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Enriko Kehl: Traum-Finale gegen Buakaw

Enriko Kehl hat Geschichte geschrieben (Foto: Elias Stefanescu/groundandpound.de)

Es war der 11. Januar 2014, als Enriko „The Hurricane“ Kehl ein Stückchen Kampfsportgeschichte in Deutschland geschrieben hat. In Gran Canaria siegte er über den Spanier Maximo Suarez und qualifizierte sich als erster Kämpfer aus Deutschland für das K-1 World Max Final. Direkt nach seiner Rückkehr von der bekannten Ferieninsel, hatten wir die Möglichkeit mit Kehl zu sprechen.

Groundandpound.de: Enriko, herzlichen Glückwunsch zum Sieg über Maximo Suarez beim K-1 World Max Final 8. Was ist dir als Erstes durch den Kopf geschossen, als dein Arm zum Zeichen des Sieges in die Höhe gestreckt wurde?
Enriko Kehl: Danke für die Glückwünsche! Als meine Hand in die Höhe gestreckt wurde, ist mir erstmal ein Stein vom Herzen gefallen, dass sich die wochenlangen, harten Trainingseinheiten ausgezahlt haben und ich es geschafft habe, mein Ziel zu verwirklichen und meinem Traum vom Gewinnen des K1 World MAX wieder einen Schritt näher gekommen war. Ein super Gefühl !

Erzähl uns doch mal, wie du den Kampf erlebt hast.
Ich muss sagen, dass ich aus meiner Sicht, das Zepter schon gleich in der ersten Runde an mich gerissen habe. Ich konnte Maximo mit meinen Frontkicks gut auf Distanz halten und mit meinen Kicks und Schlägen gut Punkten. Ich habe es von Anfang an nicht zugelassen, dass Maximo sich entfalten konnte, und habe mein Ding durchgezogen, so wie wir es nicht anders trainiert hatten. Nach der zweiten Runde wusste ich dann, dass ich nach Punkten vorne liegen müsste und die dritte Runde etwas ruhiger angehen konnte. Auf einen K.o. war ich nicht mehr aus, ich wollte mir den Sieg sichern und den Sieg nach Deutschland holen, so wie es dann auch passiert ist.
Maximo Suarez und Enriko Kehl (Foto: Enriko Kehl)

Was, glaubst du, war der Schlüssel zum Sieg?
Ich denke, dass meine Erfahrung im Gegensatz zu Maximo der Schlüssel zum Sieg war. Ich habe seine Schwächen und Lücken gesehen und konnte diese effektiv für mich nutzen. Des weiteren habe ich ihn sich gar nicht erst entfalten lassen und ihn von der ersten Runde an unter Druck gesetzt.

Ist es auch der Suarez gewesen, den du erwartet hattest, oder hast du es dir letztendlich doch etwas schwerer vorgestellt?
Ich wusste, dass Maximo ein sehr starkes und junges Talent ist. Ich habe ihn in der Vorbereitung nicht unterschätzt und habe mit allem gerechnet. Mein Team und ich haben uns Maximo genau angeschaut und auf seine Fehler hingearbeitet. Das ich jedoch mein "Spiel" so gut umsetzen konnte, hatte ich vor dem Kampf nicht gedacht und bin somit auch sehr froh drum, dass alles so lief, wie es gelaufen ist.

Du hast mehr oder weniger in der Höhle des Löwen gekämpft, was man vor allem am Lärmpegel zu Beginn der dritten Runde gemerkt hatte. Was habt ihr unternommen, das du derart ruhig geblieben bist?
Also an erster Stelle muss ich sagen, dass ich schon sehr oft im Ausland gegen einen Lokalmatadoren gekämpft habe, aber so unsportliche Zuschauer wie auf Gran Canaria habe ich noch nicht erlebt. Ich wurde von der ganzen Halle ausgebuht, während dem Walk-in und der Kämpfervorstellung, aber wer mich ein bisschen kennt, weiß, dass ich mir da nicht viel draus mache und einfach mein Ding durchziehe. Ich weiß, was ich kann, und ziehe mein Ding im Ring durch, da interessiert es mich nicht ob 10 oder 10.000 Leute gegen mich schreien. Als Lokalmatador wird man natürlich auch noch gepusht durch die Fans, was jedoch bei diesem Kampf nicht viel für Maximo gebracht hatte. So kann ich nur sagen: "Keep cool and fight easy".
Kehl und Suarez - erste Blicke bei der Waage (Foto: Enriko Kehl)

