Thai/Kickboxen

Johannes Wolf: „Es wird mein letzter Kampf sein“

Johannes Wolf will den dritten WM-Titel. (Foto: Stefan Bösl)

Gerade einmal 25 Jahre alt und doch denkt der Ingolstädter Johannes Wolf ans Ende seiner Laufbahn als Profikickboxer. Verwunderung macht sich breit, aber auch Verständnis darüber, dass ein Kämpfer bewusst diesen Schritt wählt. Der Abschied soll mit einem großen Knall erfolgen. Dazu wird Wolf am 3. Oktober bei den Plaza Fights in seiner Heimatstadt nicht nur seinen ISKA WM-Titel aufs Spiel setzen, sondern auch noch zusätzlich um den der WKA kämpfen.

Johannes, am 3. Oktober wirst du bei den Plaza Fights um die Doppel WM der ISKA und WKA kämpfen. Wie laufen die Vorbereitungen?
Also bis jetzt laufen die richtig gut. Ich bin nicht verletzt, fühle mich gut und bin gerade erst gestern aus einem Trainingscamp zurückgekommen, wo ich vier Tage mal durchtrainiert hab. (lacht)

Dein Gegner wird der Holländer Ilias El Hajoui aus dem All Fit Gym in Eindhoven sein. Was weißt du über ihn und wie schätzt du ihn ein?
Bis jetzt habe ich nicht viel von ihm gehört und mir noch keine Videos angeschaut. Mein Trainer Jens hat mir erzählt, dass er schon überall gekämpft hat und das sehr erfolgreich, dass er ein K-1-Kämpfer sei und wahrscheinlich ein Hauer sein wird. Wenn ich mal Zeit habe, dann gucke ich mir mal seine Videos an. Aber mir bringt es meistens doch nichts, weil gegen mich die Gegner nie so kämpfen wie in den Videos. Ich lasse ihnen nicht die Freiheit und zwinge ihnen meinen Kampfstill auf - jedenfalls versuche ich das. (lacht)
Im Ring ist Schluß mit lustig. (Foto: Stefan Bösl)
El Hajoui hat in seiner Laufbahn überwiegend im Muay Thai und K-1 gekämpft und da Vollkontakt vom Stil her etwas ganz anderes ist, liegen deshalb die Vorteile auf deiner Seite?
Ich denke schon. Ich bin einer, der sich sehr viel bewegt und sich nicht treffen lässt und da die Thaiboxer und K-1-Kämpfer sich nur auf ihre harten Schläge verlassen, muss ich zusehen, dass ich mich wie eine Elfe bewege. (lacht)

Was glaubst du, auf welchen Kampf du dich einzustellen hast?
Ich denke, er wird viel stehen, abwarten und dann mal explodieren und mich versuchen, mit den harten Schlägen wegzuhauen.
Der dritte WM-Titel ist das Ziel. (Foto: Stefan Bösl)
Wie gestaltet sich das Training, wenn man nicht wirklich viel über seinen Gegner weiß? Oder spielt das für dich und dein Team keine Rolle?
Ach, ich bin es gewohnt, dass ich nicht viel über meine Gegner weiß. Das stört mich auch nicht, dafür habe ich ja die erste Runde. (lacht) Und wie gesagt, die meisten können gegen mich nicht ihren Kampfstill weiterführen. Ich versuche da ihnen meinen auf die Nase zu binden. Dadurch, dass ich mich immer in Bewegung befinde, müssen die sich ja auch bewegen, wenn sie mich treffen wollen

Schaust du dir vor einem Kampf deinen Gegner auf Video an oder verlässt du dich ganz auf das, was dir dein Trainer Jens Lintow mit auf dem Weg gibt?
Wenn es welche Videos gibt, guck ich mir die schon an. Ansonsten reicht es mir, was der Jens sagt. Da habe ich vollstes Vertrauen.

El Hajoui trägt als Kampfnamen „Bambi“. Wird der Wolf also das Bambi am 3. Oktober in seiner Heimat erlegen?
Das ist natürlich das Ziel eines jeden Kämpfers. Aber wir werden das sehen, wie sich das Bambi wehren wird. Bis jetzt kann ich mir nichts unter dem Namen Bambi vorstellen bzw. wieso und weshalb er sich so nennt.
Technisch einer der stärksten Kickboxer. (Foto: Stefan Bösl)
Machen wir es kurz. Johannes Wolf besiegt Ilias El Hajoui, weil...
Weil ich schon Weltmeister in zwei anderen Verbänden bin und mir jetzt den Dritten holen werde.

