Thai/Kickboxen

"Jeder WM-Titel ist etwas ganz besonderes"

Katrin Dirheimer - 13-fache Weltmeisterin. (Foto: Frank Fiedler/rheinfighters.de)

Katrin Dirheimer zählt WM-Titel wie andere Leute ihre Schuhe. Geschenkt wurde der 25-jährigen Kölnerin allerdings nichts. Geformt durch harte Arbeit und Training mit ihrem Coach Frank Fiedler, ging der Weg steil bergauf. Ein Ende ist nicht abzusehen. Direkt nach der Rückkehr von der WKA-Weltmeisterschaft in Orlando, traf sich GroundandPound mit ihr zum Interview am Frankfurter Flughafen.

GroundandPound: Katrin, frisch aus den USA von der WKA-Weltmeisterschaft zurückgekehrt. Wie hat’s dir gefallen? Welche Eindrücke bringst du mit?
Katrin Dirheimer: Es war eine tolle WM mit großartigen Sportlern verschiedener Kampfsportarten. Es ist immer wieder schön, Kämpfer/Trainer aus der ganzen Welt zu treffen und sich mit diesen auszutauschen. Sowohl auf der WM, als auch in unserer Freizeit wurden wir herzlich von allen empfangen.

Wie hoch war deiner Meinung nach das Niveau bei der WKA-WM in Orlando?
Es waren zwar nicht ganz so viele Sportler wie beispielsweise in Karlsruhe am Start, aber dennoch ein sehr hohes Niveau.
Katrin Dirheimer auf der WKA-WM in Orlando. (Foto: Frank Fielder/rheinfighters.de)
Kannst du das für die Leser auch etwas in Zahlen ausdrücken? Wie viele Teilnehmerinnen waren in deiner Gewichtsklasse (-65kg) am Start und wie viele Kämpfe musste man bis zum Finale absolvieren?
Die Kämpfe begannen im Viertelfinale. Ich hatte das Glück, aufgrund meiner Siege bei der letzten WM gesetzt zu sein und hatte dementsprechend ein Freilos.

Du bist im Vollkontakt und im K-1 in das Rennen gegangen. War es problematisch, dich von der einen auf die andere Stilrichtung umzustellen?
Da ich von Anfang an beide Stilrichtungen trainiere, ist für mich die Umstellung von der einen zur anderen recht unproblematisch.

Welche von beiden Stilarten bevorzugst du?
Ich mag beide sehr gerne. (lacht)

Es waren deine WM-Titel Nummer 12 und 13. Wo ordnest du die beiden Erfolge in Orlando ein?
Es waren meine ersten Titel in der geringeren Gewichtsklasse. Jeder einzelne ist etwas ganz Besonderes für mich.
Katrin Dirheimer mit der Nationalflagge (Foto: Frank Fiedler/rheinfighters.de)
Kurz vor der WKA-WM stand für dich der Amazon of K-1 Grand Prix auf dem Programm. Für viele warst du eine der Favoritinnen. Mit welchen Erwartungen bist du selbst in das Tournament gegangen?
Ich war noch nie so aufgeregt und zugleich voller Vorfreude wie vor diesem Turnier. Ich selbst habe mich ganz und gar nicht als Favoritin gesehen. Ehrlich gesagt bin ich ohne große Erwartungen in dieses Turnier gegangen, da so viele großartige Teilnehmerinnen mit am Start waren. Ich selbst wollte zeigen, dass man als Amateurkämpferin sehr wohl mit den großen Namen aus dem Profibereich mithalten kann. Das war mein größtes Ziel.

Gegen Chrisoula Mirtsou gab es zunächst einen klaren Punktsieg. War es auch so einfach, wie es von außen ausgesehen hat?
Einfach war es keinesfalls. Ich hätte es auch etwas ruhiger mit mehr Übersicht angehen sollen, vielleicht hätte ich mich dann auch nicht verletzt, aber ansonsten war es schon ok.

Im Halbfinale war Hatice Özyurt deine Gegnerin. Es war kein schöner Kampf. Was hat es dir so schwer gemacht, deine Reichweitenvorteile gegen sie einzusetzen, um das Duell klarer zu gestalten?
Hatice ist eine erfahrene Kämpferin. Ich habe mir das Leben selbst schwer gemacht und mich trotz Reichweitenvorteile auf das Clinchen und Klammern eingelassen. Vielleicht war es die Aufregungoder aber die nur wenig vorhandene Erfahrung, komplett ohne Schutz an den Beinen zu kämpfen, ich weiß es leider nicht ?
Das GnP-Journal als Pflichtlektüre. (Foto: Tobias Gerold/groundandpound.de)
Sieben Runden in den Knochen, leicht zerbeult und dann noch Jorina Baars im Finale – keine idealen Voraussetzungen. Bist du am Ende dennoch mit deiner Leistung zufrieden gewesen, auch wenn es nicht zum Sieg gereicht hat?
Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Jorina ist eine großartige Kämpferin, die sehr überlegt gekämpft hat und meine Schwächen für sich genutzt hat. Ich habe einiges an Erfahrung mit aus diesem Kampf genommen. Es war für mich der bisher bedeutendste Kampf, den ich je hatte. Es hat mir in vieler Hinsicht einen Schub nach vorne gegeben. Ich bin sehr glücklich über das Ergebnis.

