Thai/Kickboxen

Die Erfüllung eines großen Traumes

Dörrer mit Jubelschrei beim Titelerfolg. (Foto: Giuseppe De Mitri)

Sportstudent Daniel Dörrer hat sich einen großen Traum erfüllt. Der 27-Jährige konnte sich auf der Stekos Fight Night am 18. Mai in München zum Weltmeister krönen. Mit einem Sieg gegen den routinierten, in Frankfurt trainierenden, Türken Taylan Yesil gelang dem sympathischen Sportwissenschaftler die Eroberung der WKA-Weltmeisterschaft im K-1 bis 83 Kilogramm.

Dörrer, der in Karlsruhe studiert und im zwei Stunden entfernten Ellwangen trainiert, stand gegen Taylan in der Vergangenheit im Ring. „Ich habe Taylan letztes Jahr in einem WKA-Superfight schon einmal besiegt. Damals wurde er in der zweiten Runde angezählt. Da es aber dieses Mal um die Profi-WM ging, wusste ich von Anfang an, dass er besser vorbereitet sein wird. Und das war er auch. Genauso wie ich.“ Dieses Mal gewann Dörrer nach Punkten, nachdem er sich drei harte Runden mit seinem Kontrahenten vor dem tobenden Publikum lieferte.

"In der ersten Runde kam ich mit einem harten linken Haken zum Kopf durch. Ab der dritten Runde spürte ich, dass ich ihn schlagen kann. Ich kam immer öfters mit Wirkungstreffern durch und hatte den Eindruck, dass er vielleicht ein bisschen die Lust verliert", verriet uns Dörrer, der jedoch auch lobende Worte für sein Gegenüber übrig hatte.

„Ich habe großen Respekt vor Taylan! Er ist ein Wahnsinns-Kämpfer und ein super Typ! Er hat ein unheimlich großes Kämpferherz und war bisher einer der stärksten Gegner, gegen die ich kämpfen durfte! Besonderer Dank geht also an Taylan, an meine Ecke, Dominik Junge und Ulf Häfelinger, an meinen Physiotherapeut Christoph Troesch und all meine Jungs aus dem Training, mit denen ich mich wie immer so toll vorbereiten konnte!“

Respekt für den Gegner nach dem Kampf. (Foto: Giuseppe De Mitri)

Kurz nach dem WM-Kampf sollte Dörrer bei der „Apache - The Fight Night“ am 27. Mai in Frankfurt auf Denis Liebau treffen, sagte dieses Duell jedoch ab. Den Grund dazu verriet er uns: „Ich gehe sonst nie Kämpfen aus dem Weg, aber die Anfrage von Steko kam nach dem Vertrag mit Apache. Da ich auf der Stekos-Gala die Chance auf den Weltmeistertitel bekommen habe, musste ich natürlich annehmen und den Kampf in Frankfurt absagen. Ich würde Denis trotzdem in Zukunft gerne vor die Fäuste bekommen, da ich ihn wirklich respektiere.“

Der frischgebackene Weltmeister studiert neben seinen Kickbox-Ambitionen Sport und Deutsch auf Lehramt, am Gymnasium an der Universität in Karlsruhe. Zudem legt Dörrer, der Kampfsporttraining seit dem siebten Lebensjahr absolviert, Wert auf soziale Arbeit und Gewaltprävention mit Kindern und Jugendlichen, wie man auf seiner Homepage nachlesen kann. Ihm ist es wichtig, den Sport in niveauvoller Weise in der Öffentlichkeit zu vertreten, verriet uns der Karlsruher.

Neben Kickboxen versuchte sich Dörrer auch in anderen Kampfsportarten. „Ich hab bisher über 100 Kämpfe gemacht im K1, Kickboxen, Thaiboxen aber auch Boxen. Ich habe auch nach originalen Muay-Thai-Regeln in Thailand gegen Thais gekämpft und gewonnen“, erzählte uns der 27-Jährige stolz.

Einigen Stimmen zufolge sei er für das Schwergewicht zu leicht und für die Max-Klasse (70 Kilo) zu schwer. Diese Gerüchte klärte der WKA-Weltmeister auf unsere Frage hin: „Das stimmt nicht ganz. Für den Kampf gegen Yesil habe ich wieder brutal abgekocht. Normalerweise kämpfe ich im Schwergewicht bis 91 Kilo, da ca. 93 Kilo mein Normalgewicht ist. Somit ist alles bestens für das Schwergewicht.“

Man darf somit gespannt sein, ob man Daniel Dörrer in Zukunft im Schwergewicht sieht. „Ich denke, dass ich noch ziemlich am Anfang meiner Entwicklung bin. Ich spüre, dass da noch relativ viel Potential in mir schlummert, welches in nächster Zeit freigegraben wird. Ich habe zwar schon einen Haufen Kämpfe gemacht und den ein oder anderen großen Titel gewonnen, aber was am Ende zählt, ist die eigene, hoffentlich korrekte, Wahrnehmung - und die sagt mir, ebenso wie mein Trainer, dass ich noch in den Startlöchern stehe.“

Dörrer mit seinem Team und WKA Präsident und Trainer Klaus Nonnemacher (r.). (Foto: Giuseppe De Mitri)

Der im Mach-1 Gym Karlsruhe unter Klaus Nonnemacher Trainierende wurde bisher fünffacher Amateur-Weltmeister (WKA), Europameister 2009 (WKA), Profi-Deutscher Meister 2010 (WKA), und gegen Yesil schlussendlich Profi-Weltmeister.

Dörrer ruht sich jedoch nicht auf seinen Lorbeeren aus, sondern stellt sich neuen Herausforderungen. „Ich fliege am 5. Juni gemeinsam mit Coach Dominik Junge und Klaus Nonnemacher nach Shanghai. Dort kämpf ich dann am 9. Juni gegen Huang Lei. Es ist ein Kampf im Rahmen der Fight Code Serie.“

Wir werden den ambitionierten Karlsruher auf seiner weiteren sportlichen Laufbahn im Auge behalten und dürfen gespannt sein, wie seine weitere Karriere verläuft. Der nächste Schritt dabei wird in China gemacht. „Ich bin bereit“, so Dörrer. „Ich bin fürs Kämpfen geboren.“