Thai/Kickboxen

Der dritte Mann - Teil 2

In unserer Serie "Der dritte Mann" gibt es heute das 2. Interview. Diesmal mit dem Ringrichter & Vize-Präsidenten der IKBO, Dirk Schwarz aus Wiehl.

GroundandPound: Warum sehen die Zuschauer in der Person des Referees oftmals den Buhmann ?

Dirk Schwarz: Es ist ein sehr einfach erklärt. Fehlendes Fachwissen oder ihr Hero wird nicht getätschelt !

GnP: Was zeichnet einen guten Ringrichter eurer Meinung nach aus ?

DS: Zum einen ist es gutes Fachwissen und dann natürlich viel Erfahrung sowie das nötige Selbstbewusstsein.

GnP: Es gab in der Vergangenheit auch schon Momente, wo sich ein Kämpfer schwerer verletzt hatte, als  es hätte sein müssen, wenn der Ringrichter besser reagiert hätte. Wäre es daher nicht mehr als richtig, wenn der Ringrichter dafür auch haftbar gemacht werden könnte ?

DS: Das sehe ich ähnlich. Jedoch wo wollen wir anfangen und wo aufhören die Schuld zu finden ? Das wäre wohl eine endlose Diskussion.

GnP: Es wäre sehr töricht zu glauben, dass ihr den Job allein wegen des Geldes macht. Was ist für euch dennoch der Reiz, die ganzen Strapazen auf sich zu nehmen und über das Jahr gesehen, tausende von Kilometern durch Deutschland zu fahren ?

DS: Kurz, ich liebe meinen Job als Ringrichter !

GnP: Wenn man euch mit den Ringrichtern im Boxen vergleicht, ist eure Bezahlung überhaupt noch gerechtfertigt ?

DS: Natürlich gibt es keinen Vergleich zum Boxen, das ist aber auch beim Sportler so. Ich denke in Zukunft, so in 100 Jahren, wird es besser werden :-)

GnP: Bleiben wir mal noch kurz beim Boxen. Dort dauert es teilweise recht lange, bis ein Boxer für verbotene Aktionen entsprechend verwarnt wird. Sind daher die Ringrichter im Thai- und Kickboxen die besseren Referees?

DS: Besser will ich nicht sagen, nur flexibler und jünger.
Dirk Schwarz (mitte) als Referee im Fight von Mark Vogel und Yodsaenklai Fairtex.

GnP: In anderen Sportarten wie z.B. dem Fußball gibt es eine Altersbeschränkung für Referees. Wäre das auch im Kick- und Thaiboxen sinnvoll ?

DS: Nein, das denke ich nicht. Leistung, Erfahrung und der richtige Moment zurückzutreten, das sollte man richtig einschätzen.

GnP: Verschiedene Verbände bedeuten meist auch andere Regeln. Wäre es nicht besser, auch für den Zuschauer, wenn es ein einheitliches Regelwerk geben würde ?

DS: Regeln und Vorschriften, egal welcher Art, sollten dem Zuschauer nur gut erklärt werden. Mehr nicht.

GnP: Als Referees habt ihr mit Sicherheit einiges erlebt. Welche Ereignisse oder Momente sind euch dabei in positiver und welche in weniger guter Erinnerung geblieben ?

DS: Wie ich bereits gesagt habe, arbeiten sollte Spass machen. Also gibt es nichts negatives zu berichten ;-)

GnP: Welche 3 Personen haben euch in eurer bisherigen Laufbahn am meisten geprägt ?

DS: Du fragst vielleicht Sachen. Ich glaube es sind nicht mehrere Personen. Es sind die Erfahrungen die der Sport mit sich bringt. Ich mache das jetzt seit 20 Jahren, was willst du mehr ?

GnP: Gibt es eigentlich auch einen Traum-Kampf den ihr gerne mal leiten würdet ?

DS: Jeder Titelkampf ist ein Traum oder auch mal ein Alptraum.

GnP: Ihr habt zum Abschluss noch die Möglichkeit ein paar Worte in eurer Funktion als Ringrichter an unsere Leser zu richten.

DS: Jeder der einmal vor vielen Menschen spontan sprechen oder sich darstellen musste, kann sich vorstellen was wir hier leisten. Dazu kommen noch Emotionen, Härte und eine Menge Einfluss von außen. Verliert nicht den Respekt und habt Spass am Sport.