Thai/Kickboxen

Fadi Merza: Ich kämpfe gegen jeden!

Fadi Merza - Österreichs Aushängeschild im Kick- und Thaiboxen (Foto: Andreas Tischler)

Im Spätherbst seiner Karriere bekommt der Österreicher Fadi Merza die Möglichkeit sich beim Debüt von "It`s Fight Time" mit dem zweifachen K-1 World Max Champion Andy Souwer zu messen.  Wie Merza seine Chancen sieht, welche Bedeutung dieser Kampf für ihn hat und wie er über den Ausgang des Kampfes gegen Foad Sadeghi denkt, darüber haben wir mit „The Beast“ gesprochen.

Groundandpound.de: Fadi, was ging dir als erstes durch den Kopf, als Foad Sadeghi zum 2-1 Punktsieger erklärt wurde?
Fadi Merza: Ich hab zu meiner Ecke geschaut, mein Coach angesehen, und wir haben nur noch den Kopf geschüttelt und gelacht.

Mit ein paar Wochen Abstand, wie siehst du den Kampf heute?
Ich sehe den Kampf genau wie damals gleich danach. Ich habe eindeutig und ohne Zweifel gewonnen!

Hast du mittlerweile eine Erklärung gefunden, weshalb die Punktrichter letztendlich nicht zu deinen Gunsten gewertet haben?
Nach dem Kampf war mir sofort klar, egal wie eindeutig ich den Kampf nach Punkten gewonnen habe, wäre ich niemals aus dem Ring als Sieger heraus gegangen. Foads Aufgabe war nur über die Distanz zu kommen und alles andere würden seine Referees erledigen. Obwohl ich ihn in der vierten Runde niedergestreckt habe, hab ich den Kampf trotzdem verloren. Foad war der Mitveranstalter , was ich bis zum letzten Tag nicht wusste. Er hat genau bestimmt, welche Referees genau den Kampf bewerten sollen und obwohl ganz klar ausgemacht war, dass ich unbedingt Referees aus dem Ausland haben wollte, die unparteiisch den Kampf bewerten sollen, hab ich zwei Tage vor dem Kampf einen Anruf bekommen, dass man nur zwei deutsche Referees bekommen hat. Die anderen 2 seien Österreicher – was ich abgelehnt habe. Nach langem hin und her hat mir der Veranstalter gesagt, dass Foad zwei tschechische Referees besorgt hat. Ich weiß bis heute nicht, woher er sie besorgt hat und ob sie tatsächlich Referees waren. Schlussendlich waren die zwei tschechischen Referees und ein deutscher, lizenzierter Referee zuständig für die Punkte, was dann auch die 2-1 Entscheidung erklärt . (lacht)

Gerade nach dem Niederschlag in Runde 4 hätte man meinen sollen, das du auf der Siegerstraße angekommen bist.
Genau so haben wir es alle gesehen.

An welcher Stelle im Kampf bist du dir sicher gewesen, das du den Kampf nach Punkten nicht wirst verlieren können?
Foad war im kompletten Verlauf des Kampfes gar keine Gefahr für mich. Er ist nur weggelaufen, stellte sich nie dem Kampf und punktete nur mit der linken Führhand. Wir haben uns bei der Vorbereitung speziell auf die Lowkicks konzentriert und diese haben auch ab der zweiten Runde Wirkung gezeigt. Am Ende der zweiten Runde hab ich die Verzweiflung in seinen Augen gesehen. Ab da wusste ich, dass ich seinen Siegeswillen gebrochen habe und ich auf der Siegerstraße war. Bei Runde Vier gab es dann gar keinen Zweifel mehr, dass wir den Kampf gewinnen werden. Ich konnte ab der vierten Runde nicht mehr kicken, weil der Ringboden so rutschig war. Dass die fünfte Runde knapp sieben Minuten gedauert hat, sei noch gesagt. Die Runde wurde ständig unterbrochen, um den Boden abzuwischen. Wäre der Boden nicht so rutschig, hätte Foad mit 100000% Sicherheit diese nicht überstanden
Fadi Merza nach dem Kampf gegen Foad Sadeghi (Foto: Andreas Tischler)

Warum war es im Vorfeld so wichtig, das man Kampfrichter holt, die definitiv nicht aus Österreich kommen?
Ich war immer erfolgreich - sowohl im Ring als auch außerhalb. Damit können leider einige Leute gar nicht umgehen und das hat sich bei vielen Kämpfen von mir in Österreich bewahrheitet, liegt vielleicht an unserer österreichischen Mentalität. Deswegen war es für mich sehr wichtig, dass man Referees aus dem Ausland holt, die den Kampf unparteiisch bewerten.

