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Startzeiten, Kämpfe, Kanäle: So könnt ihr UFC Liverpool am Sonntag mitverfolgen

Wollen (zurück) zum Titelkampf: Stephen Thompson (l.) und Darren Till am Freitag nach der Waage (Foto: Florian Sädler).

Manchmal passt einfach alles, dann ist schon vorher klar, dass sich da Momente für die Ewigkeit anbahnen. Das ist bei UFC Liverpool der Fall, dem ersten Besuch des Octagons in der englischen Hafenstadt. Zwar ist das Programm in der Breite nicht besonders berauschend, dafür wird die Halle unter Garantie explodieren, wenn Lokalmatador Darren Till für den größten Kampf seiner Karriere gegen Top-Weltergewicht Stephen Thompson zum Käfig läuft. Es ist ein riskanter Kampf für den jungen Briten. Ist er aber erfolgreich, dann ist der Lohn des Risikos der sofortige Star-Status.

Das Hauptprogramm von UFC Liverpool wird in Deutschland als Teil des Black Pass (3,99 Euro monatlich) von ran Fighting sowie vom UFC Fight Pass übertragen, der ab 5,99 Euro monatlich auf ufc.tv erhältlich ist. Das Vorprogramm zeigt ausschließlich der Fight Pass.

Anbei die Startzeiten:
Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass): Sonntag, 27. Mai, 16:30 Uhr
Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass): Sonntag, 27. Mai, 17 Uhr
Hauptprogramm (UFC Fight Pass/ran Fighting): Sonntag, 27. Mai, 19 Uhr

Hauptkampf: Stephen Thompson vs. Darren Till

Stephen „Wonderboy“ Thompson (14-2-1) musste erst einmal Google anschmeißen, als die UFC ihm diesen Kampf gegen Darren „The Gorilla“ Till (16-0-1) anbot. Das ist nicht unbedingt verwerflich, immerhin schoss der Liverpooler vergangenes Jahr im Rekordtempo aus der Versenkung an die Spitze: Nach zwei soliden Auftritten in der UFC setzte Till knapp zwei Jahre verletzt aus, bevor er 2017 innerhalb eines halben Jahres Jessin Ayari, Bojan Velickovic und Donald Cerrone besiegte.

Nun ist er an der Spitze angekommen und trifft auf jemanden, der sich seit Längerem dort aufhält. Thompson kämpfte 2016 und 2017 gegen Tyron Woodley um den Weltergewichtstitel, scheiterte aber beide Male knapp. Mit Siegen gegen Namen wie Jorge Masvidal, Johny Hendricks, Rory MacDonald oder Robert Whittaker auf der Bilanz bleibt der Karateka trotzdem einer der besten Kämpfer der 77-Kilo-Klasse. Und einer mit einem technisch so hochklassigen Kampfstil, dass er Gegner vor oft völlig unbekannte Herausforderungen stellt.

Interessant macht diesen Kampf, dass Tills Potential schwer einzuschätzen ist. Der 25-Jährige hat immer wieder brillante Momente, sieht sich selbst als besten Kämpfer der Welt, ist aber auch beizeiten ungestüm. Im Gegensatz dazu ist der zehn Jahre ältere Thompson, ein lebenslanger Kampfkünstler, spezialisiert darauf, aggressiven Gegnern mit präzisen Kontern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Prescht Till zu ungestüm nach vorne, stehen die Chancen gut, dafür eine saftige Strafe zu kassieren. Ist er nicht aggressiv genug, stehen die Chancen schlecht, harte Treffer zu setzen oder das Punkte-Konto wachsen zu lassen. Die richtige Mitte zu finden, ohne sich von der Atmosphäre in seiner Heimatstadt zu Dummheiten verleiten zu lassen, ist die riesige Herausforderung, vor der der junge Scouser steht. Nicht einfacher wird diese Herausforderung durch den verkorksten Gewichts-Cut, den Till mit mehreren Kilogramm zu viel auf den Rippen abgeschlossen hat.

