Thai/Kickboxen

Enfusion Live: Marokkanische Magie entzaubert deutsche Kämpfer

Turniersieger Vincent Foschiani (Foto: Ronny Fröhlich)

Zum ersten Mal beehrte die renommierte Kickbox-Serie Enfusion Live am Samstag die Bundesrepublik. Möglich machte das Veranstalter Ingo Baberski, der das Format im Rahmen seiner siebenten Fight Night nach Merseburg holte. Zu sehen gab es: einen Schwergewichtstitelkampf, das Comeback von Mark Vogel, einen dominanten Max Baumert und vier magische Marokkaner im Blutrausch.

Enfusion Live Weltmeisterschaft
Nikolaj Falin vs. Mohammed Boubkari

Im Hauptkampf des Abends besiegte Mohammed Boubkari den Dortmunder Nikolaj Falin nach Punkten und sicherte sich so den vakanten Enfusion-Titel im Schwergewicht. „Moroccan Magic“ – Marokkanische Magie nannten Boubkari und sein Team anschließend das, was man dort im Ring sah: nämlich Druck von Beginn an. Boubkari marschierte nach vorn, vor allem seine harten Lowkicks zeigten schnell Wirkung. Schon im zweiten Durchgang schien es, als würde Falin bald keinen Schritt mehr tun können, doch der Mann aus der Fight Lounge blieb zäh und biss sich durch. Das lohnte sich, denn in den letzten Runden ließ Boubkari nach. Nun kam Falin ins Spiel und landete immer wieder harte Hände. Fast gelang es ihm, das Ding noch einmal zu drehen. Die Punktrichter entschieden nach fünf Runden aber doch einstimmig für den neuen Champion Boubkari.

Mark Vogel vs. Ilias Bulaid

Nach mehrjähriger Pause feierte Mark Vogel im Co-Hauptkampf sein Comeback und hat sich dafür keinen Aufbaugegner vorsetzen lassen. Ilias Bulaid führte das Moroccan-Magic-Credo konsequent weiter und warf von Beginn an harte Bomben. Vogel überstand den ersten Ansturm jedoch und konnte dann mit sauberer Technik selbst Punkten. Bulaid legte zu Beginn jeder Runde den Turbo ein und schien gegen Ende wieder abzubauen. Das waren die Momente von Vogel, der hinten heraus jedoch schlicht ein wenig zu inaktiv blieb und daher nach drei Runden einen einstimmigen Punktentscheid abgab.

Enrico Rogge vs. Fabio Kwasi

Enrico Rogge musste sich nur drei Tage vor dem Event auf einen neuen Gegner einstellen und bekam mit Fabio Kwasi, aus dem renommierten Mike’s Gym, einen wahrhaften Brocken vorgesetzt. Nach nur wenigen Sekunden kassierte der Berliner einen Kick zur Leber und musste das erste Mal zu Boden. Wenig später landete Kwasi einen Kniestoß zum Kopf und Rogge musste erneut runter. Seine Ecke warf daraufhin das Handtuch. Rogge hatte einen enormen Cut über dem rechten Auge davongetragen, seine Ecke reklamierte einen Innenhandschlag.

Leo Bönninger vs. Mohamed Jarraya

Mohammed Jarraya schaltete von Beginn an den Stier-Modus ein und überrannte Leo Bönninger mit harten Bomben. Schon nach wenigen Sekunden musste der deshalb nach einer Geraden zu Boden. Die marokkanische Magie wirkte schon wieder. Jarraya attackierte weiter. Bönninger schien sich in der zweiten Runde am Fuß verletzt zu haben und signalisierte dies dem Referee, der ihn daraufhin an- und auszählte.Im Anschluss stellte sich heraus, dass zwei Zehen gebrochen waren. Jarrayas Kommentar dazu: "Sein Glück, ich hätte ihn sonst K.o. geschlagen!"

Dilara Yildiz vs. Mellony Geugjes

Der einzige Frauenkampf des Abends verlief ausgeglichen, mit leichten Vorteilen für Geugjes, die ursprünglich auch Iman Barlow hätte treffen sollen. Die größere Yildiz versuchte vor allem mit Push-Kicks zu punkten, Geugjes drängte jedoch mit Kombinationen nach vorn und setzte viele Treffer im Clinch. Das reichte am Ende zum einstimmigen Punktsieg in einem doch recht engen Kampf. Yildiz zeigte sich ein wenig unzufrieden mit dem Urteil der Punktrichter: "Ich hätte vielleicht noch etwas mehr tun sollen", ärgerte sie sich.