Der Kampf gegen Sadeghi war schon oft angesetzt, aber warum auch immer stimmten dann die Rahmenbedingungen nicht. Was waren denn die Gründe dafür, das es so lange gedauert hat, bist man euch im Ring gesehen hat?
Es gab immer wieder Gespräche über den Kampf. Mich hat es nie interessiert gegen Foad zu kämpfen, weil es für mich keine Herausforderung war und ich viel wichtigere, internationale Kämpfe zu bestreiten hatte. Im Jahr 2008 oder 2009 hab ich ihm die Chance gegeben, da war er auch der Mitveranstalter, aber genau eine Woche vor dem Kampf hat er sich angeblich verletzt und ich habe einen Holländer als Ersatz bekommen. Dann hab ich mir vorgenommen, dass ich ihm diese Chance nicht mehr geben werde, weil er so kurzfristig abgesagt hat. Nachdem ich jetzt doch schon in einem fortgeschrittenen Alter bin und ich meine Kariere beenden wollte, hat man mir ein gutes Angebot gemacht. Foad dachte sich, nach dem ich doch in die Jahre gekommen bin, jetzt oder nie. Er hat sich aber sehr geirrt (lacht). Die Vorbereitung war super, ich war wieder motiviert und voll der Alte. Ich würde ihn mit 50 Jahren genau so problemlos eines besseren belehren!
Fadi Merza mit seiner Gürtel-Sammlung (Foto: Fadi Merza)

Verlieren ist egal wie, nie eine schöne Sache für einen Sportler. Wie geht ein erfahrener Profi wie du es bist, damit um?
Das stimmt. Wenn man tatsächlich verliert, aber das trifft hier nicht zu. Ich sehe mich hier als Sieger und tief im Inneren weiß Foad als Kämpfer, dass er verloren hat. Zum Glück gibt es das Video, da kann sich jeder den Kampf anschauen und für sich selber entscheiden. Ich bekam von mehreren lizenzierten Referees auch die selbe Meinung mitgeteilt, und einer davon ist, was mir sehr wichtig ist, der Vize-Präsident des World Muaythai Council, Stefan Fox. Ich schaue mir hin und wieder den Kampf an und genieße es richtig, speziell den Niederschlag in Runde Vier. Das kann ich mir jeden Tag reinziehen. (lacht)

Beste Freunde seit ihr ja noch nie wirklich gewesen. Was hat euer Verhältnis eigentlich so speziell gemacht?
Also ich hatte mit ihm kein Problem. ich sah ihn als einen lieben Jungen an. Das Problem hatte er. Ich bin viel erfolgreicher als er, sowohl im als auch außerhalb des Rings. Ich habe fast auf der ganzen Welt gegen internationale Top-Gegner gekämpft. Davon kann er nur träumen und das ist für einen an seiner Stelle schon sehr deprimierend. Also ich verstehe schon seine Lage.

Besteht von deiner Seite überhaupt noch das Interesse an einem Rückkampf oder möchtest du dich lieber auf die anstehenden Aufgaben konzentrieren?
Am Anfang wollte ich unbedingt einen Rückkampf, aber jetzt interessiert er mich gar nicht mehr. Er will eine Gage, die ihm kein Veranstalter auf dieser Welt zahlen würde und eigentlich hat er was gut zu machen und nicht ich. Ich würde mit ihm nicht tauschen wollen. Außerdem habe ich viel bessere und anspruchsvollere Aufgaben zu meistern wie z.B. meinen bevorstehenden Kampf gegen den zweifachen K-1 World Max Champion Andy Souwer!


Thema anstehende Aufgaben, am 18. Oktober wirst du beim Debüt von It`s Fight Time auf keinen geringeren als Andy Souwer treffen. Wunsch, Traum oder Erfüllung? Wie würdest du es beschreiben?
Also ich kann dir gar nicht beschreiben wie ich mich gefreut habe, als ich das Angebot bekommen habe. Ich würde sagen ein Wunschgegner, der in Erfüllung gegangen ist, Ich liebe Herausforderungen wie die Liste meiner Gegner beweist und Andy Souwer ist definitiv einer davon. Ich freue mich wie ein kleines Kind auf den Kampf!

