UFC News

Swanson, Stephens, Gastelum, Lamas u.v.m. steigen ins Octagon

Der zweite von insgesamt drei Tagen in diesem Jahr mit zwei UFC-Events auf unterschiedlichen Kontinenten steht bevor – neben der 43. UFC Fight Night in Neuseeland findet heute im im texanischen San Antonio auch die 44. Ausgabe der Reihe statt, die einiges an Action verspricht.

Mit Cub Swanson und Jeremy Stephens hat die UFC zwar nicht die größten Stars ihres Kaders in den Hauptkampf gestellt, dafür aber zwei erfahrene Veteranen kurz vor einem Titelkampf, die so gut wie nie in langweilige Kämpfe verwickelt sind und mit Vorliebe ihre Fäuste fliegen lassen. Ähnliches kann man auch über Kelvin Gastelum, Nico Musoke oder Ricardo Lamas sagen, der Unterhaltungsfaktor sollte in der Nacht von Samstag auf Sonntag also definitiv gegeben sein.

Der Event kann in Deutschland über den UFC Fight Pass verfolgt werden, der zum monatlichen Abopreis von 5,99 Euro (bei 12-monatiger Laufzeit, sonst 7,99 Euro) auf ufc.tv erhältlich ist.

Cub Swanson vs. Jeremy Stephens

Einiges hat sich getan, seitdem José Aldo im Oktober 2010 im Octagon als amtierender Federgewichtschampion der WEC einige Stunden vor UFC 123 seinen UFC-Titelgürtel ausgehändigt bekam. Vor vier Jahren schien die Einführung der Gewichtsklasse ein großes Wagnis zu sein und allzu viele bekannte Top-Kämpfer gab es zu dieser Zeit auch noch nicht. Das hat sich seitdem grundlegend geändert.

Bekannte Gesichter aus der WEC, wie Cub Swanson (20-5), haben die große Bühne der UFC perfekt ausgenutzt und sich einen noch größeren Namen gemacht, während einige Leichtgewichte aus der UFC die neue Gewichtsklasse zum Wechsel genutzt haben und jetzt eine Klasse tiefer erfolgreich sind – so wie Jeremy „Lil Heathen“ Stephens (23-9). Mit diesen beiden Repräsentanten zweier populärer Karrierepfade führt die UFC am Samstag also ihre 44. Fight Night an, und wer auch immer das AT&T Center am Samstagabend als Sieger verlassen wird, hätte sich die versprochene Chance auf José Aldos Gürtel redlich verdient – falls die Situation diesen Kampf in einigen Monaten auch noch hergeben sollte.

Swanson verlor bereits in der WEC gegen Aldo – besser gesagt, er wurde vom Brasilianer, der damals noch keinen Gürtel sein Eigen nennen konnte, regelrecht zerstört, als er nach nur acht Sekunden der ersten Runde von einem doppelten eingesprungenen Kniestoß auf die Bretter geschickt wurde. Nachdem Swanson Ende 2011 auch sein UFC-Debüt gegen Ricardo Lamas in den Sand setzte, scheint er allerdings seitdem unaufhaltsam zu sein. Mit vorzeitigen Siegen gegen sehr solide Kämpfer in George Roop, Ross Pearson, Charles Oliveira und zuletzt dem Deutschen Dennis Siver hat der unorthodoxe Standkämpfer aus Greg Jacksons Team sich einen Namen gemacht – lediglich Dustin Poirier schaffte es über die Distanz, musste sich nach 15 Minuten jedoch nach Punkten geschlagen geben.

Jeremy Stephens ist seit 2007 Teil der UFC und hatte in der Zwischenzeit einige Highlight-Momente zu verbuchen, jedoch auch ebenso viele Tiefpunkte. So konnte er im Leichtgewicht u.a. Namen wie Rafael dos Anjos, Cole Miller oder Sam Stout schlagen, verlor jedoch auch u.a. gegen Joe Lauzon, Gleison Tibau und Joe Lauzon sowie zwischen 2011 und 2012 nacheinander gegen Anthony Pettis, Donald Cerrone und Yves Edwards, was seinen Wechsel ins Federgewicht veranlasste.

Dort hat sich „Lil Heathen“ seitdem exzellent geschlagen: ein überaus dominanter Punktsieg gegen Estevan Payan, ein schockierender Headkick-Knockout gegen Rony „Jason“ sowie zuletzt ein überraschend einseitiger Punktsieg gegen den Ringer Darren Elkins haben Stephens eine Karriere-Renaissance eingebracht, die ihm mit einem vierten Sieg in Folge am Samstag gegen Swanson zu einem UFC-Titelkampf führen könnte. Schafft Stephens nach sieben Jahren im Octagon diese Überraschung? Am Wochenende werden wir es erfahren.

