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UFC Dublin: Kann Conor McGregor dem Hype gerecht werden?

Jahrelang haben die irischen Fans Dana White in den Ohren gelegen – nach UFC 93 im Januar 2009 sollte das Octagon unbedingt auf die Insel zurückkehren, und nach fünfeinhalb Jahren ist es nun endlich an der Zeit.

Enttäuscht haben die irischen Fans bisher nicht – nur wenige Stunden hat es gedauert, bis die knapp 9000 Zuschauer fassende o2 Arena in Dublin ausverkauft war. Aus diesem Grund wurde der Aufbau geändert, um mehr Fans aufnehmen zu können, und auch die zusätzlichen Tickets waren schnell vergriffen. Die Hauptattraktion am 19. Juli: Conor McGregor. Der Ire hat bisher erst zwei Mal für die UFC gekämpft, dank eines extrem vorlauten Mundwerks jedoch vor allem außerhalb des Octagons Bewunderung genauso wie Hass aus der ganzen Welt geerntet.

Die 46. UFC Fight Night kann in Deutschland über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist.

Conor McGregor vs. Diego Brandao
Die Frage nach dem am meisten polarisierenden Kämpfer der UFC kann seit Anfang 2013 recht schnell beantwortet werden: Conor „Notorious“ McGregor (14-2) musste vor seinem UFC-Debüt in Schweden im April des vergangenen Jahres noch bei der Wohlfahrt Schlange stehen, bevor sich sein Leben im wahrsten Sinne des Wortes schlagartig änderte. Mit einer übermäßig großen Klappe stellte „The Notorious“ sicher, dass die Aufmerksamkeit ihm gehören würde, wenn in Stockholm der Vorhang für UFC on Fuel TV 9 aufgehen würde. Und er enttäuschte an jenem Abend nicht – Marcus Brimage überstand nur eine knappe Minute gegen den Iren, bevor dieser Maß nahm und seinen Gegner mit einigen perfekt getimten Aufwärtshaken ins Land der Träume schickte.

Mit diesem Abend war ein Star geboren  - dank der 60.000 Dollar für den „Knockout of the Night“  tauschte McGregor die Wohlfahrt gegen maßgeschneiderte Anzüge ein und machte mit seinen provozierenden Interviews dort weiter, wo er vor dem Kampf aufgehört hatte. Ferrarifahrten mit Dana White über den Las Vegas Strip, noch mehr mediale Aufmerksamkeit und schließlich ein Kampf bei UFC Boston im August des vergangenen Jahres waren der Lohn.

Max Holloway unterlag McGregor in Boston zwar nach Punkten, letzterer riss sich während der drei Runden jedoch das Kreuzband und musste unters Messer. Das Octagon würde er erst einmal für längere Zeit nicht von innen sehen, was McGregor jedoch nicht davon abhielt, seinen medialen Eroberungszug fortzusetzen. Aus dem Vorprogramm hat er sich damit über die Monate direkt in einen Hauptkampf katapultiert – in der o2 in Dublin dürfte es ordentlich zur Sache gehen, wenn McGregor für seinen Kampf gegen Diego „DB“ Brandao (18-9) das Octagon betritt.

Stilistisch gesehen könnte diese Ansetzung noch weitaus besser dazu geeignet sein, die Halle zum Kochen zu bringen als der ursprünglich geplante Kampf gegen Cole Miller, denn Brandao kennt nur eine Richtung: Vorwärts. Ob im Stand oder am Boden – der Brasilianer ist zu jeder Zeit gefährlich und hat mit seinem aggressiven Stil bisher 14 Gegner durch Knockout oder Aufgabe bezwungen. Gleichzeitig lässt er dabei jedoch auch Raum für Gegenattacken und tendiert dazu, nach einer höllischen ersten Runde stark nachzulassen. In der UFC haben das bisher Darren Elkins und Dustin Poirier ausnutzen können, die Brandao beide recht deutlich schlagen konnten. Conor McGregor wird am Samstag das gleiche versuchen – wenn er Erfolg hat, wird man ihn in Zukunft wohl noch deutlich häufiger zu Gesicht bekommen. Ob man diese Aussicht gutheißt oder verabscheut – einschalten werden am 19. Juli fast alle.

