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UFC 173: Barao, Henderson, Cormier, Lawler, Ellenberger in Aktion

Das Konstrukt hat gewackelt und ist beinahe ganz in sich zusammengefallen, aber schlussendlich ist doch noch etwas mehr als Ansehnliches dabei herausgekommen – trotz etlicher Verletzungen haben Joe Silva und Sean Shelby mit UFC 173 noch ein starkes Programm zum amerikanischen Memorial Day-Wochenende zusammenstellen können.

Zum einen wird Renan Barao versuchen, seinen 23. Sieg in Folge einzufahren und mit T.J. Dillashaw offiziell den ersten Herausforderer auf seinen unangefochtenen Bantamgewichtstitel in die Schranken zu weisen. Dillashaw nahm diese Chance mit wenig Vorbereitungszeit an, geht mit fünf Siegen in seinen letzten sechs Kämpfen aber mit einigem Momentum in den Kampf. Ebenfalls auf dem Hauptprogramm werden Dan Henderson und Daniel Cormier im Halbschwergewicht sowie Robbie Lawler und Jake Ellenberger im Weltergewicht zu sehen sein.

UFC 173 kann in Deutschland über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der zum monatlichen Abopreis von 7,99€ auf ufc.tv bezogen werden kann. Nach der Registrierung wird das Vorprogramm kostenlos übertragen, während das Hauptprogramm noch einmal 17,99€ (HD) bzw. 15,99€ (SD) kostet.

Renan Barao (c) vs. T.J. Dillashaw

Es hat lange gedauert, bis Renan „Barao“ Pegado (32-1 (1))  sich endlich als der unangefochtene Bantamgewichtstitelträger der UFC bezeichnen durfte. Seit dem 1. Februar gilt der Brasilianer aber nun als offizieller Champion - nachdem er sich mit einem Punktsieg gegen Urijah Faber bereits im Juli 2012 den Interimstitel sichern konnte, brachte ihm ein T.K.o. gegen „The California Kid“ nun auch den ‚echten’ Gürtel ein.

Der wegen des vermeintlich zu frühen Kampfabbruches etwas kontroverse zweite Kampf gegen Faber stellt für Barao den bisherigen Höhepunkt einer illustren Karriere dar – seit 33 Kämpfen ist der 28-Jährige aus Brasilien ungeschlagen. Mit einer Mischung aus Athletik, Schlagkraft, beinahe perfektem Timing und einem generell gut ausgeglichenen Kampfstil hat Barao in den vergangenen drei Jahren ordentlich aufgeräumt im UFC-Bantamgewicht. Schon nach seinem Debüt-Sieg gegen Cole Escovedo bei UFC 130 wurde Barao im Co-Hauptkampf von UFC 138 gegen Brad Pickett angesetzt. Barao lieferte sich im englischen Birmingham einige Minuten lang einen Schlagabtausch nach dem anderen mit dem Lokalmatadoren, bevor er ihn mit einem Kniestoß zu Boden beförderte und ihn im Rear Naked Choke abklopfen ließ. Diesem äußerst beeindruckenden Erfolg ließ Barao einen Punktsieg gegen Scott Jorgensen folgen, bevor er Urijah Faber bei UFC 149 zum ersten Mal schlug.

Da der eigentliche Champion, Dominick Cruz, auf absehbare Zeit verletzt bleiben würde, ließ die UFC Barao seinen Interims-Titel gegen Michael McDonald verteidigen, den er im Februar 2013 bei UFC London per Arm Triangle Choke zur Aufgabe zwang. Einer weiteren erfolgreichen Verteidigung gegen Eddie Wineland folgte dann im Februar der zweite Sieg gegen Faber, und nun muss sich Barao gegen einen Trainingspartner des populären Kaliforniers beweisen.

TJ Dillashaw (9-2) tauchte im Zuge der 14. „The Ultimate Fighter“-Staffel zum ersten Mal im Octagon auf. Mit einigen überzeugenden Siegen arbeitete der Team Alpha Male sich dort ins Finale vor, wo er jedoch von John Dodsons Schlagkraft und Schnelligkeit kalt erwischt wurde und zähneknirschend mit Ansehen musste, wie Dodson die TUF-Trophäe überreicht bekam.

