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"Takedown gegen Leon Edwards? Ich schlage härter und knocke ihn aus"

Bald auf Titelkurs? Peter Sobotta will mit einem Sieg bei UFC London in die Top 15 einziehen (Foto: Dorian Szücs).

Es läuft bei Peter Sobotta. Vier seiner letzten fünf UFC-Kämpfe hat der Balinger gewonnen, an diesem Wochenende wird er in London auf den gefährlichen Briten Leon Edwards treffen. Der Kampf wird die Richtung bestimmen, in die die Karriere des 31-Jährigen sich entwickelt. Gewinnt er, winken ein Platz im Weltergewichts-Ranking und Kämpfe gegen die ganz großen Namen. Verliert er, fängt er wieder von vorne an.

Wir haben uns vor dem größten Kampf seiner Karriere mit Deutschlands aktuell erfolgreichstem UFC-Kämpfer über Siegen, Scheitern und die Frage, wann man seriös werden sollte, unterhalten.

GNP1.de: Peter, du bist aktuell der erfolgreichste UFC-Kämpfer des Landes. Bist du bereit, in Deutschland der Fahnenträger des MMA-Sports zu werden?

Peter Sobotta: „Du, ich beschäftige mich gar nicht mehr so damit. Ich habe viel Zeit und Energie da reingesteckt, Akzeptanz für diesen Sport zu schaffen, und jetzt sind mal die anderen dran. Der Sport ist populärer geworden, die Akzeptanz ist da und viele wissen mittlerweile, worum es geht. Es hat sich viel getan und es gibt halt auch Leute, die das lieber machen als ich und da auch besser reinpassen. Außerdem lebe ich in meinem eigenen Kosmos. Ich lebe zwischen meiner Wohnung, dem Gym, den ganzen Arenen, Flughäfen und den Häusern von meinen Eltern und meinen Freunden. Also ich sehe nicht ganz so viel von der normalen Menschheit (lacht).“

Das hat für dich in diesem großen Stil vor neun Jahren angefangen, als die UFC zum ersten Mal nach Deutschland kam. Die Zeit damals war ja sehr heftig für dich, du musstest eine Dreifachbelastung aus Training, UFC-Promotion und Abschlussprüfung deiner Ausbildung bei der Telekom stemmen. Wie schwer war das mit 22 Jahren?

„Ich hab mir überlegt, die Ausbildung abzubrechen, aber irgendwie war dann doch die Stimme der Vernunft zu laut, und meine Unterstützer bei der Telekom haben halt auch gesagt, die unterstützen mich bei meiner Karriere in der UFC und ich solle bloß nicht die Ausbildung abbrechen. Mir haben da viele Leute auch unter die Arme gegriffen, aber unterm Strich war das sehr, sehr heftig, aber daran wächst man auch natürlich. Ich sag’s dir ganz ehrlich, ich gehe heute in meine Fights rein, die ja auf dem Papier viel größer sind und bald zehn Jahre später, und denke mir so: Das ist ja gar nichts. Kein Vergleich zu früher. Das war früher so ein riesiger Berg, vor dem ich stand und dachte: Boah, da muss ich jetzt hoch.“

Auch dein restlicher erster Lauf war dann nicht erfolgreich, nach drei Niederlagen bist du rausgeflogen. Wie bewertest du die ganze frühe UFC-Erfahrung im Rückblick?

„Dass ich (so früh in die UFC) reingekommen bin, hat mich sehr, sehr überrascht. Tim (Leidecker, Sobottas Manager, d. Red.) hat mich angerufen und mir erzählt, dass er einen Vertrag da liegen hat, und ich so: Was? Das glaube ich erst, wenn ich es sehe. Ich war ein ambitionierter Kämpfer, ich hab’s geliebt und ich war auch gut darin, aber ich war nicht so weit. Ich hab das damals natürlich nicht gewusst. Sowohl persönlich als auch körperlich als auch technisch. Ich war nicht so weit, um da mithalten zu können (…). Die Jungs dort haben mir meine Grenzen aufgezeigt. Wenn sowas passiert, dann hast du zwei Optionen. Du kannst entweder aufgeben, oder man kann sagen: Scheiß drauf, ich trainiere jetzt härter, ich mache die vernünftigen Anpassungen, komme besser zurück und zeige allen, dass ich da doch mithalten kann. Ich hab mich dann für die zweite Option entschieden.“     

