Thai/Kickboxen

„Ich bin süchtig nach Sport“

Jasminka "The Holy Terror" Civa (Alle Fotos von: Jasminka Cive)

Sie ist Österreichs Vorzeigekämpferin in Sachen MMA. Jasminka Cive bahnt sich in einer von Männern dominierten Sportart ihren Weg als Kämpferin. Doch das ist der jungen Lady noch lange nicht genug. Auch als Kampfrichterin wie auch als Veranstalterin hat sie sich in den vergangenen Monaten erfolgreich einen Namen gemacht. Bevor es am 21. Januar bei ihrer Mix Fight Night in Wels wieder zur Sache gehen wird, hat sich GnP mit „The Holy Terror“ zum Interview getroffen und mit ihr über die Veranstaltung, ihre Karriere sowie die Zukunft gesprochen.

Jasminka, direkt vor Weihnachten musstest du ins Krankenhaus. Was war los?
Es war eine schlimme Magen-Darm Grippe und wegen der musste ich gleich zweimal ins Krankenhaus.

Wie geht es dir jetzt momentan und ist die aktuelle Situation auch ein Grund, weshalb du auf der Mix Fight Night am 21. Januar nicht aktiv wirst antreten können?
Es geht mir schon besser, aber ich muss noch Antibiotika nehmen. Aber der Grund weshalb ich da nicht selbst kämpfen werde ist nicht die Krankheit, sondern es ist einfach  zu viel Arbeit, zu viel im organisatorischen Bereich was einfach unmöglich ist alles unter einen Hut zu bringen. Das würde nicht funktionieren.

Stichwort Mix Fight Night. Wie laufen die Vorbereitungen für den Event am 21. Januar?
Auf vollen Touren. Wir geben alle Vollgas, der Kartenvorverkauf ist so gut wie ausgeschöpft und ich bin überzeugt das es ein super Abend werden wird.
Jasminka Cive im Training.

Nandor Guelmino und Gerald Turek sind die bekanntesten Kämpfer auf der Fight-Card. Auf wen dürfen sich sich die Kampfsportfans noch freuen ?
Also da wäre z.B. Rene Wollinger, der derzeitige MMA-Champion im Halbschwergewicht aus Österreich. Wir haben Stefan Traunmüller der gegen den US-Amerikaner Anthony Stevens antreten wird. Ganz wichtig zudem wird Harry Fischer auf der Fight-Card sein – aber wir haben im Prinzip fast die ganze MMA-Elite aus Österreich am Start.

Gibt es ein persönliches Highlight auf der Veranstaltung auf das du dich am meisten freust?
Also ein persönliches Highlight wird ganz sicherlich der Kampf von Nandor sein, von dem ich mittlerweile selbst ein Fan bin, dazu ist er ein ehemaliger Trainingskollege von mir ist. Dann natürlich Gerald Turek sowieso. Das werden so die absoluten Highlights für mich an diesem Abend sein.

Es gibt die Webseite www.mixfight.at wo man sich informieren kann, aber hast du nicht brandaktuell ein paar Neuigkeiten, die sonst noch keiner weist?
Also nach der Veranstaltung wird es noch eine After-Fight Party geben zu der die Informationen noch online gestellt werden. Und es wird sicherlich noch ein Überraschungskampf kommen, den ich aber jetzt noch nicht verraten möchte.

Wenn man an Österreich denkt, dann in erster Linie an Wintersport und nicht direkt an Kampfsport. Wie ist deine persönliche Geschichte? Wie bist du dazu gekommen?
Ich bin schon in Serbien wo ich aufgewachsen bin im Alter von 10 Jahren zum Kampfsport gekommen und habe mit Karate angefangen. In Österreich bin ich dann zum Kickboxen, vom Kickboxen zum Thaiboxen und dann vom Thaiboxen ins MMA.

Was hat dein Freundeskreis / deine Familie gedacht, als du gesagt hast, das du Kampfsport machen willst?
Also der Familie gefällt das ganz und gar nicht (lacht). Meine Freunde dagegen respektieren den Sport da sie ihn auch selber mögen und sie glauben auch das es ganz gut ankommt.

Haben dich die Leute im Gym nicht auch belächelt, gerade weil du als Frau in einem eher etwas männertypischen Sport aktiv werden wolltest?
Eigentlich nie, dann sie hatten auch einfach keinen Grund dazu wenn es jemand versucht hat, dann ist ihm das Lachen spätestens im Sparring mit mir vergangen. (lacht)


Glaubst du, dass du dich als Frau auch mehr beweisen musst wie Männer, um die selbe Anerkennung für die sportliche Leistung zu bekommen?
Das glaube ich schon und ich glaube auch dass der Weg als Kämpferin generell viel härter ist. Was mich aber noch mehr Mühe gekostet hat ist z.B. sich als Kampfrichterin, Veranstalterin und auch als Trainerin sich durchzusetzen. Das ist auch so eine Aufgabe bei der ich mir erst den Respekt verschaffen muss um mein Ziel zu erreichen.

