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UFC 206: Wenige große Namen, aber jede Menge potentielle Kracher

Bitter: Aufgrund von Anthony Pettis' (r.) Gewichtsproblemen kann in Toronto nur Max Holloway den Interims-Gürtel im Federgewicht gewinnen (Foto: UFC).

Gerade, als es so aussah, als wenn man den Karren aus dem Dreck gezogen hätte, schlitterte er wieder mitten rein: Nachdem die anfangs nicht allzu stark besetzte UFC 206 mit Namen wie Tim Kennedy und Donald Cerrone getuned wurde, sagte Daniel Cormier seine Titelverteidigung gegen Anthony Johnson verletzungsbedingt ab. Mit der Einführung eines Interims-Titels im Federgewicht sollte der neue Hauptkampf zwischen Max Holloway und Anthony Pettis noch schnell aufgewertet werden, bis Letzterer das Gewichtslimit verpasste und dem ohnehin schon halbierten Titelkampf noch einmal die Hälfte seiner Bedeutung nahm. Abseits allen Chaos am oberen Ende des Programms sind in Toronto noch eine ganze Reihe lohnender Duelle übriggeblieben.

Das Hauptprogramm von UFC 206 wird in Deutschland für einmalig 14,99 Euro von ran Fighting übertragen. Das Vorprogramm zeigt der UFC Fight Pass, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist.

Anbei die Startzeiten:
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Sonntag, 11. Dezember, 0:30 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Sonntag, 11. Dezember, 2 Uhr
Hauptprogramm (ran Fighting): Sonntag, 11. Dezember, 4 Uhr

Hauptkampf: Max Holloway vs. Anthony Pettis

Schlüsselübergabe? Noch vor wenigen Jahren, so Max „Blessed“ Holloway (16-3), hat man ihn mit Anthony „Showtime“ Pettis (19-5) verglichen. Spektakuläre Kicks, ein aggressiver Kampfstil, spontane Kreativität im Käfig: So unähnlich sind die beiden Action-Kämpfer sich tatsächlich nicht. An diesem Wochenende werden sie sich im direkten Duell messen.

Dabei steht dank der Absage Daniel Cormiers jetzt sogar ein Gürtel auf dem Spiel. Wie viel der Interims-Titel der Federgewichtsklasse wert ist, nachdem mit Conor McGregor der eigentliche Champion seines Gürtels entledigt wurde und der Mann, dem dieser den Gürtel abgenommen hat, selbst vom Interims- zum richtigen Meister befördert wurde, dürfte nicht nur wegen der völlig chaotischen Entwicklung dieser Geschehnisse fraglich sein.

Genauso fraglich wie die anscheinend vonseiten der UFC gemachte Annahme, erwähnter Interims-Titel würde irgendwen dazu verleiten, jetzt doch noch den Pay-per-View zu bestellen. Gerade nach dem Debakel beim Wiegen, zu dem Pettis übergewichtig erschien und der den Titel damit selbst im Falle eines Sieges nicht mehr gewinnen kann.

Dass der Gürtel aber ohnehin eher störende Begleiterscheinung als echte Bereicherung für den Kampf war, spricht Bände über dessen Güteklasse. Anthony Pettis mag inner- und außerhalb des Käfigs zuletzt häufiger mal Schwierigkeiten gehabt haben, bleibt aber noch immer einer der spektakulärsten Kämpfer der UFC. Und nach dem auf Niederlagen gegen Rafael dos Anjos, Eddie Alvarez und Edson Barboza folgenden Wechsel ins Federgewicht legte „Showtime“ im August gegen Charles Oliveira gleich wieder eine glänzende Leistung hin.

Max Holloway wird sich davon kaum beeindrucken lassen. Neun Siege in Folge hat der noch immer erst 25 Jahre alte Hawaiianer im Laufe der letzten drei Jahre in der UFC geholt, seine letzte Niederlage musste er nach Punkten gegen McGregor hinnehmen. Seitdem hat er reihenweise Top-Kämpfer besiegt, unter ihnen Cub Swanson, Jeremy Stephens und Ricardo Lamas.

Jetzt also bekommt “Blessed” seine längst überfällige Titelchance. Zwar nicht in der Form, die er sich schon lange verdient hat, aber immerhin: Wenn er am Samstag in Kanada die Zehn vollmacht, dann wird 2017 wohl doch noch José Aldo und damit der richtige Gürtel auf ihn warten. Auf Pettis nach dessen Verpassen des Gewichtslimits dagegen nicht mehr, selbst wenn er gewinnen sollte. Angesichts der letzten Leistungen der beiden Kämpfer vielleicht ohnehin die fairere Lösung einer ganz grundsätzlich merkwürdigen Situation.

