Thai/Kickboxen

„Jugendliche von der Straße holen“

Joan Manuel & Emmanuel Lique Canaveral (Foto: Werner Dittmaier/Boxfights.com)

Am 28. September wird es für Joan und Emmanuel Lique Canaveral ernst. Das erfolgreiche und mit Titeln dekorierte Brüder-Paar aus Frankfurt muss zum Jubiläum des Apache-Teams auf der gleichnamigen Fight Night wieder ran. Dass man die beiden noch vor drei Jahren zu Unrecht unterschätzt hatte, zeigt die heutige Leistungsentwicklung. Dabei versuchen die beiden durch den Sport auch anderen Jugendlichen zu helfen, wie sie es uns im Interview verraten haben.

Joan und Emmanuel, am 28. September müsst ihr eure WM-Titel der WKU verteidigen. Wie laufen die Vorbereitungen?
Emmanuel: Soweit so gut. Aber als Veranstalter hat man noch den zusätzlichen Stress wegen der Organisation.
Joan: Die Vorbereitungen laufen wie immer. Aber das Problem ist ja, wir organisieren das alles mit. Wir machen Werbung etc. und nebenbei Vollzeit zu arbeiten, das alles unter einen Hut zu bekommen, ist manchmal schwierig.

Emmanuel, du wirst erneut gegen Talha Yalcin in den Ring steigen. Denkst du, dass es wieder über fünf Runden gehen wird?
Emmanuel: Ich denke, dass der Kampf sicherlich fünf Runden gehen wird. Denn das ist ja schon unser dritter Kampf und Talha Yalcin ist bestimmt sehr gut vorbereitet und sehr motiviert, um den Kampf zu gewinnen.
Emmanuel Lique Canaveral vs. Max Birkner (Foto: Werner Dittmair/boxfights.com)
Wenn man einen Gegner schon einmal sehr deutlich geschlagen hat, wie motiviert man sich für ein weiteres Duell?
Emmanuel: Es spielt für mich keine Rolle, ob ich einen Gegner schon einmal besiegt habe. Ich bin immer motiviert zu gewinnen und unterschätze meine Gegner nie.

Joan, bei dir heißt der Gegner Howard Hogg und kommt aus England. Was weißt du über ihn?
Joan: Er kommt aus dem Cardiff Kickboxing Club Wales, ist ein sehr guter Techniker und hat auch einige Leute auf die Bretter geschickt. Er ist Philippine und wird „Killer from Manila“ genannt. Soweit ich es beurteilen kann, kämpfen wir beide fast den gleichen Stil und er hat auch einige Titel geholt, deswegen bin sehr gespannt.

Was denkst du wird für dich der Schlüssel zum Sieg in diesem Kampf sein?
Joan: Es ist schwer zu sagen. Aber ich denke mal, die bessere Kondition wird ein ausschlaggebender Punkt sein. Je länger der Kampf gehen wird, desto mehr werden wir sehen, ob er mein Tempo gehen kann oder nicht.

Was für einen Kampf erwartet ihr beide mit Blick auf eure jeweiligen Gegner?
Emmanuel: Ich erwarte, dass wir uns nichts schenken werden. Und ich werde auf jeden Fall meine Titel verteidigen.
Joan: Einen starken, schnellen und technisch sauberen Fight erwarte ich.

Machen wir es kurz: Die Canaveral-Brüder werden ihre Titel verteidigen weil…
Emmanuel: ...wir stets ehrgeizig und diszipliniert sind und hart trainieren, auch wenn keine Kämpfe bevorstehen.
Joan: ...wir immer bestens vorbereitet sind.

Weltmeister zu sein, kommt ja nicht von ungefähr. Wie sieht aktuell euer Trainingspensum aus mit Hinblick auf den 28. September?
Emmanuel: Ja, da hast du recht. Zwei Trainingseinheiten pro Tag und das jeden Tag.
Joan: Das Pensum ist sehr hoch die letzten Wochen. „HARD WORK DEDICATION“ ist angesagt. Morgens joggen und abends viel Training an den Pratzen. Die Sparringseinheiten haben wir hinter uns. Nochmal danke an die Jungs von Nubia Sport, Muskelkater und No Fear.
Birkner vs. Canaveral II in der Mache? (Foto: Werner Dittmair/boxfights.com)
Als Weltmeister wird man ja automatisch vom Jäger zum Gejagten. Verspürt ihr nun deutlich mehr Druck, auch weil ihr jetzt zu Hause kämpfen werdet?
Emmanuel: Ich verspüre nicht unbedingt mehr Druck, da wir oft zuhause kämpfen. Aber natürlich wollen wir zuhause auch gewinnen.
Joan: Zuhause zu kämpfen, bedeutet immer mehr Druck, aber das Schönste dabei ist, dass unsere Fans einfach die Besten sind. Ich kenne keine Teams mit solchen Fans, die von München bis nach Berlin immer dabei sind. Danke euch allen!

