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UFC London: Bisping bezwingt Silva in blutiger Schlacht

Michael Bisping (Foto: Dorian Szücs)

Die Spinne ist zurück, und gleich wieder weg: Anderson Silvas Comeback gegen Michael Bisping war all das, was man erwartet, befürchtet und gehofft hatte. Nach fünf Runden hieß der Sieger trotzdem Michael Bisping. Wir blicken für euch auf die Ergebnisse der 84. UFC Fight Night aus London.

Anderson Silva vs. Michael Bisping
Der am heißesten erwartete UFC-Kampf aller Zeiten auf europäischem Boden hielt das, was er versprach, und mehr. Noch vor wenigen Jahren hätte kaum jemand Michael Bisping eine Chance gegen Anderson Silva gegeben – am Wochenende in London sicherte der Brite sich den größten Sieg seiner langen Karriere gegen die Legende. Die Atmosphäre in der Halle, nach den zwei wenig spannenden Kämpfen zuvor etwas luftleer, war von dem Moment an wieder elektrisiert, als die Lichter in der Arena gedimmt wurden und das Intro-Video des Hauptkampfes auf den Leinwänden gezeigt wurde.

Im Kampf selbst explodierte die Halle dann immer wieder. Gerade, als die Spannung nach mehreren Minuten Abtasten und Warten leicht zu sinken begann, fingen die beiden Rivalen an, sich die Fäuste um die Ohren zu schlagen. Zum Entzücken der britischen Fans war es dabei Bisping, der mehrmals hart treffen konnte, was von Silva durch seine altbekannten Mätzchen heruntergespielt wurde. Überhaupt schien zeitweise der alte bekannte Silva wieder da zu sein – am Täuschen, Provozieren und Herumspielen, oft mit dem Rücken am Käfig. In der ersten und erneut am Ende der zweiten Runde jedoch gelang Michael Bisping das, was ihm in seiner ganzen Karriere niemand zugetraut hätte: Mit einem linken Haken setzte er Silva auf die Matte und setzte zum Finish an. Bevor er allzu viele harte Schläge ins Ziel bringen konnte, beendete allerdings das Horn die Runde. Den Sack zumachen konnte er allerdings nicht.

Silva schien sich im dritten Durchgang gut davon erholt zu haben und brachte seinerseits einige gute Treffer ins Ziel. Bisping wurde am Ende der Runde ein harter Kniestoß zum Körper getroffen, verlor seinen Mundschutz, diskutierte mit dem Referee und wurde unmittelbar danach mit einem Knie zum Kopf schwer getroffen. Bisping fiel fast ohnmächtig zu Boden, während die Rundenpause eingeläutet wurde.

Wegen der Lautstärke in der Halle konnte man das Horn zum Ende der Runde kaum hören – eine Zeit lang war nicht sicher, ob die Runde vorbei war oder gleich der ganze Kampf. Silva zumindest schien von letzterem auszugehen und feierte bereits auf dem Zaun, bevor er vom Ringrichter Herb Dean unter Protest wieder herunterbestellt wurde. Kein vorzeitiger K.o. für Silva, sondern die Rundenpause.

Der Schaden, den Silvas Kniestoß angerichtet hatte, wurde sichtbar. Bisping blutete stark, hatte einen Cut unter dem linken Auge und auf der Nase und schien zunehmend benommen von Silvas Treffern. Trotzdem marschierte er weiter nach vorne und traf den Ex-Champion immer wieder. Silva hingegen schien keinen Druck zu verspüren den Sack zuzumachen. Er kämpfte teilweise nahezu lustlos weiter und erlaubte es Bisping wieder in die Partie zu finden. Silva traf noch mit einem harten Frontkick, der an den Knock-out gegen Vitor Belfort erinnerte, doch Bisping konnte sich wieder fangen und hielt bis zum bitteren Ende durch. Es lohnte sich aus seiner Sicht.

Unter ohrenbetäubendem Jubel endete das Duell schließlich nach fünf merkwürdigen, spektakulären, überraschenden und zeitweise verwirrenden Runden, und der Sieger hieß: Michael Bisping. Den vierzehnten (Mittelgewichtsrekord der UFC) und gleichzeitig größten Sieg seiner Karriere hat Bisping am Vorabend seines 37. Geburstages eingefahren.
Michael Bisping bes. Anderson Silva einstimmig nach Punkten (48:47, 48:47, 48:47)

