Thai/Kickboxen

Danyo Ilunga holt It's Showtime WM-Titel

Danyo Ilunga und seine Trainer Asmir Burgic und Remy Bonjasky. (Alle Fotos von Frank Mach)

06.03.2011, Amsterdam.

Gleich nach dem Frühstück trafen wir uns am Hotel Mercure mit Asmir Burgic und Danyo Ilunga. Es sollte ein großer Tag für Danyo werden und die Lockerheit des Vortages war irgendwie verschwunden. Um uns und Danyo etwas abzulenken, machten wir einen Spaziergang an der Amstel. Herrlicher Sonnenschein, aber ein eisiger Wind, der uns da entgegenkam.

Da Danyo im zweiten Part, also dem Hauptteil, startete, hatten wir entsprechend viel freie Zeit zu verbringen. Unser Plan besagte, dass wir um 18 Uhr spätestens in der Halle sein mussten.

Also nutzen wir diese Zeit zur Ablenkung und Entspannung. Nach dem etwa einstündigen Spaziergang – es war gegen 13 Uhr – entschlossen wir uns, noch einen Abstecher zur Amsterdam ArenA zu machen. Dort sollten wir im Restaurant La Place einen Happen zu uns nehmen und dann zum Hotel zurückkehren. Im Restaurant angekommen, jedoch ohne den großen Hunger, nahm Danyo ein paar Kartoffeln und etwas Fleisch zu sich, um nicht mit leerem Magen später an der Halle anzukommen.

Gegen 14:30 Uhr kamen wir zurück zum Hotel. Dort überließen wir Danyo das Zimmer zum Ausruhen. Er wollte ein wenig TV schauen und eventuell ein bis zwei Stunden schlafen. Jeder Fighter hat so seine eigene Phase und Art, mentale Kraft zu schöpfen.

Wir hingegen begaben uns in die Lobby, wo wir uns in die gemütlichen Sessel fallen ließen. Eine Coke, Cappuccino und jede Menge Kampfsportanekdoten wanderten über den Tisch. Die Zeit verflog und ehe wir uns versahen, war es auch schon 17 Uhr. Das war der Zeitpunkt, an dem wir in die Sporthallen Zuid aufbrechen wollten. Also weckten wir kurzerhand Danyo auf, packten ihn und uns ins Auto und ab ging es.

Wir freuten uns schon auf den VIP-Parkplatz direkt vor der Halle, schließlich hatten wir eine Parkkarte erhalten. Diese Karte erwies sich aber leider als vollkommen wertlos. Der Security- Mann kümmerte sich nicht sonderlich um die Karte. Er gab uns zu verstehen, dass der Parkplatz voll ist und wir auf dem normalen Parkplatz parken müssten.

Nach unendlich langer Fahrt fanden wir schließlich einen Platz. Das hieß also nun, mit zig Taschen, Eimer und sonstigen Ausrüstungsgegenständen einen gefühlten Kilometer zur Halle zu laufen. Dort angekommen ging es zum Securitycheck (Könnte ja sein, dass wir Voodoopuppen dabei haben.) und dann erstmal direkt in die Lockerrooms. Dort wurden die Sachen deponiert und wir begaben uns direkt in die Halle.

Den Part 1 wollten wir uns natürlich erst einmal anschauen. Danyo hätte am liebsten sofort gekämpft, um es hinter sich zu haben, aber da gab es halt andere Pläne auf der Seite des Veranstalters.

Remy hatten wir auch zwischendurch schon getroffen und er fragte sofort, wie Danyo sich fühlt. Alles bestens antworteten wir, obwohl Danyo sehr viel ruhiger als sonst war. Ein Zeichen für den enormen Druck, der von außen auf ihn zu wirken schien.

