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Foad Sadeghi: Fadi hat kein Rezept gegen mich gefunden!

Foad Sadghi (Foto: Foad Sadeghi)

Vor wenigen Tagen hatte Fadi Merza die Möglichkeit sich zum Kampf gegen Foad Sadeghi zu äußern (GnP berichtete). Nun bat auch der Sieger dieses Kampfes GnP um ein Gespräch, das ihm selbstverständlich gewährt wurde. Dass Sadeghi, da eine ganz andere Sichtweise der Dinge hat, lässt sich natürlich nicht von der Hand weisen.

Der Kampf gegen Fadi Merza vor wenigen Wochen hat für mächtig Wirbel gesorgt. Wie hast du ihn erlebt?
Ich wollte diesen Kampf und habe ihn lange gesucht. Ich hatte aber mit zunehmendem Gefeilsche um Fadis Gage und um immer neue Bedingungen starke Bedenken, dass das Gerangel auch nachher noch weitergehen könnte. Deshalb hab ich den Veranstalter unterstützt, alle Bedingungen von Fadi in den Vertrag aufzunehmen, damit es nicht wieder im Nachhinein Probleme mit ihm gibt. Der Kampf selbst ist korrekt abgelaufen und wurde vom deutschen Ringrichter Alex Schmitt souverän geführt. Die Punktrichter waren Tom Schneider (D),Tomas Meier und Igor Schmidt (CZ). Ich hatte eigens für den Kampf wochenlang in einem holländischen Club trainiert, da ich nichts anbrennen lassen wollte. Nach meiner Ansicht, und der Ansicht meiner Ecke, gingen die ersten drei Runden eindeutig an mich. Dann, in der vierten Runde, gelang Fadi plötzlich ein Lucky Punch und ich ging für einen Augenblick zu Boden. Ich war sofort wieder oben, aber ich wusste, dass ich nach einem Knockdown auch die fünfte und letzte Runde gewinnen musste, um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen, was mir auch gelang.

Was waren deiner Meinung nach die grundlegenden Punkte, mit denen du den Kampf laut der Punktrichter für dich entscheiden konntest?
Fadi war den ganzen Kampf völlig unbeweglich, während ich um ihn herum tänzelte und ihn beinahe nach Belieben ausboxen konnte. Er stand einfach nur da und wartete, ob sich bei mir irgendwo eine Lücke auftat, fand aber keine. Außer einiger harmloser Low Kicks kam er kein einziges Mal durch meine Deckung und wurde immer frustrierter. Immer wenn er meinte, meine Position festgemacht zu haben, war ich längst woanders und traf ihn aus jeder Lage immer wieder am Kopf. Die Punktrichter sahen, dass Fadi die ganzen fünf Runden lang nicht verhindern konnte, dass ich Punkt um Punkt sammelte.

Hattest du in Runde vier noch die Befürchtung, dass aufgrund des Niederschlags der Kampf noch hätte kippen können?
Der Niederschlag in der vierten Runde brachte Fadi einen zehn zu acht-Rundengewinn, der den Gesamtscore aber nicht mehr zu seinen Gunsten beeinflussen konnte. Um keine Zweifel aufkommen zu lassen, musste ich auch noch die fünfte und letzte Runde gewinnen. Das gelang mir und ich konnte damit zeigen, dass Fadi, außer dem einen Treffer, kein Rezept gegen mich gefunden hatte.

Die Ringplane wurde auch angesprochen. Hätte eine andere Plane, deiner Meinung nach, auch einen anderen Kampf zur Folge gehabt?
Die rutschige Ringplane war eine ärgerliche Nebensache. Es gab zwar eine geeignete Plane vor Ort, die aber nicht gepasst hat - sie konnte nicht festgemacht werden. Beide Kämpfer mussten damit gleichermaßen klarkommen. Ich stellte mich darauf ein, indem ich weitgehend auf Low Kicks verzichtete.
Foad Sadeghi vs. Fadi Merza (Foto: Foad Sadeghi)

