Thai/Kickboxen

„Danyo Ilunga ist der Favorit“

Florian Ogunade - will es am 03.November noch einmal wissen. (Foto: Florian Ogunade)

Am 03. November trifft der Hamburger Florian Ogunade im Main-Event von Get in the Ring auf Danyo Ilunga. Es wird das Duell der ehemaligen gegen die aktuelle Nummer 1 im Schwergewicht werden. Für Ogunade ein Wunschkampf auf dessen Zielgerade seiner Karriere. Wie dieser über den Kampf denkt und wie seine weitere Planung aussieht, das hat er GnP im exklusiven Interview verraten.

Flo, am 03. November stehst du bei „Get in the Ring“ im Main Event gegen Danyo Ilunga. Wie laufen deine Vorbereitungen?
Meine Vorbereitung läuft ausgezeichnet. Ich bin nun so langsam am Ende der Trainingsphase und fieber den Kampf schon entgegen.

Jeder erwartet einen Sieg von Ilunga. Macht es den Kampf für dich daher einfacher, weil du ohne Druck auftreten kannst.
So sieht es aus. Danyo ist der Favorit. Aber gesunden Druck mach ich mir immer selbst, weil ich jeden Kampf gewinnen will. 
Florian Ogunade - nach dem Kampf ist vor dem Kampf. (Foto: Nicolas Chibac)

Auf welchen Kampf wirst du dich einstellen müssen?
Auf einen schönen, technisch sauberen und harten Kampf.

Danyo ist die derzeitige Nummer 1 im Schwergewicht. Was macht ihn in deinen Augen so stark?
Für sein Alter und seine noch junge Karriere ist er schon ein ziemlich kompletter Kämpfer. Er hat keine Schwächen und er entwickelt sich stetig weiter. Ich bin der Meinung, wir haben noch nicht den besten Danyo gesehen. Ich denke, das wird so in 3-4 Jahren sein.

Aktuelle Nr. 1 gegen ehemalige Nummer 1. Youngster gegen Dino. Wie treffend sind die Bezeichnungen bzw. wie würde dein Titel für diesen Kampf sich anhören?
Das ist schon sehr kreativ von Dir. Dem kann ich nichts entgegenbringen.

Im Vorgespräch hast du mir gesagt, das Danyo ein Wunschgegner für dich ist. Ein Wunsch zum Abschluß?
Wie Du und sicher die meisten Leute Wissen habe ich nun ein Alter erreicht, wo man sich durchaus Gedanken machen darf die aktive Zeit zu beenden. Ich habe mir für meine letzten Kämpfe immer gute Gegner gewünscht. Danyo ist ein sehr guter Gegner. Auf diesem Weg auch nochmal ein großes Dankeschön an Veranstalter Till Görres, der keine Kosten und Mühen gescheut hat diesen Kampf nach Hamburg zu holen.
Florian Ogunade nach seinem Sieg über Asmir Burgic (Foto: Nicolas Chibac)

Hast du dir eigentlich einen Zeitpunkt gesetzt, wann für dich der letzte Kampf kommt?
Nein, davon halte ich nichts. Solange mein Körper mitspielt, kann ich kämpfen. Aber ob ich kämpfe wird nun neuerdings im Familienrat entschieden. Da habe ich nur eine von 3 Stimmen.

Was wäre für dich der perfekte Abschluss?
Ich habe schon viel gewonnen. Mehrere nationale Titel, WM Titel, mehrere 4 oder 8-Mann-Turniere ( z.B. Nacht der 8 oder die MFN ). Ich muss nichts mehr beweisen. Ein Auftritt im K1-Japan wurde mir leider vergönnt. Das kann ich verschmerzen. Ich habe viele Länder und Städte durch den Sport kennenlernen dürfen und habe viele Freunde gewonnen. Dazu gehörst auch Du mein Lieber. Für mich zählt nicht mehr Sieg oder Niederlage. Das einzige was zählt ist Spaß. Daher egal wann ich aufhören sollte, jeder Kampf wäre ein perfekter Abschluss.

Hast du dir schon Gedanken darüber gemacht, was du nach deiner aktiven Karriere machen möchtest? Kickboxen ohne Florian Ogunade klingt schwer vorstellbar.
Jetzt übertreib mal nicht. Ein Leben ohne Kampfsport kann ich mir nicht vorstellen. Ich würde dem Sport weiter erhalten bleiben, d.h. ich würde mich weiter fit halten und werde meine Jungs, die ich trainiere, auf Veranstaltungen begleiten. Aber vielleicht probier ich mal was Neues. Ich würde auch mal gerne eine Veranstaltung machen. Jedoch bin ich, was das angeht, noch D-Klasse.  Aber wer weiß vielleicht mache ich bald mein erstes Interview als Veranstalter. Mal schauen.