Co-Hauptkampf: Donald Cerrone vs. Matt Brown

Manche Kämpfe müssen einfach früher oder später stattfinden, unabhängig vom aktuellen Sinn der jeweiligen Ansetzung. Donald „Cowboy“ Cerrone (31-7 (1)) gegen Matt „The Immortal“ Brown (20-15) ist einer dieser Kämpfe. Die Spitznamen verraten dabei schon alles, was man über das Duell wissen muss: Cerrone ist einer der wildesten Kämpfer der UFC; Brown einer der zähesten. Zusammen kann das in der Theorie nur für Feuerwerke sorgen.

Beide Kämpfer gehören in Zeiten eines über 500 Sportler starken Kaders, der stetig durchwechselt mittlerweile zur Alten Garde der Liga, und beide haben als solche ihre Höhen und Tiefen mitgenommen. Cerrone befindet sich gerade mitten in einem solchen Hoch, Brown dagegen macht seit einiger Zeit ein Formtief durch.

Acht Siege in Folge holte der begnadete Thaiboxer Cerrone zwischen 2013 und 2015 im UFC-Leichtgewicht und sicherte sich damit eine Titelchance gegen Rafael dos Anjos. Die setzte Cerrone in nur 66 Sekunden in den Sand, in bekannter „Cowboy“-Manier stand er aber knapp zwei Monate später schon wieder im Käfig, und das eine Gewichtsklasse höher. Seit dem Wechsel ins Weltergewicht hat Cerrone bestechende Form an den Tag gelegt – in vorzeitigen Siegen gegen Alex Oliveira, Patrick Coté und zuletzt Rick Story sah Cerrone jedes Mal besser aus.

Matt Brown dagegen schwächelt. Vier von fünf Kämpfen hatte er, der nach einer Heroin-Überdosis vor Jahren bereits einige Minuten lang klinisch tot war, Ende 2011 verloren, bevor er auch im Käfig ein Händchen für unerwartete Comebacks bewies und aus dem Nichts sieben Kämpfe in Folge gewann.

Das Gegner-Level, dass Brown sich damit ins Haus holte, tat seiner Bilanz allerdings nicht gut: Gegen Robbie Lawler, Johny Hendricks, Demian Maia und Jake Ellenberger verlor er seit Juli 2014, dazwischen gelang ihm nur ein, wenn auch beeindruckender, Sieg gegen Tim Means. In Toronto steht der „Unsterbliche“ also mit den Rücken zur Wand. Angesichts Browns bisheriger Karriere vielleicht nicht einmal die schlechteste Position für den hartgesottenen Veteranen.

Die restlichen Kämpfe von UFC 206

Einmal mehr enthält die UFC an diesem Wochenende ihren kanadischen Fans die großen Blockbuster-Kämpfe vor, der fünfte Besuch in Toronto, Ontario bietet dabei aber zumindest eine ganze Reihe Duelle, die auf dem Papier nach jeder Menge Spaß aussehen.

Allein der Rest des Hauptprogramms sollte sich lohnen: Mit Doo Ho „The Korean Superboy“ Choi (15-1) wird eines der vielversprechendsten und schlagstärksten Federgewichts-Talente mit Cub „Killer Cub“ Swanson (23-7) auf einen der gefährlichsten Veteranen treffen. Choi mag eher nach Schuljunge denn nach Superboy aussehen, wer ihn unterschätzt, findet sich aber schnell bewusstlos auf dem Rücken wieder: Zwölf seiner 15 Profi-Siege hat der Südkoreaner durch K.o. geholt, allein für seine drei aufeinanderfolgenden Knockouts in der UFC hat der 25-Jährige zwei Boni für die „Performance of the Night“ eingeheimst.

Swanson repräsentiert die Art von Gegner, die diesen Kampf für einen dritten Bonus prädestiniert: Der von Greg Jackson trainierte Kalifornier hat von José Aldo über Chad Mendes bis hin zu Frankie Edgar ein Who’s Who der MMA-Elite vor den Fäusten gehabt und kann in der UFC acht Siege vorweisen, die Hälfte davon durch Knockout.

Zuvor wird der frühere Special Forces-Sniper und jetzige TV-Darsteller sowie leidenschaftliche UFC-Kritiker Tim Kennedy (18-5) zum ersten Mal seit über zwei Jahren wieder in den Käfig steigen. Kennedy kehrte dem Sport den Rücken, nachdem Yoel Romero bei UFC 178 im September 2014 knapp eine halbe Minute zu lange in der Rundenpause verblieben war. Kurz zuvor hatte Kennedy ihn beinahe ausgeknockt. Dieses Schicksal erlitt ein sichtlich verärgerter Kennedy dann kurz nach dem verspäteten Start der Runde selbst. Kein schöner Abgang. Zuvor hatte der Strikeforce-Veteran u.a. Melvin Manhoef, Robbie Lawler und Michael Bisping geschlagen.

