweise in eine Prügelei, in der er selbst einige harte Hände nehmen musste. In der dritten Runde konzentrierte sich La Onda-Spross Trabert wieder auf seine Stärken – und das zahlte sich aus. Kurz vor Ende des Kampfes schickte er Klemmer mit einer Rechten zu Boden. Der machte nach dem Anzählen zwar weiter, gab den Kampf aber nach Punkten ab.

Nach diesen beiden Vorkämpfen sollte nun eigentlich das Hauptprogramm der Show beginnen. Leider musste der erste Kampf zweier „junger Wilder“ aber ausfallen, da Christian Görke beim Walk-In zur Kämpfervorstellung unglücklich umknickte und sich eine Verletzung am Fuß zuzog. Der La Familia-Kämpfer Philip Müller musste daher unverrichteter Dinge wieder abreisen.

K-1: Maik Kulbe vs. Andy Thiele
Die Begegnung zwischen Maik Kulbe und Andy Thiele rückte also als Eröffnungskampf nach, war allerdings recht schnell vorüber. Kulbe attackierte immer wieder mit Führhand-Lowkick-Kombinationen. Nach einem harten Kick zum linken Bein ging Thiele in die Knie, wurde angezählt und humpelte von da ab merklich. In der Rundenpause signalisierte er Knieprobleme und gab auf.

Maik Kulbe (r.) vs. Andy Thiele

Boxen: Toni Thess vs. Dennis Roon
Thess attackierte von Beginn an fast ausschließlich mit harten Schwingern zum Kopf und Körper des Leipzigers Roon. Statt auf der Innenbahn zu kontern, verschanzte der sich aber nur aktionslos hinter seiner Doppeldeckung, weshalb die Power-Punches von Thess immer öfter ihr Ziel fanden. In Runde zwei schickte er den Leipziger damit zu Boden. Roon wurde angezählt und wollte weitermachen, doch Thess stürmte sofort, nachdem der Fight freigegeben wurde, auf ihn los und setzte mit einer Körper-Kopf-Kombination nach. Roon ging ein zweites Mal zu Boden und machte deutlich, den Kampf nicht fortsetzen zu können.

Boxen: Steven Schmidt vs. Lonja Fanta
Technische Defizite machte Lokalmatador Schmidt durch jede Menge Aggressivität und Kampfgeist wett und bestimmte von der ersten Sekunde an das Tempo. Allerdings gingen sehr viele seiner wilden Salven auf die Deckung Fantas, der dafür mit gezielten Körper- und Kopfhaken kontern konnte. Im dritten Durchgang forderte das hohe Tempo Schmidts seinen Tribut, er geriet zusehends außer Atem und machte immer weniger. Fanta nutzte die Gunst der Stunde und hätte diese Runde sicher für sich entschieden, wäre da nicht ein Punktabzug gewesen, den der Ringrichter wegen dreimaligem Ausspucken des Mundschutzes über den Halberstädter verhängt hatte. Auch in der vierten Runde konnte Fanta einige Akzente setzen und obwohl der Durchgang sehr ausgeglichen verlief, waren vor allem seine guten Körperhaken hier wohl die wirkungsvollsten Treffer. Nach vier Runden entschieden die Punktrichter auf ein durchaus vertretbares Unentschieden.

K-1: Tommi Schubert vs. Onur Karaoglen
Im actiongeladensten Fight des Abends stand der Magdeburger La Onda-Kämpfer einem Vertreter aus Andy Schadenbergs Golden Glory Germany-Gym gegenüber: Onur Karaoglen. Karaoglen erwies sich als harter Brocken und attackierte in einem mörderischen Tempo mit brutalen Lowkicks und präzisen Schlag-Kick-Kombinationen. Schubert fand in der ersten Runde kein rechtes Mittel gegen die schnellen Angriffe, kehrte im zweiten Durchgang aber viel stärker zurück und griff seinerseits mit harten Oberschenkeltritten an. Karaoglen begann nun vermehrt zu Boxen und traf gut, musste aber auch selbst einige Treffer hinnehmen. In der dritten Runde machten beide Kämpfer das Duell zu einer chaotischen, aber extrem sehenswerten Schlacht, bei der kaum ein Sieger auszumachen war. Jeder der Beiden hatte Höhen und Tiefen: schien Schubert gegen Ende langsam abzubauen, traf er kurz vor Schluss plötzlich erneut mit harten Händen zum Kopf Karaoglens, die den Golden Glory Germany-Fighter gehörig durchschüttelten. Die Punktrichter werteten diese unterhaltsame Ringschlacht anschließend unentschieden – ein Urteil, dass absolut in Ordnung geht.

Boxen: Marco Billsing vs. Frank Schadewill
Nach kurzem Abtasten beider Boxer schickte Billsing seinen Gegner vom Boxcamp Halberstadt mit einem rechten Haken, gefolgt von einer linken Geraden zu Boden. Nach dem Anzählen wirkte Schadewill noch immer etwas angeschlagen. Er boxte zu verhalten und versuchte nur, sich in die Pause zu retten. In der zweiten Runde schlug ein weiterer rechter Haken Billsings ein. Beim Abtauchen und Meiden hatte Schadewill grundsätzlich die Linke zu tief – so musste er erneut zu Boden. Dieses Mal schien ihn der Niederschlag jedoch wachgerüttelt zu haben, denn nun marschierte er wild nach vorn. So auch im dritten Durchgang, in dem er einige harte Treffer landen konnte, da sich bei Billsing langsam Erschöpfung bemerkbar machte. Auch der traf jedoch weiterhin, baute in der vierten Runde allerdings vollends ab, schlug langsamer und musste einige klare Treffer nehmen. Zu einem Punktsieg reichte es für Schadewill, nach zwei Niederschlägen, dennoch nicht mehr.

