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UFC 204: Bisping verteidigt Titel in Thriller, Mousasi und Manuwa lassen es krachen

Michael Bisping holte sich vor heimischer Kulisse seine Revanche gegen Dan Henderson (Foto: Florian Sädler).

Der erste UFC-Pay-per-View-Event Europas bot Action en masse, den Abgang einer Legende und die Geburt neuer Stars. Von elf Kämpfen gingen lediglich zwei über die volle Distanz, der Rest endete in teils furiosen Knockouts und brillanten Aufgabegriffen. Trotz der unkomfortablen Startzeit um Mitternacht Ortszeit blieb die Energie in der Manchester Arena dadurch bis zum Titelkampf morgens um fünf durchgehend auf der Höhe.

Michael Bisping vs. Dan Henderson

Auch gegen fünf Uhr morgens war in der Halle keine Müdigkeit zu spüren, als zunächst „Made in America“ und dann „Song 2“ von Blur durch die Arena tönten. Zu Beginn des Rückkampfes zwischen Dan Henderson und Michael Bisping erreichte die Spannung einen Siedepunkt, im Kampf dagegen blieben die beiden alten Rivalen zunächst ein wenig vorsichtig.

Gegen Ende der Runde kam dann allerdings die gefürchtete Schrecksekunde für die englischen Fans: Henderson landete seine berüchtigte „H-Bomb“ an Bispings Kinn, der rücklings auf die Bretter ging, allerdings noch bei Bewusstsein. Henderson setzte nach, Bisping allerdings verteidigte, kam zu Sinnen und dann wieder auf die Beine, und die Halle tobte.

Die zweite Runde begann zunächst verhaltener – Bisping schien vorsichtig, Henderson müde. Als das Tempo wieder anstieg, dauerte es nicht lange, bis Henderson erneut die Rechte voll auf die zwölf landete. Bisping ging wieder runter, überstand aber abermals den Rundenrest, was die Halle einmal mehr zum Toben brachte.

Runde drei verlief vergleichsweise ereignislos. Bisping war die meiste Zeit über im Vorwärtsgang unterwegs und dort aktiv wie von ihm gewohnt, konnte Henderson jedoch nie ernsthaft in Gefahr bringen. Ähnlich der vierte Durchgang, in dem Henderson einige überraschend schnelle Angriffe startete, denen der frischere Bisping jedoch ausweichen konnte.

Für die wohl letzte Runde seiner Karriere schien Henderson sich noch eine Kraftreserve aufgespart zu haben, denn der Veteran fuhr erneut schnelle Attacken mit Schlägen und Kicks. Bisping allerdings brachte sich erneut stets rechtzeitig aus der Gefahrenzone und schaltete danach meist direkt zruück in den Vorwärtsgang. Zwar war das weiter eher der 1. als der 2. oer 3.,

Eineinhalb Minuten vor Schluss gelang Ringer-Olympionike Henderson noch ein Takedown, Bisping jedoch kam innerhalb einer halben Minute zurück auf die Beine und machte dort weiter, wo er aufgehört hatte: nach vorne Druck zu machen, u.a. mit Spinning Kicks und einem eingesprungenen Kniestoß, woraufhin Henderson mit einer Fassrolle in die Guard konterte, die jedoch keinen Erfolg brachte. Nach fünf Runden schließlich ging das hitzige Duell an die Punktrichter, die den Gürtel in Manchester beließen.

„Natürlich schlägt Dan Henderson hart zu (…)“, so Bisping. „Aber ich fühle mich sehr gut, ich erinnere mich an den ganzen Kampf (…). Es war knapp, aber es ist eben nie einfach. Wenn es einfach wäre, würde es jeder machen. Bis zum nächsten Mal. Gott segne England.“
Michael Bisping bes. Dan Henderson einstimmig nach Punkten (48:47, 48:47, 48:46)

Vitor Belfort vs. Gegard Mousasi

Die Fans in Manchester wurden am frühen Sonntagmorgen Zeuge von Vitor Belforts Abgang aus der Elite des UFC-Mittelgewichts. Die erste Runde seines Kampfes gegen Gegard Mousasi über blieben beide Kontrahenten verhalten, bis auf einzelne schnelle Kombinationen und Kicks sowie viel Bewegung über die gesamte Fläche des Octagons passierte in den ersten fünf Minuten nicht allzu viel.