Nicht umsonst heißt es jedoch, dass eine Niederlage einen guten Kämpfer stärker zurückkommen lässt, und Dillashaw ist der lebende Beweise für diese These. Dillashaw nahm Walel Watson , und dieser beeindruckenden Demonstration seines Ringer-Könnens folgte einige Monate später ein Aufgabe-Sieg gegen Vaughan Lee. Nach einer Verletzungspause kehrte Dillashaw im März 2013 wieder ins Octagon zurück, wo er Issei Tamura K.o. schlug, bevor er einen Monat später kurzfristig gegen Hugo Viana einsprang und auch ihn auf die Bretter schickte. Einen hochkarätigen Kampf gegen Raphael Assuncao verlor Dillashaw im vergangenen September zwar ultraknapp nach Punkten, bog im Januar mit einem Sieg gegen Mike Easton aber wieder auf die Siegerstraße ein. Da Assuncao wegen einer Verletzung nicht gegen Barao antreten konnte, bekommt nun Dillashaw in Las Vegas seine große Chance auf den Gürtel.

Dan Henderson vs. Daniel Cormier

Die beiden Co-Hauptkämpfer des Abends haben bereits einige ereignisreiche Monate im Jahr 2014 hinter sich – sowohl Dan „Hendo“ Henderson (30-11) als auch Daniel „DC“ Cormier (14-0) sind erst vor wenigen Monaten zum letzten Mal in den Käfig gestiegen.

Henderson ist eines der allgemein bekanntesten Gesichter des Sports. Seine Karriere begann er bereits im Jahr 1997 und trat seitdem beinahe ausschließlich für die prestigeträchtigsten Organisationen überhaupt an – sowohl bei Pride FC als auch bei Strikeforce und in der UFC sammelte „Hendo“ im Laufe der Jahre so einige denkwürdige Momente an und gewann u.a. gegen Fedor Emelianenko, Vitor Belfort oder Wanderlei Silva. Zuletzt lief es jedoch weniger gut für den Ringer mit der stahlharten Rechten – aufeinanderfolgende Niederlagen gegen Lyoto Machida, Rashad Evans und Vitor Belfort ließen den ersehnten Titelkampf gegen Jon Jones in Weite ferne rücken.

Für Henderson stellt dieser Kampf daher eine immense Chance dar – noch vor wenigen Monaten, oder eher Wochen, stand er kurz davor, endgültig als altes Eisen abgestempelt zu werden. Im Rückkampf gegen Mauricio „Shogun“ Rua, gegen den er bereits Ende 2011 in der Schlacht des Jahres gewonnen hatte, wurde „Hendo“ zunächst mehrfach niedergeschlagen, bevor er „Shogun“ mit seiner patentierten H-Bomb erwischte. Der Brasilianer schlug eine Rolle rückwärts und musste daraufhin vom Ringrichter vor größerem Schaden bewahrt werden.

Buchstäblich mit einem Schlag stand Henderson wieder weit oben in den Ranglisten, wird gegen Cormier jedoch als haushoher Underdog in den Kampf gehen. Zum einen gibt es eigentlich kaum eine realistische Möglichkeit, dass der 43-Jährige sich von dem Schaden, den er gegen Rua einstecken musste, nach so kurzer Zeit bereits völlig erholt hat. Zum anderen wurde die von Henderson seit Jahren genutzte, kontroverse Testosteron-Ersatztherapie vor Kurzem von der Sportkommission des Staates Nevada verboten, er konnte im Training daher nicht auf die Extra-Energie aus der Spritze zurückgreifen. Und vor allem hat Daniel Cormier in den letzten Jahren einfach sehr gut ausgesehen...

Der Trainingspartner von Cain Velasquez in der American Kickboxing Academy in San José gewann 2011 zunächst den Strikeforce Schwergewichts-Grandprix, bevor er auch in der UFC mit Siegen gegen Frank Mir und Roy Nelson schnell Erfolge sammelte. Nach dem Kampf gegen Nelson wechselte „DC“ ins Halbschwergewicht, wo er im Februar eigentlich auf Rashad Evans treffen sollte. „Suga“ verletzte sich jedoch am Knie und musste absagen, sodass der UFC-Neuling Pat Cummins kurzfristig einsprang. Cormier erledigte seinen Job bei UFC 170 mit einem schnellen K.o., konnte sich mit diesem Sieg gegen einen Kämpfer außerhalb jeglicher Ranglisten aber natürlich keinen Titelkampf sichern. Am Samstag dagegen wird ihm in Form von Dan Henderson sein erster wirklich harter Test in seiner neuen Gewichtsklasse bevorstehen – falls Cormier an „Hendo“ und seiner H-Bomb vorbeikommt, könnte er sich damit zum nächsten Titelherausforderer nach Alexander Gustafsson machen.

Robbie Lawler vs. Jake Ellenberger

In der weit offenen Weltergewichtsklasse ist momentan so ziemlich alles möglich, und so könnten sich sowohl Robbie „Ruthless“ Lawler 22–10 (1) als auch Jake „The Juggernaut“ Ellenberger (29-7) mit einem beeindruckenden Sieg trotz Niederlagen in ihrem jeweils letztem Kampf in unmittelbare Titelnähe manövrieren.

