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UFC Ottawa: Stephen Thompson besiegt enttäuschenden Rory MacDonald

Stephen Thompson drängt an die Spitze (Foto: ZUFFA LLC)

Zum ersten Mal machte die UFC vergangene Nacht Halt in der kanadischen Hauptstadt Ottawa. Mit im Gepäck fast ein Dutzend Kanadier, jede Menge Action und im Hauptkampf ein potentielles Duell um den nächsten Herausforderer im Weltergewicht zwischen Rory MacDonald und Stephen Thompson. Das viel auf dem Spiel stand, merkte man den Protagonisten sofort an.

MacDonald und Thompson begannen sehr vorsichtig. Zwar streute der „Wonderboy“ gelegentlich seine Kicks ein, gefährlich wurde er dem „Red King“ damit kaum. Der Kanadier versuchte hingegen, den Kampf auf die Matte zu verlagern. Die ersten Takedowns wehrte Thompson ab und auch mehrere Imanari-Rollen gegen das Vorderbein führten nicht ins Ziel. Nach zwei sehr taktisch geführten Runden tauten die Weltergewichte zur Erleichterung der Fans im Mitteldurchgang auf und erhöhten das Tempo. Allein, der letzte Wille schien insbesondere bei MacDonald zu fehlen. Egal, in welche Distanz der Kanadier den Kampf bringen wollte, Thompson erwartete ihn bereits oder befreite sich mühelos durch kurze Kombinationen.

Erst im letzten Durchgang fand MacDonald seinen Rhythmus, brachte Thompson mit Kombinationen in Bedrängnis, holte sich allerdings selbst eine blutige Nase. Mit dem Mut der Verzweiflung warf der Lokalmatador zum Ende hin alles in die Waagschale und feuerte weite Schwinger ab, es sollte nicht reichen. Eine taktisch und technisch einwandfreie Leistung bescherte Thompson den einstimmigen Punktsieg. Dem „Wonderboy“ winkt somit eine Chance auf den Titel im Weltergewicht. MacDonald, dessen aktueller UFC-Vertrag mit diesem Kampf endete, hat seine Verhandlungsposition deutlich geschwächt.

Cerrone dominiert Coté, O’Connell und Bossé feuern aus allen Rohren

Ganz anders als Donald Cerrone im Kampf davor. Selten sah man so einen gut aufgelegten „Cowboy“. Von Beginn an zeigte er Patrick Coté die Grenzen auf. Waren es in der ersten Runde noch Takedowns, attackierte Cerrone ab dem zweiten Durchgang das Bein Cotés mit heftigen Kicks. Kaum hatte sich der Kanadier an diese gewöhnt, schlugen die Fäuste oben ein. Einem Niederschlag in der zweiten Runde folgten zwei weitere im letzten Durchgang. Vom letzten erholte sich der „Predator“ nicht mehr. Cerrone ging mit wuchtigen Schlägen hinterher und beendete den Kampf. Coté, der für sein hartes Kinn bekannt war und bereits mit Anderson Silva und Chris Leben den Käfig geteilt hatte, wurde so zum ersten Mal in seiner Karriere ausgeknockt.

Den unterhaltsamsten Kampf des Abends lieferten erwartungsgemäß die Halbschwergewichte Steve Bossé und Sean O’Connell ab. Von Anfang an kämpften beide mit offenem Visier und schienen den Fans beweisen zu wollen, dass man selbst mehr als der Gegenüber einstecken kann. Schwere Treffer, Niederschläge, Spinning Back Fists, egal, was man dem anderen an den Kopf warf, er fiel entweder nicht um oder stand gleich wieder auf. Drei Runden lang beackerten sich die beiden Kraftpakete, ohne den anderen in die Knie zwingen zu können. Das Duell auf Augenhöhe musste am Ende von den Punktrichtern entschieden werden, die sich uneins waren, aber den früheren Eishockey-Spieler Steve Bossé zum Sieger erklärten.

Joanne Calderwood schreibt Geschichte

Das Hauptprogramm wurde mit dem ersten weiblichen Fliegengewichtskampf der UFC-Geschichte eröffnet. Besonders Joanne Calderwood profitierte vom neuen Kampfgewicht. Bereits in der ersten Runde schickte sie Letourneau mit einer Spinning Back Fist zu Boden. Letourneau überlebte nur knapp und konnte sich in die zweite Runde retten. In der Folge waren es immer wieder Körpertreffer, die der Kanadierin zusetzten. Das Ende mutete dann bizarr an. Von einem Tritt in die Rippen getroffen, drehte sich Letourneau weg und trabte Richtung Käfig. Noch bevor der Ringrichter den Kampf abbrechen konnte, schickte Calderwood eine harte Rechte hinterher, die Letourneaus Ende besiegelte.

Auch im Vorprogramm wurde es selten langweilig. Krzysztof Jotko knockte Tamdan McCrory nach einer Minute mit einer Linken an die Stirn aus. Joe Soto stellte mit einem Rear-Naked Choke den Kampfverlauf gegen Chris Beal auf den Kopf und Misha Cirkunov und Ion Cutelaba gingen zwei Runden lang auf Kopfgeldjagd, bevor ein Superman-Punch des Letten einen Takedown vorbereitete, auf den innerhalb weniger Sekunden ein Arm-Triangle Choke folgte.

Die Ergebnisse im Überblick:

UFC Fight Night 89
18. Juni 2016 
Ottawa, Ontario, Kanada

Stephen Thompson bes. Rory MacDonald einstimmig nach Punkten (50:45, 50:45, 49:46)
Donald Cerrone bes. Patrick Coté via T.K.o. (Schläge) nach 2:35 in Rd. 3
Steven Bossé bes. Sean O’Connell einstimmig nach Punkten (29:28, 29:28, 29:27)
Olivier Aubin-Mercier bes. Thibault Gouti via Rear-Naked Choke nach 2:28 in Rd. 3
Joanne Calderwood bes. Valérie Létourneau via T.K.o. (Kick und Schläge) nach 2:51 in Rd. 3

Vorprogramm
Jason Saggo bes. Leandro Silva geteilt nach Punkten (29:28, 28:29, 29:28)
Misha Cirkunov bes. Ion Cutelaba via Arm-Triangle Choke nach 1:22 in Rd. 3
Krzysztof Jotko bes. Tamdan McCrory via K.o. (Schläge) nach 0:59 in Rd. 1
Joe Soto bes. Chris Beal via Rear-Naked Choke nach 3:39 in Rd. 3
Elias Theodorou bes. Sam Alvey einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 29:28)
Randa Markos bes. Jocelyn Jones-Lybarger einstimmig nach Punkten (30:27, 29:28, 29:28)
Colby Covington bes. Jonathan Meunier via Rear-Naked Choke nach 0:54 in Rd. 3
Ali Bagautinov bes. Geane Herrera einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 30:27)