Thai/Kickboxen

Ilunga, Weimer, Usla und Nikmaslak siegen

Der Day of Destruction V überzeugte auf ganzer Linie. (Alle Fotos: Stephan Schulz)

Bis zu 2.000 Zuschauer fanden sich in der Wandsbeker Sporthalle in Hamburg ein um den Länderkampf, eine EM, WM und einen K-1-Revenge-Fight zu sehen. Eurosport und der chinesische Sender Henan TV waren am Start und deswegen wurde das Event auch in deutsch von Darius Alibek moderiert, dem für die Übersetzung an die Gäste, eine schillernde-chinesische-Thomas-Gottschalk-Ausgabe zur Seite stand. Wie in der Wirtschaft, so war es auch hier: Die Chinesen kamen, sahen und siegten.

Boban Dimcic wird zum zweiten Mal überrumpelt
Dimcic und Guo Qiang standen sich schon in China gegenüber. Damals überannte Qiang seinen Hamburger Kontrahenten. Aber es ging nicht nur um die Revanche, sondern auch um die WM-Krone der WFCA im K-1. Trainer Ralf Stege hatte für Dimcic eine Strategie zurechtgelegt, denn der ist nicht als Kaltstarter bekannt. Er wird im Verlauf des Kampfes stärker, also mußte man nur die ersten Angriffswellen überstehen. Aber auch die Chinesen machten eine Planänderung. Beim ersten Aufeinandertreffen waren es die Kicks und nun setzte Qiang alles auf seine Fäuste. Wie eine geschüttelte Cola-Flasche explodierte der Chinese und schlug Dimic mit einem linken Haken nieder. Dimcic wurde angezählt und der Kampf ging weiter. Qiang schlug immer wieder die Schlaghand wie Ivan Drago in Rocky 4, bis Dimcic erneut zu Boden ging und angezählt wurde. Er fiel noch zweimal, aber mehr durch verlieren des Gleichgewichts als durch Trefferwirkung. In der zweiten Runde das gleiche Bild: Die Schlaghand traf und Dimcic ging schwer getroffen zu Boden. Die Ecke warf das Handtuch.
Es sollte für Boban Dimcic nicht reichen.

Danyo Ilunga wiederholt siegreich mit Bilderbuch-Knie
Es war der K-1-Revenge Fight, in dem sich Dennis Sebastian für seine Niederlage vor ein paar Jahren rächen wollte. Er hatte viele Fans mitgebracht und war sichtlich motiviert und heiß auf den Kampf. Ilunga sorgte für Stimmung beim Einmarsch in traditioneller afrikanischen Jagduniform, mit Speer und Schild, wie man es von ihm gewohnt ist. Sebastian suchte sofort den Kampf, Ilunga verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung und wartete das Gewitter ab, bis er mit einem Schlag konterte. Sebastian wurde angezählt, kämpfte aber beherzt weiter, bis das rechte Knie von Ilunga aus dem Stand voll am Kinn traf und er in Zeitlupe zu Boden ging, was die Ecke dazu veranlasst hat, das Handtuch zu werfen.
Danyo Ilunga gewinnt auch das Rematch gegen Denis Sebastian.

Weimer mit präzisen Leberhaken
Dima Weimer kam mit Getöse und Anfeuerungsrufen in den Ring, legte auch gleich los und traf mit Haken zum Kopf von Gaojie Wei. Dann der technisch perfekte getimte Leberhaken, der Wei zu Boden beförderte. Wei wurde angezählt und der Kampf ging weiter, bis Weimer seine schöne Aktion wiederholt und die Ecke von Wei das Handtuch geworfen hat.

Human läutet die Wende ein
Die Chinesen gewannen bis auf einem Kampf alles zu diesem Zeitpunkt. Der 37-jährige Human Nikmaslak, der nach fünf Jahren Ringpause sein Comeback feiern wollte, betrat den Ring unter "Human"-Rufen. Nikmaslak beginnt mit einer schönen linken Doublette, gefolgt von andauerndes Abrollen mit anschliessenden Haken a la Joe Frazier. Der Chinese beklagte sich über seinen Fuß und wurde angezählt. Nikmaslak stellt Han in der Ecke, verlagert sein Gewicht nach links unten, und loopte den rechten Haken, mit dem er an Hans Kinn förmlich explodiert. Wie eine Tanne von einem kanadischen Holzfäller bearbeitet, fiel Kaihu Han schwer KO zu Boden. Die Menge jubelte, brachte Nikmaslak doch die Wende ein und unterbrach den asiatischen Siegeszug. Han mußte ins Krankenhaus gebracht werden und man kann nur hoffen, dass es ihm jetzt besser geht.
Human Nikmaslak gelingt erfolgreiches Comeback.