Das hat dann ja auch funktioniert. Als du in der UFC debütiert hast, warst du der unerfahrene Jungspund, heute gehörst du im ständig durchwechselnden Kader zu den Veteranen und bist außerdem quasi ein Pionier, was die deutsche Vertretung in der UFC angeht. Hast du diesen Wandel bewusst mitbekommen oder hast du irgendwann einfach realisiert, dass du plötzlich schon eine Art Alter Hase bist?

„Ich muss sagen, 30 Jahre alt zu werden, das war für mich so ein richtiger Meilenstein. Ich habe mir immer gesagt, mit 30 werde ich seriös. Und das war für mich tatsächlich eine Zeit der Veränderung. Ich bin wirklich mit 30 seriöser geworden und habe mir gedacht, wenn ich so auf mein Leben und meine Karriere zurückblicke, da hab ich schon einiges hinter mir. Ich habe da irgendwie angefangen, mich eher als Veteranen oder als Alten Löwen oder als was auch immer zu sehen. Das ist so um den 30. Geburtstag passiert bei mir.“
 
Mal angenommen, du hättest Seriosität so definiert, dass du dich vom Kämpfen im Käfig fernhältst. Hättest du auch in einem normalen Bürojob glücklich werden können?

„Ich glaube nicht. Wie gesagt, mich hat’s schon in jungen Jahren dahingezogen, und ich hatte immer diese zwei Leben. Familienleben, sonntags in die Kirche gehen, aber dann halt auch samstagabends in den Ring steigen, sich irgendwo in Ostdeutschland mit irgendwelchen Viechern prügeln, um dann am Montag in die Schule zu gehen. Ich hab das schon immer gebraucht, diesen Adrenalinstoß. Hätte ich einen normalen Beruf eingeschlagen, hätte ich auch noch so etwas Ähnliches gemacht, um mir den Kick abzuholen. Ich wäre mit Sicherheit nicht so glücklich wie jetzt. Und, rückbetrachtend, ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, einen normalen Beruf zu haben. Das ist für mich aktuell unvorstellbar, morgens um sieben aufzustehen, normal arbeiten zu gehen. Das ist natürlich schwer, so nach so vielen Jahren, wo ich nur Kampfsport mache.“

Zum Glück hast du ja außerhalb des Octagons vorgesorgt. Du führst zum Beispiel seit einigen Jahren dein eigenes Gym, das sehr gut läuft.

 „Glücklicherweise war ich vernünftig genug, schon relativ früh damit anzufangen, ein zweites und ein drittes Standbein aufzubauen. Ich habe zu einer Zeit gekämpft, in der es unvorstellbar war, Geld damit zu verdienen. Das war wirklich ein Underground-Sport. In meinem Kopf war nie: Boah, damit werde ich reich, damit mache ich Kohle. Da war immer der Gedanke: Wer ist der beste Kämpfer, beziehungsweise: Ich will der beste Kämpfer werden. Mit anderen Sachen verdiene ich mittlerweile mehr Geld als mit dem Kämpfen. Ich mache das wirklich nur noch, weil ich es gerne mache und weil ich sehen will, wie weit ich kommen kann. Dass ich jetzt viel Geld damit verdiene, ist ein positiver Nebeneffekt und macht mein Leben natürlich einfacher, aber ich bin heute glücklicherweise nicht an so einem Punkt, an dem ich kämpfen muss, um damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich habe mein Gym, ich gebe Seminare, ich bin sogar mittlerweile als Speaker unterwegs und halte manchmal Vorträge. Ich sage mal so, das ist leichter verdientes Geld als im Octagon. Aber die Challenge und dieser Adrenalinkick, den man im Octagon hat, der ist einfach unvergleichbar und deswegen möchte ich das noch ein Weilchen machen.“

Den nächsten Kick kannst du dir schon am Wochenende in London abholen. Du stehst auf dem Hauptprogramm, hast einen guten Lauf im Rücken, mit Leon Edwards einen starken Gegner, den man kennt. Wie ordnest du den Kampf karrieretechnisch ein?