Daher steht ihm das Weltergewicht selbst im Erfolgsfall nicht so offen, wie es könnte. Till ist ein bestens vermarktbarer Kämpfer, und das hat die UFC bis hierher bereits ausgiebig genutzt. Schlägt er die Nummer eins der Rangliste hinter dem Champion, steht Till eigentlich nur noch der Sieger des ohnehin fragwürdigen Interims-Kampfes zwischen Rafael dos Anjos und Colby Covington im Weg - und sein Versagen auf der Waage.

Da Covington und dos Anjos kommenden Monat kämpfen, Weltmeister Tyron Woodley aber im Sommer schon wieder fit sein will, wäre es nicht völlig abwegig, wenn Till seine Chance vor dem Interims-Meister bekommt. Zumindest, falls er als gesunder Sieger aus diesem Wochenende hervorgeht, die UFC irgendwie von seiner Fähigkeit, das Gewicht zu erreichen, überzeugen kann und dos Anjos oder Covington erst Blessuren ausheilen müssen.

Das aber ist in jedem Fall Zukunftsmusik und nicht kontrollierbar für Till. Für ihn steht vor heimischer Kulisse eine Herausforderung bereit, die groß genug ist.        

Co-Hauptkampf: Neil Magny vs. Craig White

Gegen Ende war Neil Magny (20-6) so verzweifelt, dass er öffentlich versprach, 15.000 Dollar seiner Kampfgage für den guten Zweck zu spenden, wenn die UFC ihm noch einen Gegner für Liverpool organisiert. Das ist gelungen, wenige Wochen nach der verletzungsbedingten Absage Gunnar Nelsons hat die Liga den Debütanten Craig „The Thundercat“ White (14-7) an Land gezogen, für den Weihnachten in diesem Jahr im Mai kommt.

Denn Magny ist ein Top-Ten-Kämpfer in einer der am dichtesten besiedelten Gewichtsklassen der UFC, der Siege gegen Namen wie Kelvin Gastelum, Carlos Condit oder Johny Hendricks auf dem Konto hat. Bezwingt Debütant White jemanden wie ihn, könnte er den Mai wohl als Nicht-UFC-Kämpfer begonnen haben und als Top-Ten-Kämpfer im Weltergewicht beenden.

Keine schlechten Aussichten für den Cage-Warriors-Veteranen, der zwar in seiner bisherigen Karrriere gegen jeden späteren UFC-Kämpfer, den er vor den Fäusten hatte, verloren hat – Jake Hecht, Oskar Piechota und Leon Ewards –, aber dafür jeden seiner 14 Siege vorzeitig geholt hat. Fünf durch Knockout, neun durch Aufgabe.

Das macht den Kampf nur umso gefährlicher für den Veteranen Magny, der mit langer Reichweite und solider Technik punktet, aber wenig Power mit in den Käfig bringt und dort am schlechtesten gegen diejenigen Kämpfer ausgesehen hat, die viel Druck machen. Seine einzigen beiden Niederlagen in den letzten Jahren erfolgten gegen Lorenz Larkin und Rafael dos Anjos, die Magny geradezu überrannten und in Runde eins besiegten.

Unabhängig davon, wie der Kampf ausgeht, kann Neil Magny in Liverpool aber gleich einer zweiten Person vorgezogene Weihnachten bescheren. Sieg oder Niederlage – die Spendenkampagne für die kleine Presley Mae, die an einer spinalen Muskelatrophie erkrankt ist, wird ihr Ziel von 20.000 Dollar nach diesem Wochenende locker übertreffen und eine kostspielige Behandlung möglich machen. So oder so wird Magny also als Sieger zurück über den Atlantik fliegen.  

Die restlichen Kämpfe von UFC Liverpool

Stark besetzt ist UFC Liverpool nicht, dafür war von Anfang an zu klar, dass die Halle mit Lokalmatador Till an der Spitze ohnehin sofort ausverkauft sein würde. Zwei Minuten brauchten die Scouser, um die etwa 11.000 Plätze vollzumachen – Action dürfte sie am Wochenende trotzdem erwarten, auch ohne große Namen.