Gunnar Nelson vs. Zak Cummings
Gunnar „Gunni“ Nelson (12-0-1) ist ein Phänomen. Im alten Griechenland wäre der Isländer wohl ein glühender Verfechter des Stoizismus gewesen, denn Nelson verzieht in keiner Situation seine Miene. Ein derartiges Auftreten scheint bei Fans gut anzukommen, wie die Popularität von anderen scheinbar emotionslosen Kämpfern wie Fedor Emelianenko oder Gegard Mousasi beweist. Auch Nelson fasziniert die Zuschauer immer wieder aufs Neue mit seiner Art und sorgt auch im Octagon für beeindruckende Ergebnisse. Der 25-Jährige ist noch ungeschlagen und hat auch in der UFC bereits drei Siege eingefahren – DaMarques Johnson, Jorge Santiago und Omari Akhmedov hatten dem BJJ-Ass mit Wurzeln im Karate nicht viel entgegenzusetzen.

Am Samstag in Dublin wird er nun auf Zak Cummings (17-3) treffen. Der Amerikaner war vor eineinhalb Jahren in der 17. TUF-Staffel zu sehen, wo er seinen ersten Kampf innerhalb weniger Sekunden durch T.K.o. gewann, danach jedoch von Dylan Andrews durch mehrheitlichen Punktentscheid aus dem Turnier eliminiert wurde.

Seitdem hat Cummings zwei Mal in der UFC gewonnen – zunächst zwang er Ben Alloway im August 2013 nach knapp vier Minuten, im D’Arce Choke abzuklopfen und erntete damit den Bonus für die „Submission of the Night“, bevor er im Mai Yan Cabral nach Punkten schlug. Dazwischen hat der 29-Jährige sich mit einem unangenehmen Zwischenfall die Ungunst von Dana White und co. eingebrockt, der glücklicherweise nicht Teil seiner Bilanz ist: im März sollte Cummings auf Alberto Mina treffen, verpasste das Gewichtslimit jedoch um knapp vier Kilo, sodass der Kampf gestrichen wurde. Mit dem Sieg gegen Cabral konnte Cummings sich wieder ein Stück weit rehabilitieren und bekommt als kurzfristig eingesprungener Ersatz für Ryan LaFlare nun die Chance, sich mit der UFC mit einem spannenden Kampf wieder gut zu stellen.

Brad Pickett vs. Ian McCall
Lange hat es gedauert, aber nun steht der äußerst vielversprechende Kampf zwischen Brad ”One Punch” Pickett (24-8) und Ian ”Uncle Creepy” McCall (12-4-1) endlich. Die beiden Fan-Lieblinge sollten bereits im März bei der Fight Night in London gegeneinander antreten, McCall musste das Duell jedoch verletzt absagen.

Pickett hat diese Absage nicht besonders gut aufgenommen und startete per Twitter einen verbalen Großangriff auf McCall. Das Social Media-Sparring hat sich zwar inzwischen gelegt, einen explosiven Kampf darf man am Samstag aber dennoch erwarten. Brad Pickett ist so gut wie nie in langweilige Kämpfe verwickelt – nach fünf seiner sieben Kämpfe in der UFC hat er einen Bonus-Scheck für den „Fight of the Night“ oder „Knockout of the Night“ in die Hand gedrückt bekommen, und der Kampf gegen McCall am Samstag hat die besten Voraussetzungen, um für die sechste Auszeichnung zu sorgen. Nach Niederlagen gegen Renan Barao, Eddie Wineland und Michael McDonald braucht Pickett den Sieg gegen den populären „Uncle Creepy“, um sich einen großen Schritt näher in Richtung Titelkampf zu bewegen. Im Bantamgewicht hat er sich die Chance auf einen Gürtel mit den Niederlagen gegen die drei Top-Kämpfer verspielt, im Fliegengewicht sieht die Sache dank seiner großen Fanbasis und weniger klarer Herausforderer etwas anders aus. Falls er dem Sieg gegen Neil Seery in seinem Debüt in der Gewichtsklasse einen zweiten folgen lassen kann, würde ihn das zumindest in eine gute Ausgangssituation manövrieren.

Gleiches hat Ian McCall vor. Der Mann mit dem Schnäuzer kam 2012 als Tachi Palace Fighting-Champion in die UFC, wo er jedoch nach einem Unentschieden gegen Demetrious Johnson gegen den jetzigen Champion verlor und danach von Joseph Benavidez ausgepunktet wurde. Im vergangenen August fuhr McCall dann seinen ersten UFC-Sieg ein, als er Illiarde Santos in dessen brasilianischer Heimat nach Punkten schlagen konnte. So wirklich zufrieden war McCall mit diesem Kampf allerdings auch nicht, und seit diesem Sieg vor einem knappen Jahr stand er verletzungsbedingt nicht mehr im Octagon. Gegen Pickett darf man also einen hoch motivierten „Uncle Creepy“ erwarten, der endlich sein volles Potential im Octagon abrufen will.

