Thai/Kickboxen

Dr. Christine Theiss Exklusiv-Interview

(Quelle via Voltaren)

Der 04. September könnte vielleicht das Datum sein, an dem sich womöglich für das Kickboxen neue Perspektiven eröffnen. Denn wenn WBO-Superchampion Felix Sturm in der Kölner Lanxess-Arena seinen WM-Titel verteidigen wird, dann wird es im Vorprogramm die Titelverteidigung von WKA-Weltmeisterin Dr. Christine Theiss aus München geben. Dieser Kampf wird dann ab 22.15 Uhr auf Sat1 ausgestrahlt. Eine große Chance das Kickboxen einem Millionenpublikum an den TV-Geräten näher zu bringen.

GroundandPound: Christine, du stehst im direkten Vorprogramm von Felix Sturm bei dessen Comeback. Was ist dir als erstes durch den Kopf geschossen als die Nachricht ins Haus flatterte?

Christine Theiss: Das waren vor allem zwei Dinge. Zum einen ging damit der große Traum in Erfüllung, endlich meinen geliebten Sport auf einer großen Plattform zu präsentieren. Zum anderen war da die Angst, dass noch irgendetwas dazwischen kommt und all die Hoffnung umsonst gewesen wäre. Aber letzteres ist zum Glück mittlerweile verschwunden.

GnP: Wie kam es überhaupt zu der Idee auf eine Profi-Boxveranstaltung und dann auch gleich noch bei Felix Sturm, deinen WM-Titel der WKA zu verteidigen?

CT: Verschiedene Gedankenspiele, wie man Kickboxen einem größeren Publikum näher bringen könnte, gab es schon länger. Eine Idee war, ob man nicht mal probieren sollte, Kickboxen mit einem beim Publikum bereits akzeptierten Sportformat zu kombinieren, um ihnen die Berührungsängste bei diesem Sport zu nehmen. Allerdings war ich schon überrascht, wie schnell es nach den ersten engeren Kontakten zu Sat1 ging, dass aus Theorie Praxis wurde. Und dann ausgerechnet am Comeback-Abend von Felix Sturm, das ist Ehre und Freude für mich zugleich.
Dr. Christine Theiss (Quelle via Voltaren)

GnP: Wovor bist du eigentlich mehr aufgeregt. In eine Arena einzulaufen in die 15.000 Zuschauer passen oder vor der unbekannten Gegnerin?

CT: Eine Gegnerin ist für mich nie wirklich unbekannt, weil mein Trainer Mladen Steko sie für mich immer exakt analysiert und ich somit hervorragend auf sie eingestellt bin. Von daher bin ich zwar hochkonzentriert, aber normalerweise nicht übermäßig aufgeregt. Was das Publikum angeht, versuche ich zwar die Stimmung aufzusaugen, aber mich nicht von Zahlen verrückt machen zu lassen, das würde die Situation ja auch nicht besser machen. Ich hoffe, dass es diesmal so läuft.

GnP: Man schnippt ja nicht mal eben mit den Fingern und ein TV-Sender kommt angerannt. Ist die Situation wie sie jetzt mit Sat1 ansteht auch ein Zeichen der Anerkennung für die harte Arbeit die man in den vergangenen Jahren geleistet hat?

CT: Das ist wohl wahr, dass Fingerschnippen nicht gelangt hat. Seit Jahren arbeiten mein Manager Mladen Steko und ich kontinuierlich daran, Kickboxen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dazu gehört neben dem täglichen Training natürlich auch die Medienarbeit. Aber so wichtig Auftritte in den verschiedenen Sendeformaten für den persönlichen Bekanntheitsgrad sind, aber die Übertragung auf Sat1 hat für den Sport noch einmal eine ganz andere Dimension. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Chance erhalten habe.

GnP: Das Kickboxen fristete in der Vergangenheit ein eher, sagen wir mal, stiefmütterliches Dasein im TV. Wie groß ist jetzt die Chance es salonfähiger zu machen?

