Thai/Kickboxen

"Ich würde gerne gegen Nieky Holzken kämpfen"

Leo Bönniger aus dem Regensburger Galaxy Gym. (Foto: STI, Neutraubling)

Er ist wieder hier: Der Regensburger Leo Bönniger hatte sich eine Auszeit gegönnt. Doch sein Comeback, es hätte besser nicht laufen können. Zuerst schnappte sich das Talent vom Galaxy Gym den WKA WM-Titel mit einem Sieg gegen Roman Sarja. Danach ließ er etwas überraschend einen weiteren Sieg auf der LaOnda Fight Night gegen Doppel-Weltmeister Dima Weimer folgen. Einen Wunschgegner hat der Regensburger ebenfalls schon im Visier. Dabei handelt es sich um keinen geringeren als "The Natural" Nieky Holzken.

GroundandPound: Leo, vor deinem WM-Kampf im Oktober war es lange ruhig um dich gewesen. Was hast du gemacht?
Leo Bönniger: Mich gesucht und gefunden. Ich hatte privat ein paar Dinge zu klären und war zudem immer wieder verletzt. Da kam das eine zum anderen hinzu. Fast wollte ich den Sport schon aufgeben. Ich war nahe dran.

Wie gerade erwähnt, hattest du am 13. Oktober deinen WKA WM-Kampf in Nürtingen. Wie hast du das Duell gegen Roman Sarja erlebt?
Harter Bursche. Solaja ist erst 19 Jahre alt, Rechtsausleger wie ich. Von ihm wird man noch hören und er wird seit kurzem von Klaus Waschkewitz und seinem Bruder trainiert.
Leo Bönniger und sein Team (Foto: Galaxy Gym, Regensburg)
An welchem Punkt im Kampf war dir klar, dass dir der Sieg nicht mehr zu nehmen sein wird?
Ich würde sagen ab Runde drei, als ich den Druck erhöhte und Solaja zu pumpen begann.

Was waren für dich die wichtigsten Faktoren zum Erfolg?
Ehrgeiz, Disziplin und Ausdauer!

Nur drei Wochen später ging es auf der LaOnda Fight Night in Magdeburg gegen Dima Weimer. Für diesen Kampf warst du zunächst nicht eingeplant. Wann hat man dir das Angebot gemacht?
Zwei Wochen vorher hat mich Sascha angerufen. Dafür nochmals herzlichen Dank. Die LaOnda Fight Night in Magdeburg hat gehalten, was sie versprochen hat. Es war eine top Veranstaltung. Ihr wart ja auch dabei. Einfach klasse, was hier das Team um Darnell Knoch und Sascha Poppendieck geleistet haben. Mich hat es gefreut, Andy Souwer kennenzulernen. Netter Typ. 

Das Urteil 2:1 für dich. Wie siehst du, mit ein paar Tagen Abstand, den Kampf jetzt?
Klarer. Aber das Urteil war nicht 2:1, sondern 3:0, wenn man eueren Bericht auf GnP liest. Hoffe mal, dass dieser stimmt. Inzwischen ist ja auch euer Video online.
Leo Bönniger & Dima Weimer (Foto: Galaxy Gym, Regensburg)
Weimer, Kehl, Zulic, Schneidmiller – alles top Namen in der Szene. Fühlst du dich mit deinem Sieg gegen Dima Weimer jetzt auch oben angekommen?
Nein, oben ist man nicht nur, weil man einen Titel hat und einen anderen Titelhalter einmal besiegt hat. Oben ist man, wenn man in Tokio einen bekannten Holländer schlägt, nicht nur einmal, sondern wie es Giorgio Petrosian vorgemacht hat, mehrmals.