In Toronto wird er auf Kelvin Gastelum (12-2) treffen. Der Jungspund wurde 2013 bei der Teamauswahl für die 17. „The Ultimate Fighter“-Staffel als letzter gewählt und gewann daraufhin prompt das Turnier. In die Quere gekommen ist dem jungen Talent seitdem hauptsächlich seine eigene Disziplinlosigkeit in der Küche – zweimal hatte Gastelum bereits das Weltergewichtslimit verpasst, bevor Gewichts-Komplikationen vor seinem Duell gegen Donald Cerrone im vergangenen Monat diesen Kampf ganz platzen ließen. Strafversetzt ins Mittelgewicht, wird der 25-Jährige sich die Gunst seiner Bosse am Wochenende mit einem starken Kampf wiederholen müssen.

Abgerundet wird das Hauptprogramm von einem Weltergewichtskampf zwischen Jordan „Young Gun“ Mein (29-10) und Emil „Valhalla“ Weber-Meek (8-2-1(1)). Mein trat nach einer Niederlage gegen Thiago Alves vergangenes Jahr vom Sport zurück, nachdem er sich mit knapp vierzig Kämpfen im Alter von 26 Jahren als einer der jüngsten Veteranen des Sports etabliert hatte.

In seiner Rückkehr trifft er auf den norwegischen UFC-Debütanten Meek, der im Mai bei Venator FC in Italien mit einem schnellen K.o. gegen Beinhebel-Spezialist Rousimar Palhares für Furore sorgte. Von seinem ersten Octagon-Auftritt scheint die UFC sich eine ähnlich spektakuläre Show zu erhoffen – mit Mein als Gegner sicherlich kein allzu weit hergeholter Plan.

Auch das Vorprogramm bietet einige interessante Ansetzungen. Besonders hervorgehoben seien hier der letzte Vorkampf sowie der Hauptkampf der Fight Pass-Portion des Events.

Im Halbschwergewicht werden mit Nikita „The Miner“ Krylov (21-4) und Misha Cirkunov (12-2) zwei aufstrebende Talente aufeinandertreffen. Krylov debütierte mit zwei Niederlagen in seinen ersten drei Kämpfen in der UFC, hat seitdem jedoch einen beeindruckenden Lauf hingelegt: Fünfmal in Folge hat der Ukrainer gewonnen, zuletzt schickte er den Veteranen Ed Herman bei UFC 201 mit einem Headkick Schlafen.

In Toronto wird er nun auf Misha Cirkunov treffen. Der gebürtige Lette lebt seit einigen Jahren in Kanada, wo er den Großteil seiner MMA-Kämpfe bestritten hat. So auch zwei seiner bisherigen drei UFC-Auftritte, die er allesamt vorzeitig gewinnen konnte.

Am Ende der Fight Pass-Übertragung erwartet Fans außerdem ein Leckerbissen im Leichtgewicht. Für Lando „Groovy“ Vannata (8-1) war es gewohnte Praxis, als er im Sommer seinen nächsten Kampf ohne allzu viel Vorbereitungszeit annahm. Der einzige Unterschied zu sonst: dieses Mal ging es um einen Co-Hauptkampf in der UFC, gegen Top-Leichtgewicht Tony Ferguson. Vannata, ein Trainingspartner von Jon Jones, Alistair Overeem und Donald Cerrone, nahm an und knockte Ferguson beinahe aus, bevor er den durchgehend spektakulären Kampf in der zweiten Runde durch Aufgabe verlor.

Nun nach eigenen Angaben zum ersten Mal in seiner Karriere mit einem vollen Trainingscamp im Rücken wird „Groovy“ bei UFC 206 auf John „The Bull“ Makdessi (14-5) treffen. Der Kanadier mit libanesischen Wurzeln hatte im Laufe der letzten sechs Jahre gute und schlechte Tage in der UFC, zuletzt konnte der Kickbox- und Taekwondo-Experte im Juli Mehdi Baghdad schlagen. Gegen den wilden Vannata darf man sich wohl einige spannende Schlagwechsel aus Toronto erwarten.

Anbei das gesamte Programm im Überblick:

UFC 206: Holloway vs. Pettis
Samstag, 10. Dezember 2016
Air Canada Centre in Toronto, Ontario, Kanada

Interims-Titelkampf im Federgewicht (ran Fighting)
Max Holloway vs. Anthony Pettis

Hauptprogramm (ran Fighting)
Donald Cerrone vs. Matt Brown
Cub Swanson vs. Doo Ho Choi
Tim Kennedy vs. Kelvin Gastelum
Jordan Mein vs. Emil Weber Meek

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Nikita Krylov vs. Misha Cirkunov
Olivier Aubin-Mercier vs. Drew DOber
Valérie Létourneau vs. Viviane Pereira
Mitch Gagnon vs. Matthew Lopez

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
John Makdessi vs. Lando Vannata
Jason Saggo vs. Rustam Khabilov
Zach Makovsky vs. Dustin Ortiz