Auf der letzten Plaza-Fights-Veranstaltung konntest du wegen einer Verletzung nicht antreten. Wie schwer ist dir damals die Absage gefallen, gerade mit Hinblick, dass das ja vor dem eigenen Publikum gewesen wäre?
Es ist natürlich nicht schön, wenn man zu Hause bei einer eigenen Veranstaltung seinen Kampf absagen muss. Ich habe schon viele Male mit einer Verletzung gekämpft, aber diesmal hatte es keinen Sinn ergeben. Ich hätte mich nicht bewegen können und wäre wie ein Sandsack für meinen Gegner gewesen. Was mich ja ausmacht, ist, dass ich ständig in Bewegung bin und meine Fans kommen ja zu meinen Kämpfen, weil sie wissen, dass ich einen außergewöhnlichen Kampfstil habe und das könnte ich ihnen nicht zeigen. So wäre ich unzufrieden, der Jens weil ich vielleicht verloren hätte und die Fans, weil ich mich nicht so gut präsentieren hätte können.

Gerade nach einer Verletzung wäre es mehr als verständlich, wenn man sich zuerst einem etwas einfacherem Gegner stellt, um zu schauen, wo man selbst von seiner Leistung her steht. Weshalb gleich die Doppel-WM mit einem so starken Gegner?
Ich glaube, das habe ich von Jens abgeschaut. Wir machen uns nie viel Gedanken wie was wo. Wenn ich wieder gehen und trainieren kann, dann kann ich auch kämpfen.
Der letzte Gong im Westpark Plaza. (Foto: Stefan Bösl)
Im Westpark-Plaza bist du der Lokalmatador. Ist da mehr Druck vorhanden, weil viele Freunde und Fans vor Ort sein werden? Oder ist es genau die Motivation, die man als Kämpfer braucht?
Es ist natürlich etwas anderes, wenn du zu Hause kämpfst, aber mir hilft es sogar und ich will einfach die Leute, die mir geholfen haben, nicht enttäuschen. Wenn ich nicht mehr kann, dann denke ich mir: Ne spinnst du? Die ganzen Leute sind alle wegen dir hier und mein Trainer Jens sowie Co-Trainer Peter Lutzny haben ja nicht umsonst ihre Kraft in mich reingesteckt. (lacht)

Nach dem 3. Oktober ist ja im Jahr 2014 nicht mehr viel Zeit. Auf welche spannenden Kämpfe mit dir dürfen wir uns in diesem Jahr noch freuen?
Ich will nach dem 3. Oktober meine Karriere als Profikickboxer beenden und vielleicht nur bei den Amateuren noch ein bisschen mit dabei sein. Ich habe jetzt mit dem Studium als Sportlehrer angefangen und da darf ich mich nicht verletzen. Ich bin 25 und habe immer und alles für meinen Sport gemacht. Langsam muss ich an meine Zukunft denken, denn ich will nicht mit 30 dastehen und sagen: „So und was jetzt?“ Das ist bei den meisten Sportlern so und ich denke, ich habe mit meinen 25 Jahren alles erreicht, was es gibt. Weiter zu kämpfen, bringt mir nicht viel, da man im Kickboxen als Profisportler davon nicht leben kann.

Wenn wir einen Blick in die berühmte Kristallkugel werfen, welche Ziele verfolgst du mittel- bzw. langfristig?
Also im Kickboxen habe ich alle Ziele erreicht, die ich mir vorgestellt habe. Jetzt kommt die Zeit, wo ich mich um das Private kümmern muss. Arbeit, vielleicht ein eigenes Studio und Familie. (lacht)
Johannes Wolf blickt auf seine Karriere zurück. (Foto: Stefan Bösl)
Zum Abschluss hast du jetzt noch die Möglichkeit, ein paar Worte an die Leser und deine Fans zu richten.
Also ich möchte mich bei meinen Fans natürlich bedanken. Denn wir machen das nicht nur für uns, sondern natürlich auch für euch. Denn stellt euch mal vor, wir kämpfen und das Stadion ist leer und keiner feuert dich an. Also ist jeder Titel, denn wir holen, auch euer Verdienst und wie gesagt, wer mich jetzt noch mal kämpfen sehen möchte, der sollte das am 3. Oktober nicht verpassen, denn es wird mein letzter Kampf sein.

Johannes, ich danke dir für das Interview und wünsche dir viel Erfolg für die Doppel-WM am 3. Oktober im Westpark Plaza von Ingolstadt.
Tobi, ich danke dir und freu mich immer wieder. (lacht) Wir sehen uns spätestens am 3. Oktober.