2-1 sagt ja auch, dass es eine mehr als knappe Geschichte war. Kannst du da verstehen das die Emotionen und unterschiedlichen Meinungen über den Ausgang etwas höher kochen, als sonst?
Laut Regel sind der wichtigste Wertungsmaßstab die klaren Treffer. Da ich meine Linke unzählige Male klar landen konnte, aber außer dem einen Punch nur einige unbedeutende Low Kicks kassierte, werteten wohl zwei Punktrichter für mich. Ein Knockdown bringt bestenfalls einen 10 zu 8 Rundengewinn. Bei der üblichen Dauer von 3 Runden meist ein uneinholbarer Vorsprung. Bei fünf Runden sieht die Sache dann anders aus. Wenn man vier Runden 10:9 gewinnt, und der Gegner eine Runde mit 10 zu 8, liegt man trotzdem bequem in Führung, und so haben es wohl zwei der drei Punkterichter auch gesehen. Aber geteilte Ergebnisse gibt es immer wieder, damit müssen wir Kämpfer leben. Und wenn wir fair sind und nicht wehleidig, dann erkennen wir auch eine solche Wertung an – auch wenn sie gegen uns ausfällt.

Warum ist gerade das Thema Ring- und Punktrichter aus dem In- oder Ausland immer ein Thema -und kommen die besseren Kampfrichter deiner Meinung tatsächlich aus dem Ausland?
Selbstverständlich gibt es auch in Österreich gute Referees. Der Punkt ist wohl, dass es einen subjektiven Heimvorteil für Kämpfer gibt, deren Arbeit man kennt und schätzt, und man durch die Wahl von fremden Punktrichtern eine Parteinahme vermeiden will. Fadi und ich wollten ausländische Punkterichter und dem wurde entsprochen.

Wie bereits im Gespräch mit Fadi erwähnt, sollte es diesen Kampf ja bereits vor einigen Jahren geben. Warum kam er denn deiner Meinung nach nicht schon früher zustande?
Fadi und ich sind wohl die Lokalmatadore in dieser Stadt und die Fans wollten diesen Kampf schon seit Jahren. Es scheiterte immer daran, dass Fadi gegen mich eine acht mal höhere Gage verlangt hat, als er sonst in Wien bekommt. Das deutet darauf hin, dass er wahrscheinlich mit einer Niederlage gerechnet hat, die er sich wenigstens mit einer Supergage versüßen lassen wollte. Auch verlangte er die Hälfte der Gage neun Wochen vorher und die zweite Hälfte bei der Abwaage. Kein Veranstalter konnte und wollte das bezahlen. Diesmal habe ich mich selbst für ihn eingesetzt und für den Veranstalter Sponsoren dafür an Land gezogen und Fadi hat seine Supergage bekommen.
Alex Schmitt vs. Foad Sadeghi (Foto: Foad Sadeghi)

Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Tag der Abrechnung“. War es das auch für dich, oder hättest du an einem Rückkampf vielleicht Interesse?
Für ein heißes Turnier braucht man einen entsprechenden Slogan. Außerdem war es für mich an der Zeit zu beweisen, dass ich der Bessere von uns beiden bin. Gleich nach dem Kampf hat mir Fadi für den fairen Kampf gedankt und um einen Rückkampf gebeten. Ich war selbstverständlich dafür. Inzwischen hat er seine Meinung geändert, und wirft mir vor, den Kampf geschoben zu haben. Er beschuldigt die beiden tschechischen Referees, die seiner Meinung nach für mich gestimmt hätten, womöglich gar keine Lizenz zu haben, und behauptet, der deutsche Punktrichter Tom Schneider habe für ihn gevotet. In Wirklichkeit haben einer der tschechischen und der deutsche Punktrichter Tom Schneider für mich gestimmt, der mir seine Wertung damit begründet hat, dass ich die klaren Treffer hatte und das eindeutig mein Kampf war. Aber das Nichtanerkennen von Punkterichter-Entscheidungen kennen wir vom wehleidigen Fadi ja schon zur Genüge. Alle seine Niederlagen waren seiner Meinung nach Fehlentscheidungen, gegen Amrani, Sato, Balsemao, Zambidis, Calzetta und jetzt eben die Niederlage gegen mich. Mit diesen Ausreden bringt er unsere ganze Branche in Verruf, die das nicht verdient hat. Mit solchen Ansagen gebührt ihm kein Rückkampf gegen mich. Ich verliere lieber gegen einen guten Gewinner, als einen schlechten Verlierer zu besiegen. Lassen wir einfach selbstmitleidige Kämpfer, die nicht verwinden können, dass ihre Zeit abgelaufen ist, in Pension gehen. Aber das wird Andy Souwer mit links für mich erledigen, falls Fadi nicht vorher wieder mal kneift.