Max Baumert vs. Valdet Gashi

Der deutlich kleinere Valdet Gashi hatte in seinem bereits 152. Profikampf von Beginn an starke Probleme damit, den Attacken Baumerts Herr zu werden und nahm immer wieder lange Hände und Kicks. Im Verlauf von drei Runden gelang es ihm nicht, das Ruder noch einmal herumzureißen, so dass Baumert nach drei Runden verdient und einstimmig nach Punkten gewann. Gashi nahm es gewohnt sportlich: "Ich bin nicht gut reingekommen heute, Max ist ein guter Kämpfer. Ich bestreite noch drei Kämpfe in diesem Jahr, danach mache ich eine längere Pause. Das Feuer ist noch in mir, aber nicht mehr so groß", erklärte er anschließend.

Kickboxing Talents

Lokalmatador Aleksandur Petrov und Ibahim el Boustati lieferten sich von Beginn an einen aggressiven und ausgeglichenen Fight. Gegen Ende baute Petrov jedoch zusehends ab und nahm immer wieder harte Treffer. Im dritten Durchgang wurde er sogar angezählt und vom Arzt begutachtet, durfte jedoch weitermachen. El Boustati drehte nun jedoch erst richtig auf und attackierte immer wieder mit zermürbenden Würfen und hoher Schlagfrequenz. Petrov wurde erneut angezählt und anschließend aus dem Kampf genommen. Er war an diesem Abend das erste Opfer der Moroccan Magic.

Oguz Usta begann das K-1-Duell gegen Roman Palamar mit einem gut platzierten Kick zur Leber stark, Palamar musste zu Boden, fand aber anschließend gut in den Kampf und sicherte sich die kommenden beiden Runden. Aufgrund des Knock-downs stand es nun unentschieden – und kam zur Verlängerung. Usta wirkte erschöpft, atmete schwer, Palamar war aktiver und sicherte sich so nach vier Runden den einstimmigen Punktsieg.

Michael Lorenz hatte einen kurzen Arbeitstag: Den Superkombat-erfahrenen Christian Brohilker schickte er mit einem harten Knie zur Körpermitte nach nur eineinhalb Minuten schwer getroffen zu Boden. Dort wurde Brorhilker ausgezählt. Ein klarer und vor allem schneller Sieg für den nur sechs Tage vorher eingesprungenen Michael Lorenz.

Das Turnier

Das Vier-Mann-Turnier startete mit einem Knaller: War die erste Runde zwischen Rakim Bell und Vincent Foschiani noch recht ausgeglichen, lief der Holländer Bell im zweiten Durchgang in eine knackige Konter-Rechte Foschianis und war sofort K.o. Foschiani war somit der erste Finalist des Abends.

Das zweite Halbfinale verlief über weite Strecken ausgeglichen, aber vor allem mit extrem hohem Tempo. Wosik hatte zu Beginn leichte Vorteile, während Burmester hinten heraus klarere Treffer setzte, die ihm am Ende den knappen Punktsieg einbrachten. Er verletzte sich jedoch am Bein und konnte somit nicht im Finale antreten.

Den Reservekampf des Turniers entschied Koray Gül knapp für sich. Er landete die deutlicheren Treffer und konnte Maik Brändel gegen Ende der ersten Runde bereits gut anklingeln. Im dritten Durchgang drehte Brändel noch einmal gut auf, verschoss dabei aber jede Menge Pulver, so dass einfach die Substanz fehlte und Gül noch einmal aufdrehen konnte. Obwohl Gül zwei Runden lang dominant wirkte, reichte es schließlich doch nur für einen geteilten Punktsieg. Aufgrund einer Handverletzung stand jedoch auch Gül nicht für einen Kampf im Finale zur Verfügung, weshalb Brändel nachrutschte. Im Finale sah er jedoch nicht viel Sonne und musste schon nach wenigen Sekunden nach einem harten Lowkick auf die Bretter, wo er glücklicherweise auch blieb.

Das Vorprogramm

Der MMA-Kampf zwischen Felix Schmidt und Aironas Ramonaitis begann wild. Schnell landete Schmidt in der Unterlage, mit Ramonaitis in seiner Guard. Er versuchte sich an einem Arm- und einem Beinhebel, doch der Litauer konnte entkommen. Wild ging es weiter: Nach einigen Scrambles erarbeitete Schmidt sich die Mount und ließ Fäuste regnen. Nach einigen Treffern ging der Ringrichter dazwischen – T.K.o.-Sieg für Lokalmatador Schmidt.

