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The Ultimate Fighter: Europa vs. USA - Episode 3

Ein explosives Duo: Die konkurrierenden TUF-Trainer Urijah Faber und Conor McGregor (Foto: Zuffa LLC).

Im Juli und August dieses Jahres wurde in Las Vegas die 22. Staffel des „The Ultimate Fighter“-Formats abgedreht. 16 Kämpfer leben in einer Villa in Vegas und kämpfen untereinander einen Sieger aus, der anschließend einen Vertrag mit der UFC erhält: Dieses Format rettete die UFC 2005 mit vor der Pleite, 2015 ist nach knapp zwei Dutzend Staffeln zum ersten Mal ein rein europäisches Team am Start. In der aktuellsten Episode, die gestern ausgestrahlt wurde (in Deutschland zurzeit nicht verfügbar) stand mit Sascha Sharma der nach Nordin Asrih erst zweite Kämpfer aus der Bundesrepublik im TUF-Octagon.

Der Star der Show ist allerdings Conor McGregor – der UFC-Goldesel coacht die aktuelle Staffel gegenüber Urijah Faber. Während Faber sich um ein ausschließlich aus Amerikanern bestehendes Team kümmert, übernimmt McGregor die europäische Delegation.

Die Episode beginnt mit einer von McGregor geleiteten Trainingssession. Der Interimschampion im UFC-Federgewicht hatte gleich zu Beginn der sechswöchigen Dreharbeiten klargestellt, dass das ganze Konzept auf dem Erfolg des einzelnen basiert und nicht auf Teamgeist: „Ihr seid für euch selbst hier. Vergesst Team Europa und Team USA“, so McGregor zu seinem Team. Seine Motivation, den Trainerjob zu übernehmen, so der Ire, sei lediglich sein Trainingspartner Artem Lobov, der als Teil des europäischen Teams an Bord ist.

Im Trainingsalltag lebt McGregor diese Einstellung aus – der Headcoach taucht nur zu einem der zwei täglichen Trainings auf und überlässt den Rest seinem mitgebrachten Trainerstab. Generell vertraut McGregor im Training eher auf Drills als auf hartes Sparring, denn „die harten Runden solltet ihr schon hinter euch haben, als ihr hier angekommen seid.“

Und so drillt der Deutsch-Inder Sascha Sharma zusammen mit sieben anderen europäischen MMA-Talenten und dem irischen Trainerstab pausenlos den Clinch und Takedowns am Käfig, denn der 28-Jährige aus dem Stuttgarter Kongs Gym ist gegen den Amerikaner Chris Gruetzemacher angesetzt, der normalerweise mit Ex-UFC-Champion Ben Henderson in Arizona trainiert. Gruetzemacher ist ein zäher Grappler, weshalb Sharma im Anschluss an die Grappling-Drills noch jede Menge Runden an den Box-Pratzen einlegt – in der Theorie dürfte er also rundum gut vorbereitet sein…

Vor dem Kampf erzählen die beiden Kontrahenten von ihrem Weg ins TUF-Haus. Sharma, der als Kind wegen einer Infektion zeitweise an den Rollstuhl gefesselt war und sich nicht nur zurück auf eigene Beine, sondern zu einer soliden Bilanz als professioneller MMA-Sportler gekämpft hat, gibt zu, dass er nervös wird, bevor er in den Käfig steigt: „Aber es gibt, glaube ich, niemanden, dem das nicht so geht. Im Käfig fühle ich mich so lebendig wie sonst nirgends.“

Gruetzemacher dagegen ist einfach froh, dass er es bis hierhin geschafft hat: „Ich habe seit 10 Jahren auf diese Chance hintrainiert. Es hat lange genug gedauert, jetzt ist meine Zeit da.“

Chris Gruetzemacher (12-1) vs. Sascha Sharma (7-2)
Der Kampf startet, und Sharma sorgt mit einer soliden Boxkombination für den ersten Akzent. Trotz seiner Stärken im Faustkampf scheint Sharma allerdings nicht auf ein Duell im Stand aus zu sein und initiiert den Clinch. In dieser Position scheint der Stuttgarter seinem amerikanischen Gegner überlegen zu sein – Sharma geht dank teils harter Kniestöße zum Körper auf den Punktrichterzetteln in Führung.

Gruetzemacher schafft es zwar schließlich, seinen Gegner auf die Matte zu befördern, der allerdings aus der Unterlage zum Triangle Choke ansetzt. Für einen kurzen Moment sieht der vielversprechend aus, letztlich kann sich Gruetzemacher jedoch befreien. Sharma kommt zurück auf die Beine und sucht weiter Clinch und Takedown, am Ende ist es jedoch sein Gegner, der ihn auf den Rücken befördert.

Laut McGregor hat Sharma die Runde gewonnen, er solle sich allerdings von der Matte fernhalten und seinen Gegner im Stand und im Clinch bearbeiten. Sharma allerdings versucht recht früh in der Runde einen Takedown, den Gruetzemacher abwehrt, woraufhin Sharma sich in die Guard fallen lässt. Dort spielt sich auch der Großteil der restlichen Runde ab – Gruetzemacher mit Kontrolle aus der Oberlage, Choke-Versuchen und Groundandpound.

Die wenigen Situationen, in denen Sharma die Chance hat, zurück auf die Beine zu kommen, nutzt er trotz lautstarker Anweisungen McGregors nicht. Der Ire ist mittlerweile auf 180, unter seinen Achseln zeichnen sich orangengroße Schweißflecken ab – als Sharma einmal mehr eine Lücke verpasst, hat das den ersten von mehreren McGregor-Ausrastern zur Folge, der seine Designer-Sonnenbrille vor Zorn brüllend von außen gegen den Käfigzaun schmettert.

Trotz des desaströsen zweiten Durchgangs geht der Kampf in die entscheidende dritte Runde – Sharma hatte in den kurzen Sequenzen im Stand den größten Erfolg, versucht aber nach wenigen Sekunden, scheinbar am Ende seiner Kräfte, erneut einen Takedown. Gruetzemacher wehrt ab, Sharma liegt aus einem Cut im Gesicht blutend auf dem Rücken und McGregor gibt mit einem hilflosen „Was zur Hölle“ jede Hoffnung auf. Sharma übersteht den Rest der Runde, während McGregor ihn von außen als „Pussy“ bezeichnet, nach drei mal fünf Minuten besteht aber kein Zweifel daran, wer diesen Kampf gewonnen hat – Gruetzemacher bekommt die einstimmige Punktentscheidung zugesprochen.

Im Anschluss trifft sich das europäische Team in der Umkleide, und McGregor teilt seine wenig schmeichelhafte Einschätzung von Sharmas Leistung mit: „Du musst dich entscheiden, ob du das wirklich willst. Du hast nicht verloren, weil er besser war. Du hast verloren, weil du ihm den Sieg überlassen hast.“

Damit hat es auch weiterhin kein Deutscher aus der ersten Runde des Turniers hinausgeschafft. In der nächsten Episode wird der Pole Martin Wrzosek auf Tom Gallicchio aus dem amerikanischen Team treffen.