Die Halle mit ca. 4.000 Zuschauern ausverkauft, Presse und TV inklusive Interviews, ein anstehender Fight, welcher eine Chance bot, die nie eine Deutscher vor ihm bekam, gegen einen Holländer in Holland, live in 89 Ländern und weltweit auf dem Internetstream und dann natürlich Familie, Freunde und Fans, die eine hohe Erwartungshaltung hatten. Allen wollte er es recht machen, keinen von ihnen enttäuschen. Wochen knochenharter Arbeit und nun die Prüfung.

Außerdem sollte natürlich sein großes Vorbild Remy nicht enttäuscht werden. Kurzum gesagt, es kam alles auf einmal zusammen und ich konnte mir schon irgendwie ein Bild von seiner Gedankenwelt machen. Aber wie heißt es so schön, da mussten wir nun halt durch.

Nach dem ersten Teil von It‘s Showtime ging es zum Umziehen, Tapen und Aufwärmen. Die Stunde, die zugleich die Pause der Veranstaltung war, zog sich wie Kaugummi. Trotzdem wurde die Spannung merklich intensiver. Dann war es um 20 Uhr so weit und der Hauptteil begann. Ein Filmteam begleitete die Aufwärmphase in der Kabine, man konnte die Sequenzen auf den Videoscreens verfolgen.

Nach der Partie von William Diender gegen Rachid Belaini war es dann endlich so weit. Beide Kontrahenten kamen nacheinander in die Halle. Auf den Videoleinwänden waren kurze Statements von beiden zu hören. Wendell Roche meinte, dass seine Wurzeln auch im Kongo lägen und er vielleicht der (Kickbox-)Vater von Danyo sei. Danyo konterte, dass er seinen Vater wohl gut kenne und Wendell es auf jeden Fall nicht sei... Die Zuschauer in der Halle lachen...

Nach den Nationalhymnen beginnt der Fight. Für Danyo steht viel auf dem Spiel, aber er setzt die Kommandos seiner Ecke perfekt um. Man sieht fünf Runden reine Dominanz und einen wirklich cleveren Fighter. Wer ganz oben mitmischen will, der muss clever fighten, sonst hat er keine Chance. Der Gameplan geht 100% auf, alle fünf Ringrichter werten für Danyo und somit ist Danyo nach dem Fight der verdiente It‘s Showtime World Champion 95kg MAX.

Danyo bekommt von Simon Rutz den begehrten Gürtel und einen Pokal überreicht. Er ist sichtlich happy. Die kongolesische sowie deutsche Fahne umhängend, hebt er Wendell Roche hoch. Wendell hat wirklich alles gegeben und sich als außerordentlich fairer Sportsmann gezeigt.

Wir gehen sofort in die Kabine und wollen gratulieren. Kein Durchkommen, die TV-Teams kleben schon an ihm wie die Kletten. Nach einiger Zeit schafft er es zu uns durch, überglücklich und man sieht, wie eine Last von ihm abgefallen ist. Wir sind natürlich auch stolz und happy zugleich. Es ist die Bestätigung, dass Deutschland auch auf Topniveau mithalten kann. Das Rüstzeug dazu gab es im Fighting Gym Waldbröl, wo die Basis gelegt wurde und in der täglichen Arbeit weiterhin gelegt wird. Der Feinschliff erfolgt bei Remy Bonjasky. Das ist die Erfolgsformel, zumindest für die letzten und diesen vielleicht wichtigsten Fight.

Im Anschluss sehen wir uns noch die restlichen Kämpfe an und machen uns gegen 23 Uhr auf den langen Weg zum Auto und dann auf zum Hotel. Unterwegs beschließen wir noch, bei McDonald‘s vorbeizufahren und einen Happen zu essen. Vor dem Schnellrestaurant wird uns gesagt, dass es geschlossen ist und wir doch den MCDrive in Anspruch nehmen sollen. Wir bedanken uns und plötzlich sagt einer der Leute: „Hey, aren‘t you Danyo Ilunga?“

Danyo bejaht erstaunt die Frage, wir schauen uns an und wissen, wir sind angekommen...