SES-Boxer Mathias Zemski konnte den Leipziger Tom Reiche einstimmig nach Punkten besiegen. Reiche versuchte immer wieder, mit Körpertreffern und Konterboxen zu punkten, doch Zemski hielt sich den Leipziger gut vom Leib und landete immer wieder gerade Hände und Haken. Nach sechs Runden wurde er zum einstimmigen Sieger nach Punkten gekürt.

Einen K-1-Kampf mit offenem Visier lieferten sich Hassan Al Memar und Max Mustafa Nas. Beide schwangen wie wild ihre Fäuste. Deckung? Fehlanzeige! Keine clevere Strategie für den kleineren Nas, der am Ende einige Hände mehr nehmen musste und einen einstimmigen Punktentscheid abgab.

Zurück zum Boxen: Der kurzfristig für Lokalmatador Marko Angermann eingesprungene Sven Haselhuhn konnte Marcel Erler nach Punkten besiegen. Zwar musste er gegen Ende der letzten Runde noch einmal harte Treffer einstecken, hatte vorher aber genug Vorsprung gesammelt, um das Punktgericht zu überzeugen.

Der erste MMA-Kampf des Abends begann ausgeglichen. Alex Blach versuchte sich immer wieder an Trip-Takedowns, Gegner Linus Grignolu konnte die jedoch gut blocken und in der Oberlage landen, wurde jedoch immer wieder gesweept. Am Boden arbeitete Blach mit Submission-Versuchen und Ground and Pound, konnte im ersten Durchgang jedoch kein Finish herbeiführen. Anfang der zweiten Runde musste Blach einen engen Armhebel verteidigen, zwang Grignolu jedoch kurz darauf in einen Rear-Naked Choke. Der gelang nicht, dafür beendete Blach die Runde – und damit den Kampf – in der Mount und sicherte sich so den verdienten Punktsieg.

Im ersten Kampf bezwang SES-Nachwuchstalent Tom Pahlmann Radek Linka durch T.K.o. in Runde drei. Nachdem Pahlmann Linka zu Boden geschickt hatte, brach der Ringarzt das Duell ab.

7. Merseburger Fight Night: Enfusion Live
04. Oktober 2014
Jahrhunderthalle, Spergau (bei Merseburg)

Turnierfinale

Vincent Foschiani bes. Maik Brändel durch T.K.o. in Rd. 1

Enfusion Live Weltmeisterschaft
Mohammed Boubkari bes. Nikolaj Falin einstimmig nach Punkten

Enfusion Live (Start: 22:00)
Ilias Bulaid bes. Mark Vogel einstimmig nach Punkten
Fabio Kwasi bes. Enrico Rogge durch T.K.o. in Rd. 1
Mohamed Jarraya bes. Leo Bönninger durch T.K.o. in Rd. 2
Mellony Geugies bes. Dilara Yildiz einstimmig nach Punkten
Max Baumert bes. Valdet Gashi einstimmig nach Punkten

Kickboxing Talents
Ibahim el Boustati bes. Aleksandur Petrov durch T.K.o. in Rd. 3
Roman Palamar bes. Oguz Usta einstimmig nach Punkten (nach Extra-Runde)
Michael Lorenz bes. Christian Brorhilker durch T.K.o. in Rd. 1

Vier-Mann-Turnier bis 65 Kilo
Kevin Burmester bes. Dennis Wosik einstimmig nach Punkten
Vincent Foschiani bes. Rakim Bell durch K.o. in Rd. 2

Reservekampf Turnier
Koray Gül bes. Maik Brändl geteilt nach Punkten

Vorprogramm
Felix Schmidt bes. Aironas Ramonaitis durch T.K.o. (Schläge) nach 3:20 in Rd. 1
Mathias Zemski bes. Tom Reiche einstimmig nach Punkten
Hassan Al Memar bes. Max Mustafa Nas einstimmig nach Punkten
Sven Haselhuhn bes. Marcel Erler einstimmig nach Punkten
Alex Blach bes. Linus Grignolu einstimmig nach Punkten
Tom Pahlmann bes. Radek Linka durch T.K.o. in Rd. 3