Thai/Kickboxen

„Disziplin, Härte und hartes Training“

Bülent Karaman (Foto: Patrick Haberler/SP-Magazin)

Vor wenigen Wochen sicherte sich der Berliner Bülent Karaman mit einem vorzeitigen Sieg über K-1-Veteran Tihamer Brunner den WM-Titel der WKU. Den älteren Kampfsportfans wird beim Namen Karaman vielleicht ein Licht aufgehen, denn: Bereits dessen älterer Bruder Cezmi konnte in seiner aktiven Zeit ein paar beachtliche Erfolge erzielen. In unserem Interview spricht Karaman mit uns über seinen Erfolg und die Ziele, welche er in der Zukunft verfolgt.

Groundandpound.de: Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des WKU-WM-Titels, Bülent. Es war wohl das beste Geschenk vor Weihnachten, was man sich als Kämpfer machen kann, oder?
Bülent Karaman: Danke für die Glückwünsche. Ja ich bin sehr glücklich darüber, dass es geklappt hat. Mit samt meiner Familie, den Freunden und meine Fans haben wir uns über mein Weihnachtsgeschenk sehr gefreut und ich selbst konnte es zuerst gar nicht fassen, dass ich es geschafft habe.

Mit einigen Wochen Abstand, erzähl uns doch mal, wie du den Kampf erlebt hast.
Wir haben uns zunächst immer fleißig und intensiv auf große Kämpfe vorbereitet und konnten dadurch auch kurzfristig nach einem Kampf auf den nächsten Gegner konzentrieren. Bis dato lief es auch ganz gut. Speziell mit Tihamer Brunner habe ich mich aber nicht befasst. Ich habe alles mit großem Respekt, Disziplin und Leidenschaft genossen. Denn die Gelegenheit, um eine WM zu kämpfen, war schon immer ein Traum von mir gewesen.
Brunner vs. Karaman (Foto: Patrick Haberler/SP-Magazin)
Jetzt hätte man erwartet, dass du Brunner mehr mit den Fäusten in Bedrängnis bringen würdest. Bist du sehr überrascht gewesen, dass letztendlich dein Lowkick die Entscheidung brachte?
Wenn ich ehrlich bin, nein. Ich habe recht früh im Kampf erkannt, dass ihn meine Lowkicks beeindruckt haben und wollte dann eher durch Kombinationen mit Abschluss Lowkick den Kampf machen, weil ich merkte, dass ich damit Akzente setzen konnte. Mit den Fäusten war ich ihm klar überlegen, da ihn schon eine meiner ersten Kombinationen zu Boden brachte. Trotzdem habe ich nicht versucht, den Kampf mit der Brechstange zu beenden, da Brunner mit allen Wassern gewaschen ist und mir dies auch mit seinem unorthodoxen Kampfstil zeigte. Er war stets gefährlich und konnte eine Menge einstecken.

War das auch genau die Tätigkeit, die dir dein Trainer mit auf den Weg gegeben hat?
Ja, auf jeden Fall. Die Trainer sehen natürlich immer die Stärken und Schwächen ihres Kämpfers und versuchen dies natürlich zu perfektionieren, damit es dann zu einem guten Ergebnis kommt. Natürlich habe ich einige geplante Aktionen in die Tat umzusetzen und ich glaube, das ist mir auch ganz gut gelungen. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden und meine Trainer sind stolz, dass ich den WM-Titel verdient nach Berlin geholt habe.
Wenige Minuten vor dem Titelgewinn (Foto: Patrick Haberler/SP-Magazin)
Was war deiner Meinung nach der Schlüssel zum Sieg?
Disziplin, Härte, hartes Training und es dann im Ring umzusetzen. Das sind die Punkte, an die ich geglaubt habe und nach denen ich mich gerichtet habe. Ich denke, dass es alles zusammengepasst hat und dass dies auch der Schlüssel zum Sieg war.

Hast du vor dem Kampf großen Druck verspürt, weil du zum einen der Lokalmatador warst und zum anderen auch eine ganze Menge deiner Freunde mit dabei waren?
Ich bin sehr dankbar darüber, dass meine Familie, Freunde und Fans so zahlreich erschienen sind. Die Halle war so gut wie ausverkauft, und das gibt einem Kämpfer natürlich unheimlich viel Selbstvertrauen, aber auch natürlich enormen Druck. Ich habe versucht, diese Punkte als Stärke zu nutzen und habe dabei so gut wie möglich versucht, ruhig zu bleiben und mit einem klaren Kopf einen guten Kampf zu liefern.