Auch in Runde zwei ging Mousasi zunächst methodisch vor, bis er einen harten Headkick landete, der Belfort rückwärts an den Zaun trieb. Dort entlud Mousasi eine furiose Schlagsalve, der Belfort jedoch standhielt, bis Mousasi ihn zu Boden drängte und dort erst mit Groundandpound weitermachte, dann nach der Submission suchte und zurück zum Groundandpound wechselte, mit dem er seinen dritten Sieg in Folge und den fünften in den letzten sechs Kämpfen offiziell machte.

„Ein Finish ist immer besser, das wollen die Fans sehen“, so Mousasi anschließend hinter den Kulissen. „Ich glaube, ich habe einen perfekten Sieg geholt – ein perfekter Sieg, Baby.“
Gegard Mousasi bes. Vitor Belfort via T.K.o. (Schläge) nach 2:43 in Rd. 2

Ovince Saint Preux vs. Jimi Manuwa

Im Halbschwergewicht blieben die erhofften Feuerwerke zwischen Ovince Saint Preux und Jimi Manuwa aus. Stattdessen entwickelte sich zwischen den beiden schlagstarken Top-Ten-Kämpfern in der ersten Runde ein Clinch- und Grapplingkampf, den Manuwa mit einem Guillotine Choke scheinbar beinahe beendet hätte.

In Runde zwei spielte sich das Geschehen dann im Stand ab, wo Manuwa zusehends mit Haken und Tritten traf. Mit einer Rechten stellte der Poster Boy seinen Gegner schließlich auf wacklige Beine, bevor ein linker Haken den Sack zumachte und Manuwas bis dato größten UFC-Sieg besiegelte.

„Meine ganze harte Arbeit hat sich ausgezahlt“, so Manuwa. „Ich sollte jetzt in der Top Five sein, und das ist ein tolles Gefühl.“
Jimi Manuwa bes. Ovince Saint Preux via K.o. (Schläge) nach 2:38 in Rd. 2

Stefan Struve vs. Daniel Omielanczuk

Im Duell zwischen dem größtem und einem der kleinsten Schwergewichte der UFC gelang es Daniel Omielanczuk, den „Skyscraper“ Stefan Struve einige Male mit wilden Schwingern zu treffen, der allerdings verlagerte den Kampf gegen Mitte der ersten Runde recht problemlos auf den Boden.

Dort verteidigte Omielanczuk zunächst gut, bis er in Runde zwei im von ihm selbst initiierten Clinch wieder auf die Matte geworfen wurde und dort wenig später im D’Arce-Choke abklopfen musste. Struve ist damit der erste Kämpfer, der den taffen Polen vorzeitig besiegen konnte und hat nun drei seiner letzten vier Kämpfe gewonnen.

„Vor dem Kampf wusste ich, dass ich ihn zum Abklopfen zwingen würde, wenn es auf den Boden geht“, so Struve. „Der D’Arce-Choke ist einer meiner Favoriten.“
Stefan Struve bes. Daniel Omielanczuk via 1:21 nach D’Arce-Choke in Rd. 2

Mirsad Bektic vs. Russell Doane

Top-Talent Mirsad Bektic überbrückte im ersten Kampf des Hauptprogramms nach eineinhalb Jahren Verletzungspause schnell die Distanz gegen den kurzfristig eingesprungenen Ersatzgegner Russell Doane und sicherte sich kurz darauf dessen Rücken.

Von dort aus arbeitete Bektic geduldig auf den Rear Naked Choke hin und zog den Griff 38 Sekunden vor Ende der ersten Runde zu. Noch immer ungeschlagen, steht Bektic damit in der UFC bei 4-0. „Ich war so lange ein Talent, jetzt bin ich keines mehr“, so Bektic nach seinem Sieg. „Ich bin ein Contender.“
Mirsad Bektic bes. Russell Doane via Rear Naked Choke nach 4:22 in Rd. 1

Brad Pickett vs. Iuri Alcantara

Den letzten Vorkampf der Nacht begann Iuri Alcantara im Bantamgewicht mit harten Attacken im Stand – Kicks und Schläge und kurz darauf ein eingedrehter Ellbogen, der Pickett zum Taumeln brachte. „Marajo“ setzte nach und schlug Pickett mit einer Links-Rechts-Kombo nieder.