Ein Blick zurück auf deine Karriere. Welche Erinnerungen sind dir dabei bestens im Gedächtnis geblieben und an welche schaust du weniger gerne zurück?
Meine Vize-Europameisterschaft 2000 / Portugal im Kyokushin-Karate. Da habe ich leider nur durch Tameshiwari (Bruchtest) 1 Brett unterschied verloren. Mein 1. A Klasse Kampf 2001 mit Dir als Ringrichter. Mein Rematch-Sieg gegen Petar Majstorovic der in Japan mehrere K1 Kämpfe hatte. Und natürlich mein WM-Titel gegen Karl Glischinsky und die bereits erwähnten Turniersiege. Nicht zu vergessen mein WM-Titel mit Franek Lukanowski in Korea beim BEAT-Fight. Eine tolle Erinnerung.
Weniger gerne schaue ich auf meine fast 3 jährige verletzungsbedingte Pause. In meiner besten Zeit nach dem Gewinn der WM und einer erfolgreichen Titelverteidigung hatte ich einen Bandscheibenvorfall.
Florian Ogunade beim WM-Sieg über Karl Glyschnyski (Foto: Florian Ogunade)

Es ist noch nicht so lange her, da bist du stolzer Vater geworden. Bereitet man sich da jetzt anders auf die Kämpfe vor, weil man weis, das man mehr Verantwortung trägt?
Nein, das denke ich nicht. Ich gebe trotzdem Vollgas und scheue keine Blessuren. Das einzige was mich immer traurig macht, ist, wenn ich zum Training muss und mein Sohn weint, weil wir nicht weiter spielen können.

Hand aufs Herz. Wer wechselt öfters die Windeln?
Ich wechsel auch die Windeln, da habe ich gar keine Berührungsängste. Aber natürlich würde meine Frau haushoch gewinnen, wenn wir eine Strichliste führen würden.

Zurück zum Sport. Danyo ist der Kämpfer, den es derzeit zu schlagen gilt. Wie sieht deine persönliche Top 5 im Schwergewicht in Deutschland aus?
Nico Falin, Kevin Klinger, Florian Ogunade, Florian Pavic und Daniel Török. Danyo Ilunga ist der SuperChampion und hat das Privileg in keiner Rangliste zu stehen.

Wie siehst du generell die Entwicklung im Schwergewicht?
Ich sehe die Entwicklung rückläufig. In Deutschland, aber auch international. Viele A-Klasse Schwergewichtler in Deutschland wären vor 10 Jahren vielleicht gute B-Klasse-Kämpfer. Und international kämpfen die Oldies ja auch noch, weil zu wenig gute junge Leute nachkommen. Aber dieses Problem haben nicht nur wir Kickboxer. Im Profiboxen ist es doch ähnlich.
Ogunade mit seinem Trainer Lukasz Roszak (Foto: Florian Ogunade)

Siamstore, Hanse Gym und jetzt Team Popeye. Wer gehört aktuell zu deinem Team und wer bereitet dich auf die Kämpfe vor?
Ich bereite mich gemeinsam mit meinem Coach Lukasz Roszak auf die Kämpfe vor. Ich habe darüber hinaus im Team Popeye tolle Trainingspartner (u.a. Kevin Klinger) die mich immer wieder aufs Neue motivieren und fordern. Ich greife während der Vorbereitung auf die Erfahrung von Freunden z.B. aus der Fight Lounge oder Thaiholics zurück.

Als Trainer hat man dich auch schon auf Veranstaltungen gesehen. Welchen von deinen Schülern die man jetzt noch nicht kennt, würdest du eine große Karriere zutrauen?
Bei einigen ist es zu früh etwas zu sagen. Es sind einige gute und talentierte Jungs dabei. Die haben gerade Ihre ersten Kämpfe gemacht. Die sollen einfach erst einmal Spaß haben. Das versuch ich immer zu vermitteln. Alles andere kommt von allein.

Etwas ganz anderes. Du bist bekennender Fan des HSV. Wie sehr hat dir das Herz nach dem verkorksten Saisonauftakt geblutet und was traust du ihnen nach der  Verpflichtung von Rafael van der Vaart noch zu?
Ich glaube ja, diese Frage interessiert nicht einen Leser hier. Nur möchtest Du deine Bayern-Finger in meine Wunde drücken. Deshalb kein Kommentar. (lacht)

Wenn wir mal einen Blick in die Zukunft werfen, wo sieht sich Florian Ogunade in 5 bzw. 10 Jahren?
Auf dem Bolzplatz mit meinem Sohn Fussball spielen.
Florian Ogunade & Team (Foto: Nicolas Cibac)

Zum Abschluß hast du jetzt noch die Möglichkeit ein paar Worte an deine Fans und die Leser zu richten?
Bleibt so wie Ihr seid, habt Eure eigene Meinung und lasst Euch nicht verbiegen.

Flo, ich danke dir für das Interview und wünsche dir viel Erfolg für deinen Kampf am 03. November bei Get in the Ring.
Vielen Dank und ich hoffe wir sehen uns bald wieder.