Die Fan-Gemeinde von euch ist riesig und jeder erwartet natürlich eine ganze Menge von euch. Wie geht man mit dem Druck um?
Emmanuel: Wir sehen das überhaupt nicht als Druck. Unsere Fans sind die größte Motivation für uns.
Joan: Ich versuche es nicht an mich ran zulassen und sehe es immer wie, als einen normalen Fight an. So gehe ich mit freiem Kopf in den Ring rein.

Gehen wir mal davon aus, dass ihr die WM-Titel am 28. September verteidigen werdet. Wie sieht der weitere Fahrplan für das Jahr 2013 aus?
Joan: Ich hoffe, es läuft einfach so weiter und ich kann im Dezember evtl. noch einmal kämpfen. Es läuft gut dieses Jahr für mich, seitdem ich im Dezember 2012 die beiden WM-Titel geholt habe. Diese konnte ich zwei Mal verteidigen und mein Ziel ist es, sie vier Mal im Jahr zu verteidigen.
Emmanuel: Ich würde gerne dieses Jahr noch ein bis zwei Mal kämpfen und natürlich gewinnen, noch mehr Titel holen und die, die ich schon habe, verteidigen.
Joan Manuel Lique Canaveral im Training. (Foto: Tommy Yung)
Als Weltmeister gibt es ja keine leichten Gegner. Trotzdem, wenn ihr könntet, gegen wen würdet ihr gerne einmal in den Ring steigen?
Joan: Yuta Kubo aus Japan (Glory-Sieger bis 65kg 2013).
Emmanuel: Gute Frage. Mein Wunschgegner ist Max Birkner. Da ist für uns beide noch eine Rechnung offen. (lacht)

Das Apache-Team in Frankfurt ist ja mehr als ein normales Gym. Welche Bedeutung hat es für euch?
Joan: Es ist mein Zuhause. Wir sind eine große Familie und das macht uns stark.
Emmanuel: Da schließe ich mich meinem Bruder an.

Wie gerade gesagt, steht ja wesentlich mehr dahinter. Stichwort: Jugendsozialarbeit. Erzählt unseren Lesern doch einmal, was sich genau dahinter versteckt.
Joan: Wir versuchen den Jugendlichen eine Perspektive zu geben und sie mit Sport aus dem Alltagstrott rauszuholen, in dem sie stecken. Wir möchten sie von der Straße holen und arbeiten an ihren Stärken und bringen ihnen Disziplin und Ehrgeiz bei. Damit stärken wir ihr Selbstbewusstsein und helfen bei der Verwirklichung ihrer Ziele. Getreu dem Motto: „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren!“
Emmanuel: Für uns ist die Jugendsozialarbeit besonders wichtig, da wir selbst als Jugendliche sozusagen von der „Straße geholt“ wurden. Man sieht ja heute, wie erfolgreich wir sind, und dieses Wissen und die Erfahrung wollen wir natürlich auch weitergeben.

Beide kommt ihr aus Kolumbien. Wäre das so etwas wie ein Traum, die Canaveral-Twins verteidigen ihre WM-Titel im Heimatland?
Joan: Ja, das wäre uns eine große Ehre, mal dort zu kämpfen. Wie ich das auch mitverfolge, wächst der Sport in Südamerika enorm. Mal schauen, was passieren wird.
Emmanuel: Dem stimme ich zu.

Die Gebrüder Kehl würden es nicht machen. Wenn man euch eine gewisse Summe X bieten würdet, könnte es dann zum Duell Canaveral vs. Canaveral kommen?
Joan: Never ever! Außerdem ist Emmanuel ist viel zu stark! (lacht)
Emmanuel: Für kein Geld der Welt!
Joan & das Apache-Team wollen wieder jubeln. (Foto: Tommy Yung)
Die letzten Worte im Interview, sie sollen natürlich euch gehören.
Joan & Emmanuel : Danke erst mal an dich und Groundandpound für die Ehre. Wir danken allen Leuten für den Support. Unserem Team und unseren Fans, die Kolumbianer und Philippinos und alle anderen, die immer wieder zu den Veranstaltungen kommen. An alle Kampfsportfreunde, kommt am 28.09.2013 zur Apache Fight Night in der Fraport Arena von Frankfurt, das wird ein Hammer-Event.

Joan und Emmanuel, ich danke euch für das Interview und wünsche euch viel Erfolg für eure Kämpfe am 28. September auf der Apache Fight Night in Frankfurt.
Joan & Emmanuel: Wir danken dir für deine Zeit, Tobi.