Norman Parke vs. Naoyuki Kotani
Im ersten Kampf des Hauptprogramms wird Norman ”Stormin” Parke (19-2-1) aus Nordirland auf den Japaner Kaoyuki Kotani (33-10-7) treffen. Parke gewann Ende 2012 die „TUF: Smashes“-Staffel mit einem Punktsieg gegen Colin Fletcher und konnte seitdem Kazuki Tokudome und Jon Tuck besiegen. Gegen Leonardo Santos reichte es im März dagegen nur zu einem Unentschieden, weshalb Parke in diesem Kampf einen umso eindeutigeren Sieg einfahren und Naoyuki Kotani vorzeitig besiegen will.

Kotani dagegen will in seinem zweiten Anlauf in der UFC die Erfolgsserie weiterführen, die er seitdem mit 13 Siegen in Folge in Japan aufgebaut hat. Der 32-Jährige verlor 2007 nach Punkten gegen Thiago Tavares, bevor er bei UFC 75 in Manchester von Dennis Siver ausgeknockt und anschließend von der Organisation entlassen wurde. Nun kehrt Kotani auf die britischen Inseln zurück und will dort seinen ersten UFC-Sieg einfahren, auf den er seit sieben Jahren wartet.

Vorprogramm:
Auch auf dem Vorprogramm sollte es zur Sache gehen. Mit Ilir „The Sledgehammer“ Latifi (8-3-0(1)) wird ein vielversprechendes Halbschwergewicht ins Octagon steigen, das vor etwas über einem Jahr schlagartig Berühmtheit erlangte – nachdem Alexander Gustafsson seinen Hauptkampf gegen Gegard Mousasi nur wenige Tage vor der zweiten UFC-Veranstaltung in Schweden wegen eines Cuts absagen musste, sprang sein Trainingspartner Latifi ein. Zwar verlor er gegen Mousasi nach Punkten, machte sich mit der beherzten Leistung aber eine Menge neuer Fans. Mit einem dominanten Erstrunden-Aufgabe-Sieg gegen Cyrille Diabaté zeigte der 30-Jährige Schwede mit armenischen Wurzeln im vergangenen März dann auch, dass er in die UFC gehört.

Das will am Samstag auch Chris Dempsey (10-1) beweisen. Der 26-Jährige aus Ohio in den USA hat seine letzten vier Kämpfe durch Aufgabe oder T.K.o. gewonnen und war seit seinem Profi-Debüt Anfang 2012 sehr aktiv – so ist Dempsey allein im Jahr 2013 sechs Mal in den Käfig gestiegen, in dem er auch 2014 bereits zwei Mal stand. Mit Ilir Latifi steht ihm nun in Dublin ein harter Test bevor – falls er diesen allerdings bestehen kann, dürfte das seiner Karriere in der UFC gleich zu Beginn einigen Rückenwind bescheren.

Zuvor wird es im Fliegengewicht zu einem Rückkampf kommen: Neil „2 Tap“ Seery (13-10), der dank seiner irischen Herkunft die Gunst der anwesenden Fans genießen dürfte, unterlag Phil „Billy“ Harris (22-11-0(2)) im Mai 2010 nach Punkten, konnte danach jedoch sechs von sieben Kämpfen gewinnen und sich damit für einen Platz in der UFC qualifizieren, als die Organisation kurzfristig einen Ersatz für Ian McCall suchte, der bereits im März bei der 39. UFC Fight Night in London auf Brad Pickett treffen sollte. Seery sorgte gegen den Veteranen für einen äußerst unterhaltsamen Kampf, den er nach Meinung einiger Fans sogar gewonnen hat, musste sich nach drei Runden jedoch einem einstimmigen Punkturteil geschlagen geben.

Phil Harris steht etwas stärker unter Zugzwang. Tatsächlich wurde nach der dritten Niederlage in Folge, durch Aufgabe gegen Louis Gaudinot, bereits seine Entlassung bekanntgegeben. Nachdem Gaudinot jedoch eine positive Doping-Probe abgegeben hatte, scheint die UFC Harris, der bereits bei Cage Warriors unterschrieben hatte, nun doch noch eine letzte Chance gegeben zu haben.