Lawler unterdessen hatte gerade erst seine Chance auf den Gürtel, und diese Tatsache alleine ist eine Erfolgs-Story für sich. Der mittlerweile 32-Jährige war bereits 2002 in der UFC zu sehen, bevor er eine Jahre andauernde Tour durch die verschiedensten Organisationen antrat und dort mal mehr, mal weniger Erfolg hatte. Noch vor etwas zwei Jahren zumindest hatte die MMA-Welt ihn als ernstzunehmenden Titelkandidaten längst abgeschrieben, nachdem Lawler bei Strikeforce gegen Lorenz Larkin und Tim Kennedy verloren hatte.

Sein zweites Debüt in der UFC gewann Lawler jedoch im Februar 2013 durch K.o. gegen Josh Koscheck und zog damit erste Blicke auf sich. Ein weiterer Knockout gegen Bobby Voelker ließ Lawlers Marktwert weiter steigen, aber vor allem sein Punktsieg gegen Rory MacDonald war es im November 2013, der ihn zurück ins Zentrum der Aufmerksamkeit bugsierte und ihm einen Kampf um Georges St-Pierres vakanten Weltergewichtstitel einbrachte.

Diesen verlor „Ruthless“ zwar im März denkbar knapp gegen Johny Hendricks nach Punkten, weit ist Lawler von seiner zweiten Chance nach dieser Leistung aber nicht entfernt. Am Samstag bekommt er gegen Jake Ellenberger die Chance, gleich wieder ins Titelrennen einzusteigen, aber auch der „Juggernaut“ ist entschlossen, noch vor Jahresende um den Gürtel kämpfen zu dürfen.

Ellenberger bekam in der UFC von Anfang an nichts geschenkt, so stand er in seinem Debüt gleich Carlos Condit gegenüber, gegen den er jedoch eine beeindruckende Show hinlegte, während der er Condit beinahe ausknockte und am Ende lediglich eine ultraknappe Punktentscheidung verlor. Vom Talent zum Star mauserte der „Juggernaut“ sich zwischen 2010 und 2012, als er fünf Kämpfe hintereinander gewann, u.a. gegen John Howard, Jake Shields und Diego Sanchez. Kurz vor dem Ziel ließ Ellenberger den Titelkampf jedoch aus den Fingern gleiten, als er im Juni 2012 von Martin Kampmann ausgeknockt wurde, nachdem er den Dänen zuvor selbst in ernsten Schwierigkeiten hatte.

Mit Siegen gegen Jake Hieron und Nate Marquardt brachte sich Ellenberger im Anschluss wieder ins Gespräch, erwischte dann gegen Rory MacDonald jedoch einen extrem schlechten Tag und wurde in einem unspektakulären Drei-Ründer ausgepunktet. Seitdem war der „Juggernaut“ verletzungsbedingt nicht mehr aktiv zu sehen, der prestigeträchtige Kampf gegen Lawler hat also eine Menge Bedeutung für Ellenberger: verliert er, dürfte es schwer werden, sich noch einmal als Titelherausforderer zu etabieren; gewinnt er, könnte eben dieser Titelkampf jedoch bereits in wenigen Monaten Realität werden.

Takeya Mizugaki vs. Francisco Rivera

Dieser Bantamgewichtskampf hat das Potential, den großen Stars den Bonus für den „Fight of the Night“ zu stehlen. Sowohl Takeya Mizugaki (19-7-2) als auch Francisco „Cisco“ Rivera (10-2 (1)) hatten in der UFC bisher ansehnlichen Erfolg und haben dabei für einige erinnerungswürdige Momente gesorgt.

Mizugaki, ein erfahrener WEC-Veteran, der im blauen Käfig bereits u.a. gegen Urijah Faber antrat, startete seine Karriere in der UFC eher wenig beeindruckend – Sieg und Niederlage wechselten sich einige Zeit lang ab, wobei er beinahe ausschließlich gegen Top-Leute verlor und seine restlichen Gegner deutlich dominieren konnte. Seit November 2012 jedoch hat der Japaner einen Lauf: Jeff Hougland, Bryan Caraway, Erik Perez und zuletzt Nam Phan mussten sich Mizugaki in den vergangenen Monaten geschlagen geben.

In Vegas wird er auf Francisco Rivera treffen. Rivera sorgt dank des Dynamits in seinen Fäusten regelmäßig für erinnerungswürdige Momente im Octagon, seine aktuelle Siegesserie ist aus irgendeinem Grund aber dennoch nicht allzu sehr beachtet worden. Unter anderem Edward Figueroa, George Roop und Roland Delorme brachen in den vergangenen zwei Jahren unter „Ciscos“ harten Fäusten ein, wobei der Sieg gegen Delorme nachträglich wegen eines positiven Marijuana-Tests entwertet wurde. Am Samstag bekommt Rivera zum ersten Mal die große Chance, auf einem Pay-per-View-Hauptprogramm zu beeindrucken und sich einen großen Schritt näher an einen Titelkampf zu manövrieren.

