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Fünf Fragen: Tim Hughes

Tim Hughes in Action (Credit: Glory Sports International)

Er ist die Stimme von Glory und gilt als einer der besten Ringsprecher weltweit - wenngleich das natürlich eine Ansichtssache ist. Für den US-Amerikaner Tim Hughes ist sein Job nicht nur Arbeit - es ist seine Passion. Vier Olympische Spiele, Auftritte bei verschiedenen MMA-Shows und sein fester Platz bei Glory zeugen von dessen professioneller Arbeit. Grund genug sich mit dem sympathische Mann aus Salte Lake City zu unterhalten.

GnP1.de: Was zeichnet einen guten Ringsprecher in deinen Augen aus?

Tim Hughes: Ich denke, ein guter Ringsprecher ist sowas wie die Augen und Ohren der Fans, ihr "Durchblick". Durch ihn erfahren sie, was passieren wird oder was gerade passiert. Er ist nicht die Attraktion der Show, denn im Kampfsport sind die Kämpfer die Stars der Show. Die Aufgabe des Ringsprechers ist es, die Fans vorzubereiten auf die Kämpfer, damit die ihren Job erledigen können. Seine Aufgabe ist es nicht, selbst ein Star zu sein.

Bist du trotz deiner immensen Erfahrung noch aufgeregt vor großen Events?
Oh ja, ich bin sehr nervös. Ich bin aufgeregt, aber gleichzeitig auch nervös. Ich habe Interviews gesehen mit berühmten Sängern, die eine tolle Karriere hingelegt haben, die schon  viele erfolgreiche Alben aufgenommen haben und auf der ganzen Welt Konzerte geben, und dennoch haben diese Sänger und Sängerinnen immer noch Schmetterlinge im Bauch bevor die Show beginnt. Und ich glaube, wenn das jemals aufhört und man sich zu wohl fühlt, dann ist man nicht mehr fokussiert und konzentriert genug und nicht mehr in Bestform. Darum ist es wichtig, dass man immer wieder aufgeregt ist, um wirklich aufmerksam gegenüber dem Publikum sein zu können.

Viele haben mir gesagt, so wie dieser Mann moderiert muss er den Sport leben. Was macht für dich die Faszination Kickboxen aus?
Ich war Ringsprecher bei sehr vielen MMA-Events und habe im Ring sehr viele Kämpfer gesehen, die im Kickboxen ausgebildet wurden, im Jiu-Jitsu, im Wrestling und die in allen drei Disziplinen gut sind. Wenn du aber zum ersten Mal die Gelegenheit hast, bei einem Kickbox-Kampf auf höchstem Niveau direkt am Ring zu sitzen, dann merkst du, dass die Schnelligkeit, Genauigkeit und die Kraft dieser Techniken weit besser ist als das, was du heutzutage beim MMA siehst. Für mich ist es ein sehr viel spannenderer Sport. Viele MMA-Fans sind heutzutage frustriert, weil so viel am Boden gekämpft wird, soviel Wrestling und Jiu-Jitsu zu sehen ist. Dagegen ist Kickboxen für mich aufregender, denn entweder du arbeitest im Umkreis von drei mal drei Metern oder ein anderer arbeitet an dir. So entstehen wirklich spannende, mitreißende Kämpfe. Darum finde ich Kickboxen so toll und aufregend.

Tim Hughes - immer für einen Scherz gut. (Credit: Glory Sports International)

Die UFC ist in Sachen Wahrnehmung und Außendarstellung das Maß aller Dinge. Was muss Glory in deinen Augen tun, um dieses Level zu erreichen? 
Glory gibt es noch nicht so lange wie die UFC. Die hatte reichlich Zeit, sich einen guten Namen zu machen und eine treue Fangemeinde zu rekrutieren. Ich habe auch für eine andere Promotion gearbeitet, eine MMA-Promotion und die wollten mich nicht gehen lassen, als ich die Chance bekam, bel Glory Ringsprecher zu sein. Aber ich habe damals zu denen gesagt: Schaut her, jede MMA-Promotion wird immer nur eine weitere MMA-Promotion sein, aber niemals die UFC. Ich habe die Gelegenheit für Glory zu arbeiten wahrgenommen, weil ich daran glaube, dass Glory die UFC im Kickboxen ist. Hier gibt es das beste Kickboxen auf höchstem Niveau auf der ganzen Welt. Inzwischen gibt es viele andere Organisationen, die versuchen, es Glory gleichzutun, weil sie sehen, wie viel Erfolg Glory hat, sie ziehen quasi am Schwanz der harten Arbeit, die Glory bereits investiert hat. Aber für mich wird Glory die UFC im Kickboxen sein.

Dein US-Kollege Bruce Buffer ist der Master des 360. Werden wir von dir dann den Hughes 540 sehen?
Oh nein, es wird weder einen Hughes 540 noch einen Hughes 360 geben (lacht). Was viele nicht wissen ist, dass Bruce das nicht mehr macht. Man sagt, er habe den 1.80 oder 3.60 oder wie das Ding heißt gemacht, als er vor einem Event Schmetterlinge im Bauch hatte - wir sprachen ja vorhin darüber - und dabei soll Bruce sich einen Muskel in der Leistengegend verletzt haben. So musste er die Nacht als Ringsprecher humpelnd und lädiert überstehen. Also ich will mir nicht irgendwelche Muskeln zerren, bevor ich als Sprecher in den Ring steige. Das ist nicht mein Job. (lacht)