Du warst ja längere Zeit im Thaiboxen aktiv und auch erfolgreich. Wann und warum hast du dich zum Wechsel ins MMA entschieden?
Ich habe mich zu einem Wechsel entschieden nicht weil ich keinen Reiz mehr gesehen habe, aber ich habe im Thaiboxen einiges erreicht, u.a. auch zwei Titel gewonnen und ich fand einfach keinen Grund mehr gesehen warum ich im Alter von 28 Jahren noch einen Pokal und noch einen Gürtel holen bzw. anstreben sollte. MMA war halt etwas ganz neues wo ich auch gesehen habe das ich mich weiter entwickeln und viel neues dazulernen kann. Zudem habe ich Spass daran gefunden und das war auch ein wichtiger Grund für mich.

Was macht für dich die Faszination MMA aus?
Was mich im MMA total fasziniert ist, ist das es ein sehr komplexer Sport ist. Es gibt hier fast keine Grenzen. Schau, ich kann vom Stand auf den Boden gehen und mich dort weiter entfalten und das ist einfach das wunderbare am MMA was mir auch irrsinnigen Spaß macht. Ich vergleiche das am besten mit meinem Studium, wo ich lerne um mich versuche weiter im Leben zu bilden.

In Deutschland haben die Veranstalter teilweise schwer mit den Politikern zu kämpfen die gegen MMA Sturm laufen. Wie sieht die Situation bei dir in Österreich aus?
Also ich würde sagen in Österreich ist es von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. Ich glaube nicht das es in der Steiermark oder Wien so einfach ist wie in Oberösterreich, wo ich ursprünglich herkomme. Ich habe das Glück dass das Bundesland Oberösterreich und hier speziell die Stadt Wels sehr hinter mir steht und meine Veranstaltungen unterstützt. Sei es finanziell oder bei der Halle, die mir jedes Jahr zu Verfügung gestellt wird. Vor 2 Jahren war auch der Thailändische Botschafter auf einer Veranstaltung von mir und war begeistert. Zum Glück funktioniert das alles sehr gut bei mir in Oberösterreich.
Jasminka vor ihrem Kampf auf der Cage Fight Series 6.

Was einige vielleicht wissen ist, das du vor einiger Zeit bist du gegen einen Mann angetreten. Wie kam es überhaupt dazu?
In Wien gab es eine Österreichische Amateur-Veranstaltung im MMA auf der ich unbedingt kämpfen wollte. Leider gab es keine anderen Frauen die am Start waren und ich hab dann zu meinem Trainer gesagt ok, dann nehmen wir halt einen Mann (lacht) der in meiner Gewichtsklasse ist. Irgendwie ist die ganze Geschichte immer größer und größer geworden. Ich wollte es ja unbedingt, weshalb wir dann gesagt habe ok, warum nicht gleich auf der Cage Fight?

Manchen Leuten ist es sicherlich schwer gefallen an die Ernsthaftigkeit zu glauben. Jetzt mal ehrlich, war das jetzt mehr ein Promo Gag oder schon eine ernste Sache?
Ich würde schon sagen das es ein echter Kampf war bei dem ich mich auch schwer verletzt hatte (steifes Knie, zweifacher Meniskusriss). Mein damaliger Gegner war sicherlich einer, mit dem ich normalerweise keine Probleme gehabt hätte – überhaupt nicht. Ich würde auch jederzeit zu einer Revanche gegen ihn antreten, weil ich mich schon damals als Siegerin gesehen habe, obwohl der Kampf als unentschieden gewertet wurde.

Thema Mann. Da hat sich in den letzten Tagen über ein soziales Netzwerk etwas entwickelt wo über den Inhalt einer Radio-Show diskutiert wurde, was dich auf die Palme gebracht hatte. Was genau ist da los?
Also es ging um die Meinung von Mark Bergmann über Frauen und Kampfsport. Es ist so, was er darüber denkt ist mir persönlich egal, er hat auch das Recht zu denken was er will. Seine eigene Ansichtsweise ist jetzt nicht relevant für mich. Was mich persönlich gestört hat ist die Aussage und die hat er tatsächlich getätigt, Frauen gehören nicht in den Ring. Wir Frauen gehen auch nicht her und sagen, Männer gehören nicht ins Ballett. Also er hat eine These aufgestellt und deshalb bin ich auf die Idee gekommen mit ihm das zu klären ob Frauen in den Ring gehören oder nicht. Das wäre dann in der Summe mein dritter Kampf gegen einen Mann. Einmal hatte ich das Vergnügen im Boxen – da schickte ich den Mann mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Das zweite Mal wars im Käfig und ich hoffe auf einen dritten Kampf.