Joyce Jane Jah verliert EM-Kampf
Es sollte der krönende Abschluss ihrer Karriere sein. Vor vier Jahren hatte Jah mit dem Kampfsport angefangen und immerhin in dieser kurzen Zeit zwei Nationale Titel gewinnen können. Jetzt, mit 38, macht sie Schluss, wie sie nach dem Kampf GnP mitteilte. Die Vorbereitung lief suboptimal, da sie sich den Fuß verstauchte. Die erste Runde war noch ausgeglichen, aber ab der zweiten legte die Tschechin Martina Jindrova immer eine Schippe mehr drauf und sicherte sich nach Punkten verdient den EM-Gürtel.
Martina Jindrova vs Joyce Jane Jah.

China-Mönch besiegt Kröger nach Punkten
Xingjun Liu darf aus religiösen Gründen nur in seiner Mönch-Hose antreten und sah damit wirklich wie ein Akteur aus einem Shaolin-Fim aus. Das westliche Bild eines chinesischen Mönches vermittelt ja immer so eine gewisse New-Age-Teehaus-Psychologie: sie seien ruhig, ausgeglichen, nett, zuvorkommend und hilfsbereit. Wenn man also auf einen friedfertigen Dalai Lama gesetzt hatte, so wurde man getäuscht. Der Mönch war fest in seiner Bewegung und sehr verbissen und verkrampft. Kröger kam zwar mit guten Haken durch, aber das schien dem Mönch nichts anzuhaben, denn er ging weiterhin nach vorn, auch wenn er mal den patentierten Frontkick von Kröger ins Gesicht bekam. Nach einer Extrarunde sah das Kampfgericht Liu vorn.
Florian Kröger vs Xingjun Lju

Sammy Masa verliert nach Punkten
Bian Fang mit einem schönen Single Leg Takedown, der ihm aber im K-1 keine Punkte bringt. Masa kam mit einer Rechten durch, aber meistens war es Fang, der mit Fäusten traf. So musste sich Masa nach Punkten geschlagen geben.

Koch liefert sich ein knallhartes Gefecht
Olli Koch und Dezheng Zhang tauschten in der ersten Runde erst einmal ein paar harte Lowkicks aus. Dann sprang Zhang mit einem Scheren-Knie auf Koch, das am Kinn traf und ihn rückwärts auf den Hinterkopf fallen ließ. Aber zur Verwunderung der Zuschauer stand Koch einfach wieder auf und setzte nach dem Anzählen den Kampf weiter fort. In der zweiten Runde brachte Koch Lowkicks und zweier Kombis mit anschliessendem Kick ins Ziel. In der Dritten liefern sich beide einen heftigen Schlagabtausch, aber schon wieder verschaffte sich Zhang durch das Scheren-Knie einen Vorteil, denn das traf wieder voll, aber diesmal wollte Koch nicht runtergehen. Somit gewann Zhang die Schlacht nach Punkten.
Olli

Arslan zieht den Kürzeren
Wei Wang begann mit Highkicks gegen Vahit Arslan, gefolgt von einem 1A-Takedown, der dem Chinesen einen Minuspunkt einbachte, denn Takedowns und Würfe sind im K-1 verboten. Im weiteren Verlauf des Kampfes war es Wei, der viele harte Kicks ins Ziel brachte, mehr Hände schlug und somit den Kampf nach Punkten für sich entscheiden konnte.

Day of Destruction V
28. April 2012
Wandsbeker Sporthalle in Hamburg

WFCA K-1 Weltmeisterschaft bis 86,18 Kilo
Guo Qiang besiegt Boban Dimcic via Aufgabe in Runde 2

K-1 Revenge Fight
Danyo Ilunga besiegt Dennis Sebastian via Aufgabe in Runde 1

Super Prestige Fight
Dima Weimer besiegt Gaoje Wei via Aufgabe in Runde 1

Comeback Fight
Human Nikmaslak besiegt Kaihu Han via TKO in Runde 1

WFCA Thaibox-Europmameisterschaft bis 66,68 Kilo
Martina Jindrova besiegt Joyce Jane Jah via Points

Vorprogramm
Xingjun Liu besiegt Florian Kröger nach Extrarunde nach Punkten
Bian Fang besiegt Sammy Masa nach Punkten
Dezheng Zhang besiegt Olli Koch nach Punkten
Wei Wang besiegt Vahit Arslan nach Punkten
Zhipeng Zhou besiegt Marco Henschke nach Punkten
Tengsen Yin besiegt Neil Natasadu nach Extrarunde nach Punkten
Meryem Uslu besiegt Xifeng Tang nach Punkten
David Wachs besiegt Timur Dugazaev via Aufgabe in Runde 1
Chris Jührs besiegt Anton nach Punkten
Mario Kolak besiegt Massi Argandival nach Punkten