Hattest du vor dem Kampf irgendwelche Bedenken, dass dich der Cut aus dem Kampf gegen Buakaw hätte behindern können?
Ich habe in der Vorbereitung extrem auf meinen Kopf aufgepasst und hatte auch während jeder Partnerarbeit Angst um meinen Kopf, bis zum letzen Training. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich pro Trainingseinheit gefühlte 10 Kilo Vaseline auf dem Kopf hatte (lacht). Im Kampf jedoch war mir das ganz egal, ich wollte den Kampf gewinnen und da war kein Platz im Kopf für Gedanken um den Cut. Somit ist auch alles gut gegangen.

Von den bisherigen Gegnern, die du vor den Fäusten hattest, wo würdest du Suarez einordnen?
Ich würde ihn nicht zu den stärksten Gegnern zählen, die ich schon gekämpft habe, da hab ich schon bessere vor den Fäusten gehabt wie z.B. Buakaw, Nonsai, Dzaber etc. Bei solchen Gegnern kannst du nicht immer dein "Spiel" so entfalten, wie ich es in diesem Fight geschafft habe. Aber Maximo ist auch noch genauso jung wie ich und hat auch noch einige Jahre vor sich, in denen er sich steigern wird. Maximo gibt auch nie auf und hat ein Kämpferherz bewiesen.
Nach so einem Kampf darf man auch die Sonne geniessen. (Foto: Enriko Kehl)

Wie geht es nun weiter? Gibt es den Final 4 Event oder werden Halbfinale und Finale jeweils eine separate Veranstaltung sein?
Also es geht nun am 23. Februar in Baku, Aserbaidschan, weiter mit dem Halbfinale. Gegen wen ich dort kämpfen werde, weiß ich selber noch nicht. So wie mein jetziger Stand aber ist, sind Halbfinale und Finale auf zwei separaten Events.

Im Rennen sind jetzt neben dir noch Buakaw, Shane Campbell und Sung Jyung Lee. Wer wäre dir denn am liebsten für das Halbfinale?
Mir ist es eigentlich ganz egal, wen ich vor die Fäuste bekomme. Wenn du der Beste sein willst, musst du auch die Besten schlagen. Jedoch würde ich mir wünschen, dass ich im Halbfinale Shane Campbell oder Sung Jyung Lee bekomme, beides gute Kämpfer und beide wären meiner Meinung nach machbar, aber mein Rematch gegen Buakaw würde ich mir gerne für das Finale des K1 World MAX 2013 aufheben, wenn Buakaw und ich unsere Halbfinale natürlich vorher gewinnen sollten.
Sefer Göktepe, Enriko Kehl und Inan Özpolat (Foto: Enriko Kehl)

Dir ist ja sicherlich bewusst, das du mit diesem Sieg Geschichte geschrieben hast. Wie empfindest du diese Tatsache?
Einerseits freut es mich natürlich, aber anderseits bilde ich mir da drauf nichts ein. Es freut mich, aber meiner Meinung nach geht dort noch ein bisschen was (lacht).

Jetzt stehst du also im Halbfinale, was ja schon eine sensationelle Leistung ist. Was dürfen wir noch von Enrico Kehl noch erwarten?
Wir warten einfach ab, was die Zeit bringt und hoffen mit dem Besten.

Enriko, vielen Dank, dass du dir kurz nach deiner Rückkehr exklusiv für uns die Zeit genommen hast und wir drücken dir selbstverständlich die Daumen für die nächsten Kämpfe.
Ich habe auch zu danken und würde mich noch gerne bei allen bedanken, die mich in den letzen Wochen unterstützt, vorbereitet und hinter mir gestanden haben. Egal, ob das Mix Fight Team, der La Familia Fightclub Erfurt oder das TKO Muay Thai. Der größte Dank geht aber an meine Family, die immer und überall hinter mir steht und mich unterstützt.