Beste Freunde seid ihr ja noch nie gewesen, zumindest hat es nach außen so gewirkt. Warum eigentlich?
Ich hatte persönlich nie was gegen Fadi, er war sogar bei meinem Dreißiger Geburtstagsgast.

Fadi meinte, dass er mit dir keine Probleme hatte. Also dann du mit ihm, oder wie ist es nun eigentlich?
Mir war nur sein ewiges Gejammere in Erinnerung, immer von allen Punkterichtern falsch beurteilt zu werden und ich hatte vor dem Kampf die Befürchtung, es könnte wieder dazu kommen. Das war wohl eine kleine Untertreibung von mir.
Sohn & Pappa Sadeghi im Einklang. (Foto: Foad Sadeghi)

Was genau hat euer Verhältnis, und gerade diesen Kampf, so speziell gemacht?
Ich sehe da kein so spezielles Verhältnis. Wir sind nun einmal die beiden erfolgreichsten Kämpfer in Wien, das ist alles. Aber da er ohnehin keine Niederlage eingestehen kann, erübrigt sich eine Revanche. Fadi schaut sich eh lieber seine alten Siege daheim auf Video an,  das ist für ihn einfacher, als gegen mich noch einmal in den Ring zu steigen (lacht).

Unabhängig von diesem Kampf, wie wird dein weiterer Fahrplan für das Jahr 2014 aussehen?
Wir verhandeln gerade über einen Retourkampf gegen Shemsi Beqiri. Ich hatte gegen ihn nur drei Wochen Zeit mich vorzubereiten und ich denke ich kann das besser! Abgesehen davon sind noch ein paar andere große Kämpfe im Gespräch, aber über ungelegte Eier spricht man nicht!

Interessant wäre es sicherlich auch gegen Florian Marku oder Simon Poskotin anzutreten. Oder hast du da bereits andere Pläne?
Gegen Poskotin hab ich zweimal gekämpft. Einmal gewonnen, einmal verloren. Doch er kämpft nur Vollkontakt, und das ist nicht meine Disziplin. Nach K1-Regeln jederzeit gerne wieder und gegen Florian ist das nur eine Frage der Zeit. Doch Shemsi hat Vorrang (lacht).
Foad Sadeghi hat noch einiges vor. (Foto: Foad Sadeghi)

Du bist verheiratet und Vater. Kämpft man da anders, weil man weiß, dass man nun mehr Verantwortung mit sich trägt?
Als Vater denkt man für sein Kind mit. Dabei denke ich weniger an die Verletzungsrisiken im Ring, die kann ich abschätzen, als mehr, dass es jetzt nicht mehr nur um mich geht, und ich will ja versuchen meinem kleinen Sohn eine gute Zukunft zu bieten.

Wenn wir jetzt mal einen Blick in die berühmte Kristallkugel werfen, welche Ziele verfolgst du mittel- bzw. langfristig?
Ich kämpfe in erster Linie für mich selber, weil ich es liebe zu kämpfen. Ob ich gewinne oder verliere, ist nicht das Wichtigste im Ring. Ich möchte so lange es geht gute Kämpfe gegen gute Leute liefern, das ist alles. Aber es ist nicht mein Hauptziel ewig zu kämpfen, ich mache mein Studium fertig und will mich selbstständig machen.

Zum Abschluss hast du jetzt noch die Möglichkeit ein paar Worte an die Leser und deine Fans zu richten.
Ich bedanke mich bei GroundandPound.de, den Lesern und Fans, dass ich hier einiges klarstellen durfte! Solche Unterstellungen dürfen nicht unwidersprochen im Raum stehen bleiben!