Bisher hat man von dir eher weniger Notiz genommen. Gerade mit den beiden letzten Siegen dürfte sich das stark geändert haben. Zu was ist Leo Bönniger noch in der Lage zu leisten?
Ja, danke. Das mit der Notiz find ich nett. Ich hatte ja schon einmal Anlauf genommen 2008 gegen den Litauer Morkevicius. Auch Warschau, aber das habe ich vermasselt. Mein Trainer Cai Waldenberger sagt: Die nehmen nur von dir Notiz, wenn du selber von dir Notiz genommen hast. Find dich selber – dann finden dich auch andere. Ich hatte Probleme, mich selbst zu finden. Als ehemaliges ADHS-Kid ist das zugegebenermaßen nicht leicht. Zu viele Wespen flattern im Kopf herum. Kampfkunst ist hier der richtige Weg. Dauert halt ein wenig, bis man gelernt hat, sich zu konzentrieren. Was die Leistung betrifft: Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.

Du kämpfst im Limit -70kg oder -72kg. Wie würde deine persönliche Top-5-Rangliste in Deutschland aussehen?
Wunsch? Leo-Leo-Leo-Leo-Leo, also nicht Zulic sondern B wie Bönniger. Kleiner Scherz. Wirklichkeit: Schneidmiller, Kehl, Vogel, Weimar, Schmitt, Baumann, Rögner. Das sind schon sechs. Du siehst, Tobi, da gibt es noch eine Menge Arbeit. Wir haben hier wirklich gute Leute bekommen.
Leo bei seinem Kampf bei Hero`s Litauen (Foto: Galaxy Gym, Regensburg)
Nachdem du die beiden letzten Kämpfe innerhalb von drei Wochen bestritten hast, steht jetzt erst einmal eine Pause an oder geht der Blick schon in Richtung nächster Kampf, und wenn ja, wo und wann wird er sein?
Bei uns liegen Anfragen vor aus CZ von Gladiator aus Brno spätestens für den 30.12.12. Gegen wen, kann ich noch nicht sagen. Obwohl ich keine Pause will – ADHS, du verstehst – zwingen mich meine Trainer zu Trainingspausen, um mich zu erholen.

Wie sieht dein Fahrplan generell für die kommenden Monate aus?
Fahrplan? Ich bin doch nicht die Deutsche Bundesbahn, die einen Fahrplan hat und dann doch zu spät kommt (lacht). Ich habe keinen. Ich nehme alles mit, so wie es kommt, und bereite mich darauf ausgiebig vor. That´s life.

Ein ganz anderes Thema ist die Übernahme von It's Showtime durch Glory. Was ist dir als Erstes durch den Kopf geschossen, als du davon erfahren hast?
Eigentlich gar nichts. Bei uns hier im Süden ist das kein Thema, zumal wir weder von It's Showtime noch von Glory berücksichtigt werden. Dennoch würde ich gerne gegen Nieky Holzken kämpfen, egal ob nun bei It´s Showtime oder bei Glory. Ich werde ihm zeigen, wo der Hammer hängt.
Bönniger & Coach Cai Waldenberger (Foto: Galaxy Gym, Regensburg)
K-1 hat sich ebenfalls wieder zurückgemeldet, SuperKombat gibt ordentlich Gas und Glory ist ja sowieso die derzeitige Nummer 1. Eine Situation, die gut für den Sport ist? Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft.
Ja, je mehr Veranstaltungen desto besser für unseren Sport. Je mehr Übertragungen im TV desto besser für uns. Ob für uns in Deutschland hier ist eine andere Frage. Die Veranstalter nehmen von uns hier wenig Notiz. Vielleicht wird sich das mal ändern. Cai hat mit dem Veranstalter aus Rumänien Herrn Irimia Kontakt aufgenommen. Er ist an uns interessiert. Mit uns mein ich unser Riesenbaby Alex Kwasniak (116kg, 2,05cm) und Lorand Sachs.