In deiner Karriere bist du gegen die Besten der Besten in den Ring gestiegen. Welche Bedeutung hat dieser Kampf gegen Souwer für dich?
Jeder dieser Kämpfe gegen die Top-Leute hatte für mich eine große Bedeutung. Andy Souwer ist immerhin zweifacher K-1 World Max Champion und ihn zu besiegen ist auf jeden Fall eine Bereicherung in meiner Karriere.

Was glaubst du, welcher Kampf dich gegen Andy Souwer erwarten wird?
Andy ist ein sehr technischer Kämpfer, der viele Kombinationen schlägt, da sind wir uns ähnlich. Wir haben einen ähnlichen Stil und ich denke das es ein technisch gesehen, sehr sauberer Kampf werden wird.
Ein eingespieltes Team - Marco Fidanzia & Fadi Merza (Foto: Andreas Tischler)

Gestaltet sich die Vorbereitung auf einen so hochkarätigen Gegner anders als sonst, oder ist es Business as usual?
Also wir nehmen jede Vorbereitung sehr ernst und wir stellen uns auf jeden Gegner so gut es geht ein. Die Motivation gegen Andy ist natürlich riesig und dementsprechend werden die Vorbereitungen auch laufen.

Betreibt ein alter Hase wie du es bist vor solch einem Kampf noch ein Video-Studium des Gegners oder verlässt du dich ganz auf das, was dir dein Coach Marco Fidanzia als Strategie vorgibt?
Alter Hase – das passt wie die Faust aufs Auge (lacht). Mein Coach Marco und ich sind ein sehr gut eingespieltes Team. Er ist für mich nicht nur der beste Freund, sondern auch der beste Trainer. Er kennt mich in- und auswendig. Wir studieren jeden Gegner und stellen uns auf denjenigen so weit es geht, ein. So laufen die Vorbereitungen und da vertraue ich Marco voll und ganz.

Ein Thema um das du nicht herum kommst – Shemsi Beqiri. Auch ein Kampf der schon in der Planung war, bis heute aber noch offen ist. Hast du ihn noch auf deiner Liste?
Ja, das wusste ich das diese Frage kommen wird. Beqiri ist auf einen Fall ein Top-Gegner. Wenn ich ein gutes Angebot bekomme – dann gerne. Ich habe in meiner Karriere gegen die besten in meiner Gewichtsklasse gekämpft und so lange ich noch aktiv bin, kämpfe ich auch gegen jeden, wenn die Angebote passen.

20 bist du ja nun nicht mehr, trotzdem noch in einem guten Alter für einen Kämpfer. Wie lange möchtest du noch aktiv kämpfen, oder machst du das von Kampf zu Kampf abhängig wenn du in deinen Körper hörst?
Ach wie gern würde ich jetzt wieder 20 sein (grinst). Aber wenn ich die Zeit zurückdrehen würde, würde ich alles genau so machen und nicht anders. Ich bin in einer körperlich guten Verfassung, es ginge bestimmt noch ein oder zwei Jahre, aber irgendwann muss ja Schluss sein und bekanntlich soll man aufhören wenn’s am schönsten ist. Also mit Ende diesen Jahres ist der Abschluss meiner Karriere geplant. Aber ein Comeback wird nie ausgeschlossen, falls es mir meine Frau Ines noch erlaubt. (lacht)

Seit längerem bist du mit Ines verheiratet. Da stellt sich natürlich auch die Frage, wie sieht es mit Nachwuchs aus? Vielleicht ein kleiner Fadi jr.?
Ist in der Produktion. (lacht)
Fadi Merza mit seiner Frau Ines (Foto: Peter Rainer)

Zum Abschluss hast du jetzt noch die Möglichkeit, ein paar Worte an die Leser und deine Fans zu richten.
Ich bin jetzt seit 20 Jahren im Ring tätig und langsam nährt sich meine Karriere dem Ende zu. An dieser Stelle will ich mich bei all meinen Fans bedanken, die mir sowohl in schlechten als auch guten Zeiten immer die Energie gegeben haben, weiter zu machen! DANKE!

Fadi, ich danke dir für das Interview und wünsche dir alles gute für die anstehenden Kämpfe.
Ich bedanke mich recht herzlich. Auch dafür, das ich bei GroundandPound.de die Möglichkeit bekommen habe, meine Ansicht über meinen letzten Kampf zu schildern. Wer möchte kann ihn sich HIER anschauen.

Karten für den Kampf zwischen Andy Souwer und Fadi Merza gibt es im Internet unter www.fighttime.de.