Kelvin Gastelum vs. Nico Musoke

Im Co-Hauptkampf im AT&T Center wird es im Weltergewicht zwischen Kelvin Gastelum (8-0) und Nico Musoke (12-2) zur Sache gehen. Gastelum ging im vergangenen Jahr als großer Underdog in die 17. „The Ultimate Fighter“-Staffel, die als am stärksten besetzte Auflage der Reality-Show seit langem galt und aus der heute so einige Cast-Mitglieder solide Erfolge in der UFC feiern können. Aus diesem Teilnehmerfeld kristallisierte sich jedoch ausgerechnet Gastelum als bester Kämpfer heraus, indem er im Haus Kito Andrews, Bubba McDaniel, Collin Hart und Josh Samman sowie schließlich im Finale Uriah Hall bezwang. Diesem Überraschungserfolg ließ der erst 22-Jährige weitere Siege gegen Brian Melancon und Rick Story folgen – Gastelum ragt in keiner Disziplin heraus, findet aber dank einem großen Kämpferherz und sehr brauchbarer Kondition auch gegen scheinbar übermächtige Gegner immer einen Weg zum Sieg. Dieses Rezept soll am Samstag auch gegen Nico Musoke helfen, der seinerseits seinen dritten UFC-Sieg sichern will.

Der Schwede unterschrieb seinen UFC-Vertrag erst im vergangenen Herbst, als Alessio Sakara kurzfristig einen neuen Gegner für UFC Manchester brauchte. Musoke sprang ein und zwang den erfahrenen Veteranen in der ersten Runde per Armbar zur Aufgabe, womit er sich den Bonus für die „Submission of the Night“ sicherte. Im Februar bezwang Musoke den Brasilianer Viscardi Andrade in dessen Heimatland nach Punkten und steht jetzt vor einer großen Chance, im Co-Hauptkampf des Abends ein hoch gehandeltes Talent schlagen zu können.

Cezar Ferreira vs. Andrew Craig

Im Mittelgewicht könnte es Feuerwerke geben, wenn Cezar „Mutante“ Ferreira (7-3) seine überraschende K.o.-Niederlage gegen C.B. Dollaway wiedergutmachen und im Gegenzug Andrew „Highlight“ Craig (9-2) spektakulär auf die Bretter schicken will.

Der Schützling von Vitor Belfort überzeugte in der ersten „TUF: Brazil“-Staffel und schlug seitdem Sergio Moraes, Thiago Santos und Daniel Sarafian. Gegen Dollaway startete der heißblütige „Mutante“ jedoch etwas zu schnell und lief nach einer knappen halben Minute genau in einen Konter des Amerikaners, der ihn umstandslos zu Boden gehen ließ. Für diesen Fehler bezahlen soll nun Andrew Craig, der seinerseits drei Kämpfe in der UFC gewonnen hat, zuletzt jedoch von Luke Barnatt niedergeschlagen und zur Aufgabe gezwungen wurde.

Leicht wird es Craig seinem favorisierten Gegner nicht machen, falls dieser ihn nicht sehr früh im Kampf kalt erwischen kann – Craig hat bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass immer mit ihm zu rechnen ist, beispielsweise mit seinem Headkick-Knockout gegen Rafael Natal, der ihn zuvor eineinhalb Runden lang ausgepunktet hatte.

Ricardo Lamas vs. Hacran Dias

Zu einem hochkarätigen Kampf im Federgewicht wird es am Samstag zwischen Ricardo „The Bully“ Lamas (13-3) und Hacran „Barnabe“ Dias (13-3) kommen. Lamas war zuletzt im Februar im Käfig zu sehen, als er sich Champion José Aldo nach fünf Runden nach Punkten geschlagen geben musste.

Diese Niederlage beendete eine beeindruckende Erfolgsserie für Lamas, der bereits in der WEC u.a. gegen Bart Palaszewski und James Krause überzeugen konnte, bevor er sich in der UFC mit überzeugenden Siegen gegen Matt Grice, Cub Swanson, Hatsu Hioki und Erik Koch soweit etablierte, dass er seine Titelchance bekam. Nach den fünf harten Runden gegen Aldo wird Lamas am Samstag in Texas ein weiterer Brasilianer gegenüberstehen, der sich seinerseits seine Chance gegen den Champion verdienen will.