So kommt es auf dem Hauptprogramm zum Duell zweier junger Federgewichtstalente. Arnold „Almighty“ Allen (12-1) sah bisher meist sehr gut aus, wenn er im Octagon stand, war dort aber viel zu selten zu sehen. Seit seinem Debüt-Sieg, mit sechs Tagen Vorbereitung gegen Alan Omer bei UFC Berlin 2015, stand der 24-jährige Brite nur dreimal im Käfig, zuletzt besiegte er 2017 Makwan Amirkhani. Frustriert von Verletzungen und Visums-Problemen will „Almighty“ seinen Ärger nun an Mads Burnell (9-2) auslassen.

Der dänische Grappling-Experte kam ebenfalls als kurzfristiger Ersatz in die UFC – vergangenen September erwischte er mit Michel Prazeres einen harten Brocken und verlor nach Punkten. Auf Kurs brachte er das Schiff dann im Januar gegen Mike Santiago, den er seinerseits deutlich nach Punkten bezwang. Gewinnt er nun auch gegen den favorisierten und etablierten Allen, dürfte er sich in der Hackordnung der Gewichtsklasse ein gutes Stück nach oben katapultieren.

Auch erwähnter Makwan „Mr. Finland“ Amirkhani (13-3) ist am Sonntag mit von der Partie. Auch er hat seit dem Kampf gegen Allen nicht mehr im Octagon gestanden und kehrt nun gegen Jason „The Kid“ Knight (20-4) zurück. Amirkhani hat bisher drei Siege in der UFC geholt, darunter ein Acht-Sekunden-Knockout in seinem UFC-Debüt gegen Andy Ogle.

Knight dagegen verlor als kurzfristiger Ersatz 2015 sein Debüt gegen Tatsuya Kawajiri, startete anschließend jedoch eine beeindruckende Siegesserie. Die umfasste zwar nur vier Kämpfe, mit Jim Alers, Chas Skelly, Alex Caceres und Dan Hooker bezwang „The Kid“ dabei jedoch solide Kontrahenten. Im Sommer jedoch wurde Knight von Ricardo Lamas ausgeknockt, worauf im Dezember eine Punktniederlage gegen Gabriel Benitez folgte, sodass gegen Amirkhani dringend ein Sieg hermuss.

Ein stilistisch interessantes Duell bahnt sich im Weltergewicht zwischen Cláudio „Hannibal“ Silva (11-1) und Nordine Taleb (14-4) an. Während der in England beheimatete Brasilianer Silva ein sehr patenter Grappler ist, hat der in Thailand und Kanada trainierende Franzose Taleb ein Händchen für Knockouts. In der UFC mussten das bisher Erick Silva und Danny Roberts erfahren.

Silva indes wird am Sonntag wohl zusätzlich gegen Ringrost ankämpfen müssen – der 35-Jährige hat seit einem knappen Punktsieg gegen Leon Edwards im November 2014 nicht mehr gekämpft. Verletzungen haben ihn dreieinhalb Jahre aus dem Käfig ferngehalten, jetzt kehrt er gegen Taleb zurück, gegen den er eigentlich bereits im April 2015 bei UFC 186 hätte antreten sollen.
 

Anbei das gesamte Programm im Überblick:

UFC Fight Night 130: Thompson vs. Till
Sonntag, 27. Mai 2018
Echo Arena in Liverpool, England


Hauptprogramm (ran Fighting)
Stephen Thompson vs. Darren Till
Neil Magny vs. Craig White
Arnold Allen vs. Mads Burnell
Jason Knight vs. Makwan Amirkhani
Cláudio Silva vs. Nordine Taleb
Eric Spicely vs. Darren Stewart

Vorprogramm Teil 2 (UFC Fight Pass)
Dan Kelly vs. Tom Breese
Gina Mazany vs. Lina Länsberg
Brad Scott vs. Carlo Pedersoli Jr.
Gillian Robertson vs. Molly McCann

Vorprogramm Teil 1 (UFC Fight Pass)
Elias Theodorou vs. Trevor Smith