Gegard Mousasi vs. Thales Leites
Thales Leites schaffte es im Co-Hauptkampf nur selten Gegard Mousasi in Bedrängnis zu bringen. Von Anfang an versuchte der Brasilianer, seinen Gegner auf den Boden zu befördern, dessen Takedownverteidigung jedoch standhielt. Die meiste Zeit der drei Runden über hielt der Niederländer Leites im Stand mit präzisen Einzelaktionen unter Kontrolle, vor allem Jabs, die Leites sichtlich frustrierten. Zwar gingen die Beiden im Laufe der 15 Minuten mehrmals auf den Boden, dort schaffte es Leites aber kaum Mousasi gefährlich zu werden und verlor schließlich haushoch nach Punkten.
Gegard Mousasi bes. Thales Leites einstimmig nach Punkten (30:27, 29:28, 30:27)

Tom Breese vs. Keita Nakamura
Von Englands Weltergewichtstalent Tom Breese wurde in London nichts weniger erwartet als eine spektakuläre Zerstörung des japanischen Veteranen Keita Nakamura. Die blieb aus, stattdessen nutzte Breese einen sehr systematischen Ansatz, der zwar letzten Endes zum Erfolg führte, ihn aber auch in die ein oder andere schwierige Situation geraten ließ. Nakamura schaffte es mehrmals, Breese auf den Rücken zu befördern und versuchte dort, zu Aufgabegriffen anzusetzen.

Zwar konnte Breese sich immer wieder aus den Situationen befreien, allerdings zeigte er im Stand außer Jabs und vereinzelten Kicks wenig und erlaubte es Nakamura so, immer wieder den Clinch zu suchen oder zu seinen Takedownversuchen anzusetzen. Am Ende reichte es dank härterer Schläge und Kicks, physischer Überlegenheit und genug Optionen vom Rücken aus trotzdem für den ersten Punktsieg in Breeses Karriere.
Tom Breese bes. Keita Nakamura einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 29:28)

Francisco Rivera vs. Brad Pickett
Der alternde Fan-Liebling und frischgebackene Vater Brad Pickett hatte im Vorfeld seines Kampfes gegen K.o.-Schläger Francisco Rivera angekündigt, sich dieses Mal darauf zu konzentrieren, einen Sieg mit nach Hause zu bringen. Dieser Vorsatz flog im hohen Bogen aus dem Octagon, nachdem die ersten kurzen Haken eingeschlagen waren.

Nach einer kurzen Abtastphase schlugen die beiden Bantamgewichte sich die Fäuste um die Ohren und holten damit die Zuschauer in der o2 Arena von den Sitzen. Rivera konnte Pickett dabei mit einem Haken niederschlagen, darauf jedoch nicht aufbauen. In Runde zwei gingen die beiden ein wenig vorsichtiger zu Werke – nur noch vereinzelt versuchten beide sowohl Schläge als auch Kicks, bis das Ende der Runde nahte: Kurz vor dem Gong legten die beiden wieder richtig los und malträtierten sich in noch höherer Frequenz als zuvor mit Fäusten und Schienbeinen.

In Runde drei verlagerte sich das Geschehen mehrmals für kurze Zeit auf den Boden. In der Zwischenzeit ging es im Stand weit weniger wild als zuvor zur Sache, gegen Ende der Runde brachte Pickett mit einem Slam zum letzten Mal die Zuschauer zum Toben und zementierte damit nebenbei auch noch eine knappe Führung bei den Punktrichtern.
Brad Pickett bes. Francisco Rivera geteilt nach Punkten (28:29 29:28, 28:29)

Mike Wilkinson vs. Makwan Amirkhani
Für den letzten Kampf des Vorprogramms hatte Makwan Amirkhani angekündigt, Mike Wilkinson schnell besiegen zu wollen. Angesichts zweier UFC-Siege innerhalb von 108 Sekunden mag Amirkhani zwar verhältnismäßig lang gebraucht haben, um sich Wilkinsons zu entledigen, auch der englische K.o.-Spezialist konnte die Siegesserie von „Mr. Finland“ letztlich aber nicht beenden.

Mit Ausnahme weniger Situationen in den Runden zwei und drei, in denen Wilkinson in die Oberlage kam und zu Guillotine Chokes ansetzte, dominierte Amirkhani seinen Gegner auf der Matte und ließ ihm wenige Chancen, bei den Punktrichtern Eindruck zu schinden. Am Ende war es keinesfalls der leichte Sieg, den Amirkhani vorhergesagt hat, aber doch über weite Strecken eine recht dominante Vorstellung.
Makwan Amirkhani bes. Mike Wilkinson einstimmig nach Punkten (29:28, 30:27, 29:28)