Dias wurde innerhalb von sechs Jahren in 22 Profi-Kämpfen nur ein Mal geschlagen, bevor er 2012 im Octagon debütierte und bei UFC 147 mit Yuri Alcantara einen Hochkaräter einstimmig nach Punkten schlagen konnte. In seinem zweiten Kampf musste Dias sich gegen Nik Lentz einem anderen sehr guten Kämpfer geschlagen geben und stand seit dieser Punktniederlage im Mai 2013 nicht mehr im Käfig.

Clint Hester vs. Antonio Braga Neto

Im Mittelgewicht will TUF 17-Castmitglied Clint Hester (10-3) drei Siege nach seiner Zeit im Haus den Durchbruch in der UFC schaffen. Hester schlug im April 2013 zunächst Bristol Marunde mit einem Ellbogen aus dem Stand K.o., bezwang dann Dylan Andrews durch T.K.o., als dieser sich die Schulter auskugelte und gewann zuletzt eine Punktentscheidung gegen Andy Enz.

Nun soll der vierte UFC-Sieg in Folge her – Antonio Braga Neto (9-1) dagegen will nach einer über einjährigen Pause seinen zweiten Erfolg im Octagon einfahren. Der 26-jährige Brasilianer aus dem Team Nogueira zwang Anfang Juni 2013 Anthony Smith mit einem Kniehebel zur Aufgabe, war seitdem aber nicht mehr im Käfig zu sehen.

Joe Ellenberger vs. James Moontasri

Joe “Excalibur” Ellenberger (14-1) hat als Kämpfer noch nie einen Fuß in das Octagon gesetzt, und schon hat ihn die UFC wohl mehr Nerven gekostet als die meisten aktiven Kämpfer des Kaders: seit er im Januar seinen Vertrag unterschrieben hat, haben nicht einer und nicht zwei, sondern ganze fünf geplante Gegner ihren Kampf gegen ihn abgesagt. Die Veranstaltung in San Antonio ist ebenfalls nicht die erste, für die Ellenbergers UFC-Debüt angesetzt wurde, doch nun, wenige Tage zuvor, scheint der langgehegte Traum, seinem Bruder Jake ins Octagon zu folgen, endlich Realität zu werden.

Dabei schien dies noch vor wenigen Jahren in unerreichbarer Ferne zu schweben: 2009 wurde Ellenberger mit einer seltenen Blutkrankheit diagnostiziert, die in den meisten Fällen vor dem 30. Geburtstag der Patienten tödlich endet. Ellenberger weigerte sich jedoch, sich seinem Schicksal zu fügen, begann eine aufwendige Therapie und arbeitete sich langsam aber stetig zurück in Form. Seit seiner Rückkehr in den Käfig im Jahr 2011 konnte „Excalibur“ vier Kämpfe gewinnen und hofft nun, es seinem erfolgreichen Bruder auf der großen Bühne gleichzutun.

Ihm gegenüber wird bei dieser Mission James „Moonwalker“ Moontastri (7-1) stehen. Der Kalifornier aus dem Black House Gym konnte alle bis auf einen seiner bisherigen Profi-Kämpfe gewinnen und hat in seinen bisher sieben Erfolgen mit Siegen durch Aufgabe sowie durch (T.)K.o. gezeigt, dass er überall gefährlich ist. Erst Anfang dieses Monats schlug er Jordan Rinaldi in der zweiten Runde K.o. und will sich nun den bekannten Nachnamen seines Gegners zunutze machen, um selbst einen gelungenen Einstieg in die UFC zu finden.

Vorprogramm:
Im Leichtgewicht bekommt der aktive US-Soldat und professionelle MMA-Kämpfer Colton Smith (3-3) seine vermutlich letzte Chance in der UFC – der BJJ-Braungurt schlug während der 16. TUF-Staffel vier Gegner nacheinander nach Punkten und im Finale Mike Ricci, ebenfalls über die Distanz. Seitdem wurde er jedoch von Robert Whittaker ausgeknockt und von Michael Chiesa zur Aufgabe gezwungen. Gegen Carlos Diego Ferreira (9-0) muss daher ein Sieg her. Der in Texas lebende 29-Jährige hat selbstverständlich andere Pläne und will seine bisher perfekte Bilanz auch in der UFC erfolgreich weiterführen.