In Deutschland hat das Thai- und Kickboxen so viel TV-Zeit wie schon lange nicht mehr. Glaubst du, dass die Veranstalter den richtigen Weg erkannt haben?
Hochleistungssport wie K-1 ist ein Extremsport, da muss alles passen. Übers TV kommen die Sponsoren, über die Sponsoren kommen die Zuschauer, dann wiederum will sich jeder Kämpfer im TV-Ring zeigen, und ich hoffe mal, dass dann auch die Gagen ein wenig höher werden. Wirtschaft. Werbung und sportliche Leistung müssen zusammenkommen, dann passt es. Im Osten wie bei Heros ist das so, auch in Holland. Aber die Deutschen haben hier ein Problem. Wir nennen es fehlende Anerkennung der Kampfkunst. Alle meinen immer gleich unser Sport sei brutal – dabei ist er nur hart – und wollen dieses negative Image nicht. Da muss ein Bewusstseinswandel bei den Firmenbesitzern her. K-1 ist dynamisch, hart, und aufregend. Ideal für Werbung. Spannender als Boxen.
Bönniger & Sachs - Champions unter sich (Foto: Galaxy Gym, Regensburg)
Von deinem Trainer Cai Waldenberger wirst du auch schon mal Eber (Kampfsau, Anm. der Redaktion) genannt. Wie kam es dazu?
Als ich 15 war, war ich klein, fett, laut, ein Ritalinjunkie, hatte ich mit meinen Freunden immer Ärger auf der Straße und manchmal kam ich an den Falschen und bezog Prügel. Seither weiß ich aber, dass man mich nicht ausknocken kann. Ich kämpfe bis zum Schluss. Ich gebe nicht auf. Mein Bruder nannte mich deshalb Kampfsau. Wir hatten jeden Tag Streit (lacht). Später im Ring war es ähnlich. Verwundet kämpfe ich besser. Alex Vogel vom Masters Gym Duisburg, mit dem ich heute befreundet bin, hat mir nach unserem Kampf 2009 verraten: „Alter, ich hab dich so hart getroffen, warum gingst du nicht runter? Ich bin fast verzweifelt.“ Das war eine Ringschlacht zwischen dem Eisenschädel und mir, dem bayrischen Eber. Ich liebe den Geschmack von fließendem Blut und Schmerzen am ganzen Körper, dann schärfen sich meine Sinne.

Leo, ich möchte dir 5 Stichpunkte nennen und bitte dich, mir spontan und mit einem Wort zu sagen, was dir dazu einfällt:
Nürnberg oder FC Bayern: Jahn Regensburg
Vorbild: Giorgio Petrosyan und Andy Souwer
Galaxy Gym: Band of Brothers 77
Wunschgegner: Nieky Holzken
Leo Bönniger: Die Reinkarnation von Achill (lacht). Ruhm und Unsterblichkeit.

Gibt es vielleicht noch etwas von dir, von dem wir sagen würden: „Mensch, das hätten wir nicht von dir gedacht“?
Ich hab's oben ja schon erwähnt. Mit 15 war ich übergewichtig und hatte ADHS. Ein schwieriges Kind. Die Kampfkunst hat mich geformt. Ich hätte damals nie gedacht, dass ich jemals soweit komme. An die Eltern dieser Kinder appelliere ich: Schickt euere aufgedrehten Kids zur besten Fightschule des Ortes, in dem ihr wohnt. Kampfkunst ist eine gute Lebensschule. Gerne unterstütze ich diese Fightclubs in Deutschland mit meinem Beispiel. Das ist mein Anliegen. Erfolg ist, wenn du folgst.
Cai Waldenberger, Orlando Wiet & Leo (Foto: Galaxy Gym, Regensburg)
Deutscher-, Europa- und Weltmeister – diese Titel sind dir. Welche Ziele verfolgst du mittel- bzw. langfristig?
Ganz klar, internationale Auftritte.

Zum Abschluss hast du jetzt noch die Möglichkeit, ein paar Worte an die Leser und deine Fans zu richten.
Ich weiß, viele kennen mich noch nicht, dennoch bedanke ich mich bei allen Lesern von GnP. Wenn ihr Lust habt, mit mir in Kontakt zu treten, was mich freuen würde, so sendet mir einfach eine Freundschaftsanfrage auf facebook: www.facebook.com/leo.oo.31. Als Schlusswort möchte ich mich auch hier bei meinem Trainerteam Cai Waldenberger und Reiner Jäger für das perfekte Training, sowie meinen ganzen Sponsoren M&M Performance Regensburg, Firstclass Tattoo Regensburg und KULT italienische Mode recht herlich bedanken. Auch ein Danke geht an das GnP-Team für das tolle Interview.