Auf dem Boden setzte Alcantara zunächst zum Armbar an und wechselte in den Triangle Choke, als Pickett im Begriff war, sich aus dem Armhebel herauszudrehen. Ein tadelloser Sieg für Iuri Alcantara. „Ich fühle nur die pure Freude“, so der Brasilianer m Anschluss an seinen Triumph. „Das war mein Plan und er hat funktioniert: den Kampf schnell zu beenden.“
Iuri Alcantara bes. Brad Pickett via Triangle Choke nach 1:59 in Rd. 1

Davey Grant vs. Damian Stasiak

Im Bantamgewicht brauchte Damian Stasiak keine halbe Minute, um Davey Grant auf die Matte zu drängen. Der kam zurück auf die Beine, tauschte mit Stasiak einige gedrehte Kicks und Schläge aus und beförderte diesen dann seinerseits auf den Rücken, bevor auch Stasiak zurück auf die Beine kam. Gegen Ende der Runde gelang dann Stasiak ein weiterer Takedown.

In den zweiten fünf Minuten drehte Grant auf und landete einige harte Kicks und Schläge, die Stasiak mit weitestgehend erfolglosen Takedownversuchen zu beantworten versuchte. Zwar bekam er Grant einige Male zu packen und konnte ihn sogar zwischenzeitlich auf die Matte ziehen, von wo Grant allerdings gut verteidigte oder wieder zurück auf die Beine kam.

In Runde drei versuchte Stasiak weiter, unter Grants Schlägen abzutauchen und sicherte sich so mit drei Minuten auf der Uhr einen weiteren Takedown. Grant schaffte es, sich herauszudrehen, Stasiak allerdings setzte von unten blitzschnell zum Armbar an. Grant versuchte noch, zu verteidigen, gab dieses Vorhaben aber schnell mit schmerzverzerrtem Gesicht auf.

Den Tap allerdings bekam der Ringrichter auf der falschen Seite stehend nicht mit, sodass Stasiak den Kampf nach mehrfachem Abklopfen seines Gegners eigenständig abbrach. Der zweite vorzeitige UFC-Sieg in Folge für den Polen. „Ich freue mich auf meinen nächsten UFC-Kampf“, so Stasiak. „Gegen wen ich als nächstes kämpfe, ist nicht wichtig.“
Damian Stasiak bes. Davey Grant via Armbar nach 3:56 in Rd. 3

Leon Edwards vs. Albert Tumenov

Im Duell zweier Standspezialisten tauschten die beiden Weltergewichte Leon Edwards und Albert Tumenov zunächst einzelne, schnelle Schläge aus, bevor Edwards es schaffte, seinen Gegner per Trip auf die Matte zu befördern, wo er sich in die Side Control vorarbeitete. Zwischenzeitlich bekam „Rocky“ dann sogar den Rücken von „Einstein“, konnte dort jedoch nicht viel ausrichten.

Runde zwei dagegen spielte sich durchgehend auf den Beinen ab, wo Tumenov zunehmend mehr Erfolg mit einzelnen Attacken und gelegentlichen Schlagsalven fand, während Edwards Schwierigkeiten hatte, seinen Gegner zu erreichen. Während der letzten fünf Minuten verlagerte der Brite sich daher wieder auf den Takedown und bekam diesen beim zweiten Versuch. Schnell arbeitete sich Edwards erneut auf den Rücken vor und holte sich von dort den Rear Naked Choke, in dem Tumenov im zweiten Kampf in Folge abklopfen musste.

„Es war ein harter Kampf“, so Edwards nach dem Kampf. „Albert ist einer der besten Standkämpfer der Gewichtsklasse, aber ich bin in dem Wissen da rausgegangen, dass ich ihn überall schlagen kann.“
Leon Edwards bes. Albert Tumenov via Rear Naked Choke nach 3:01 in Rd. 3

Lukasz Sajewski vs. Marc Diakiese

Newcomer Marc Diakiese wollte in seinem UFC-Debüt in der Heimatstadt keine Zeit verschwenden und drängte Lukasz Sajewski gleich nach Beginn des Kampfes in die Ecke, kassierte jedoch direkt einen Takedown und landete prompt in der Unterlage. Zurück auf den Beinen brachte der „Bone Crusher“ seinen Gegner mit einem Slam selbst auf die Matte und attackierte im Stand u.a. mit gedrehten Kicks und einem eingesprungenen Knie.

Auch der Rest des Duells spielte sich im Stand ab, wo Diakiese seinen Gegner zusehends mit Octagonkontrolle sowie mehr Autorität und Variabilität in den Attacken auf Abstand hielt. Sajewski hielt zwar mit eigenen Angriffen dagegen, Mitte des Durchgangs dann kam der Debütant jedoch einige Male sauber durch und stellte Sajewski am Zaun mit (Aufwärts-) Haken und Kniestößen, bis der Ringrichter dazwischen ging.