MMA: Maik Stumbries vs. Richard Zechendorf

Es war Zeit für den einzigen MMA-Kampf des Abends. Der 41-jährige Magdeburger Lokalheld und MMA-Haudegen Maik Stumbries hatte den gefährlichen Leipziger Ex-Bundesligaringer Richard Zechendorf vor sich. Wie zu erwarten war wollte Zechendorf vom Standkampf nichts wissen und brachte Stumbries immer und immer wieder mit starken Takedowns zu Boden. Dort kontrollierte er das Judo-Ass aus der Oberlage und passierte die Guard nicht, sondern versuchte mit Hammerfäusten Treffer zu erzielen. Stumbries hielt gut dagegen und konnte den Leipziger Ringer-Spezialisten sehr gut neutralisieren. Mehrmals gelang es ihm, wieder auf die Füße zu kommen, wo er jedoch nicht lange blieb. Die zweite Runde verlief nach demselben Muster, nur dass Zechendorf konditionelle Defizite zeigte und am Boden nicht mehr so aktiv war wie im ersten Durchgang. Zum Schluss gelang Stumbries deshalb auch der Sweep. Die letzten zehn Sekunden des Kampfes deckte er Zechendorf, der in Kauerstellung die Schlussglocke abwartete, mit harten Händen ein. Die Punktrichter entschieden anschließend auf einen mehrheitlichen Punktsieg.

Nur Fliegen ist schöner: Richard Zechendorfs Takedowns waren nicht zu stoppen.

K-1: Bahtiya Isandarzada vs. Steffen Weise
Beide Kämpfer lieferten sich einen wilden Kampf und attackierten mit fliegenden Knien und weiten Schwingern in rasantem Tempo. Die mehr oder weniger neue No-Clinch-Regel war bei Isandarzada wohl allerdings noch nicht so recht angekommen, er bekam in Runde eins und drei jeweils einen Punkt für wiederholte unerlaubte Kniestöße im Clinch abgezogen. Kämpferisch schien er die Nase dennoch leicht vor zu haben, geriet in Runde drei nach einigen harten Kniestößen des Dänen allerdings ins Taumeln und wurde vom Ringrichter Kurt Braun angezählt und anschließend korrekterweise aus dem Kampf genommen, da er noch immer nicht in der Lage war, selbstständig aufrecht zu stehen.

K-1: Jerry Otto vs. Jan Wenske
Der “Bomber” machte seinem Namen alle Ehre und rollte zu Beginn wie eine Dampflok auf seinen Bremer Gegner zu. Der war schier überwältigt von der Masse und Kraft Jerry Ottos und hatte zunächst nicht viel entgegenzusetzen. Im zweiten Durchgang schien dem massigen Magdeburger etwas die Luft auszugehen und Wenske nutzte die Chance und attackierte seinerseits mit Knien, langen Händen und Lowkicks. Auch Otto hatte sein Pulver jedoch noch nicht verschossen – gleich mehrere seiner atombombenartigen Schwinger schlugen beim Bremer ein. Wenske wackelte dabei zwar ab und an ein wenig, nahm jedoch alles, was Otto zu bieten hatte. Die dritte Runde verlief recht ausgeglichen, da beide Schwergewichte langsam an ihre konditionellen Grenzen stießen. Nach drei Runden hieß der einstimmigen Punktsieger: „Bomber“ Jerry Otto.

Eine Bombe schlägt ein: Wo Jerry Otto (r.) trifft wächst kein Gras mehr.

K-1: Sascha Poppendieck vs. Malte Jöng
Jöng blickt zurück auf eine lange Karriere als Amateurboxer. Poppendieck wusste das natürlich und hielt sich den schlaggefährlichen Veteranen mit starken Lowkicks auf Distanz. Schläge gab es vom La Onda-Chef nur als Power-Punches, nach denen er sofort wieder die Halbdistanz verließ. Die Taktik ging auf, die ersten beiden Runden gingen an ihn. In der Pause vor dem dritten Durchgang gab Jöng in der Ringecke schließlich auf. Grund dafür waren Komplikationen mit einem Stiftzahn, die ihm das Weitermachen nicht möglich machten.

Hält den Boxer mit Lowkicks auf Distanz: Sascha Poppendieck (r.).

La Onda Fight Night: Die jungen Wilden
19. Februar 2011
Stadtpark Schönebeck in Schönebeck, Sachsen-Anhalt


K-1
Sascha Poppendieck bes. Malte Jöng via Aufgabe in Runde 3 (0:00)
Jerry Otto bes. Jan Wenske einstimmig nach Punkten

Boxen
Steffen Weise bes. Bahtiya Isandarzada via TKO in Runde 3 (2:40)

MMA
Richard Zechendorf bes. Maik Stumbries mehrheitlich nach Punkten

Boxen
Marco Billsing bes. Frank Schadewill einstimmig nach Punkten

K-1
Tommi Schubert vs. Onur Karaoglen endete unentschieden

Boxen
Steven Schmidt vs. Lonja Fanta endete unentschieden
Toni Thess bes. Dennis Roon via TKO (Aufgabe) in Runde 2 (2:25)

K-1
Maik Kulbe bes. Andy Thiele via Aufgabe in Runde 2 (0:00)
Philip Müller vs. Eric Schmelzer musste ausfallen (Fußverletzung Schmelzers)
Robin Trabert bes. Tino Klemmer einstimmig nach Punkten
Joanna Neumann bes. Sophi Marlen einstimmig nach Punkten