Thai/Kickboxen

"Born 2 Fight"

"Mr. Pointfighting" Maurizio Granieri (Foto: Thomas Kreutzer)

Maurizio Granieri aus Schwäbisch Gmünd zählt ohne Frage zu den weltbesten Pro-Point-Kämpfern die es derzeit gibt. Dass ausgerechnet seine Stilrichtung sich nicht öfter auf einer Profi-Gala wiederfindet, ist eigentlich unverständlich. Vor allem dann nicht, wenn man den 26-Jährigen einmal live in Aktion gesehen hat.

Groundandpound.de: Maurizio, für alle, die dich nicht kennen sollten, stell dich doch zu Beginn des Interviews unseren Lesern vor.
Maurizio Granieri: Mein Name ist Maurizio Granieri. Ich bin am 04. August 1987 in Deutschland geboren und habe eine Italienische Herkunft (Sizilien). Ich betreibe seit 21 Jahren Kampfsport (Tae-Kwon-Do & Kickboxen). Mein Meister ist mein Bruder Salvatore Granieri, der Gründer vom Hurricane Team. Mein gelernter Beruf ist Sport- und Fitnesskaufmann. Heute Arbeite ich als Kickbox- und Personal-Trainer im Betrieb von meinem Bruder in Schwäbisch Gmünd. Ich besitze den 1. Dan in TKD und den 2. Dan im Kickboxen. Ich vertrete die Deutsche Nationalmannschaft im Mittelgewicht bei der ISKA.

Erklär doch unseren Lesern mal, was vom Regelwerk her Pointfighting genau bedeutet.
Im Pro-Pointfighting geht es darum, als erstes mit gezielten Schlägen den Gegner zu treffen.
Im Gegenteil zum Semikontakt ist das ein Vollkontaktsport auf Stopp-Fight. Es reichen keine Streifschläge, um die Punkte zu erhalten, sondern es müssen saubere Wirkungstreffer gelandet werden. Die Punkteregelung ist verbandsabhängig. Bei der ISKA bekommt man für jeden Faustschlag jeweils einen Punkt. Bei einem Tritt zum Körper sind das zwei Punkte. Ein Tritt zum Kopf sind drei Punkte und gesprungene Kicks zum Körper sind ebenfalls drei Punkte. Wenn man einen gesprungenen Tritt zum Kopf anwendet und man ist dabei höher in der Luft als das gegnerische Knie, bekommt man die maximale Punktzahl von Wertungspunkten. Schläge zum Hinterkopf sind erlaubt und diverse Feger mit dem Fuß sind ebenfalls erlaubt. Für einen Standard-Feger bekommt man einen Punkt und für einen gedrehten Feger zwei Punkte.

Für Kämpfer wie dich sind die US-Open das Non plus Ultra. Was macht diesen Event so besonders, dass er diesen hohen Stellenwert besitzt?
Bei den US-Open messen sich die besten Sportler der Welt. Es sind viele Hollywood-Stars als Gäste anwesend, die das Turnier schon mal in meinen Augen etwas interessanter machen. Es starten so viele Spitzensportler aus aller Welt, dass es schon fast zu schade ist, es zu verpassen. Die US-Open Worldchampionships sind das größte Turnier der ISKA. Für mich ein Muss, da mal mit dabei zu sein. Das war eines meiner Ziele, es einmal zu gewinnen.

Worin besteht der Unterschied zum normalen „Pointfighting“ und dem, was man auf der Mettler Fight Night in Stuttgart sehen konnte?
Man braucht zwei gute Sportler, um den Kampf interessant und actionreich zu machen. Der Unterschied von mir und den anderen ist, dass ich einfach meinen eigenen Style habe, was bei den Zuschauern anscheinend gut ankommt. Es gibt immer bessere Fighter, aber ich bin immer noch ich und übernehme keine anderen Ähnlichkeiten. Die meisten Pointfighter sind für mich monoton, weil sie zum größten Teil ihre Idole nachmachen. Somit sehen die meisten Kämpfe immer gleich aus. Bei einem Pro-Pointfight wird Vollkontakt gekämpft und das ist das, was das Ganze noch spannender macht. Es könnte jeden Moment vorbei sein, egal ob man führt oder nicht.

Was macht für dich eigentlich die Faszination Pointfighting aus?
Pointfighting ist für mich das A und O im Kampfsport. Man lernt vom ersten Moment an die Perfektion und Zielgenauigkeit des Schlages auszuführen. Die Reflexe werden so intensiv trainiert, da es mit einer enormen Geschwindigkeit zur Sache geht. Ich finde, dass ist der beste Anfang eines Kampfsportlers. Wenn man diese Einheiten erstmal gelernt hat, hat man immer einen großen Vorteil, um weiter zu machen in anderen Disziplinen.

Stand es für dich eigentlich nie zur Debatte, eine Laufbahn im K-1 oder auch MMA einzuschlagen?
2013 Habe ich mal einen Sparring-Kampf im K-1 gemacht, um mich erstmal langsam reinzufinden. Da ich vom Pointfighting komme, fehlen mir noch sämtliche Erfahrungen im K-1. Ich habe das Turnier gewonnen und es hat mir Spaß gemacht. Ich kann euch aber noch nicht sagen, was in der Zukunft auf mich zu treffen wird. MMA ist so vielfältig, dass ich jetzt noch nicht bereit dafür wäre (lacht), aber das Interesse besteht.