„Das ist das beste Gefühl der Welt“, so Diakiese nach seinem Sieg. „Ich habe so hart für diesen Moment gearbeitet. Jetzt ist er hier und ich fange an, ihn zu genießen.“
Marc Diakiese bes. Lukasz Sajewski via T.K.o. (Schläge) nach 4:40 in Rd. 2

Danny Roberts vs. Mike Perry

Im Fight Pass-Hauptkampf von UFC 204 gingen im Weltergewicht Danny Roberts und Mike Perry von Beginn an nach vorne und suchten vornehmlich mit den Fäusten den Knockout. Lokalmatador Roberts schien dabei aus der Distanz mehr Erfolg zu haben, Perry allerdings brachte ihn schon in der ersten Runde mehrmals am Käfigzaun mit harten Schlagsalven in Bedrängnis. Kurz vor Ende der Runde brach Roberts sogar kurz im Schlaghagel ein, auf dem Boden verhinderte der Rundengong jedoch größeren Schaden.

Im zweiten Durchgang hatte Roberts von außen weiter soliden Erfolg mit langen Schlägen, wurde gegen Ende der Runde jedoch übermütig und rannte in einen Konter Perrys, der ihn auf wacklige Beine stellte, bevor Perry ihn auf den Boden zwang und dort hartes Groundandpound losließ. Erneut verhinderte jedoch das Rundenende, dass Perry einem Abbruch nahekommen konnte.

In Runde drei ein ähnliches Spiel: Perry schien gelegentlich Probleme mit der Distanz zu haben und wurde vom Ende der langen Geraden und Headkicks von Roberts getroffen. Auch hier allerdings wurde Roberts übermütig und rannte erneut in einen Konter – einen Kniestoß und eine präzise Rechte später fand er sich bewusstlos auf dem Rücken wieder. Erst auf halbem Weg durch Perrys Octagon-Interview schaffte „Hot Chocolate“ es mit fremder Hilfe zurück auf den Hocker und wankte später gestützt durch seinen Trainer zurück Richtung Umkleide.
Mike Perry bes. Danny Roberts via K.o. (Knie und Schläge) nach 4:40 in Rd. 3

Leonardo Santos vs. Adriano Martins

Eröffnet wurde die Nacht im Leichtgewicht zwischen Leonardo Santos und Adriano Martins. Die beiden Brasilianer legten ein verhaltenes Duell hin, bei dem die meiste Zeit über lediglich einzelne Schläge und gelegentliche Kicks ausgetauscht wurden. Nicht das, was die schon zum ersten Kampf zahlreich erschienenen Zuschauer sich erhofft hatten, die den Mangel an Action mit anhaltenden Buhrufen quittierten. In der dritten Runde zog Martins im Vorwärtsgang ein wenig das Tempo an, was aber nicht reichte, um alle Punktrichter von sich zu überzeugen. „Ich bin so glücklich“, so Santos. „Alles, was ich im Training geübt habe, konnte ich heute tun.“
Leonardo Santos bes. Adriano Martins geteilt nach Punkten (29:28, 28:29, 29:28)

Anbei die Ergebnisse im Überblick:

UFC 204: Bisping vs. Henderson 2
Samstag, 8.10.2016
Manchester Arena in Manchester, England


Titelkampf im Mittelgewicht
Michael Bisping bes. Dan Henderson einstimmig nach Punkten (48:47, 48:47, 48:46)

Hauptprogramm
Gegard Mousasi bes. Vitor Belfort via T.K.o. (Schläge) nach 2:43 in Rd. 2
Jimi Manuwa bes. Ovince Saint Preux via K.o. (Schläge) nach 2:38 in Rd. 2
Stefan Struve bes. Daniel Omielanczuk via 1:21 nach D’Arce-Choke in Rd. 2
Mirsad Bektic bes. Russell Doane via Rear Naked Choke nach 4:22 in Rd. 1

Vorprogramm
Iuri Alcantara bes. Brad Pickett via Triangle Choke nach 1:59 in Rd. 1
Damian Stasiak bes. Davey Grant via Armbar nach 3:56 in Rd. 3
Leon Edwards bes. Albert Tumenov via Rear Naked Choke nach 3:01 in Rd. 3
Marc Diakiese bes. Lukasz Sajewski via T.K.o. (Schläge) nach 4:40 in Rd. 2
Mike Perry bes. Danny Roberts via K.o. (Knie und Schläge) nach 4:40 in Rd. 3
Leonardo Santos bes. Adriano Martins geteilt nach Punkten (29:28, 28:29, 29:28)