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UFC 216: Tony Ferguson will Kevin Lee zum Schweigen bringen, Johnson den Rekord-Sieg

Auf der Jagd nach McGregor: Tony Ferguson (l.) und Kevin Lee (Foto: UFC).

Sechs Tage nach dem verheerendsten Amoklauf in der Geschichte der Vereinigten Staaten fällt der UFC die Aufgabe zu, in Las Vegas, nur ein paar Straßenblöcke vom Tatort entfernt, die erste größere Show seit dem Massaker abzuhalten. Dass sie nicht fokussiert sind auf ihren Auftritt haben viele Kämpfer, die teils in „Sin City“ leben und trainieren, schon während der Woche erklärt. Abseits des tragischen Hintergrundes bleibt ein UFC-Event, der sich trotz weniger ganz großer Namen lohnen sollte.

Das Hauptprogramm von UFC 216 wird in Deutschland für einmalig 14,99 Euro von ran Fighting übertragen. Das Vorprogramm zeigt der UFC Fight Pass, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich.

Zusätzlich zeigen Sky Select und Sky Sport HD 3 das Hauptprogramm zum Preis von 15 Euro.

Anbei die Startzeiten:
Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass): Sonntag, 8. Oktober, 0:15 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Sonntag, 8. Oktober, 2 Uhr
Hauptprogramm (ran Fighting/SKY): Sonntag, 8. Oktober, 4 Uhr

Hauptkampf: Tony Ferguson vs. Kevin Lee

Als Kevin „The Mo-Town Phenom“ Lee (16-2) im Juni Tony „El Cucuy“ Ferguson (22-3) mit der Forderung nach einem „echten Journalisten“ bloßstellte, als dieser ihn auf FOX nach seinem Sieg gegen Michael Chiesa interviewte, rechnete wohl niemand damit, dass dieser Kampf so kurz danach tatsächlich stattfinden würde.

An diesem Wochenende machen die beiden den Imterims-Titel im Leichtgewicht untereinander aus. Für Ferguson ist es die längst überfällige Chance auf Gold, bei Lee dagegen schienen ein oder zwei weitere Siege vor dieser Chance wahrscheinlicher, bevor eine lautstarke PR-Kampagne und Champion Conor McGregors verlängerte Pause den Interims-Titel ins Leben riefen.

Ferguson gewann 2011 die 13. „The Ultimate Fighter“-Staffel und musste sich bisher lediglich Michael Johnson nach einem Armbruch über die Punkte geschlagen geben. Seitdem hat er neun Kämpfe in Folge gewonnen, u.a. gegen Josh Thomson, Edson Barboza und Rafael dos Anjos. Jetzt muss er Sieg Nummer zehn holen, wenn als nächstes (theoretisch) der Titelkampf folgen soll. Laut „El Cucuy“ verdient Lee diese Chance nicht annähernd so sehr wie er.

Aber stimmt das? Mit Fergusons Resümee kann die Bilanz Lees nicht mithalten, soweit hat „El Cucy“ Recht. Das gilt aber für jedes Leichtgewicht im UFC-Kader – tatsächlich hat Lee in den letzten eineinhalb Jahren eine imposante Erfolgsliste angelegt, die nun in der frechen Art untergeht, mit der er sich die Zusage zum Titelkampf geschnappt hat.

Die Chance hätte Lee wohl ohnehin früher oder später bekommen, unverdient ist sie auch jetzt nicht. Eine Punktniederlage gegen Al Iaquinta im kurzfristig zustande gekommenen UFC-Debüt und eine so schnelle wie überraschende T.K.o.-Niederlage gegen Leonardo Santos sind Lees einzige Flecken auf der Weste.

Seit dem Rückschlag gegen Santos hat Lee fünf Mal gewonnen und mit jedem Mal mehr überzeugt: Neben dem australischen Talent Jake Matthews hat der 25-Jährige auch die gefährlichen Kickboxer Magomed Mustafaev und Francisco Trinaldo vorzeitig besiegt sowie zuletzt Top-Leichtgewicht Chiesa, wenn dort auch der Ringrichter mit einem vorschnellen Kampfabbruch nachgeholfen hat.