Zuvor wird Johnny „Bed Head“ Bedford (19-10-1(1)) im Bantamgewicht auf Cody „The Renegade“ Gibson (11-4) treffen. Bedford war zuletzt im April im Octagon zu sehen, wo es zunächst so schien, als hätte er Rani Yahya in der ersten Runde ausgeknockt, was tatsächlich jedoch durch einen versehentlichen Kopfstoß verursacht wurde. Bedford forderte lautstark einen Rückkampf gegen Yahya, das er auch bekam, bevor der Brasilianer verletzt absagen musste. Nun wird in seinem fünften UFC-Kampf also gegen Cody Gibson versuchen, seinen dritten Sieg im Octagon einzufahren. Gibson wurde Anfang des Jahres mit sechs aufeinanderfolgenden Siegen im Rücken von der UFC verpflichtet, gab sein Debüt allerdings bei UFC 170 nach Punkten an Aljamain Sterling ab.

Im Mittelgewicht bekommt es Marcelo „Magro“ Guimaraes (8-1-1) mit Andy Enz (7-1) zu tun. Guimaraes wurde 2012 als vielversprechendes Talent in die UFC aufgenommen, wo er seitdem allerdings nicht wirklich überzeugen konnte. Einem Punktsieg gegen Dan Stittgen folgte im März 2013 eine harte K.o.-Niederlage gegen Hyun Gyu Lim und seitdem war der Brasilianer nicht mehr im Käfig zu sehen. Im Kampf um seinen Verbleib in der UFC wird ihm mit Andy Enz ein Kämpfer mit dem gleichen Ziel gegenüberstehen. Enz hatte die wenig beneidenswerte Ehre, in der Eliminationsrunde von TUF 17 Uriah Hall gegenüberzustehen, der ihm gleich im ersten Durchgang mit einem Kick den Arm brach. Enz biss die Zähne zusammen und verlor letztendlich nach Punkten. Die couragierte Vorstellung brachte ihm vor einigen Monaten dann seine zweite Chance in der UFC ein. Bei UFC 169 gab er jedoch eine Punktentscheidung an Clint Hester ab, weshalb am Samstag in Texas um jeden Preis ein Sieg her muss.

Im Xgewicht bekommt Ray Borg (6-1) seine zweite Chance im Octagon – der erst 20-Jährige debütierte im April bei UFC on Fox 11 auf der großen Bühne und lieferte gegen Dustin Ortiz einen äußerst guten Kampf ab, den er nach drei Runden sehr knapp nach Punkten verlor. In San Antonio wird der talentierte Jungspund diese Enttäuschung nun an Shane Howell (13-7) vergelten wollen, der als kurzfristiger Ersatz für X seinerseits sein Debüt in der UFC geben wird. Der 30-Jährige startete seiner Karriere mit recht wenig Erfolg – nach sechs Niederlagen in seinen ersten zehn Kämpfen legte Howell jedoch scheinbar einen Schalter um und gewann neun seiner nächsten zehn Duelle, acht davon vorzeitig durch T.K.o. oder Aufgabe.

Der erste Kampf des Abends wird im Schwergewicht ausgetragen. Greg Jackson-Schützling Anthony „Freight Train“ Hamilton (12-2) trägt seinen Spitznamen, der übersetzt „Güterzug“ bedeutet, zu Recht. Der 1,95 Meter große 120-Kilo-Mann hat von seinen letzten sieben Siegen sechs vorzeitig geholt und will diese Serie nun auch gegen den Russen Alexey „The Boa Constrictor“ Oliynyk (48-9-1) fortfahren. Keine einfache Aufgabe gegen den 37-jährigen Veteranen, der seit 1997 eine Menge Erfahrung in Organisationen wie KSW und M-1 gesammelt hat und seit Anfang 2012 in neun Kämpfen ungeschlagen ist – zuletzt zwang Oliynyk im November die Pride- und UFC-Legende Mirko CroCop in der ersten Runde zur Aufgabe.

Anbei das gesamte Programm:

UFC Fight Night 44: Swanson vs. Stephens
Samstag, 28. Juni 2014
AT&T Center in San Antonio, Texas, USA

Hauptprogramm (UFC Fight Pass)
Cub Swanson vs. Jeremy Stephens
Kelvin Gastelum vs. Nico Musoke
Cezar Ferreira vs. Andrew Craig
Ricardo Lamas vs. Hacran Dias
Clint Hester vs. Antonio Braga Neto
Joe Ellenberger vs. James Moontasri

Vorprogramm (UFC Fight Pass)
Colton Smith vs. Carlos Diego Ferreira
Johnny Bedford vs. Cody Gibson
Marcelo Guimaraes vs. Andy Enz
Ray Borg vs. Shane Howell

Oleksiy Oliynyk vs. Anthony Hamilton