CT: Dies ist eine einmalige Chance, die sich hier diesem tollen Sport bietet und ich für meinen Teil werde alles dafür tun, dass sie nicht vertan wird.
Trainer + Manager Mladen Steko mit Christine Theiss (Quelle via Steko)

GnP: Das Fernsehen, sei es durch Auftritte bei Stern-TV, Sport1 oder TV Total, hat dich ohne Zweifel bekannter gemacht. Ich denke mir, dass es jetzt viele Leute gibt, die einfach genauer hinschauen wenn sie dich sehen. Verspürt man dadurch auch mehr Druck von außen und wie geht man damit um?

CT: Ich hatte das Glück, nicht von heute auf morgen im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen, sondern im Laufe von mehreren Jahren hinein zu wachsen. So konnte ich mich in Ruhe darauf einstellen, sowohl positive als auch negative Seite der Medienwelt kennenlernen und für mich selbst einen Weg finden, damit umzugehen. Ich sehe das Ganze sehr positiv und versuche, mich dadurch nicht unter Druck setzen zu lassen.

GnP: Wie groß ist deine eigene Erwartungshaltung vor dem Kampf am 04. September in Köln?

CT: Den größten Druck mache ich mir sowieso immer selbst. Ich will jeden Kampf gewinnen. Diesmal möchte ich das zudem noch auf eine Art und Weise tun, die Zuschauer, die bisher eine eher negative Einstellung zu unserem Sport hatten, dazu bringt ihr bisheriges Urteil zu revidieren.

GnP: Deine Gegnerin steht ja noch nicht fest. Wie gestaltet sich daher die Vorbereitung, wenn man eigentlich nicht weis, auf welche Stärken und Schwächen der Gegnerin man sich einzustellen hat?

CT: Meine ursprüngliche Gegnerin fiel leider aus, so dass die spezifischen taktischen Einstellungen wieder über Bord geworfen werden mussten. Es gibt idealere Situationen, aber letztendlich kann man sich eh nie hundertprozentig auf das verlassen, was man an Vorabinformationen bekommt. Ich arbeite jetzt hauptsächlich an meiner eigenen taktischen Linie, die dann entsprechend angepasst wird, sobald in den nächsten Tagen meine Gegnerin endgültig feststeht.
So wie hier mit Box-Queen Regina Halmich will Christine Theiss am 04.09. auch wieder jubeln.

GnP: Du hast früher auch Amateur-Boxen betrieben. Verfolgst du heute eigentlich noch Boxkämpfe im Fernsehen und gibt es vielleicht den einen oder anderen Boxer, den du gerne siehst?

CT: Selbstverständlich schaue ich noch immer gerne Boxkämpfe und einer meiner Favoriten ist Felix Sturm. Da kann ich an diesem Kampfabend auf Sat1 gleich die Arbeit mit dem Vergnügen verbinden.

GnP: Zum Abschluss noch ein ganz anderes Thema. Du bist ja bekennender FC Bayern Fan. Im vergangenen Jahr wurden sie Meister und Pokalsieger. Zudem erreichten sie das Finale der Championsleague. Was traust du ihnen in diesem Jahr zu? Immerhin haben sie trotz kurzer Vorbereitung den Supercup gegen Schalke gewonnen.

CT: Ich freue mich sehr auf diese Saison, die Unsicherheit vom letzten Jahr ist weg. Es ist eine Supertruppe, die das System von van Gaal verinnerlicht hat. Ich glaube, dass sie auch in dieser Saison auf den „drei Hochzeiten“ sehr weit vorne mittanzen wird. Und ich wünsche mir viele packende Spiele in der Allianz-Arena.
Dr. Christine Theiss (Quelle via Voltaren)

GnP: Hast du noch ein paar Worte, die du an unsere Leser und dein Fans richten möchtest, parat?

CT: Ich möchte mich ganz herzlich bei all meinen Fans  bedanken, ihre Mails und Worte sind ein großer Ansporn für mich. Ich hoffe, dass wir (Kickboxer) an diesem Abend den Kreis der Kampfsportbegeisterten erweitern können.

GnP: Christine, wir danken dir für das Interview und drücken dir die Daumen für deine Titelverteidigung am 04. September in Köln.

CT: Vielen Dank.