Trotzdem ist Lees Mix aus explosivem Ringen, effektiven Submissions und immer besser werdendem Striking eine Kombination, die ihn erwiesenermaßen für die Spitze qualifiziert. Ob es ganz oben in der Nahrungskette tatsächlich zum Gold reicht, bleibt abzuwarten. Spannend oder zumindest spektakulär dürfte es allemal werden.

Co-Hauptkampf: Demetrious Johnson (c) vs. Ray Borg

Nächster Versuch. Eigentlich sollte Demetrious „Mighty“ Johnson (26-2-1) vor einem Monat die Gelegenheit bekommen, Geschichte zu schreiben. Einen Tag vor UFC 215 jedoch musste Ray „The Tazmexican Devil“ Borg (11-2) seine Titelchance gegen den dominanten Fliegengewichtschampion erkrankt absagen. Jetzt bekommt er eine zweite Chance, der vielleicht größte Spielverderber aller Zeiten zu werden.

Für Demetrious Johnson ist die ganze Sache eine Gratwanderung. Zehn Titelverteidigungen hat er bereits im Sack, eine elfte würde den Rekord des legendären Anderson Silva um eins übertreffen. Sein Problem: Das Fliegengewicht ist nicht besonders stark und war es nie, seit Johnson 2012 erster Weltmeister in der Gewichtsklasse wurde. Jeden Herausforderer bisher hat er – teils gleich zweimal – mit exzellenter Technik, unerreichter Schnelligkeit und seinem durch überragende Kondition angefeuerten Vorwärtsdruck auf die Ränge verwiesen.

Allgemeine Anerkennung aber hat er für diese ständigen Meisterklassen nicht in dem Maße bekommen, wie es ein Lauf wie der seine rechtfertigen würde - wegen der Klasse der Gegner und zumal Johnson einen Kampf gegen Ex-Bantamgewichtschampion TJ Dillashaw zugunsten des Duells mit Borg ablehnte. In den Fan-Foren wurde das oftmals als bewusstes Vermeiden eines stärkeren Kontrahenten aufgefasst.

Mit nur zwei Siegen in Folge im Rücken kommt die Titelchance tatsächlich etwas überraschend für Borg. Der „Tazmexican Devil“ hat bewiesen, dass er ein guter, beizeiten spektakulärer Kämpfer ist, der mit Louis Smolka und Jussier Formiga zuletzt zwei sehr gute Gegner bezwungen hat, aber nie jemandem von Johnsons Kaliber gegenüberstand.

Mit der Zuversicht eines 24-Jährigen ausgerüstet, hat Borg diesem bereits einen direkten Rückkampf versprochen, nachdem er ihn an diesem Wochenende besiegt hat. Ob ein aggressiver Kampfstil mit flinken Transitions, intelligent gestellten Fallen und dynamischen Striking-Attacken für den vielleicht besten Kämpfer aller Zeiten reichen?

Borg ist sich da sehr sicher. In dieser Woche war es nach Ansicht einiger Wett-Anbieter allerdings wahrscheinlicher als ein Sieg, dass Borg schon an der Waage scheitert – ein Gegner, der ihn bisher bereits zweimal bezwungen hat. Im größten Kampf seines Lebens aber hat Borg zumindest dieses Hindernis schon überwunden.

Die restlichen Kämpfe von UFC 216

Besonders viel Hype gab es nicht um die UFC 216, die eingepackt ist zwischen dem #MayMac-Spektakel im August und UFC 217 nächsten Monat. Trotzdem sind einige lohnende Duelle auf dem Programm verpackt.

So wird auf dem Hauptprogramm K.o.-Schläger Derrick „The Black Beast“ Lewis (18-5-0(1)) auf BJJ-Ass und Ex-Champion Fabricio „Vai Cavalo“ Werdum (21-7-1) treffen. Während Werdum nach seinem Titelverlust vergangenes Jahr, einem Sieg gegen Travis Browne sowie einer knappen Punktniederlage gegen Alistair Overeem zurück in Richtung Titel will, sucht Lewis nur einen spektakulären Knockout und einen entsprechend fetten Scheck.

