Thai/Kickboxen

„Ich möchte das Publikum für mehr Frauenkämpfe begeistern!“

Meryem Uslu

Bei Day of Destruction VIII am 10. Mai in der Wandsbeker Sporthalle holt die kleinste Kämpferin zum ganz großen Wurf aus. Meryem Uslu greift nach der WM-Krone der WLF. Es wird einer der Hauptkämpfe der Veranstaltung sein. Groundandpound.de hatte die Möglichkeit, sich mit Uslu im Vorfeld des Kampfes zu unterhalten.

Meryem, bevor wir über den Day of Destruction VIII sprechen, lass uns doch mal über den letzten Kampf reden, den du am 6. April in Manchester hattest. Diesen hast du nach Punkten verloren. Was lief nicht so wie es geplant war?
Es ist immer schwer, über verlorene Kämpfe zu sprechen, weil die Leute nicht dabei waren und es so aussieht, als würde man nach Ausreden suchen. Der Kampf in England lief genauso wie geplant.

Ungewöhnlich ist ja auch in England, das es in Muay-Thai-Kämpfen für das Werfen eines Gegner gleich mal einen Punkt obendrauf gibt. Diese Regel hatte auch schon Julie Kitchen bemängelt. Sinn oder Unsinn?
Na ja, wenn es sich um klassische Würfe handelt, wo der, der wirft, stehen bleibt, dann würde so ein Punktesystem in meinen Augen auch Sinn machen. Bei meinem Kampf war es dem nicht so. Die Taktik der Engländerin war es, den Kampf zu verhindern, indem wir beide zu Boden gingen.
Meryem Uslu bei ihrem Kampf in Manchester. (Foto: Emanuell Rudnicki)
Was hat es dir so schwer gemacht, in den Kampf zu finden und die Strategie aus deiner Ecke umzusetzen und hat der doch sehr kleine Ring sein übriges dazu getan, dass kein wirklicher Kampf zustande kommen wollte?
Kleine Ringe kommen meinem Kampfstil eigentlich zugute, bei diesem Kampf jedoch ließ meine Gegnerin keinen richtigen Schlagabtausch zu. Wie schon erwähnt, war sie mehr damit beschäftigt, zu klammern und zu werfen. Trotzdem konnte ich viele gute Treffer landen und zu 85% das umsetzen, was meine Ecke verlangt hat. Der Veranstalter und das Publikum waren sehr begeistert von mir, meinem Stil und vom Kampf. Das einzig Negative war nur die fragwürdige Entscheidung der Punktrichter.

Hast du dir trotz des großen Kampfes, der am 10. Mai ansteht, ein oder zwei Einheiten „frei“ genommen oder wurde der Fokus gleich auf den Day of Destruction VIII gelegt?
Ja mein Kopf wollte sofort wieder zum Training, aber mein Körper brauchte doch fünf Tage Ruhe, um sich zu regenerieren.

Deine Gegnerin ist Yang Yang aus China. Kennst du sie überhaupt und wenn ja, wie schätzt du sie als Gegnerin ein? Über die Chinesen ist ja im Allgemeinen relativ wenig bekannt und Videos zum studieren findet man daher selten bis gar nicht. Wie bereitet man sich in  so einem Fall auf einen Kampf vor?
Ja, mittlerweile kenne ich meine Gegnerin, wir haben uns einige Videos von ihr angeschaut, zumindest das, was zu finden war. Sie ist eine kleine, kompakte Kämpferin, die keinem Schlagabtausch aus dem Weg geht und enorm viel Druck ausübt. 

In Hamburg bist du als Lokalmatadorin auch einem nicht unerheblichen Druck ausgesetzt. Wie geht man damit um? Oder ist es vielleicht genau der Ansporn, den man als Kämpferin bei einem so wichtigen Kampf braucht?
Ich habe bald 60 Kämpfe und ich muss zugeben, ich mache mir immer noch viel Druck vor den Kämpfen. Ich sehe das ganze positiv. Der Druck bringt mich dazu, immer an meine Grenzen zu gehen, es spornt mich an, zweimal am Tag den Weg ins Gym zu finden und es zeigt mir und den Menschen in meiner Umgebung, wie wichtig der Sport  für mich ist. Wenn ich zuhause kämpfe, geht es mir nicht ums Gewinnen oder Verlieren. Ich möchte einfach nur einen super Kampf abliefern und das Publikum für mehr Frauenkämpfe begeistern.
Ein starkes Team - Meryem Uslu & Lutz Burmester (Foto: Timo Clausen)
Was glaubst du, auf welchen Kampf wirst du dich einstellen müssen?
Da wir beide keinen Schlagabtausch aus dem Weg gehen, könnte es sein, dass der Kampf nicht über die Runden geht.

Machen wir es kurz. Meryem Uslu wird neue WLF-Weltmeisterin, weil...
...ich einen top Trainer an meiner Seite und ein top Team hinter mir stehen habe! (lacht)

Gehen wir mal davon aus, dass du den Kampf am 10. Mai gewinnen wirst. Wie wird dann dein weiterer Fahrplan für das Jahr 2014 aussehen?
Mein Trainer Lutz Burmester und mein Manager Ralf Stege haben schon so einiges für mich geplant. Ich habe für den 30. Mai bereits zwei Angebote, aus Australien und aus Surinam. Wenn ich gesund und verletzungsfrei aus meinem Kampf gegen die Chinesin komme, werden wir wohl den Kampf in Australien annehmen. Dann steht am 16. August ein Kampf in England an. Im September nehme ich an einem K-1-Turnier bis 54 Kilo in Thailand teil, wo die besten 18 Frauen aus aller Welt teilnehmen werden, was für mich eine große Ehre ist, dazu zu gehören. Am 4. Oktober werde ich auf der Merseburger Fight Night ein zweites Mal gegen Dilara Yildiz kämpfen, auf den Kampf freue ich mich sehr. Ein Kampf steht auch noch auf meinem Programm für dieses Jahr, und zwar sollte ich in Las Vegas kämpfen, wir mussten diesen Kampf leider schon zweimal verschieben. Jetzt wird über einen neuen Termin verhandelt.
Die Augen in Richtung WM-Titel. (Foto: Sebastian Schmidt)
Zum Abschluss hast du jetzt noch die Möglichkeit, ein paar Worte an die Leser und deine Fans zu richten.
Ich möchte mich bei allen Fans, Freunden und besonders bei meiner Xite-Familie für die Unterstützung bedanken. Ich würde mich freuen, wenn viele Kampfsportfreunde das Deutsche Team gegen China am 10. Mai auf der Day of Destruction unterstützen kommen. Ralf Stege hat wieder einmal keine Kosten und Mühen gescheut, es wird ein Mega-Event.

Meryem, ich danke dir für das Interview und wünsche dir viel Erfolg für deinen WM-Titelkampf beim Day of Destruction VIII in Hamburg.
Ich habe zu danken.