Kämpfer wie Roland Conar oder Martin Kilugs haben das Pointfighting in Deutschland geprägt. Waren oder sind sie auch Vorbilder für dich?
Roland Conar war für mich immer ein Vorbild. Mein Bruder hatte viel mit Ihm zu tun. Mein erstes Seminar, das ich als Kind besuchte, war das von Roland Conar. Ich freute mich ihn auf Turnieren zu sehen. Und am meisten wenn er mir beim fighten zugeschaut und reingerufen hat. Das motivierte mich als Kind sehr.

Was könnte oder sollte man deiner Meinung nach tun, um Pointfighting für den Otto-Normal-Zuschauer noch interessanter zu machen?
Mehr für Pointfighting werben. Gegebenenfalls mal ausgesuchte Fights im TV übertragen. Zumindest mal die Titelkämpfe, da die Qualität dort deutlich zu sehen ist.

Würdest du mir zustimmen, wenn ich sage, dass Pointfighting für Kids und Jugendliche der perfekte Einstieg in die Kampfsportwelt ist, weil auch gerade das Verletzungsrisiko erheblich geringer ist?
Für die Kids ist das Semikontakt der beste Anfang, da es sich und einen Halbkontaktkampf handelt. Der Kämpfer, der am Schluss die meisten Punkte erzielt, hat gewonnen. Verletzungen passieren immer wieder mal, aber sie werden nicht mutwillig dem Gegner angetan. Im Pro-Pointfighting kann man mit einem Lucky Punch den Gegner K.o. schlagen und gewinnen, auch wenn man nicht in Führung ist.

Warum scheuen nach deiner Meinung die Veranstalter die Möglichkeit, Kämpfe im Pointfighting öfter auf einer Profi-Veranstaltung einzubauen?
Ich denke, weil sie das mit dem Semikontakt verwechseln und sie auf Halbkontakt keinen Wert legen, was ich auch vollkommen verstehen kann. Ein Kampf darf einfach keine Härtebegrenzung haben im Profisport. Deshalb haben wir angefangen, das ohne Schutz und freiem Oberkörper zu starten. Mittlerweile kommt das gut an und viele Kampfsportschulen verwenden die gleiche Idee als Abendgala. Die Anfragen der Veranstalter steigen auch. Ich lasse mich überraschen wie es weiter geht. Als ich 2012 meinen Pro-Pointfighting EM Titel gewonnen habe, wurden andere Verbände darauf aufmerksam und starteten die gleiche Aktion.

Im Kickboxen oder Muay Thai gibt es Promotions wie Glory, Superkombat oder King of Kings. Wenn du die Möglichkeit hättest, welchen Event würdest du gerne ins Leben rufen?
Ich finde alle drei geil. Aber ich würde mich für Glory entscheiden.

Was würdest du dir von den Zuschauern in Bezug auf die Akzeptanz des Pointfightings wünschen?
Man sollte jeden Sportler für seine Leistung respektieren. Natürlich ist das jetzt für viele neu, aber wenn man es selber erstmal gesehen hat, dann kann man besser darüber urteilen.

Maurizio, ich möchte dir fünf Stichpunkte nennen und bitte dich, uns spontan und mit einem Wort zu sagen, was dir dazu einfällt:
Salvatore Granieri: Mein Bruder und der Mensch, der mich zu dem gemacht hat, was ich bin!
MMA: So einen Fight muss ich in meinem Leben auf jeden Fall noch machen (lacht).
Roland Conar: Bleibt für mich unvergessen.
US Open: Einmal ist keinmal. Daher will ich es unbedingt noch einmal schaffen.
Maurizio Granieri: Born 2 Fight

Wenn wir einen Blick in die berühmte Kristallkugel werfen, welche Ziele verfolgst du mittel- bzw. langfristig?
Ich möchte gerne den Interconti- und WM-Titel der Profis besitzen. Sobald ich die habe, wird weiter geplant. Wir sind das perfekte Trio. Mit meinem Bruder Salvatore und Winni Raithel werde ich meine Ziele erreichen da bin ich mir sicher. Das ist die beste Unterstützung, die ich haben kann.


Gibt es von dir vielleicht noch etwas, von dem wir sagen würden „Mensch, das hätten wir nicht von dir gedacht?“
Ja, das gibt es. Aber lasst euch doch einfach von mir überraschen.

Zum Abschluss hast du jetzt noch die Möglichkeit, ein paar Worte an die Leser und deine Fans zu richten.
Ich bedanke mich bei allen, die sich die Zeit genommen haben, mein Interview zu lesen. Bei meinen Fans, die mich unterstützen und mich in meiner Karriere begleiten. Bei jedem, der mich motiviert weiterzumachen. Das macht mich glücklich und stolz. Ich werde versuchen, meinen Job weiterhin zu meistern.

Maurizio, ich danke dir für das Interview und wünsche dir alles Gute für die anstehenden Kämpfe.
Ich danke dir und ich werde mein Bestes geben.