Davey Grant vs. Marlon Vera
Davey Grant war Finalist in der 18. „The Ultimate Fighter“-Staffel, verlor, und stand seit jenem Novemberabend 2013 nicht mehr im Octagon. In London kehrte er vor heimischer Kulisse in den Käfig zurück, und obwohl Equadors Marlon Vera kurzzeitig drohte, mit einem Rear-Naked Choke die Show zu stehlen, nahm Grant das Heft in die Hand, indem er „Chito“ unter Druck setzte. Zwar war Vera vom Rücken aus durchgehend gefährlich und ließ sich auch im Stand nie ganz den Schneid abkaufen, Grant setzte sich mit den härteren Attacken und einem Auge für gefährliche Situationen mit jeder Minute deutlicher auf den Punktrichterzetteln ab.
Davey Grant bes. Marlon Vera einstimmig nach Punkten (30:26, 30:26, 30:26)

Scott Askham vs. Chris Dempsey
Im Mittelgewicht schien Chris Dempsey gegen Publikumsliebling Scott Askham von Beginn an Druck machen zu wollen und brachte nach wenigen Sekunden bereits einen Takedown durch. Auf der Matte bedrohte Askham ihn jedoch mit Arm- und Beinhebeln und konnte sich so aus seiner unvorteilhaften Lage befreien. Dempsey allerdings ließ nicht locker und hatte im Clinch Erfolg, bevor er von Askham auf die Matte geworfen wurde. Zurück auf den Beinen, brachte Askham seinen Gegner plötzlich aus dem Nichts mit einer Linken zum Wackeln, bevor ein Headkick Dempsey spektakulär ins Land der Träume beförderte.
Scott Askham bes. Chris Dempsey via K.o. (Headkick) nach 4:45 in Rd. 1

Arnold Allen vs. Yaotzin Meza
Yaotzin Meza wurde in London mit der Aufgabe betraut, den Briten Arnold Allen nach dessen Comeback-Sieg gegen Alan Omer in Berlin zu testen. Das ging von Anfang an wenig gut – Allen setzte seinen Gegner dank schnellerer Hände und mehr Biss unter Druck und ließ den Veteranen nie wirklich in den Kampf finden. Kombinationen und Takedownversuche gleichermaßen scheiterten – Meza schien ab Runde zwei zu kämpfen, um nicht zu verlieren, nicht zum zu gewinnen.

Erst gegen Ende des Kampfes hatte Meza im Clinch etwas Erfolg und schaffte es zwei Mal beinahe, Allen auf die Matte zu befördern, letztlich war es aber zu spät und zu wenig. Sekunden vor Schluss explodierte Allen noch einmal in eine Kombination und schlug Meza nieder – der Ringrichter ging dazwischen und für einen Moment schien es, als wenn es einen späten T.K.o. gegeben hätte. Kurz darauf stellte sich heraus, dass es doch die Uhr war, die Meza gerettet hatte.
Arnold Allen bes. Yaotzin Meza einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 30:27)

Brad Scott vs. Krzysztof Jotko
Während Jotko schneller und technisch versierter zu Werke ging, konnte Scott durch Zähigkeit und einen aggressiven Vorwärtsgang überzeugen, der Jotko mehrmals in die Defensive trieb. Die beiden sorgten in ihrem Drei-Runden-Kampf kaum für große Höhepunkte. Mit einem Takedown gegen Ende des Duells setzte Jotko jedoch noch einen Akzent, der seinen einstimmigen Punktsieg zementierte.
Krzysztof Jotko bes. Brad Scott einstimmig nach Punkten (29:28, 30:27, 29:28)

Norman Parke vs. Rustam Khabilov
Im Leichtgewicht lieferten Norman Parke und Rustam Khabilov sich ein recht ausgeglichenes Duell im Stand, in dem Khabilov Probleme mit Parkes Beinarbeit und Takedownverteidigung hatte, Parke jedoch selten genug Power in seine Schläge bringen konnte, um Khabilov ernsthaft in Gefahr zu bringen. Erst gegen Ende der zweiten Runde gelang Khabilov schließlich ein Takedown, mit dem er allerdings nicht viel anfangen konnte.