Zu Beginn seiner Karriere noch als purer Schläger gefürchtet wie belächelt, hat Lewis sich seitdem zu einem Fan-Favoriten und echten Top-Schwergewicht gemacht. Nur dreimal in 24 Kämpfen ist Lewis über die Punkte gegangen, der Rest seiner UFC-Kämpfe endete mit K.o.-Siegen für ihn oder den Gegner.

Auch auf dem Vorprogramm dürfte es Action zu sehen geben. Im letzten Vorkampf des Abends werden sich im Bantamgewicht zwei Top-Talente gegenüberstehen. Tom „Fire Kid“ Duquesnoy (15-1-0(1)) schlug jahrelang hohe Wellen in Europa, bevor er mit einem technischen Knockout gegen Patrick Williams letzten April auch in der UFC sofortige Aufmerksamkeit sicherstellte.

Lediglich Makwan Amirkhani musste sich Duquesnoy in seinem fünften Profi-Kampf geschlagen geben. Seitdem ist der 24-Jährige unbesiegt, zwölf seiner 15 Siege hat er überdies vorzeitig eingefahren. Seinen Aufstieg will er nun gegen Cody „Spartan“ Stamann (15-1) fortsetzen.

Der 27-Jährige hat eine sehr ähnliche Bilanz. Auch Stamann musste sich auf halbem Weg auf die große Bühne einmal geschlagen geben, hat ansonsten aber seine restlichen 15 Kämpfe gewonnen, acht davon vorzeitig. Wer hier am Wochenende gewinnt, der dürfte 2018 als eines der am höchsten gehandelten Talente im Bantamgewicht beginnen.

Das Potential für ein Spektakel hat auch der Leichtgewichtskampf zwischen Bobby „King“ Green (23-8) und Lando „Groovy“ Vannata (9-2) inne. Green debütierte 2013 nach einigen Strikeforce-Kämpfen in der UFC und holte aus dem Stand vier Siege in Folge, u.a. gegen James Krause und Josh Thomson.

Seitdem ging es in Form von Niederlagen gegen Edson Barboza, Dustin Poirier und Rashid Magomedov jedoch bergab – diesen Trend will Green am Wochenende in Vegas stoppen.

Auch Lando Vannata muss dann zeigen, dass er frühe Lorbeeren noch immer rechtfertigen kann. Der erst 25-jährige „Groovy“ lieferte Tony Ferguson vergangenes Jahr als kurzfristig eingesprungener Ersatz einen höllischen Kampf, bevor er in der zweiten Runde eines der besten Kämpfe des Jahres mit einem D’Arce Choke erwischt wurde.

Mit einem Wheel Kick-Knockout gegen John Makdessi legitimierte Vannata den guten ersten Eindruck, bevor er im vergangenen Februar von David Teymur ausgepunktet wurde.


Anbei das gesamte Programm im Überblick:

UFC 216: Ferguson vs. Lee
Samstag, 7. Oktober 2017
T-Mobile Arena in Las Vegas, Nevada, USA

Interims-Titelkampf im Leichtgewicht (ran Fighting/SKY)
Tony Ferguson vs. Kevin Lee

Titelkampf im Fliegengewicht (ran Fighting/SKY)
Demetrious Johnson (c) vs. Ray Borg

Hauptprogramm (ran Fighting/SKY)
Fabrício Werdum vs. Derrick Lewis
Mara Romero Borella vs. Kalindra Faria
Beneil Dariush vs. Evan Dunham

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Tom Duquesnoy vs. Cody Stamann
Matt Schnell vs. Marco Beltrán
Bobby Green vs. Lando Vannata
Pearl Gonzalez vs. Poliana Botelho

Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass)
Walt Harris vs. Mark Godbeer
John Moraga vs. Magomed Bibulatov
Thales Leites vs. Brad Tavares