Wie wichtig war dieses Tournament (das Isa Topal bereits zum zweiten Mal auf die Beine gestellt hat) generell für das Damen-Kickboxen in Deutschland?
Was Isa Topal mit diesen Events auf die Beine gestellt hat, ist einfach großartig. Es stellt das Damen-Kickboxen in ein tolles Licht. Schon alleine zu sehen, wie viele Zuschauer kamen, um uns Frauen kämpfen zu sehen, zeigt, dass solche Events sehr wichtig sind.

Dein Trainer Frank Fiedler hat mal gesagt, dass ein Titel bei einer Amateur-WM höher einzuschätzen sei als der bei den Profis. Teilst du diese Ansicht?
Ja, schon. Meist hat man bei einem Profikampf mehrere Wochen, manchmal sogar Monate Zeit, sich auf diesen einen Gegner einzustellen. Man kann sich Videos auf Youtube ansehen, man weiß, in welcher Auslage der Gegner kämpft, welche Stärken/Schwächen diese haben... bei einer Amateur-WM weiß man erst am selben Tag, gegen wen man kämpft und wie oft man ran muss, meist hat man die Kämpferinnen noch nie vorher gesehen, geschweige denn man weiß, welche Stärken/ Schwächen diese haben. Letztes Jahr bei der WKA-WM in Karlsruhe musste ich innerhalb zwei Stunden vier Finalkämpfe gegen unterschiedliche Kämpferinnen in verschiedenen Stilrichtungen bestreiten.
WM-Titel Nr. 13 für Katrin Dirheimer (Foto: Frank Fielder/rheinfighters.de)
Natürlich gibt es auch Personen, die mit Frauen im Ring nichts anfangen können und sie dort auch nicht sehen wollen. Ist das eigentlich nicht mehr wie ein klischeehaftes Denken? Immerhin befinden wir uns im Jahr 2012.
Ich glaube diese Personen findet man immer und überall. Zum Glück habe ich bisher nur positive Erfahrungen sammeln können.

Amazon of K-1, Theiss vs. Fucz – interessante wie auch hochklassige Kämpfe. Befindet sich das Damenkickboxen in Deutschland auf dem richtigen Weg?
Ja, absolut. Einen maßgeblichen Anteil daran hat Christine Theiss, durch die das Damen-Kickboxen erst richtig populär geworden ist.  Isa Topal legt mit seinen Veranstaltungen erfolgreich nach.

Was müsste getan werden, damit das Damen Kick- und Thaiboxen zu noch mehr Anerkennung in der Öffentlichkeit gelangt?
Ich denke mit Veranstaltungen wie zum Beispiel Amazon of K1 sind wir auf dem besten Weg, das Damen-Kickboxen noch bekannter zu machen.
Katrin
Wir kennen die Kämpferin Katrin Dirheimer. Die Frage aber ist, wie bist du privat? Welche Hobbies hast du und wie verbringst du neben Job und Training am liebsten deine Freizeit?
Bin ein sehr positiv eingestellter Mensch. Ich liebe es zu essen, Unsinn zu reden, mit meinen besten Freunden Zeit zu verbringen, liebe es zu lachen...  Ich versuche so oft wie möglich meine Familie zu sehen. Nutze fast jede freie Minute dazu.

Dein Spitzname ist „The Karl“. Was genau verbirgt sich dahinter und wer hat ihn dir verpasst?
Eines Tages während wir beim Training den linken Haken trainiert haben, meinte einer der Jungs, boah Katrin, du schlägst wie ein Mann. Du bist nicht Katrin, du bist Karl! Und das hat dann Frank mitbekommen und so hatte ich den Namen. Da ich bis letztes Jahr in der offenen Gewichtsklasse bei +65 kg gekämpft habe, war das auch nochmal ein Grund, da ich schwerer als einige Jungs war...

Katrin, ich möchte dir 5 Stichpunkte nennen und bitte dich, uns spontan und mit einem Wort zu sagen, was dir dazu einfällt:
1. FC Köln: große Leidenschaft, die Leiden schafft.
MMA: Männersport
Vorbild: meine Trainer
Rheinfighters: Familie, Spaß, Zusammenhalt
Katrin Dirheimer: Lebensfreude

Wenn wir mal einen Blick in die Kristallkugel werfen, welche Ziele verfolgt Katrin Dirheimer mittel- bzw. langfristig?
Gegen die besten Kämpferinnen der Welt kämpfen zu dürfen.
Katrin Dirheimer & ihre Trainer (Foto: Tobias Gerold/groundandpound.de)
Wenn du schon immer mal ein paar Worte an die Leser und deine Fans richten wolltest, dann hast du jetzt dazu die Möglichkeit.
Ich danke allen, die mich so toll unterstützen. Vor allem meinen Eltern, die wirklich jeden Kampf und Fortschritt von mir mit Stolz verfolgen. Es fasziniert mich immer wieder, mit welcher Begeisterung meine Freunde, Arbeitskollegen und Familie meine Kämpfe verfolgen. Ich finde es klasse, dass wir in diesem Sport auch außerhalb des eigenen Gyms so viele Freunde anderer Vereine haben. Der Zusammenhalt ist einfach großartig.

Katrin, ich danke dir für das Interview und wünsche dir weiterhin viel Erfolg und alles Gute.
Keine Ursache, ich danke dir.