Wo siehst du deine Stärken und woran glaubst du selbstkritisch, wirst du noch arbeiten müssen?
Ich denke, dass ich auf dem richtigen Weg bin und gute Voraussetzungen besitze, um noch Großes zu leisten. Ich unterschätze dabei niemanden, denn wie du weißt, kann im Schwergewicht schon der nächste Schlag alles beenden. Ich weiß, dass ich noch eine Menge an mir verbessern und an meinen Schwächen arbeiten muss. Das werde ich natürlich auch tun, um es dann bei den nächsten Kämpfen auch umzusetzen.
Vor dem Kampf waren beide noch gut gelaunt. (Foto: Patrick Haberler/SP-Magazin)
Dein Bruder Cezmi war ja selbst ein erfolgreicher Kämpfer. War es da bei dir klar, dass du auch in seine Fußstapfen treten möchtest?
Wie sagt man so schön, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm (lacht). Mein Bruder Cezmi ist eigentlich der Grund gewesen, dass ich mit dem Kampfsport angefangen habe. Ich kann voller Stolz sagen, dass er mich bis heute immer gefördert und mit seiner langjährigen Erfahrung unterstützt hat. Ich tue mein Bestes, um seinen Namen alle Ehre zu machen und bin sehr stolz, ihn an meiner Seite zu haben.

Hast du direkt mit Kickboxen/K-1 angefangen oder hast du mit Karate begonnen, wofür das Chikara in Berlin ja auch bekannt ist?
Der Name Karaman ist im Kickboxen, Boxen und mittlerweile auch im Karate ein Begriff geworden. Aber angefangen hat es eigentlich schon vor einigen Jahren, damals bei den Budokan Braves in Berlin. Die Fortsetzung gibt es nun bei einer der meines Erachtens erfolgreichsten Kampfsportschule Deutschlands, dem Chikara in Berlin.

Danyo Ilunga ist ja die Nummer eins im Schwergewicht in Deutschland. Danach wird es auch schon etwas dünn. Woran liegt es deiner Meinung nach?
Ich denke, dass das Kickboxen/K-1 durchaus ernst genommen wird, zumal in der Vergangenheit viele bekannte Kämpfer aus dem Profiboxen an den großen K-1-Turnieren teilgenommen haben.
An Bekanntheitsgrad, Qualität und Interesse scheint es in diesem Sport anscheinend nicht zu mangeln. Ich glaube, dass sich die Situation im Schwergewicht langsam aber sicher wieder ändern wird, denn wir haben sicherlich noch einige Talente, die momentan vielleicht noch unbekannt sind, die aber in der Zukunft die Szene sicherlich neu beleben können. Um an die Spitze zu gelangen, muss ich an Danyo Ilunga vorbei und ich hoffe, dass sich noch in diesem Jahr die Möglichkeit ergibt, gegen ihn kämpfen zu können.
Karaman musste stets hellwach sein. (Foto: Patrick Haberler/SP-Magazin)
Jetzt mal Butter bei die Fische, wie man so schön sagt. Wie sieht deine persönliche Top 5 Rangliste im Schwergewicht in Deutschland aus?
Es gibt ein paar große Namen wie z.B. Stefan Leko, Danyo Ilunga, Daniel Török und noch andere Kämpfer, die bei den jeweiligen Verbänden einen Titel tragen. Das sind natürlich alles Kämpfer, die für mich sehr interessant wären. Ich hoffe mal, dass der Winter, der uns noch bevorsteht, den Teich nicht zu schnell einfrieren lässt, damit wir noch ein paar Titel fischen können. (lacht)

Wenn wir mal einen Blick in die berühmte Kristallkugel werfen, welche Ziele verfolgst du mittel- bzw. langfristig?
Solange es die Gesundheit zulässt und ich unverletzte trainieren kann, möchte ich natürlich auch weiterhin Kämpfe bestreiten. Ich bin eben mit dem Kampfsport groß geworden und er ist ein Bestandteil meines Lebens geworden. Wenn die Zusammenarbeit mit den Sponsoren, anderen Sportschulen und den vielen Helfern, die mir vertrauen und mich unterstützen, auch weiterhin so gut läuft, dann werde ich, wie gesagt, noch vieles erreichen können. Schließlich möchte ich mir meinen größten Traum erfüllen, und das ist ein Kampf in Japan.
Bülent & Cezmi Kahraman (Foto: Patrick Haberler/SP-Magazin)
Zum Abschluss hast du jetzt noch die Möglichkeit, ein paar Worte an die Leser und deine Fans zu richten.
An die Leser, Kampfsportfans und Kritiker. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die an uns glauben, vertrauen und zu uns halten, denn ihr macht es möglich, dass unser Sport weiterhin erfolgreich und mit großem Interesse auf der ganzen Welt verfolgt wird. Jede Unterstützung, auch wenn sie noch so klein ist, wird benötigt, damit wir noch Größeres leisten können und unsere Erfahrung an den Nachwuchs weitergeben können.

Bülent, ich danke dir für das Interview und wünsche dir viel Erfolg für die anstehenden Kämpfe.
Ich bedanke mich recht herzlich für euer Interesse und die Mühe. Ich wünsche auch alles Gute für das Jahr 2014.