Jamie Varner vs. James Krause
Von diesem Leichtgewichtskampf darf man ebenfalls keinen unmittelbaren Titelkandidaten erwarten, dafür kann man sich auch hier einigermaßen sicher sein, dass es zwischen Jamie „C4“ Varner (21-9-1 (2)) und James Krause (20-5) ordentlich zur Sache gehen wird.

Varner, der bereits zwischen vor einigen Jahren kurzzeitig Teil der UFC war und später in die WEC wechselte, gewann im blauen Käfig den Titel, startete dann jedoch eine ausufernde Negativ-Serie, während der er u.a. seinen Gürtel gegen Ben Henderson verlor. Als die WEC von der UFC übernommen wurde, wurde der Veteran daher vor die Tür gesetzt und verlor auch in der regionalen Szene. Irgendetwas scheint Varner während dieser Zeit jedoch einen Tritt verpasst zu haben, denn nach diesem Tiefpunkt gewann er eine handvoll Kämpfe überzeugend und bekam im Mai 2012 die Chance, kurzfristig für einen Kampf gegen Edson Barboza in die UFC zurückzukehren, dessen Gegner sich verletzt hatte. Als haushoher Underdog sorgte Varner an jenem Abend für eine faustdicke Überraschung, als er den Thaibox-Experten Barboza ausknockte und ihn damit als erster Kämpfer überhaupt in der UFC besiegte.

Seit diesem Triumph lief es mal besser und mal schlechter für Varner – einer Aufgabe-Niederlage in einem Kandidaten für den Kampf des Jahres gegen Joe Lauzon folgte ein Punktsieg gegen Melvin Guillard, eine Punktniederlage gegen Gleison Tibau und im Februar eine Schlacht gegen Abel Trujillo, die Varner schließlich durch K.o. verlor.

James Krause ist ebenfalls ein Veteran, der jedoch weit weniger bekannt ist als sein Gegner. Krause war vor einigen Jahren bereits zwei Mal in der WEC zu sehen, wo er sich jedoch Ricardo Lamas und Donald Cerrone geschlagen geben musste. Ein kurzer Auftritt im „The Ultimate Fighter“-Haus brachte ebenfalls nicht die gewünschten Ergebnisse, da er gleich seinen ersten Kampf recht eindeutig verlor. Trotzdem zog Krause in den Folgejahren die Aufmerksamkeit von UFC-Matchmaker Joe Silva auf sich, der Krause kurzfristig einen UFC-Vertrag als Ersatz für einen verletzten Kämpfer anbot. Krause musste ablehnen, weil klar war, dass er das Gewicht nicht einmal ansatzweise schaffen würde.

Wenig später wiederholte sich das gleiche Spiel – Krause sagte erneut ab, versprach aber, beim nächsten Mal ohne wenn und aber bereit zu sein. Das nächste Mal kam tatsächlich und Krause war mehr als bereit – bei UFC 161 zwang er Sam Stout im „Fight of the Night“ zur Aufgabe und sicherte sich damit obendrein auch noch den Bonus für die „Submission of the Night“.  Dieses Momentum konnte er jedoch nicht aufrecht erhalten, da mehrere unbeabsichtigte Tieftritte durch Bobby Green im November als T.K.o.-Sieg für Green gewertet wurden, als Krause nicht mehr weitermachen konnte. Nach diesem enttäuschenden Ergebnis darf man am Samstag wohl einen äußerst entschlossenen James Krause erwarten.

Anbei das gesamte Programm:

UFC 173: Barao vs. Dillashaw
Samstag, 23. Mai 2014
MGM Grand Garden Arena in Las Vegas, Nevada, USA

Bantamgewichtstitelkampf (UFC.tv)
Renan Barao (c) vs. T.J. Dillashaw

Hauptprogramm (UFC.tv)
Dan Henderson vs. Daniel Cormier
Robbie Lawler vs. Jake Ellenberger
Takeya Mizugaki vs. Francisco Rivera
Jamie Varner vs. James Krause

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Michael Chiesa vs. Francisco Trinaldo
Tony Ferguson vs. Katsunori Kikuno
Chris Holdsworth vs. Chico Camus
Al Iaquinta vs. Mitch Clarke
Anthony Njokuani vs. Vinc Pichel
David Michaud vs. Li Jing Liang
Sam Sicilia vs. Aaron Phillips