Zuvor dürfte es mal wieder richtig laut in der Dubliner o2 Arena werden, wenn Cathal „The Punisher“ Pendred (13-2-1) ins Octagon steigt. Der irische Ex-Cage-Warriors-Champion war vor kurzem in der 19. TUF-Staffel zu sehen, aus der er jedoch etwas kontrovers durch geteilten Punktentscheid gegen den späteren Staffel-Sieger, Eddie Gordon, ausschied. Als Profi hat Pendred seit Ende 2010 nicht mehr verloren – seitdem hauptsächlich bei Cage Warriors unterwegs, konnte der 26-Jährige aus Dublin u.a. Nico Musoke, Bruno Carvalho und Che Mills besiegen. Nun wird er in Form von Mike King (5-0) auf einen Teamkollegen aus dem TUF-Haus treffen, in dem beide als Teil des Teams von BJ Penn zusammen trainiert haben. King schied, eine Runde vor Pendred, ebenfalls gegen Eddie Gordon aus dem Turnier aus, in das er mit einer tadellosen Profi-Bilanz eingezogen war. Über die Distanz musste der 30-Jährige aus Ohio dabei kein einziges Mal – vier Aufgabe- und ein Knockoutsieg haben ihm sein Ticket in die UFC gelöst.

Ebenfalls im Mittelgewicht wird Tor „The Hammer“ Troeng (16-5-1) versuchen, gegen Trevor „Hot Sauce“ Smith (11-5) wieder auf die Siegerstraße einzubiegen, nachdem er im September eine „Fight of the Night“-Punktniederlage gegen Rafael Natal hinnehmen musste. Die Fans dagegen werden mehr auf eine spannende Schlacht aus sein, was angesichts von Troengs Gegner nicht allzu sehr verwundern dürfte. Trevor Smith hatte in den größeren Organisationen dieser Welt bisher recht wenig Erfolg, aber wenn er ins Octagon steigt, darf man sich auf Feuerwerke freuen. Zwar ist er in den letzten Jahren gegen Tim Kennedy und Thales Leites mit fliegenden Fahnen untergegangen und unterlag Ed Herman im „Fight of the Night“ von UFC on Fox 8,  im Duett mit einem Gegner wie Troeng dürfte sich in Dublin jedoch ein spannendes Duell ergeben.

Im Halbschwergewicht brauchen Cody „Donnybrook“ Donovan (8-4) und Nikita „Al Capone“ Krylov (16-4) einen Sieg, nachdem beide in der UFC bisher zwei Mal verloren haben. „Donnybrook“ Donovan startete Ende 2012 noch mit einem K.o. gegen Nick Penner im „Fight of the Night“ des „TUF: The Smashes“-Finales durch, wurde dann jedoch seinerseits von Ovince St. Preux und Gian Villante K.o. geschlagen. Krylov dagegen unterlag bei UFC 164 im vergangenen August in einem unansehnlichen Kampf, in dem beide Kämpfer schon nach kurzer Zeit von ihrer Kondition verlassen wurde, Soa Palelei durch T.K.o., bevor er Walt Harris im Januar nach nur 25 Sekunden per Headkick auf die Bretter gehen ließ. Dieser Sieg und ein Wechsel ins Halbschwergewicht brachten ihm wenige Monate später einen Platz auf dem Hauptprogramm von UFC 171 ein, wo er jedoch Ovince St. Preux nach eineinhalb Minuten im Von Flue Choke unterlag.

Los geht es in Dublin mit einem Fliegengewichtskampf zwischen Josh „The Gremlin“ Sampo (11-3) und Patrick „The Hooligan“ Holohan (9-0-1). Der Amerikaner Sampo debütierte im vergangenen November im Octagon, wo er Ryan Benoit in der zweiten Runde durch Rear Naked Choke besiegte. Bei UFC 170 im Februar unterlag er jedoch Zach Makovsky nach Punkten und hat jetzt die Aufgabe, den „Hooligan“ Patrick Holohan in der UFC zu begrüßen. Holohan, ein Trainingspartner von Conor McGregor und Cathal Pendred, dürfte die Fans in der o2 in Dublin gleich im ersten Kampf dazu bringen, für eine Hexenkessel-Atmosphäre zu sorgen, wenn er in seinem Debüt auf Sampo trifft. Der 26-jährige Ire musste nur für einen seiner Siege über die volle Distanz gehen und konnte sieben seiner Gegner auf der Matte zum Abklopfen bringen.

Anbei das gesamte Programm:

UFC Fight Night 46: McGregor vs. Brandao
Samstag, 19. Juli 2014
The o2 in Dublin, Irland


Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Conor McGregor vs. Diego Brandao
Gunnar Nelson vs. Zak Cummings
Brad Pickett vs. Ian McCall
Norman Parke vs. Naoyuki Kotani

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Ilir Latifi vs. Chris Dempsey
Neil Seery vs. Phil Harris
Cathal Pendred vs. Mike King
Tor Troeng vs. Trevor Smith
Cody Donovan vs. Nikita Krylov
Patrick Holohan vs. Josh Sampo