Im letzten Durchgang war es dann schließlich Parke, der überraschenderweise zum Takedown ansetzte und Khabilov tatsächlich auf die Matte beförderte, wo er sich den Rücken seines Gegners holte und den Rear-Naked Choke suchte. Kurzzeitig sah es so aus, als wenn er damit Erfolg haben könnte, bevor Khabilov sich befreite, zurück auf die Beine kam und seinerseits Parke auf die Matte warf. Von dort kam Parke gegen Ende der Runde zwar ansatzweise zurück auf die Beine, allerdings nur, um von Khabilov zurück auf die Matte geslammt zu werden. Die Kontrolle am Boden war letztlich vermutlich das Zünglein an der Waage, das Khabilov die dritte Runde und damit den Sieg einbrachte.
Rustam Khabilov bes. Norman Parke einstimmig nach Punkten (29:28, 29:28, 29:28)

Daniel Omielanczuk vs. Jarjis Danho
Sein Debüt läutete das Nürnberger Schwergewicht Jarjis Danho gleich mit einer harten Rechten ein, die Gegner Daniel Omielanczuk jedoch nicht allzu sehr zu beeindrucken schien. Die beiden tauschten anschließend einige harte Treffer aus und gingen dann in den Clinch. Zurück in der Distanz, schlugen erneut bei beiden die Fäuste ein. Die Treffer schienen allerdings beiden den Wind aus den Segeln genommen zu haben – von da an spielte sich das Duell weitestgehend im Clinch oder ohne größere Akzente auf den Beinen ab. Konditionell machten beide Athleten keine gute Figur.

Danho setzte zwar einige Male zu Kombinationen an, in Runde zwei war es allerdings Omielanczuk, der seinen Gegner niederschlagen konnte. Als Danho wieder auf die Beine wollte, kassierte er auf dem Weg einen illegalen Kniestoß, der keinen Punktabzug mich sich zog. In Runde drei tauschten beide einige Schläge aus, wobei der effektivste von Omielanczuk kam – unterhalb Danhos Gürtellinie.

Der Nürnberger fiel unter Schmerzen zu Boden, woraufhin Ringrichter Leon Roberts den Kampf unterbrach. Als Danho nach einigen Minuten immer noch nicht weitermachen wollte und ein Ringarzt zu Rate gezogen wurde, brach er das Duell schließlich ab – so spät im Kampf hatte das einen technischen Punktentscheid zur Folge, und den gewann Omielanczuk. Nicht das Debüt, das Danho und die deutschen Fans sich gewünscht hatten.
Daniel Omielanczuk bes. Jarjis Danho durch mehrheitlichen, technischen Punktentscheid (29:29, 28:29, 28:29)

Teemu Packalén vs. Thibault Gouti
Der zweite Kampf des Abends endete extrem schnell – nach wenigen Sekunden erwischte Teemu Packalen seinen Gegner mit einem rechten Aufwärtshaken, der diesen auf die Bretter gehen ließ – auf dem Boden setzte Packalen zum Rear Naked Choke an, in dem Gouti abklopfte.
Teemu Packalén bes. Thibault Gouti via Rear Naked Choke nach 0:24 in Rd. 1

David Teymur vs. Martin Svensson
Im ersten Kampf des Abends lieferten sich die Leichtgewichte David Teymur und Martin Svensson ein zunächst ausgeglichenes Duell, das sich die meiste Zeit über im Stand abspielte. In Runde zwei landete Teymur dann einen harten Haken, der Svensson rücklings auf die Bretter gehen ließ. Ein paar Folgeschläge machten den Sack zu im Duell der Schweden.
David Teymur bes. Martin Svensson via T.K.o. (Schläge) nach 1:26 in Rd. 2

Alle Ergebnisse in der Übersicht:

UFC Fight Night 84: Silva vs. Bisping
27. Februar 2016
o2 Arena, London

Michael Bisping bes. Anderson Silva einstimmig nach Punkten (48:47, 48:47, 48:47)
Gegard Mousasi bes. Thales Leites einstimmig nach Punkten (30:27, 29:28, 30:27)
Tom Breese bes. Keita Nakamura einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 29:28)
Brad Pickett bes. Francisco Rivera geteilt nach Punkten (28:29 29:28, 28:29)

Vorprogramm
Makwan Amirkhani bes. Mike Wilkinson einstimmig nach Punkten (29:28, 30:27, 29:28)
Davey Grant bes. Marlon Vera einstimmig nach Punkten (30:26, 30:26, 30:26)
Scott Askham bes. Chris Dempsey via K.o. (Headkick) nach 4:45 in Rd. 1
Arnold Allen bes. Yaotzin Meza einstimmig nach Punkten (30:27, 30:27, 30:27)
Krzysztof Jotko bes. Brad Scott einstimmig nach Punkten (29:28, 30:27, 29:28)
Rustam Khabilov bes. Norman Parke einstimmig nach Punkten (29:28, 29:28, 29:28)
Daniel Omielanczuk bes. Jarjis Danho durch mehrheitlichen, technischen Punktentscheid (29:29, 28:29, 28:29)
Teemu Packalén bes. Thibault Gouti via Rear Naked Choke nach 0:24 in Rd. 1
David Teymur bes.
Martin Svensson via T.K.o. (Schläge) nach 1:26 in Rd. 2