In deiner sportlichen Laufbahn hast du bestimmt viele Menschen getroffen. Welche 3 Personen haben dich dabei am meisten geprägt und weshalb?
Interessante Frage. Ich habe mal bei Kru Phosawat aus Thailand, dem wohl bekanntesten Professor und Muay Boran Meister, Seminar gemacht.  Dann habe ich  den ehem. K-1 Star Branco Cikatic kennengelernt. Dazu hat mich speziell was MMA betrifft Alessio Sakara geprägt, den ich auf der letzten Cage Fight Night kennenlernen durfte. Das war schon eine tolle Erfahrung.
Alessio Sakara und Jasminka Cive.

Gibt es einen Kämpfer oder eine Kämpferin die du gerne einmal kennenlernen würdest?
Als Kämpferin würde ich natürlich gerne Chris „Cyborg“ Santos kennenlernen – wen sonst? Bei den Männern gibt es ganz viele die ich gerne kennenlernen würde. Aber mein Favorit wäre Anderson Silva.

Jasminka, ich möchte dir 5 Stichpunkte nennen und bitte dich mir mit einem Wort zu sagen, was dir dazu einfällt:
Brock Lesnar oder Alistair Overeem: Alistair Overeem
Anderson Silva: Feuerwerk
Wiener Schnitzel oder Sachertorte: Sachertorte
Käfig oder Ring: Käfig natürlich
Jasminka Cive: Satansbraten

Du bist beim Iron Fist Gym in Wien gewesen und dann zu den Ettl Bros. gewechselt. Was waren die ausschlaggebenden Gründe dafür?
Ich bin von Wien nach Graz gezogen, weil ich die Uni gewechselt habe. Ich habe in Graz bessere Studienmöglichkeiten bekommen, etwas was mehr in den Bereich Sportmedizin geht und nicht nur Sportwissenschaft. Ich muss aber sagen dass ich nach wie vor sehr eng mit dem Iron Fist zusammenarbeite und es ist nach wie vor wie eine zweite Familie für mich, obwohl ich ein Ettl Bros bin und ich auch voll hinter meinem Team stehe. Dazu will noch erwähnen, dass mein Trainer Gerhard Ettl für mich und meinen persönlichen Erfolg zuständig war selbst als ich noch in Wien gelebt habe!

Wenn du in den Ring / Käfig steigst, dann immer top austrainiert und kein Gramm Fett. Jetzt mal ehrlich, bei was musst du aufpassen das du nicht schwach wirst?
Also es ist so, das ich alles esse was mir in die Hände fällt – wirklich alles. Ganz schwach werde ich bei Süßigkeiten und die auch in Unmengen. Das ich so aussehe, das ist einfach genetisch bedingt und weil ich natürlich sehr viel und sehr hart trainiere, was mir auch viel Spass macht. Ich würde sogar sagen das ich sportsüchtig bin. Ich mache nebenbei noch Leichtathletik, Krafttraining – ich liebe den Sport generell. Beim Kampfsport ist es halt es halt so, das es das ist, was ich am besten kann.
Jasminka Cive - macht auch als Ringrichterin eine gute Figur.

Lass und mal einen Blick in die Kristallkugel werfen. Wo siehst du dich in 5 bzw. 10 Jahren?
Ich hoffe dass ich als Veranstalterin anwachsen werde und in 5-10 Jahren ganz grosse Events machen werde. Ich möchte auch anderen die Möglichkeit geben sich weiter zu entwickeln und zu entfalten. Erstmalig werde ich jetzt auch auf der Mix Fight Night in Wels eine Einrichtung für krebskranke Kinder unterstützen – ein Vorhaben was ich mir für die Zukunft gerne beibehalten möchte. Das sind so meine Ziele für die nächsten Jahre.
Als Kämpferin, ich bin ja schon 30 Jahre alt, möchte ich die nächsten 1-2 Jahre in den USA antreten. Ich bin mir natürlich bewusst, das ich nicht mehr von einer 10-jährigen Karriere im Kampfsport träumen werde.

Gibt es vielleicht noch etwas von dir, von dem wir sagen würden „Mensch, das hätten wir nicht von dir gedacht?“.
Ja, das gibt es ganz sicher. Ich habe da ein Babykissen und ohne das kann ich wirklich keine Nacht schlafen (lacht). Egal wo und wann, es geht nicht ohne mein Babykissen.

Du hast jetzt zum Abschluß noch die Möglichkeit ein paar Worte an die Leser und deine Fans zu richten.
Also an dieser Stelle möchte natürlich gerne Mark Bergmann grüßen und ihm mitteilen, das ich noch immer gerne für einen Kampf zur Verfügung stehe, egal wann und wo. Zudem möchte ich jedem ans Herz legen das er den Kampfsport unterstütz wo es nur geht, ganz im Sinne des Sports damit wir in der Zukunft vielleicht ähnlich große Veranstaltungen wie es sie in den USA gibt hinbekommt. Bleibt bei allem was ihr tut immer sportlich und fair zueinander.
Jasminka Cive - Österreichs MMA-Lady Nr. 1.

Jasminka, ich danke dir für das Interview und wünsche dir viel Erfolg für die Mix Fight Night und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Ich habe zu danken und wünsche dem GnP-Team ebenfalls einen guten Rutsch ins neue Jahr.