„Es lief gut die letzten Jahre, ich hab die Siege geholt, ich hab gute Jungs weggehauen, und jetzt ist der nächste Ansporn wieder da. An den Titel will ich jetzt noch nicht mal denken, aber in die Top 15 zu kommen, das ist der nächste Meilenstein, und der könnte mit diesem Kampf kommen. Wenn du da drin bist, dann bist du an dem Punkt, an dem dein Ranking auch bei jeder Veranstaltung gezeigt wird, dann kommst du an die wirklich großen Fights, an die Hauptkämpfe, bei denen du dann auch mal auf dem Poster drauf bist oder mal in Vegas bei einer großen Veranstaltung kämpfst. Das ist dann nicht mehr so weit weg. Und am Ende des Tages ist das der Grund, warum ich diesen Sport mache. Ich will es an die Spitze schaffen, und das ist halt ein Fight, der mich dahinbringt. Das ist wie so ein Tor, das ich überschreite. Ich bin heiß und ich freu mich drauf.“

Was hältst du von Edwards als Gegner? Starker Thaiboxer, dynamischer Kampfstil, hält in der UFC einen Acht-Sekunden-Knockout.


„Er kämpft schlau, er schafft es, die Stärken vom Gegner zu lesen und sie zu umgehen. Aber ich denke, bei mir wird das schwer sein. Sowohl im Stand werde ich ihm zusetzen können, weil ich Reichweitenvorteile habe und, denke ich, auch härter schlage. Und am Boden sowieso. Es gibt einfach ganz wenige MMA-Kämpfer auf der Welt, die mit mir am Boden mithalten können. Das sage ich nicht nur, weil ich hier jetzt irgendwie cool klingen will, sondern ich trainiere weltweit und trainiere mit den Top-Jungs. Es gibt Grappler, die sind besser als ich, aber das sind Jungs, die nur grapplen, die nur auf BJJ spezialisiert sind. Es passiert mir sehr, sehr selten, dass ein MMA-Fighter mich am Boden unter Druck setzen kann. Man weiß es natürlich erst, wenn man gegeneinander kämpft, aber von der Videoanalyse her kann ich mir nicht vorstellen, dass er mir im Bodenkampf gefährlich werden kann. Von daher sehe ich die Stärken natürlich bei mir und bin sehr, sehr siegessicher, dass ich ihn in jeder Distanz schlagen kann.“

Gehst du mit einer Strategie rein oder schaust du einfach, wie es läuft und passt dich dann an?

„Ich habe keine wirkliche Strategie, dass ich ihn jetzt direkt runternehme oder so. Ich werde immer in den Bodenkampf gehen, wenn ich die Chance hab, weil ich am Boden so stark bin. Aber ich werde auf jeden Fall auch im Stand mein Glück probieren. Und wenn ich merke, ich komme gut rein, dann werde ich meine Energie auch nicht in Takedowns stecken, sondern probieren, den Kampf auf den Beinen zu beenden. Ich denke, er hat ein gutes Timing, er ist eher ein Konterkämpfer, er geht also weniger nach vorne, sondern lässt mehr den Gegner kommen, und er kämpft schon sauber. Weniger ein Brawler und mehr ein technischer MMA-Kämpfer, der seine Stärken eher im Standkampf hat. Aber ich denke, dass ich ihn in der ersten oder zweiten Runde ausknocken werde.“

Dann wünschen wir dir viel Erfolg am Samstag und danken für deine Zeit.

"Gerne, ich danke euch."